Das La Mer ist das Herzensprojekt von Burkhard Weller. Unter enormen Investitionen und persรถnlichem Einsatz baute er das Restaurant vor der Kulisse einer Unterwasserwelt auf. Sein Weg ist gezeichnet von Rรผckschlรคgen, Glรผcksfรคllen und hilfreichen Bekanntschaften. โIn der Gastronomie gibt es keinen Welpenschutzโ, sagt er heute. Im Interview erzรคhlt er, wie er das La Mer allen Widrigkeiten zum Trotz zum รผberregional bekannten Dinner-Highlight entwickelte.
Wie kamen Sie auf die Idee, ein Groรwasseraquarium mit einem Restaurant zu bauen, Herr Weller?
Ich war einmal mit meinen Eltern im Urlaub in den USA. In Orlando haben wir das Sea World besucht. Ich stand staunend vor den Korallen und dachte mir: Hier sitzen und essen, das wรคre ein Erlebnis. Als ich dann heimkam, habe ich bald darauf einen Architekten kontaktiert. Dann begannen die Arbeiten fรผr das La Mer hier auf dem Gelรคnde, wo meine Fischzucht steht.
Hatten Sie schon Erfahrung in der Gastronomie?
Absolut nicht, ich habe das total unterschรคtzt. Ich bin gelernter Fischwirt. Mein erstes Team bestand aus lauter Ungelernten. Die Erรถffnung des La Mer war ein Flopp, es ging alles schief. Die Biologie im Aquarium stand noch nicht und das Wasser war trรผb. Ich hatte den Gastraum nicht temperiert und es roch streng. Das Essen war auch schlecht, der Service hatte keine Ahnung, was er tat.

โWenn die Erรถffnung eines neuen Restaurants schief geht, dann kommen die Gรคste nie wieder. Es gibt keinen Welpenschutz in der Gastronomie. Niemand kรผmmert sich darum, wie viel Erfahrung man hat. Lรคuft der Start schief, dann kann man nur versuchen, รผberregional attraktiv zu sein. Dank Jochen Schweizer ist mir das gelungen.”
Burkhard Weller, Geschรคftsfรผhrer La Mer
Wie haben Sie die Situation gerettet?
Indem ich Glรผck hatte. 2011 รผbernahm ich das gesamte Team eines Sternerestaurants, inklusive den Kรถchen und Servicepersonal. Sie kamen zu mir ins La Mer und blieben hier. Mit ihnen kam die Erfahrung, wie Gastronomie funktioniert.

Begann damit ihr Erfolg?
Nicht direkt. Das La Mer hatte nun einen schlechten Ruf in der Umgebung. In der Gastronomie hat man keinen Welpenschutz. Wenn es den Gรคsten nicht gefรคllt, dann kommen sie nie wieder. Niemand ist nachsichtig, weil das Restaurant neu und der Besitzer unerfahren ist. Ich musste รผberregional um Gรคste werben. Zum Glรผck lernte ich Jochen Schweizer kennen und er nahm mich in sein Gutscheinsystem auf. Das brachte uns Erfolg und wir waren bald das drittstรคrkste Einzelprodukt in seinem Gutscheinsystem.
Auรerdem schrieb ich Regisseure vom Fernsehen an. Sie kamen her, drehten Filme und Sendungen vor dem Aquarium. Geld brachte das nicht viel, aber der Werbeeffekt war unbezahlbar. Dann kamen auch viele Prominente her. Otto Waalkes zum Beispiel, mit dem ich inzwischen gut bekannt bin. Ich darf seinen Namen und sein Gesicht auch fรผr werbliche Zwecke rund um das La Mer nutzen.
Warum haben Sie aus dem Meerwasseraquarium ein Sรผรwasseraquarium gemacht?
Ich habe mir vor einem Jahr รผber neue Fische aus Australien einen Korallenparasiten eingeschleppt. Die Fische, die ich retten konnte, habe ich nach Dubai und Berlin verkauft. Einige unglรผckliche Tiere sind im Aquadom gelandet, der ist ja dann geplatzt. Ich habe mein Aquarium neu aufbauen mรผssen und mich fรผr Sรผรwasser entschieden, denn das ist eine ganz andere Preisklasse โ viel gรผnstiger. Vor einem Jahr begannen die enormen Teuerungen bei den Stromkosten. Und ich hatte fรผr mein Meerwasserbecken 17 Pumpen laufen, die 400 Kilowattstunden Strom am Tag verbrauchten. Trotz der 530 Solarmodule auf dem Dach waren die Kosten untragbar, denn ich brauche ja auch nachts Strom. Mit dem Sรผรwasseraquarium betreibe ich nur noch vier Pumpen, daher sind die Kosten moderater.
Dann haben die Energiepreise Ihnen mehr zugesetzt als die Corona-Pandemie?
Viel mehr. Die Corona-Pandemie konnte dem Gesamtunternehmen nichts anhaben, im Gegenteil. In der Seefischhalle verkaufen wir frischen Fisch, den wir รผber einen Hรคndler aus Rotterdam importieren. Die Leute waren mehr daheim und kochten viel, das verdreifachte den Umsatz. Hinter dem La Mer haben wir Angelbecken. Das Angeln an der frischen Luft war erlaubt und die Menschen hatten viel Freizeit. Deshalb stieg auch dort der Umsatz. Mein Unternehmen steht auf mehreren Beinen, daher hatte ich immer wieder Glรผck: Hinkte ein Bein, dann lief das andere umso krรคftiger.


Blieb auch das Restaurantteam bei Ihnen, trotz Kurzarbeit?
Bei mir gab es keine Kurzarbeit und niemand hat gekรผndigt. Das Team vom La Mer baute die neue Terrasse, die hatten hier jeden Stein in der Hand. Dort gibt es nun von April bis September 30 weitere Sitzplรคtze. Ich habe die Terrasse nach dem Motto โFeuer und Wasserโ gestaltet. Wasser plรคtschert an der Wand herab und Fackeln erleuchten den Bereich. Wenn die erste Schicht im Restaurant drinnen vorbei ist und die Gรคste gehen mรผssen, sitzen viele noch drauรen auf der Terrasse und trinken etwas.

Wie funktioniert das mit den Schichten?
Wegen dem begrenzten Platz empfangen wir unsere Dinner-Gรคste in zwei Schichten: Die erste Schicht geht von 17.15 Uhr bis 19.45 Uhr, die zweite Schicht von 20 Uhr bis Schluss.
Planen Sie noch weitere Projekte?
Oh ja! Ich hatte schon immer den Wunsch, ein eigenes Hotel zu besitzen. Am liebsten unter Wasser, aber das wรคre enorm teuer. Meine Tรถchter hatten die Idee, hinten auf einem See Tiny Houses auf Pontons zu installieren. Wir haben zweistรถckige Hรคuser mit Whirlpool im Sinn, etwas hรถherpreisig und exklusiv, damit es zum La Mer passt. Dann kรถnnen wir ein Package mit Dinner und รbernachtung anbieten. Das wรคre ein groรer Vorteil, denn hier in der Nรคhe gibt es wenig รbernachtungsmรถglichkeiten.

Neben dem La Mer steht noch ein groรes Gebรคude. Was befindet sich darin?
Das ist unsere Seefischhalle, unser drittes Standbein. Dort verkaufen wir frischen Fisch, den wir รผber einen Hรคndler direkt aus Rotterdam beziehen. Dadurch ist er zwei Tage schneller bei uns als im Einzelhandel. Auch die Seefischhalle hat wรคhrend der Pandemie guten Umsatz gemacht, genau wie die Angelteiche. Kein Wunder: Die Menschen waren zuhause und haben sich fรผrs Kochen und hochwertige Ernรคhrung interessiert. Dafรผr wollten sie hochwertigen Fisch einkaufen โ und den gibt es bei uns!


Kommen viele Gรคste von weit her ins Restaurant?
Ja, der durchschnittliche Anfahrtsweg liegt bei 300 Kilometern. Das kommt durch die Gutscheine, die deutschlandweit und darรผber hinaus verkauft wurden. Inzwischen sind wir aus dem Gutscheinsystem ausgestiegen, aber es sind noch viele Restgutscheine im Umlauf. Ich bin mit dem Besitzer des Mercure-Hotels in Koblenz befreundet und bringe einige Gรคste bei ihm unter. Ich biete dann einen Shuttle-Service zum La Mer und zurรผck an. Profitabler wรคre es aber, wenn die Gรคste bei mir รผbernachten. Das wรผrde auch den Verzehr steigern, da die Gรคste dann bei mir frรผhstรผcken.
Vielen Dank fรผr das Gesprรคch!
Investiert in eure Leute!
Thomas Bรผhner wirkte Mitte November als Juror bei der zweiten Sodexo Sustainable Chef Challenge in Landsberg mit, bei der Sodexo-Kรถche aus 45 Lรคndern aufgerufen waren, nachhaltige Gerichte zu entwickeln und damit das Angebot an leckeren, gesunden Gerichten mit geringen CO2-Emissionen in Betriebsrestaurants des Caterers voranzubringen. Mehr dazu hier.
Quelle: B&L MedienGesellschaft