Die Muffathalle wurde beim Maibockanstich des Hofbräu München mit dem Ehrenpreis „Großer Hofbräu-Humpen“ ausgezeichnet. Gewürdigt wird die Muffathalle als „schlagendes, unermüdliches Herz der Münchner Kulturlandschaft“, das in einem ehemaligen Wasserkraftwerk einen interdisziplinären Kulturort mit starkem gastronomischem Profil geschaffen hat.
Von der Turbinenhalle zum interdisziplinären Kraftwerk
Die Muffathalle ist in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert untergebracht, einem früheren Wasserkraftwerk, das 1993 zu neuem Leben erweckt wurde. Dort, „wo früher Turbinen physischen Strom für die Stadt erzeugten“, entstehe heute „eine ganz andere Art von Energie: kreative Spannung“. In dem ehemaligen Industriebau „brennt heute ein ganz anderes Feuer: das Feuer der Kunst, der Musik und des gesellschaftlichen Dialogs“.
Die Muffathalle habe das „Kunststück“ vollbracht, ihren „rauen, industriellen Charme“ zu bewahren und zugleich zum „modernsten Spielplatz für Pop, Rock, Hip-Hop und elektronische Kunst“ zu werden. Mit offenem Dachstuhl und unverputzten Wänden biete sie eine Bühne, „die gleichermaßen Intimität und Größe ausstrahlt“. Das Muffatwerk wird als Kooperation zwischen der Stadt München als Eigentümerin und der privaten Muffathalle Betriebs GmbH geführt, deren Geschäftsführer Christian Waggershauser und Dietmar Lupfer sind. Die gastronomischen Angebote im Muffatwerk werden von der No Junk GmbH betrieben, einem weiteren Unternehmen der beiden.
Architekten eines europäischen Kulturortes
In der Laudatio beschreibt Dr. Jörg Lehmann, Bräu des Staatlichen Hofbräuhauses in München, Christian Waggershauser und Dietmar Lupfer als „künstlerische und strategische Architekten dieses Erfolgs“. Seit den frühen 1990er-Jahren hätten sie bewiesen, „dass ‚Subkultur‘ und ‚Professionalität‘ keine Gegensätze sein müssen“. Unter ihrer Leitung sei das Muffatwerk zu einem Ort geworden, „an dem der Weltstar auf der Bühne steht, während nebenan im Ampere die Avantgarde von morgen probt“. Sie hätten „einen Raum geschaffen, der für Vielfalt, Toleranz und den Mut zum Experiment steht“.
Geschäftsführer Christian Waggershauser ist für die kaufmännische Leitung und die organisatorischen Abläufe verantwortlich. Darüber hinaus ist er in München durch sein Engagement beim TSV 1860 München bekannt. Dietmar Lupfer, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer, zeichnet „primär für das inhaltliche Profil und die künstlerische Ausrichtung verantwortlich“. Sein Fokus liegt darauf, „ein spartenübergreifendes Programm von Popkultur bis hin zu avantgardistischem Tanz und Medienkunst zu etablieren“.
Die beiden gewannen 1992 die öffentliche Ausschreibung der Stadt München als „Boom Records“ mit ihrem Konzept „Muffathalle für alle“ und verwandelten das ehemalige Heizkraftwerk in ein interdisziplinäres Kulturzentrum.
Partnerschaft zwischen Muffathalle und Hofbräu München
Der Beginn der Zusammenarbeit zwischen Muffathalle und Hofbräu München war ein „Krimi“: Während das Kulturreferat die Ausschreibung für das neue Kulturzentrum in der Zellstraße noch geheim hielt, habe ein Fernsehinterview mit Stadtrat Dr. Forchheimer den Gewinner „Boom Records“ verraten. Mit diesem „Insiderwissen“ habe Gastronomieleiter Werner Fuchs Dietmar Lupfer die Nachricht überbringen können, noch bevor sie offiziell wurde. Dieser „taktische Vorsprung“ habe das Fundament für die spätere Partnerschaft gelegt.
Nach dem Umbau folgte im Juli 1993 die Eröffnung der Muffathalle. Der damalige Logistikleiter von Hofbräu München habe erklärt: „‚Fuchs‘, sagte er, ‚wir liefern die 120 Fass zur Eröffnung zwar hin, aber die Hälfte holen wir Montag wieder ab.‘“ Tatsächlich sei es anders gekommen: „Er irrte sich gewaltig. Schon am Samstag mussten wir 60 Fass nachlegen.“ Die Bild-Zeitung titelte damals: „Wirtshaus finanziert Kulturbetrieb“. In den ersten 100 Tagen nach der Eröffnung zählte die Muffathalle demnach über 30.000 Besucher.
Gastronomie im Muffatwerk: Nachhaltigkeit und Genuss
Im Zentrum der Gastronomie steht Peter Schmeier, der das Muffatwerk „zu einem Ort der Begegnung und des Genusses“ gemacht hat. Als Geschäftsführer der Gastronomie hat er gezeigt, „dass ein Biergarten mehr sein kann als nur Ausschank“. Er habe „das Konzept der Nachhaltigkeit tief in der DNA des Hauses verwurzelt“. Mit seinem bio-zertifizierten Betrieb habe er bewiesen, „dass ökologisches Bewusstsein und Münchner Lebensfreude direkt an der Isar Hand in Hand gehen können“. Er sorgt dafür, „dass die Besucher nicht nur geistig inspiriert, sondern auch mit gutem Gewissen bewirtet nach Hause gehen“.
Der ökologisch ausgerichtete Biergarten am Muffatwerk mit rund 400 Plätzen direkt an der Isar ist für ein „No Junk“-Konzept mit hochwertigen, teilweise biologischen Produkten wie Bio-Eis für Kinder bekannt. Hinzu kommen das Muffatcafé als Treffpunkt im Kulturzentrum sowie die Veranstaltungsgastronomie, die Konzerte und Events in der Muffathalle und im Ampere bewirtet.
Gründe für die Auszeichnung der Muffathalle
Die Laudatio fasst drei Hauptgründe zusammen, warum die Muffathalle den Ehrenpreis erhält. Erstens wird hervorgehoben, dass dieser Ort „keine Grenzen kennt“: „In der Muffathalle ist kein Genre zu nischig und kein Star zu groß. Hier haben Legenden geschwitzt, bevor sie Stadien füllten, und hier finden lokale Newcomer den Resonanzraum, den sie brauchen.“ Zweitens zeige das Muffatwerk „Haltung“: Als „Green Club“ beweise es, „dass exzessive Clubkultur und ökologische Verantwortung keine Gegensätze sein müssen“. Münchens „erster biozertifizierter Biergarten“ wird als Sommer-Highlight beschrieben, das neben ökologischen Speisen auch Bier von Hofbräu München anbietet. Drittens sei die Muffathalle ein „Ankerpunkt“ zwischen Haidhausen und Isar, an dem „Generationen von Münchnern ihren ersten ‚echten‘ Konzertmoment erlebt haben“.
In der Laudatio erklärt Dr. Jörg Lehmann „Die Muffathalle ist mehr als eine Spielstätte. Sie ist ein Versprechen: Das Versprechen, dass München laut sein darf, dass München bunt ist und dass hier der Puls der Zeit niemals stillsteht.“ An das Team des Muffatwerks gerichtet, wird formuliert: „Ihr habt aus einem alten Heizkraftwerk ein Leuchtfeuer gemacht. Wir danken Euch für drei Jahrzehnte Leidenschaft, für schlaflose Nächte voller Musik und für diesen unverwechselbaren Geist der Offenheit!“ Abschließend wird der Institution gratuliert, „die seit über drei Jahrzehnten beweist, dass aus alten Mauern die frischesten Ideen entspringen“, verbunden mit dem Dank für die „langjährige, treue Partnerschaft mit Hofbräu München“.