Die Gastronomie in Deutschland befindet sich laut einer aktuellen Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung in einer anhaltenden Krise. Steigende Unternehmensschließungen, deutlich mehr Insolvenzen und unterdurchschnittliche Eigenkapitalquoten belasten vor allem kleinere, inhabergeführte Betriebe. Pandemie, Energiekrise und Inflation haben zahlreiche Restaurants, Gaststätten und Lokale zum Aufgeben gezwungen.
Dauerkrise in der Gastronomie
Creditreform spricht von einer „Dauerkrise in der Gastronomie“. In den Jahren 2024 und 2025 gaben bundesweit rund 24.500 Gastronomiebetriebe auf. Sowohl die Zahl der Unternehmensschließungen als auch die Insolvenzzahlen steigen weiter an. Eine Untersuchung von Creditreform zeigt, dass die Branche deutlich stärker betroffen ist als die Gesamtwirtschaft.
„Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt. Zehntausende Restaurants und Lokale mussten seitdem schließen“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Er verweist zudem auf Veränderungen im Konsumverhalten: „Die Absenkung der Umsatzsteuer soll der Gastronomie Luft verschaffen. Für viele Unternehmen kommt diese Entlastung jedoch vermutlich zu spät. Gleichzeitig verschiebt sich der Konsum immer stärker hin zu Lieferdiensten statt zu klassischen Restaurantbesuchen.“ Ähnliche Entwicklungen beobachtet Hantzsch im stationären Einzelhandel.
Insolvenzen deutlich über Vorkrisenniveau
Der starke Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2024 und 2025 macht die angespannte Lage in der Gastronomie deutlich. 2024 legte die Zahl um 26,5 Prozent zu, 2025 um weitere 29,6 Prozent. Allein 2025 mussten rund 2.900 Betriebe Insolvenz anmelden und damit mehr als doppelt so viele wie 2022 mit 1.394 Fällen. Im Zeitraum von 2020 bis 2025 summierte sich die Zahl bundesweit auf 11.252.

Zu den bekanntesten Insolvenzfällen der letzten Jahre zählt die Cocktail- und Restaurantkette Sausalitos mit über 1.000 Beschäftigten. Besonders stark stiegen die Insolvenzmeldungen zuletzt in den Unterbranchen Restaurants, Gaststätten und Imbissstuben mit einem Plus von 30,5 Prozent sowie bei Caterern und Verpflegungsdienstleistern mit einem Plus von 30,7 Prozent. Weniger stark, aber ebenfalls deutlich, fiel der Anstieg in der Sparte Diskotheken und Getränkeausschank mit 23,9 Prozent aus.
Patrik-Ludwig Hantzsch warnt vor den Folgen für die Struktur der Branche: „Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht bald verbessern, wird die Gastronomie weiter ausdünnen. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben.“ Besonders in kleinen Städten und Dörfern werde dieser Wandel sichtbar werden.
Eigenkapitalquoten und Ertragslage unter Druck
Die finanzielle Situation vieler Gastronomiebetriebe ist angespannt. Die Eigenkapitalquoten liegen deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Bei 38,7 Prozent der Unternehmen beträgt die Eigenkapitalquote weniger als zehn Prozent. In den Vorjahren war der Anteil eigenkapitalschwacher Betriebe noch höher: 2022 wies mehr als jedes zweite Unternehmen, konkret 52,1 Prozent, eine Eigenkapitalquote unter zehn Prozent auf.
Auch die Ertragslage ist problematisch. Rund ein Drittel der Betriebe (32,0 Prozent) arbeitet mit einer negativen Gewinnmarge. Weitere 30 Prozent erwirtschaften zwar Gewinne, erzielen jedoch nur geringe Margen von unter fünf Prozent.
Die Liquiditätssituation vieler Unternehmen verschärft die Lage zusätzlich. „Oft übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten die liquiden Mittel. In solchen Fällen besteht ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Daher dürfte die Zahl der Insolvenzen 2026 nochmals steigen“, so Hantzsch.
Methodik
Für die Untersuchung der Krise in der Gastronomie hat die Creditreform Wirtschaftsforschung die Wirtschaftszweige Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés und ähnliche Betriebe analysiert. Grundlage ist die Klassifikation der Wirtschaftszweige der amtlichen Statistik. Berücksichtigt wurden auch Unternehmen, die mehrere Betriebe führen. Die Unternehmensbestände basieren auf der aktuellen Umsatzsteuerstatistik. Daten zu Insolvenzen und Schließungen stammen aus der Creditreform Wirtschaftsdatenbank und dem Mannheimer Unternehmenspanel des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).
Quelle: Creditreform