Mit der neuen Nationalen Tourismusstrategie legt die Bundesregierung nach Einschätzung der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) erstmals einen umfassenden Rahmen für die Weiterentwicklung des Tourismusstandorts Deutschland vor. Die DZG bewertet den Vorstoß grundsätzlich positiv, sieht jedoch weiterhin deutlichen Nachbesserungsbedarf und spricht von einem wichtigen politischen Aufschlag, der aus ihrer Sicht noch zu kurz greift.
Tourismusstrategie als überfällige Anerkennung der Tourismuswirtschaft
„Dass die Tourismuswirtschaft (Gastwelt) überhaupt mit einer eigenen nationalen Strategie adressiert wird, ist überfällig und schon ein deutlicher Fortschritt. Die bisherigen Versuche sind bislang bedauerlicherweise im Sande verlaufen“, sagt Dr. Marcel Klinge, Vorstandsvorsitzender der Denkfabrik. Tourismus und Gastwelt würden damit ausdrücklich als eigenständiger, wirtschaftlich relevanter Sektor anerkannt – vom Gastgewerbe über die Reisewirtschaft bis hin zu Mobilität und Freizeit. Dies müsse nach Ansicht der Denkfabrik weiter mit Leben gefüllt werden.
Positive Impulse für Tourismuswirtschaft und Gastwelt
Besonders positiv bewertet die DZG den Zeitpunkt der Vorlage der Nationalen Tourismusstrategie. Die Strategie komme früh in der laufenden Legislaturperiode und eröffne damit die Chance, angekündigte Maßnahmen tatsächlich auch umzusetzen. Aus Sicht der Tourismuswirtschaft und der Gastwelt ist für die DZG bedeutsam, dass zentrale Forderungen des Sektors explizit Eingang in das Papier gefunden haben.
Dazu zählen das Bekenntnis zur dauerhaften Mehrwertsteuer-Reduzierung auf Speisen in der Gastronomie, das ausdrückliche Hinarbeiten auf flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie der angekündigte Abbau bürokratischer Lasten, etwa bei Dokumentations- und Berichtspflichten.
Internationale Anbindung des Reiselandes Deutschland
Die Denkfabrik hebt hervor, dass die internationale Anbindung des Reiselandes Deutschland in der Nationalen Tourismusstrategie stärker in den Fokus rückt. Die geplanten Erleichterungen für die Luftverkehrsbranche und Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts seien aus Sicht der DZG ein wichtiger Beitrag, um sowohl den Incoming- als auch den Outgoing-Tourismus zu stärken und Deutschland international besser erreichbar zu machen.
Die Tourismuswirtschaft profitiere damit von verbesserten Rahmenbedingungen für die Mobilität, die als zentrales Element der Gastwelt gewertet wird.
Zentrale Handlungsfelder der Nationalen Tourismusstrategie
Inhaltlich greift die Nationale Tourismusstrategie nach Einschätzung der DZG zentrale Handlungsfelder der Tourismuswirtschaft und der Gastwelt auf. Genannt werden Arbeitskräftesicherung, Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die Gastwelt werde dabei als klassische Querschnittsaufgabe eingeordnet.
Positiv bewertet die DZG zudem die stärkere Verzahnung mit der EU-Tourismuspolitik sowie die Fortführung der internationalen Vermarktung des Reiselandes Deutschland. Diese Punkte ordnet die Denkfabrik als zielführend ein, um die Tourismuswirtschaft und die vielfältigen Betriebe der Gastwelt langfristig zu stabilisieren.
Nachbesserungsbedarf bei strategischer Schärfung
Gleichzeitig bleibt die Nationale Tourismusstrategie aus Sicht der DZG an einigen Stellen deutlich hinter ihrem eigenen Anspruch zurück. In Teilen handele es sich um eine Bündelung bereits laufender oder ohnehin geplanter Vorhaben, bei denen der Tourismus mitgedacht werde, ohne selbst klarer Treiber politischer Initiativen zu sein.
Ein übergeordnetes Zukunftsbild für den Tourismusstandort Deutschland und die Gastwelt fehle bislang und müsse im weiteren Prozess schnellstmöglich entwickelt werden. „Die aktive Unterstützung der Gastwelt und ihrer 250.000 Unternehmen darf nicht mit dem Kabinettsbeschluss enden“, so Klinge.
Erwartungen an das tourismuspolitische Forum
Die DZG verknüpft mit dem in der Nationalen Tourismusstrategie angekündigten „Tourismuspolitischen Forum“ auf Bundesebene klare Erwartungen. Entscheidend sei, wie verbindlich dieses Forum ausgestaltet werde und ob es tatsächlich in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werde.
Ohne klare Aufgaben und politische Andockpunkte bestehe die Gefahr, dass das Gremium hinter seinem Anspruch zurückbleibe. Die Denkfabrik verweist in diesem Zusammenhang auf Erfahrungen aus der vergangenen Wahlperiode mit der „Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus“. Diese sei aus Sicht der DZG hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das dürfe sich angesichts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation in der Tourismuswirtschaft und der Gastwelt nicht wiederholen.
Nationale Tourismusstrategie als Ausgangspunkt
Unter dem Strich zieht die DZG ein positives Fazit: Die Nationale Tourismusstrategie sei ein guter und notwendiger Start, der politische Aufmerksamkeit und Struktur schaffe. Als echte Zukunftsstrategie für den Tourismusstandort Deutschland und die Gastwelt müsse sie jedoch weiterentwickelt werden.
Nach Auffassung der Denkfabrik braucht die Tourismuswirtschaft nicht nur bessere Rahmenbedingungen, sondern eine klare Vorstellung davon, welche Rolle sie künftig wirtschaftlich, gesellschaftlich und regional spielen soll. Dies betreffe die gesamte Gastwelt mit ihren Unternehmen aus Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft.
Gastwelt als eigenständiger Dienstleistungssektor
Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt bildet mit ihren 250.000 mittelständischen Betrieben eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und ist mit 6,1 Millionen Mitarbeitenden der drittgrößte Arbeitgeber Deutschlands.
Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als „#HerzUnsererGesellschaft“ Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders.
Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue. Diese Verzahnung ist auch im Kontext der Nationalen Tourismusstrategie und der künftigen Ausrichtung des Tourismusstandorts Deutschland von Bedeutung.
Denkfabrik Zukunft der Gastwelt als Netzwerk der Branche
Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.
Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation – darunter Unternehmen wie die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com und Gerolsteiner – beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren – wie die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE sowie der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI – in der DZG.
Weitere Informationen zur Denkfabrik Zukunft der Gastwelt unter www.zukunft-gastwelt.de