Eine ProVeg-Studie hat die Nährwertprofile von Fischalternativen international verglichen.
Quelle: ProVeg International

Fischalternativen im Test – Optimierungspotenzial bei Mikronährstoffen

Eine aktuelle Studie von ProVeg International analysierte die Nährstoffprofile von 100 pflanzlichen Fischalternativen aus elf Ländern, darunter 16 Produkte aus Deutschland. Untersucht wurden Alternativen zu Fischstäbchen, Fischburgern und Fischfilets sowie zu Thunfisch und Räucherlachs. Der Schwerpunkt lag auf dem Nutri-Score, dem Gehalt an Protein, Ballaststoffen, Omega-3-Fettsäuren, gesättigten Fetten, Zucker, Salz und der Anreicherung mit Mikronährstoffen wie Vitamin B12, Eisen und Jod.

Das Ergebnis: Pflanzliche Fischalternativen tragen in Deutschland überdurchschnittlich oft einen Nutri-Score, mit dem sie für eine ausgewogene Ernährung geeignet sind. Im Ländervergleich weisen die Produkte allerdings oft weniger Protein auf und sind seltener mit Jod und anderen Mikronährstoffen angereichert.

Studie von ProVeg

Das Team von ProVeg bewertete im Rahmen der Studie „Out of the net, into the future: The coming rise of plant-based fish alternatives and a look at their nutritional profile” 100 pflanzliche Fischalternativen anhand von öffentlich verfügbaren Nährwertangaben auf den Verpackungen. Der Nutri-Score diente als zentrales Orientierungssystem, da er negative Faktoren wie Kalorien, Zucker, gesättigte Fette und Natrium gegen positive Faktoren wie Obst- und Gemüseanteil, Ballaststoffe und Protein verrechnet. Die Analyse berücksichtigt die in der EU zulässigen Schwellenwerte für nährwertbezogene Angaben wie „fettarm“, „zuckerarm“, „Ballaststoffquelle“ und „Proteinquelle“.

Positiver Nutri-Score deutscher Produkte

Rund 70 Prozent der pflanzlichen Fischalternativen aus Deutschland erreichen die Nutri-Score-Stufen A, B oder C. Damit ist ihr Anteil an Produkten, die in Maßen oder regelmäßig für eine ausgewogene Ernährung geeignet sind, etwa doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt. In keinem anderen untersuchten Land ist der Anteil positiver Nutri-Score-Ergebnisse vergleichbar hoch. Gleichzeitig geben deutsche Hersteller überdurchschnittlich häufig den Nutri-Score auf der Verpackung an.

Eine ProVeg-Studie hat die Nährwertprofile von Fischalternativen international verglichen.
Quelle: ProVeg International

Fett- und Zuckerwerte vorbildlich

Der durchschnittliche Gehalt an gesättigten Fettsäuren liegt in Deutschland bei 1,1 g pro 100 g Produkt. Damit erfüllen die untersuchten Erzeugnisse die EU-Kriterien für die Auslobung „fettarm“. Beim Zuckergehalt schneiden die Fischalternativen hierzulande ebenfalls gut ab: Der Mittelwert beträgt 1,6 g pro 100 g und liegt damit deutlich unter dem EU-Schwellenwert für „zuckerarm“. Beide Kennzahlen positionieren Deutschland in den oberen Rängen des internationalen Vergleichs.

Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren

Im Mittel enthalten die Produkte 3,8 g Ballaststoffe pro 100 g. Dieser Wert qualifiziert die Erzeugnisse grundsätzlich als „Ballaststoffquelle“. Allerdings erreicht nur rund ein Drittel der deutschen Fischalternativen die erforderlichen 3 g Ballaststoffe pro 100 g, während in Belgien und dem Vereinigten Königreich mehr als 70 Prozent der Produkte diesen Anspruch erfüllen.

Produkte, die ihren Omega-3-Gehalt deklarieren, kommen im Schnitt auf 0,75 g Omega-3-Fettsäuren pro 100 g. Hauptsächlich handelt es sich um Alpha-Linolensäure (ALA). Die Studie empfiehlt, verstärkt Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) – beispielsweise aus Algenöl – einzusetzen, um das Fettsäureprofil von tierischem Fisch näher abzubilden.

Protein- und Mikronährstoffgehalte

Mit durchschnittlich 8,6 g Protein pro 100 g liegen die deutschen Fischalternativen im unteren Mittelfeld des Ländervergleichs. 65 Prozent der Produkte dürfen laut EU-Definition als „Proteinquellen“ beworben werden. In Tschechien und Spanien erfüllen alle untersuchten Produkte diese Anforderung; höhere Quoten verzeichnen zudem Italien, die Niederlande, Polen, die USA und Portugal.

Weniger als ein Viertel der deutschen Produkte ist mit Vitamin B12 oder Eisen angereichert. Im gesamten Datensatz fand das Studienteam lediglich ein einziges Produkt mit zugesetztem Jod – es stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Italien. ProVeg hebt hervor, dass tierischer Fisch eine wichtige Jodquelle darstellt und Jod in Deutschland unabhängig von der Ernährungsform als kritischer Nährstoff gilt.

Salzgehalt überdurchschnittlich

Der durchschnittliche Salzgehalt pflanzlicher Fischalternativen in Deutschland beträgt 1,5 g pro 100 g. Damit liegen die Produkte über dem internationalen Mittelwert von 1,3 g. Höhere Werte wurden nur in Polen festgestellt. Innerhalb der Produktkategorien variieren die Salzgehalte jedoch stark; einzelne Marken unterschreiten den deutschen Durchschnitt deutlich.

Empfehlungen für Produktentwicklung und Regulierung

Die Studie leitet mehrere Empfehlungen ab:
• Hersteller sollten gezielt Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin B12, Eisen und Jod anreichern, um das Nährstoffprofil von konventionellem Fisch besser nachzubilden.
• Die Proteinqualität lässt sich laut Studie durch den kombinierten Einsatz verschiedener pflanzlicher Eiweißquellen und durch optimierte Herstellungsprozesse steigern.
• Für eine bessere Omega-3-Versorgung empfiehlt ProVeg den verstärkten Einsatz von Algenöl, das sowohl EPA als auch DHA liefert.
• Die Politik sollte klare Standards für optimale Nährstoffprofile und eine verpflichtende Anreicherung mit kritischen Mikronährstoffen definieren, um Produzenten Orientierung für die Produktentwicklung zu geben.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass pflanzliche Fischalternativen in Deutschland bereits ein vorteilhaftes Nährwertprofil in den Bereichen Fett und Zucker aufweisen und beim Nutri-Score sehr gut abschneiden. Gleichzeitig gibt es Optimierungspotenzial bei Protein, Salz und Mikronährstoffen.

Weitere Themen

Mehr zum Thema

Du willst konkrete Infos,
die dein Business voranbringen
nicht "Noch ein Newsletter"?

Unser Newsletter liefert branchenrelevante Trends, praxisnahe Tipps und echte Insights aus Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschafts- und Schulverpflegung – kompakt, fundiert und kostenfrei.

👉 Warum du ihn abonnieren solltest:

  • Trends & Chancen zuerst:
    Du bekommst als einer der Ersten, was die Branche bewegt.
  • Praxis statt Theorie:
    Lösungsorientierte Inhalte, wie du wirklich besser arbeitest.
  • Exklusive Updates & Specials:
    Sondernewsletter, Whitepaper und mehr.