Einen Ort, an dem Besucher ihre Seele baumeln lassen können, schuf Antonella Rösch mit dem Hotel am Bach in Hinterzarten. (Quelle: Hotel am Bach)
Quelle: Hotel am Bach

Kleinod fürs Gemüt

„Das Haus hat mich gefunden“, beschreibt Antonella Rösch die Geschichte, wie sie zu ihrem Hotel am Bach in Hinterzarten kam. Erbaut wurde das Haus im Südschwarzwald 1907 als Dependance des Hotels Linde und beherbergte über die Jahre nicht nur Gäste, sondern diente auch als Zufluchtsort während der Kriege. Auch nach all der Zeit spüren Besucher die Geschichte des Hauses: Alte Mauern, schmuckvolle Details aus urigem Holz und Eisen sowie große Fenster, die die Räume in Sonnenlicht tauchen, machen die Herberge aus.

Die Besitzerin wohnt und arbeitet zugleich in ihrem Hotel am Bach. Bevor die Mutter zweier Töchter das kleine Refugium eröffnete, arbeitete sie über 28 Jahre in der Medizin – unter anderem als sachverständige Gutachterin für den medizinischen Dienst der Krankenversicherungen. Dabei schrieb sie etwa Beurteilungen für das Sozialgericht sowie für den Pflegebereich, hauptsächlich für Kinder und Intensivpatienten. Ein Bildungsgang in der Notfall-Seelsorge ging dem unter anderem voran, ein Aufbaustudium folgte.

Ihre Mission sah sie schon immer darin, anderen Menschen zu helfen. „Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass die Balance nicht mehr stimmt. Zuhause konnte ich nicht mehr abschalten und musste ständig an die Arbeit denken. Es war zu viel Leid, welches ich nicht mehr verkraftet habe“, gibt sie zu. Eine berufliche Neuorientierung lag nahe.

Wer nicht wagt…

Über einen Kontakt ihrer Kinder bekam Rösch dann vor sieben Jahren das Angebot, das Refugium einer Musiker-Dynastie in Wien zu übernehmen. Ein eigenes Hotel-Konzept arbeitete sie schließlich dafür aus. Allerdings wurde daraus nichts. Antonella Rösch verwarf die Idee fürs Erste und arbeitete weitere drei Jahre im medizinischen Bereich, bis sie bei einem Spaziergang mit ihrem Ehemann und heutigen „Finanzminister“ im Naturschutzgebiet Hinterzarten auf das kleine Haus am Bach aufmerksam wurde. Das Hotel, das damals hauptsächlich Wanderer beherbergte, war zu verkaufen. Es erweckte Röschs Pläne für ein eigenes Gästehaus Ende 2018 wieder zum Leben.

Um sich ihren Traum zu erfüllen, gab sie die sichere Anstellung im öffentlichen Dienst auf, das Einfamilien-Haus, in dem sie mitsamt Mann und Töchtern wohnte, verkauften die Röschs. An einen Kredit zu gelangen war für die damals 51-Jährige ebenfalls eine Hürde, die sie genommen hat. „Es gab viele Schwierigkeiten wie die Finanzierung des Hauses, die ich dennoch überwunden habe. Wir sind hier 2019 reingestürzt in die Fluten – und wären fast ertrunken“, erinnert sich die Inhaberin zurück.

Erholung für Leib und Seele

Doch die Risiken machten sich bezahlt. Heute besitzt Antonella Rösch das Hotel am Bach in dem 1.600-Einwohner-Örtchen. Den Übernachtungsdurchschnitt steigerte sie von anfangs 1,2 auf 5,8 pro Gast. Ihre Zielgruppe verjüngt sich zudem: anfangs waren die Besucher meist über 60 Jahre, heute bewegt sich der Durchschnitt bei einem Publikum zwischen 25 und 40 Jahren. Stammgäste versorgt die ehemalige Pflegewissenschaftlerin ebenso wie Gruppen für Yoga-Retreats oder Achtsamkeits-Trainings.

„Ich möchte Menschen ansprechen, die auf der Suche sind und sich im Urlaub energetisch auftanken möchten. Ich erlebe Gäste, die hier die Seele baumeln lassen, beispielsweise bei Sternwanderungen“, erklärt sie. Kein Wunder, denn das Hotel am Bach liegt im Naturschutzgebiet, der Jakobsweg ist nur einen Katzensprung entfernt. Langlaufloipen führen direkt am Haus vorbei. Erholung für Körper und Geist finden Besucher außerdem auf der Terrasse, im Garten mit Biotop oder beim Schmökern in der Bibliothek.

Die erste Mahlzeit des Tages genießen bis zu 24 Gäste im Frühstücksraum: Ein vegetarisches und veganes Frühstück mit überwiegend biologischen, regionalen Produkten bietet Rösch an. Aufstriche und Marmeladen stellt die Inhaberin beispielsweise selbst her. Eine Besonderheit: Besucher können während ihres Aufenthaltes auch eine Behandlung zur Darmsanierung nach F. X. Mayr buchen. Dabei kooperiert die Hotelbesitzerin mit einer örtlichen Ärztin und versorgt die Gäste dann nach deren Plan mit frischen Gerichten nach der Ableitungsdiät, selbstgebackenem Brot, selbstgekochten Suppen, basischen Brühen und Bio-Tees.

Eine Bleibe zum Bleiben

Das Interieur besteht aus handverlesenen alten und neuen Schätzen. „Die Inneneinrichtung trägt überall meine Handschrift. Da mein Haus ein Boutiquehotel ist, können die Gäste alles kaufen, was sie sehen“, veranschaulicht sie. Lachend ergänzt Rösch: „Und die wollen fast alles kaufen.“

Jedes der elf Zimmer richtete Antonella Rösch nach ihrer eigenen Vorstellung ein, jedes davon anders. „Ein Zimmer zum Beispiel hat einen Glaskleiderschrank drin. Der hat mich ein Vermögen gekostet, aber er ist wunderbar,“ freut sie sich. Ihre Schmuckstücke findet die Inhaberin oftmals in Holland. Oder in London: von dort stammt nämlich die handgenähte Bettwäsche aus nachhaltiger Biobaumwolle. Eine Manufaktur in der Toskana stellt die hoteleigenen Seifen her – ohne Tierversuche oder umweltschädliche Inhaltsstoffe. Auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichtet die Hotelière ohnehin. Denn hochwertige, natürliche und nachhaltig produzierte Waren sowie erlesene Einrichtungsgegenstände sind ihr wichtig.

Eine Teilzeitkraft sowie zwei Minijobber unterstützen Antonella Rösch momentan bei der Arbeit im Haus. Die meisten Aufgaben übernimmt sie allerdings selbst: „Ich bediene, ich koche, ich räume ab und ich kaufe ein.“ Auch eine persönliche Begrüßung ihrer Besucher ist ihr wichtig. „Ich stelle mich den Gästen vor und bin quasi die Rezeption.“ Naheliegend, dass sie in dieser intimen Atmosphäre ihre temporären Mitbewohner sowie deren Bedürfnisse oftmals genauer kennenlernt.

Das Geheimnis ihrer Wohlfühl-Oase? Ich habe einfach auf meine Intuition vertraut und überlegt, wie ich als Gast behandelt werden möchte. Und daraus habe ich mein Konzept entwickelt. Ich wollte gerne ein Zuhause-Gefühl im Urlaub erschaffen.“

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Neuanfang mit 50

Um sich den Traum vom eigenen Hotel zu erfüllen, ließ
Antonella Rösch ihr altes Leben hinter sich. Heute bilden ihr Hotel am Bach und sie eine Einheit.

Wie sie ihren Traum verwirklichte, erklärt die heutige Hotelbesitzerin im Interview „Es geht immer eine Tür auf“.

Quelle: B&L MedienGesellschaft

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