Quelle: DZG

Nach REVO-Insolvenz: DZG fordert politische Stabilisierung der Gastwelt in Deutschland

Nach der Insolvenz der Revo-Hotelgruppe fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG), die wirtschaftliche Stabilisierung der Gastwelt – also von Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeit – im Jahr 2026 zur politischen Priorität zu machen. Die Organisation verweist auf mehr als 140 betroffene Gesellschaften und über 10.000 bedrohte Arbeitsplätze (direkt und indirekt) und bezeichnet die Entwicklung in der Gastwelt als schmerzhaften Weckruf für Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik.

Brandbrief der DZG an Spitzenpolitik zur Stabilisierung der Gastwelt

Vor dem Hintergrund der Revo-Insolvenz hat die DZG ein Schreiben an Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern gerichtet. Darin fordert die Denkfabrik, die wirtschaftliche Stabilisierung der Gastwelt in den Mittelpunkt der politischen Agenda zu stellen. Die Gastwelt sei ein personal- und kostenintensiver Sektor, dessen wirtschaftliche Puffer vielfach aufgebraucht seien.

„Der Fall REVO steht exemplarisch für die strukturelle Überlastung eines personal- und kostenintensiven Sektors, dessen wirtschaftliche Puffer vielfach aufgebraucht sind“, erklärt Dirk Iserlohe, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Denkfabrik. „In einer solchen Situation wirken zusätzliche Kosten und neue Abgaben schnell existenzbedrohend. Ein Belastungsmoratorium ist deshalb kein politischer Stillstand, sondern ein notwendiges Instrument zur Stabilisierung und Resilienzstärkung.“

Homeira Amiri, DZG-Aufsichtsratsvorsitzende, betont die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Gastwelt: „Die Gastwelt ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie ist sozialer Raum, Arbeitgeber und Standortanker. Wer gesellschaftliche und regionale Stabilität sichern will, muss der Gastwelt jetzt Verlässlichkeit geben.“

Konkrete Entlastungsvorschläge für Unternehmen der Gastwelt

In dem Brandbrief unterbreitet die DZG konkrete Vorschläge zur Entlastung der Unternehmen der Gastwelt. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Kostenreduzierung und Liquiditätssicherung. Vorgeschlagen wird unter anderem, die bereits beschlossene Senkung der Körperschaftsteuer auf die Jahre 2026/2027 vorzuziehen, die Sozialversicherungsbeitragssätze zu deckeln und den CO₂-Preis bis 2030 einzufrieren.

Darüber hinaus spricht sich die Denkfabrik für ein breit angelegtes Belastungsmoratorium aus, das einen Stopp zusätzlicher kommunaler Abgaben wie City- oder Verpackungssteuern ebenso umfasst wie eine Deckelung der Sozialabgaben und das Einfrieren weiterer Kostensteigerungen, etwa bei Stromkosten. Ergänzend adressiert der Brandbrief Maßnahmen zur Umsatzsteuergestaltung, zur Unterstützung von Mitarbeitern sowie zur Mitarbeitergewinnung in der Gastwelt.

„Stabilisierung bedeutet nicht Reformverzicht“, betont Dirk Iserlohe. „Sie schafft den notwendigen zeitlichen Spielraum, um Beschäftigung zu sichern, Investitionen wieder zu ermöglichen und wirtschaftliche Substanz zu erhalten.“

Folgewirkungen der Revo-Insolvenz auf die gesamte Gastwelt

Die DZG macht in ihrem Schreiben deutlich, dass Insolvenzen wie im Fall Revo in der gesamten Gastwelt weitreichende Folgewirkungen entfalten. Betroffen seien nicht nur Unternehmen und Beschäftigte der Gastwelt, sondern auch Zulieferer, Immobilieneigentümer, Finanzierungsstrukturen und öffentliche Haushalte. Genannt werden etwa Steuerausfälle und steigende Ausgaben für Insolvenzgeld als Konsequenzen.

Die DZG würdigt ausdrücklich die beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen ab 2026 als wichtigen politischen Entlastungsschritt für die Gastwelt. Zugleich warnt der Thinktank davor, diesen Effekt für die Gastwelt durch neue Belastungen, steigende Sozialabgaben oder zusätzliche Regulierung zu neutralisieren.

Gastwelt als Wirtschaftssektor und gesellschaftlicher Anker

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der DZG im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Mit rund 250.000 mittelständischen Betrieben gilt die Gastwelt als tragende Säule der deutschen Wirtschaft und ist mit 6,1 Millionen Mitarbeitenden der drittgrößte Arbeitgeber Deutschlands.

Zur Gastwelt zählen die Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Sie prägen den Alltag von Millionen Menschen und schaffen als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt nach Angaben der DZG maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei.

Die enge Verzahnung der Gastwelt mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur mache sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue. Vor diesem Hintergrund unterstreicht die DZG die Notwendigkeit, die Stabilisierung der Gastwelt politisch vorrangig zu behandeln.

Denkfabrik Zukunft der Gastwelt als Netzwerk der Branche

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt. Der interdisziplinäre, überparteiliche Thinktank konzentriert sich auf strategische Zukunftsthemen wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung in der Gastwelt.

Nach eigenen Angaben vereint die DZG über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner aus der Gastwelt, darunter etwa die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com und Gerolsteiner. Diese Unternehmen beschäftigen zusammen mehr als 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands.

Zusätzlich engagieren sich über 20 Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren in der DZG, beispielsweise die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE sowie der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI.

Weitere Informationen unter www.zukunft-gastwelt.de

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