Wer wettbewerbsfรคhig bleiben will, kommt um Bio-Lebensmittel in der Kita- und Schulverpflegung nicht mehr herum, denn immer mehr Ausschreibungen fordern Bio-Quoten. Fรผr Carola Petrone, Grรผnderin des Bio-Cateringunternehmens Il Cielo, das seit Oktober 2022 unter dem Dach von Organic Garden firmiert, ist das aber nicht der einzige Grund, weshalb fรผr sie nur 100 Prozent Bio in Frage kommt.
Frau Petrone, weshalb haben Sie sich bei der Grรผndung von Il Cielo nicht nur fรผr eine Frischkรผche entschieden, sondern auch fรผr 100 Prozent Bio?
Die Sicherheit der Lebensmittel steht fรผr mich an erster Stelle. Mir war wichtig, dass ich keine Zusatzstofflisten studieren muss und dass die Produkte frei von Pestiziden sind. In der Kinderverpflegung ist das besonders wichtig. Hier dรผrfen wir nicht diskutieren, ob die Kartoffel geschwefelt sein darf oder nicht. Das geht aus meiner Sicht einfach nicht.
Qualitรคt hat fรผr Sie also oberste Prioritรคt?
Ja, mir ist es eben wichtig, dass keine Pestizide auf den Lebensmitteln sind, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und dass die Fruchtfolge eingehalten wird. Um das nachzuprรผfen, habe ich nur das Bio-Siegel als Qualitรคtsmerkmal. Deswegen kaufe ich meine Lebensmittel auch lieber in Bio-Qualitรคt als regional. Letztlich lege ich groรen Wert darauf, gutes Essen fรผr die Kinder zu kochen โ und dafรผr braucht es gute und sichere Lebensmittel.

Sie ziehen Bio-Qualitรคt regionaler, konventioneller Ware vor?
Ich halte persรถnlich nichts davon, nur auf Regionalitรคt zu setzen, denn da gibt es einen riesigen Unterschied im Anbau zu Bio-Lebensmitteln. Auรerdem geht Bio auch รผber die Lebensmittelqualitรคt hinaus. Es ist einfach eine Art, sein Land zu bestellen und zurรผck zum Ursprung zu gehen.
Auch fรผr die Natur in Italien oder den Niederlanden ist Bio-Landbau besser. Bei konventioneller regionaler Ware mรผsste man mal genau beleuchten, wie viel CO2 verursacht wird. Mich konnte bisher alles nicht รผberzeugen, auf Bio zu verzichten โ ohne Bio, ohne mich. Wenn es mรถglich ist, kaufe ich aber bio-regional ein. Wir haben bei uns im Ort z. B. mehrere Bio-Bauern und einen Bio-Gรคrtner, von denen wir Ware beziehen kรถnnen. Bei 3.500 Essen tรคglich ist das aber auch immer eine Frage der Menge.
Ist Bio nicht auch eine Frage des Preises?
Es kommt auf die Kalkulation an. Ich kalkuliere immer den echten Preis โ den Preis, den ich brauche. Da ich sehr viel Wert auf die Qualitรคt der Ware lege, ist mein Wareneinsatz natรผrlich etwas hรถher. Auรerdem ist mir Handarbeit sehr wichtig, daher ist auch mein Personalschlรผssel etwas hรถher. Kosten spare ich z. B. bei den Vertrรคgen. Ich habe Vertrรคge mit den Schulen โ und das kann ich nur jedem empfehlen โ die vorsehen, die Kรผche pachtfrei oder pachtreduziert zu bekommen, wenn frisch und in Bio gekocht wird. So bin ich trotz 100 Prozent Bio nicht am teuersten.
รndert sich das womรถglich mit den aktuellen Preissteigerungen?
Die Preisentwicklung nach oben ist auch im Bio-Bereich nicht mehr zu leugnen. Fรผr das aktuelle Schuljahr musste ich deshalb auch die Preise anpassen. Dennoch sind die Steigerungen moderat und nicht total drรผber, sodass ich die Essenspreise um etwa 10 Prozent angehoben habe. Meiner Meinung nach hatte Bio schon immer einen realen Preis, ohne dass Produkte zuvor subventioniert wurden, um sie billig auf den Markt zu bringen und plรถtzlich kosten sie das Dreifache. Das erlebe ich bei Bio nicht.
Neben der Qualitรคt ist das also ein weiteres Argument fรผr Bio-Ware…
Richtig. Generell ist es unerlรคsslich, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man als Caterer in der Kinderverpflegung wettbewerbsfรคhig bleiben will. Gerade weil immer mehr Kommunen Bio als Pflicht ausschreiben.
Wie stehen Sie zu diesen Bio-Quoten?
Sie sind leider unabdingbar. Nur so sehen sich viele gezwungen, sich mit dem Thema zu beschรคftigen. Ich habe damals mit Bio angefangen, weil mir die Qualitรคt so wichtig war und deswegen bin ich manchmal auch so bestรผrzt, wie wenig Qualitรคtsbewusstsein manche Menschen haben. Fรผr industrialisierte Lebensmittel ist meiner Meinung nach in der Kinderverpflegung kein Platz. Denn die Kinder haben keine Wahl, sie mรผssen das essen, was im Kindergarten oder in der Schule auf den Tisch kommt.
Schlieรen Sie damit Convenienceprodukte aus?
Nicht grundsรคtzlich. Ein Convenienceprodukt, das ich nutze, muss mich qualitativ und im Handling รผberzeugen โ und ist von meinem Team und mir nicht mit dem gleichen geringen Aufwand herzustellen. Nudeln oder Spรคtzle sind gute Beispiele dafรผr. Die gibt es in sehr guter Qualitรคt, sodass ich sie nicht selber machen muss. Lieber nutze ich die freien Kapazitรคten meiner Mitarbeiter fรผr andere Aufgaben. Hier hat sich seit der Grรผndung vor 17 Jahren auch einiges entwickelt, insbesondere was Gebinde fรผr Groรverbraucher betrifft. Gerade die Warenbeschaffung war am Anfang eine Katastrophe, da es vieles nur in Haushaltsgrรถรen gab. Auรerdem ist Bio heute viel mehr in den privaten Haushalten angekommen. Die Produkte, gerade in der Zwischenverpflegung, sind nicht mehr unbekannt.
Besteht in Sachen Bio in der Kinderverpflegung noch Aufklรคrungsbedarf?
Definitiv. Ich biete Workshops fรผr Verpflegungsverantwortliche an, die gefragter sind denn je. Die Beratungen mache ich sehr gerne, vor allem wenn ich sehe, dass ich auch wirklich helfen kann. Ich merke, dass ich mit meinem Konzept viele Menschen inspiriert habe, es immer noch tue. Das freut mich sehr und macht mich stolz.
Eine tolle Motivation, um weiterzumachen โ oder?
Die Kinder, Schรผler und meine Mitarbeiter motivieren mich jeden Tag aufs Neue. Wenn die Schรผler sagen: โLecker warโs.โ oder โVielen Dank fรผr das tolle Essen.โ, dann weiร ich wofรผr ich es tue โ und ich liebe, was ich tue. Ich sehe das nicht als meinen Beruf, sondern fast wie eine Berufung. Auรerdem habe ich wirklich ganz tolle Mitarbeiter, ohne die ich aufgeschmissen wรคre. Wenn wir uns treffen, dann freue ich mich, dass wir miteinander arbeiten und das motiviert mich immer wieder.
Natรผrlich gibt es Entwicklungspotenzial und natรผrlich habe ich noch Ideen fรผr die Zukunft. Da ist noch Neues, das ich erreichen will und das motiviert mich auch.
Herzlichen Dank fรผr das Gesprรคch!
Quelle: B&L MedienGesellschaft