Seminaris Hotels setzt bei der Entlastung des Hotelpersonals im Seminaris SeeHotel Potsdam auf einen mobilen, humanoiden Serviceroboter. Billie unterstützt zunächst das Housekeeping bei Zimmerkontrollen und soll künftig auch im Tagungsgeschäft körperlich belastende Aufgaben übernehmen, um den Mitarbeitern mehr Zeit für Tätigkeiten zu verschaffen, bei denen Menschen den Unterschied machen.
KI-Roboter Billie im Pilotprojekt im Seminaris SeeHotel Potsdam
Billie ist ein mobiler, humanoider Serviceroboter des Unternehmens Bellboy Robotics und seit diesem Jahr Teil eines Pilotprojekts von Seminaris Hotels. Ziel ist es, zu erproben, wie künstliche Intelligenz und Robotik Mitarbeiter im Hotelalltag sinnvoll entlasten können. Der erste Einsatzbereich von Billie ist die Qualitätskontrolle frisch gereinigter Hotelzimmer.

Seminaris verfolgt damit einen Ansatz, der über die Technologie hinausgeht. Der Roboter soll keine Menschen ersetzen, sondern ihnen zeitintensive und körperlich belastende Aufgaben abnehmen. Niels Fentsch, General Manager des Seminaris SeeHotel Potsdam, sagt dazu: „Wir wollen Technologie dort einsetzen, wo sie unseren Mitarbeitenden konkret den Rücken freihält. Wenn Billie beispielsweise der Hausdame einen Teil der Zimmerkontrollen abnimmt, entsteht Zeit für die Aufgaben, die Erfahrung, Kommunikation und Fingerspitzengefühl erfordern.“
Einbindung des Teams und Akzeptanz im Arbeitsalltag
Dass der Serviceroboter Billie sich heute selbstverständlich im Seminaris SeeHotel Potsdam bewegt, ist das Ergebnis einer bewusst gestalteten Einführung der neuen Technik. Zena Bergmann, leitende Hausdame des Hauses, hat ihr Team von Anfang an eng in den Prozess eingebunden und eine klare Botschaft vermittelt: Billie ist Unterstützung, keine Konkurrenz. Sie erläutert: „Mir war wichtig, dass von Anfang an klar ist, warum Billie zu uns kommt. Er soll uns Arbeit abnehmen, nicht unsere Arbeit wegnehmen. Wenn wir die vorhandene Arbeitszeit besser für die Dinge nutzen können, die wirklich unsere Aufmerksamkeit brauchen, profitieren am Ende alle.“

Die Haltung des Teams gegenüber der neuen Technologie ist von Offenheit geprägt. Die Mitarbeiter schätzen die tägliche Entlastung und zeigen wachsendes Interesse daran, welche weiteren Entwicklungen aus dem Pilotprojekt hervorgehen können.
„In der Hotellerie ging es schon immer darum, unvergessliche Gästeerlebnisse zu schaffen – und das wird auch immer so bleiben. Bei Bellboy nutzen wir Technologie, um auf der zwischenmenschlichen Ebene dem Miteinander noch mehr Aufmerksamkeit schenken zu können“, sagt Sandy Hefftz, Chief Executive Officer bei Bellboy Robotics.
„Unsere Roboter übernehmen dabei die sich wiederholenden, körperlich schweren Arbeiten hinter den Kulissen, die den Teams Zeit rauben und damit Gewinnmargen schmälern. Auf diese Weise haben Mitarbeitende mehr Zeit für das, was nur Menschen können: mit Gästen in Kontakt treten, ihre Bedürfnisse vorhersehen und jeden Aufenthalt zu einer bleibenden Erinnerung werden zu lassen. Dabei gewinnen unsere Roboter mit jeder erledigten Aufgabe mehr Vertrauen und werden mit jedem Einsatz intelligenter. Das Ergebnis ist ein Hotel, in dem die Technologie die unsichtbare Arbeit übernimmt und Mitarbeitenden die Kapazität verschafft, für die Gäste unvergessliche Momente zu kreieren.“
Datenschutz und sichere Navigation im Hotelbetrieb
Beim Einsatz von Billie im Seminaris SeeHotel Potsdam wird auf eine klare Trennung beim Datenschutz geachtet. Der Roboter erhält keinerlei personenbezogene Daten. Das Housekeeping reinigt ein Zimmer nach der Abreise eines Gastes und gibt es erst anschließend zur Kontrolle durch den Roboter frei. Billie weiß damit lediglich, dass ein bestimmtes Zimmer frei und zu kontrollieren ist – nicht, wer zuvor darin gewohnt hat oder wer als Nächstes eincheckt.

Auch auf den Fluren werden keine Gesichter gefilmt oder fotografiert. Bewegt sich Billie durch das Hotel, sorgen Sensoren dafür, dass Zusammenstöße mit Gästen oder Mitarbeitern verhindert werden. Der Einsatz des Roboters bleibt damit auf die jeweilige Aufgabe konzentriert, und der Datenschutz wird nach Unternehmensangaben zu jedem Zeitpunkt gewahrt.
Ausbau des Robotikeinsatzes in Zimmern und Tagungsräumen
Der Pilot mit Billie ist laut Seminaris erst der Anfang. In Potsdam wird bereits ein zweiter Roboter angelernt, um bei den Aufgaben in den 225 Zimmern und 32 Tagungsräumen perspektivisch noch umfassender zu unterstützen. Bis Ende 2026 sollen auch die sieben weiteren, deutschlandweit verteilten Seminaris Häuser mindestens einen Billie im Einsatz haben.
Im nächsten Entwicklungsschritt rückt im Seminaris SeeHotel Potsdam das Tagungsgeschäft in den Fokus. Bis Mitte 2027 soll Billie unter anderem beim Veranstaltungs-Setup unterstützen und beispielsweise schwere Lasten wie Stühle selbstständig von Raum zu Raum transportieren. Gerade bei körperlich fordernden und zugleich zeitintensiven Tätigkeiten soll Robotik einen konkreten Unterschied machen. Mitarbeiter sollen so mehr Freiraum gewinnen, um sich noch stärker um Gäste, Teams und die Qualität des Tagungserlebnisses zu kümmern.
Robotik als Teil der Digitalisierungsstrategie
Für Jochen Swoboda, CEO von Seminaris Hotels, fügt sich das Projekt direkt in die strategische Ausrichtung des Unternehmens ein. „Wir bei Seminaris haben schon früh erkannt, dass die Digitalisierung den Arbeitsalltag grundlegend verändern wird. Deshalb haben wir 2019 unsere Transformation gestartet, um unsere Mitarbeitenden aktiv einzubinden und uns einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Die Pandemie hat die Entwicklung deutlich beschleunigt. Entwicklungen, die wir damals in rund zehn Jahre erwartet hatten, haben sich innerhalb weniger Jahre verdichtet. Heute sind KI und Robotik Realität. Wir bei Seminaris nutzen sie deshalb gezielt dort, wo sie unsere Mitarbeitenden entlasten und Freiräume für das schaffen, was Menschen besonders gut können, nämlich Verantwortung übernehmen, kommunizieren und Beziehungen gestalten.“
Was im Seminaris SeeHotel Potsdam mit einem einzelnen Roboter begonnen hat, wird zum Praxistest für eine neue Form der Zusammenarbeit, bei der Menschen und Maschine dort zusammenarbeiten, wo jeder seine Stärken ausspielen kann. Billie übernimmt Routine und Last, während die Mitarbeiter Verantwortung, Aufmerksamkeit und echte Verbindung zu den Gästen behalten.
Quelle: Seminaris