Dehoga Bayern widerspricht NGG bei Lohn- und Steuerkritik

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern weist die Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an der Lohnentwicklung im Gastgewerbe zurück und betont, dass die reduzierte Mehrwertsteuer auf Speisen bei den Beschäftigten ankomme. Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert verweist auf deutlich gestiegene Kosten, höhere Tariflöhne und die besondere Belastung kleiner, familiengeführter Betriebe im Freistaat.

Dehoga Bayern kritisiert Vorwürfe der NGG

Auslöser der Stellungnahme von Dehoga Bayern sind Äußerungen der NGG, wonach viele Wirte beim Lohn „knausern“ würden und Steuervorteile nicht an Mitarbeitende weitergäben. Der Verband weist dies entschieden zurück. Dr. Thomas Geppert erklärt: „Von einem Tarifpartner erwarten wir Unterstützung bei unserem Kampf für mehr Netto vom Brutto statt ständiger Nestbeschmutzung. Im europäischen Vergleich haben wir in Deutschland mit die höchsten Bruttolöhne bei gleichzeitig den niedrigsten Nettolöhnen.“

Geppert verweist auf die wirtschaftliche Entwicklung seit 2022. Nach seinen Angaben sind in diesem Zeitraum die Arbeitskosten um 34 Prozent, die Energiekosten um 27 Prozent und die Lebensmittelpreise um 26 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund bewertet er die abgesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen als existenziell wichtig für viele Unternehmen: „Die 7 Prozent sind kein Geschenk – sie sind für viele Betriebe der letzte Rettungsring“, so Geppert.

Preisentwicklung, Tarifrunde und Personalkosten

Dehoga Bayern widerspricht der Darstellung der NGG, Gastronomen würden die Vorteile der Mehrwertsteuersenkung nicht an ihre Beschäftigten weitergeben. Nach Angaben des Verbands sind die Preise in der Gastronomie nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent Anfang 2024 lediglich um 6,6 Prozent gestiegen. „Viele Wirte haben die Mehrbelastung aus eigener Tasche bezahlt – trotz Kostenlawine“, betont Dr. Thomas Geppert.

Parallel dazu verweist Dehoga Bayern auf die laufende Tarifrunde. In dieser sollen sich die Löhne in drei Schritten um fast 15 Prozent erhöhen. Geppert ordnet dies mit Blick auf die Kostenstruktur der Branche ein: „In einer Branche, in der Personalkosten oft über 40 Prozent des Umsatzes liegen, ist das ein Kraftakt – und zeigt, dass wir investieren, wenn es Spielraum gibt“, so der Landesgeschäftsführer.

Umfrageergebnisse: Lohnsteigerungen als wichtigste Maßnahme

Nach einer aktuellen Umfrage von Dehoga Bayern stehen Lohnsteigerungen an erster Stelle der Reaktionen auf die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf 7 Prozent. Demnach wollen 62,9 Prozent der befragten Wirte die Bezahlung der Mitarbeiter verbessern, weitere 8,4 Prozent planen dies. Zudem geben 29,2 Prozent an, zusätzliche Mitarbeiter einstellen zu wollen oder entsprechende Pläne zu haben.

Dr. Thomas Geppert stellt diese Ergebnisse in einen strategischen Zusammenhang: „Wir wollen Gäste zurückgewinnen, Arbeitsplätze sichern und das Wirtshaussterben stoppen“, betont er. Besonders stark von den wirtschaftlichen Belastungen betroffen seien kleinere Betriebe. Nach Angaben des Verbands haben 80 Prozent der bayerischen Gastrobetriebe weniger als zehn Beschäftigte. „Das sind Familienunternehmen. Wer sie schwächt, gefährdet regionale Arbeitsplätze und unsere Wirtshauskultur“, warnt Geppert. Er verbindet dies mit einem Appell: „Nur wenn die Betriebe überleben, gibt es auch in Zukunft faire Löhne, Vielfalt und Gastfreundschaft in Bayern.“

Statistische Entwicklung im bayerischen Gastgewerbe

Zur Untermauerung der eigenen Position verweist Dehoga Bayern auf Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik. Demnach ist der nominale Umsatz im bayerischen Gastgewerbe im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen, inflationsbereinigt (real) jedoch um 1,4 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten um 2,5 Prozent gesunken.

Angesichts dieser Entwicklung fordert Dr. Thomas Geppert Unterstützung von der Gewerkschaft: „Hier erwarten wir uns Unterstützung von der Gewerkschaft und keine Diffamierungen“, so der Landesgeschäftsführer von Dehoga Bayern.

Kritik an Berechnungen und Einordnung der Mehrwertsteuersenkung

Dehoga Bayern kritisiert zudem fachliche Aussagen der NGG zur Mehrwertsteuer im Gastgewerbe. „Ganz davon abgesehen scheint es der NGG entgangen zu sein, dass die Mehrwertsteuer nur auf Speisen und nicht auf Getränke reduziert worden ist, so dass ihr Rechenbeispiel entweder unbewusst falsch oder bewusst irreführend ist“, fährt Dr. Thomas Geppert fort. Darüber hinaus bemängelt er, die Gewerkschaft berücksichtige die politische Zielsetzung der Steuersenkung nicht ausreichend.

Geppert verweist dabei auf die Begründung des entsprechenden Gesetzes: Dort heiße es, „Mit der Steuersenkung will die Bundesregierung gezielt die Gastronomiebranche stärken“, denn nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen könnten Arbeitsplätze sichern oder ausbauen. Aus Sicht von Dehoga Bayern unterstreicht dies den Charakter der Maßnahme als Instrument zur Stabilisierung der Branche und zur Sicherung von Beschäftigung im bayerischen Gastgewerbe.

Weitere Informationen unter: https://www.dehoga-bayern.de

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