- Fünf Szenarien statt einer einzigen Prognose
- Fünf Szenarien für die Ernährung der Zukunft
- Genuss & Gemeinschaft – „Essen ist Lebensqualität und Erlebnis“
- Preventive Health – „Gesundheit als Kompass“
- Klimarealismus – „Pragmatische Ernährung unter Klimadruck“
- Seamless Convenience – „Ernährung im Autopilot“
- Bio-Hacking – „Ernährung als High-Tech-Performance“
- Drei Megakräfte, die alles beeinflussen
- Klimawandel – Vom Haltungsthema zur Versorgungsfrage
- Gesundheitsvorsorge – Vom guten Vorsatz zur Vorsorge
- Künstliche Intelligenz – Vom Werkzeug zum Ökosystem
- Nestlé leitet drei Handlungsfelder ab
- Mehr Anforderungen an gastronomische Angebote
Klimawandel, persönliche Gesundheitsvorsorge und Künstliche Intelligenz werden nach Einschätzung einer neuen Nestlé-Zukunftsstudie maßgeblich beeinflussen, wie Menschen in Deutschland im Jahr 2040 essen, einkaufen und Mahlzeiten planen. Die Untersuchung zeichnet dabei keine einheitliche Entwicklung vor. Stattdessen beschreibt sie fünf mögliche Ernährungswelten, die nebeneinander bestehen und sich je nach Lebenssituation überschneiden können und zumindest in Teilen eine Spekulation für die Frage aufwerfen: Wie essen wir im Jahr 2040?
Für die Zukunftsstudie „Genuss zwischen Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und KI – Wie is(s)t Deutschland 2040?“ von Nestlé wurde gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Bonsai Research und Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann unter Einbezug der Expertise von 14 Fachleuten aus Trendforschung, Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Handel und Gesellschaft sowie kreativen Verbrauchern fünf gleichwertige und plausible Zukunftsbilder entwickelt. Anschließend wurden diese im Rahmen einer repräsentativen Online-Befragung im April 2026 von 1.581 Menschen in Deutschland bewertet.
Den gemeinsamen Rahmen bilden steigende Erwartungen an Lebensmittel und gastronomische Angebote. Essen soll schmecken und sättigen, zugleich aber Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützen, Orientierung bieten, im Alltag wenig Aufwand verursachen und auch unter veränderten klimatischen Bedingungen verfügbar und bezahlbar bleiben. Trotz dieser Anforderungen behalten Genuss und Gemeinschaft einen hohen Stellenwert: 92 Prozent der Befragten bezeichnen Essen als wichtige Genussquelle, 81 Prozent finden Essen gemeinsam mit anderen am schönsten und 78 Prozent sind überzeugt, dass es auch künftig gut schmecken muss.
„Die Studienergebnisse machen deutlich: Ernährung wird künftig vielfältiger, komplexer und stärker zur Frage von Orientierung, Vertrauen und Eigenverantwortung. Darin liegen Herausforderungen, aber auch Chancen, Ernährung der Zukunft aktiv mitzugestalten und Menschen in ihren Bedürfnissen zu unterstützen“, sagt Daniela Wippler, Head of Consumer and Marketplace Insights & Analytics Nestlé Deutschland.
Fünf Szenarien statt einer einzigen Prognose
Die fünf Zukunftsbilder sind ausdrücklich nicht als Vorhersagen zu verstehen. Sie sollen unterschiedliche plausible Antworten auf dieselben Veränderungen darstellen. Grundlage sind Expertenpanels mit 14 Fachleuten aus Bereichen wie Ernährung, Gesundheit, Medizin, Gesellschaft, Landwirtschaft, Klima, Handel und Wirtschaft. Gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Bonsai Research und dem Zukunftsforscher Peter Wippermann verdichtete Nestlé die Ergebnisse zu fünf Szenarien. Diese wurden im April 2026 in einer repräsentativen Onlinebefragung von 1.581 Menschen in Deutschland bewertet. Die Untersuchung knüpft an eine Zukunftsstudie aus dem Jahr 2015 an, die sich mit der Ernährung im Jahr 2030 beschäftigte.
- Genuss & Gemeinschaft
In diesem Szenario pflegen die Menschen eine genussvolle, gemeinschaftliche Esskultur, bevorzugen hochwertige Lebensmittel und frisch zubereitete Mahlzeiten. Ihnen sind ein bewusstes Einkaufserlebnis und guter Geschmack besonders wichtig. Technologie (insbesondere KI) ist Inspiration und Unterstützung. - Preventive Health
Die Menschen passen ihre Ernährung gezielt physiologischen Bedürfnissen an und nutzen digitale Gesundheitsdaten sowie Vorsorge-Untersuchungen, um lange gesund zu sein und Krankheiten zu vermeiden. Technologie bietet personalisierte Beratung und Menschen übernehmen selbst Verantwortung für ihre individuelle Vorsorge. - Klimarealismus
Extreme Wetter und knapper werdende Ressourcen prägen den Alltag: Die Menschen passen ihre Ernährung pragmatisch an Knappheit und Preissteigerungen an und greifen verstärkt zu verfügbaren pflanzlichen und alternativen Produkten. KI hilft bei Ressourcenmanagement und dabei, Verschwendung von knappen Lebensmitteln zu vermeiden. - Seamless Convenience
Essen soll schmecken, gleichzeitig auch schnell, bequem und funktional sein – verlässlich, aber ohne Aufwand. KI-gesteuerte Automatisierung übernimmt das Einkaufen. Gesundheitsthemen werden im Alltag verdrängt, bei Bedarf greifen Menschen zu medizinischen Lösungen. - Bio-Hacking
Für maximale Leistungsfähigkeit und Gesundheit setzen die Menschen auf hyperpersonalisierte, funktionale Ernährung und ständige Körperdatenüberwachung. KI steuert die Ernährung fast vollständig.

Die Szenarien reichen von einer stark genuss- und gemeinschaftsorientierten Esskultur über personalisierte Gesundheitsvorsorge und pragmatische Anpassungen an Klimafolgen bis hin zu weitgehend automatisierter Convenience und datenbasierter Selbstoptimierung. In allen fünf Bildern spielen die drei Megakräfte Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und KI eine Rolle, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung.
- Klimawandel
Klimaauswirkungen werden die Verfügbarkeit, Preise und Produktion von Lebensmitteln zunehmend prägen. Die Menschen reagieren darauf pragmatisch, sind offen für neue Lösungen und erwarten, dass nachhaltige Ernährung vor allem bezahlbar, verfügbar und alltagstauglich ist. - Gesundheitsvorsorge
Gesundheit entwickelt sich von der Behandlung von Krankheiten zu einer Frage der persönlichen Vorsorge. Ernährung wird dabei zunehmend als täglicher Beitrag und Investition in ein langes, gesundes und leistungsfähiges Leben verstanden und soll zugleich einfach in den Alltag integrierbar bleiben. - Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz wird für viele Menschen zum alltäglichen Begleiter bei Ernährung, Gesundheit und Einkauf. Akzeptiert wird sie vor allem dort, wo sie Orientierung und Unterstützung bietet; Skepsis entsteht, wenn Entscheidungen automatisiert werden und Transparenz oder Kontrolle verloren gehen könnten.
Fünf Szenarien für die Ernährung der Zukunft
Die Zukunftsstudie beschreibt fünf mögliche Szenarien, wie sich unsere Ernährung bis zum Jahr 2040 entwickeln könnte. Doch die Zukunft der Ernährung wird nicht von einem einzelnen Trend geprägt. Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Prioritäten und Lebensstile. Deshalb entstehen unterschiedliche Ernährungswelten, die nebeneinander existieren können. Sie unterscheiden sich jedoch darin, welche Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und wie Menschen mit den Veränderungen umgehen.

„Auf der einen Seite sehen wir hyperpersonalisierte, bequeme Ernährung, die mir Sicherheit und Einfachheit verspricht. Auf der anderen Seite eine bewusste Rückbewegung: selbst kochen, historische Gerichte, Retro-Trends. Dazwischen wird sich der Alltag 2040 einpendeln“, meint Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann.
Genuss & Gemeinschaft – „Essen ist Lebensqualität und Erlebnis“

Das Zukunftsbild „Genuss & Gemeinschaft“ setzt einen Gegenpol zu weitreichender Automatisierung und permanenter Selbstoptimierung. Im Mittelpunkt stehen hochwertige Lebensmittel, frisch zubereitete Mahlzeiten, bewusstes Einkaufen und gemeinsame Essenserlebnisse. KI unterstützt bei der Inspiration und kann Vorschläge machen, die endgültige Entscheidung bleibt jedoch beim Menschen.
Mit einer Zustimmung von 69 Prozent ist es das beliebteste Zukunftsbild der Studie. 66 Prozent freuen sich auf eine solche Ernährungswelt, 67 Prozent halten sie für gut umsetzbar. Unter den Befürwortern betrachten 62 Prozent gemeinsame Mahlzeiten als wichtigen Bestandteil von Lebensqualität. „In Zeiten zunehmender globaler Krisen wird gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wichtiger. Gemeinsame Mahlzeiten stiften Verbundenheit, Zuversicht und Sicherheit. Sie sind auch in der Zukunft ein wichtiges soziales Lagerfeuer, nach dem sich viele sehnen“, erklärt Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott.
Gerade für die Gastronomie ist dieser Befund relevant. Restaurants, Cafés, Kantinen und andere Verpflegungsangebote erfüllen demnach auch künftig eine soziale Funktion. Neben Produktqualität und Geschmack bleiben Atmosphäre, gemeinsames Erleben und persönliche Wahlmöglichkeiten wichtige Bestandteile des Angebots. Technik wird in diesem Szenario eher im Hintergrund eingesetzt und dient der Unterstützung, ohne das eigentliche Essenserlebnis zu dominieren. Essen wird hierbei eine Quelle von Lebensqualität, sozialem Austausch und Genuss.
„In Zukunft leben wir in einer Gesellschaft, in der Menschen weniger feste Gruppen bilden, sondern sich in Arbeit wie Freizeit mehr online und in wechselnden Gemeinschaften bewegen. Essen diversifiziert sich entsprechend weiter: Funktional als Ernährung mit Longevity-Fokus, und emotional als multisensorischer Akt. Beides soll dabei nicht nur Pflicht sein, sondern vor allem zum Wohlfühlen beitragen“, sagt Trendforscherin Birgit Gebhardt.
Preventive Health – „Gesundheit als Kompass“

Im Zukunftsbild „Preventive Health“ wird Ernährung zum festen Bestandteil langfristiger Gesundheitsvorsorge. Digitale Gesundheitsdaten, Vorsorgeuntersuchungen und intelligente Assistenzsysteme dienen dazu, Mahlzeiten und Nahrungsergänzungen auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen. Gesundheit soll nicht erst bei auftretenden Beschwerden berücksichtigt werden, sondern die tägliche Lebensmittelauswahl mitbestimmen.
78 Prozent bewerten dieses Szenario als fortschrittlich. Es findet besonders unter Millennials und Menschen Anklang, die ihre wirtschaftliche Situation positiv einschätzen. Damit deutet sich zugleich an, dass personalisierte Präventionsangebote nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zugänglich oder attraktiv sind.
Dieses Szenario steht für einen grundlegenden Wandel: Aus dem Wunsch, gesund zu essen, wird das Ziel, aktiv in die eigene Gesundheit zu investieren. Ernährung wird zu einer Form persönlicher Zukunftsvorsorge. „Im digitalen Zeitalter sind allgemeine Ernährungstipps, die für alle gleich sind, oft zu ungenau oder unpassend. Deshalb wird personalisierte Ernährung immer wichtiger, weil sie auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen eingeht und so viel besser hilft“, sagt Prof. Dr. Katja Lotz, Expertin für Personalisierte Ernährung.
Klimarealismus – „Pragmatische Ernährung unter Klimadruck“

Das Szenario „Klimarealismus“ beschreibt eine Ernährungswelt, in der Extremwetter, knappe Ressourcen und volatilere Preise den Alltag beeinflussen. Verbraucher passen ihre Ernährung pragmatisch an und greifen häufiger zu verfügbaren pflanzlichen oder alternativen Produkten. Digitale Systeme helfen dabei, Engpässe zu erkennen, Ressourcen zu verwalten und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
71 Prozent der Befragten halten den Klimarealismus für das wahrscheinlichste der fünf Zukunftsbilder. Es zeigt, dass für viele Menschen der Klimawandel längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist, sondern eine neue Realität, auf die sich Gesellschaft und Ernährungssysteme einstellen müssen. Das Szenario ist dabei nicht ausschließlich von Verzicht geprägt. Vielmehr geht es um die Suche nach Lösungen, die unter veränderten Bedingungen weiterhin Geschmack, Qualität und Lebensqualität ermöglichen.
Alternative Rohstoffe und pflanzenbasierte Angebote gewinnen hierbei an Bedeutung. Gleichzeitig helfen technologische Lösungen dabei, Ressourcen effizienter zu nutzen und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
Seamless Convenience – „Ernährung im Autopilot“

Im Szenario „Seamless Convenience“ steht maximale Bequemlichkeit im Mittelpunkt. Ernährung soll schnell, funktional und ohne großen organisatorischen Aufwand verfügbar sein. KI übernimmt Aufgaben von der Auswahl bis zum Einkauf und berücksichtigt dabei hinterlegte Vorlieben und Bedürfnisse. Gesundheit bleibt grundsätzlich wichtig, wird im Alltag jedoch teilweise zurückgestellt. Treten Probleme auf, gewinnen medizinische Lösungen an Bedeutung.
Das Szenario spricht laut Studie besonders Menschen an, die bereits intensiv digitale Technologien verwenden. Von seinen Befürwortern erwarten 59 Prozent eine Zukunft mit autonomen, rund um die Uhr geöffneten Geschäften. 55 Prozent gehen davon aus, dass Medikamente oder Spritzen zur Gewichtsregulation stärker genutzt werden.
Für gastronomische Konzepte beschreibt das Szenario einen Markt, in dem Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und reibungslose digitale Abläufe noch wichtiger werden. Automatisierte Bestellungen und stark vereinfachte Auswahlprozesse können den Aufwand für Gäste reduzieren. Gleichzeitig steht dieses Modell in einem Spannungsverhältnis zum Wunsch nach bewusster Auswahl, persönlicher Ansprache und gemeinschaftlichem Essen.
Bio-Hacking – „Ernährung als High-Tech-Performance“

Das technologisch weitreichendste Szenario ist das „Bio-Hacking“. Es beschreibt eine Ernährungswelt, in der Körperdaten kontinuierlich erfasst und von KI ausgewertet werden. Ein digitaler Zwilling könnte den individuellen Bedarf abbilden, Mahlzeiten planen und die Nährstoffversorgung fortlaufend anpassen. Lebensmittel werden in diesem Bild stärker funktional verstanden und auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit ausgerichtet.
63 Prozent der Befragten bewerten Bio-Hacking als fortschrittlich. Gleichzeitig zeigt sich in diesem Szenario besonders deutlich der Konflikt zwischen technischer Optimierung und persönlicher Kontrolle. Je stärker Systeme Entscheidungen selbstständig treffen und je umfassender sie Gesundheitsdaten verarbeiten, desto größer werden die Anforderungen an Vertrauen und Datensicherheit.
Ziel ist es, das persönliche Potenzial möglichst umfassend auszuschöpfen und die eigene Leistungsfähigkeit langfristig zu optimieren. Ernährung wird damit Teil eines datenbasierten Gesundheitsmanagements. „Digitale Gesundheits- und Ernährungstechnologien werden bis 2040 so selbstverständlich, dass individuelle Ernährungsentscheidungen zunehmend automatisiert und von KI-Systemen gesteuert werden – Eigenverantwortung bedeutet dann vor allem, die richtigen Algorithmen zu wählen“, sagt Dr. Gerd Wirtz, Experte für Medizin der Zukunft.
Drei Megakräfte, die alles beeinflussen
Im Zuge der Zukunftsstudie hat Nestlé drei sogenannte „Megakräfte“ identifiziert, die unsere Ernährung künftig prägen werden. Die dargestellten Zukunftsbilder resultieren aus unterschiedlicher Gewichtung der Kräfte. Was deutlich wird: Essen soll heute und auch in Zukunft mehr leisten als es in der Vergangenheit getan hat. Nicht nur schmecken und sättigen, sondern auch der Gesundheit dienlich sein und den Alltag erleichtern.
Vor allem in Zeiten wachsender Unsicherheiten gewinnt Essen an Bedeutung – zum einen als Grundbedürfnis, das bedroht wird, und zum anderen als sozialer Kleber. Durch Essen können Menschen direkt wirken, sich selbst und ihr Gegenüber beeinflussen. Ihr Handeln hat Wirkung. Umso wichtiger sind die drei Faktoren, die dieses Handeln maßgeblich mitbestimmen werden, denn sie verändern die Rahmenbedingungen der Ernährung.
Klimawandel, Künstliche Intelligenz und Gesundheitsvorsorge. Diese drei Megakräfte wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig und verändern die Erwartungen an Lebensmittel, Produkte und Ernährungsangebote. Dabei zeigt sich aber auch: Die Menschen sind offen für Veränderungen. Sie akzeptieren neue Technologien, neue Rohstoffe und neue Ernährungsformen. Was sie jedoch nicht aufgeben möchten, sind Genuss, Geschmack, Lebensqualität und Gemeinschaft.
Klimawandel – Vom Haltungsthema zur Versorgungsfrage
Eine wesentliche Verschiebung sieht die Studie beim Verständnis nachhaltiger Ernährung. Während diese früher stärker als Ausdruck persönlicher Werte und eines bestimmten Lebensstils betrachtet worden sei, rücken mit Blick auf 2040 Verfügbarkeit, stabile Lieferketten und bezahlbare Lebensmittel in den Vordergrund. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zur Frage der Resilienz des Ernährungssystems.
65 Prozent der Befragten erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper, teurer und anfälliger für Lieferengpässe machen. 55 Prozent gehen davon aus, dass Menschen ihr Essverhalten an Klimafolgen und verfügbare Rohstoffe anpassen müssen.

43 Prozent könnten sich alternative Produkte vorstellen, wenn etablierte Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Getreide knapp werden. Ebenso viele zeigen sich offen für Lebensmittel aus neuen Rohstoffquellen, darunter fermentierte Proteine und Algen. „Der Klimawandel macht die Kuh zum Elefanten im Raum der Lebensmittelproduktion – ohne eine starke Reduktion tierischer Produkte und nachhaltige Systemtransformation ist unsere Ernährung langfristig nicht finanzierbar oder ökologisch verantwortbar“, sagt der Agrarökonom Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen.

Entscheidend für die breite Akzeptanz nachhaltiger Angebote sind nach Ansicht der Befragten weniger abstrakte Leitbilder als konkrete Alltagseigenschaften. 68 Prozent sagen, nachhaltige Ernährung werde sich nur durchsetzen, wenn entsprechende Produkte bezahlbar, verfügbar und attraktiv seien. 71 Prozent sehen Möglichkeiten für neue, nachhaltigere Wege in der Landwirtschaft.
Für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung berührt diese Entwicklung zentrale Fragen der Beschaffung und Angebotsplanung. Wenn Erntemengen, Rohstoffpreise und Verfügbarkeiten stärker schwanken, gewinnen flexible Speisekarten, alternative Zutaten und ein effizienter Umgang mit Lebensmitteln an Bedeutung. Pflanzliche Angebote und bislang weniger verbreitete Rohstoffe könnten dabei nicht allein aus ökologischen Motiven eingesetzt werden, sondern zunehmend zur Sicherung eines wirtschaftlich tragfähigen Angebots.
Gesundheitsvorsorge – Vom guten Vorsatz zur Vorsorge
Das Verhältnis von Ernährung und Gesundheit verändert sich. Der Studie zufolge verlagert sich der Schwerpunkt von der Behandlung akuter Beschwerden hin zur langfristigen Prävention. Menschen wollen möglichst lange körperlich leistungsfähig, gesund und mental ausgeglichen bleiben. Ernährung wird dabei als ein Bereich wahrgenommen, den sie täglich selbst beeinflussen können.
Schon heute sagen 67 Prozent der Befragten, dass sie sich gesünder ernähren sollten. 68 Prozent erwarten, dass mentale Gesundheit weiter an Bedeutung gewinnt. 44 Prozent gehen davon aus, dass viele Menschen ihre Ernährung im Jahr 2040 gezielt auf körperliche und mentale Leistungsfähigkeit ausrichten werden.
Parallel wächst das Interesse an personalisierten Lösungen. 37 Prozent betrachten personalisierte Ernährung als wichtiges Instrument zum Erhalt der eigenen Gesundheit. 78 Prozent bewerten eine Zukunft mit einem starken Fokus auf individuelle Prävention als fortschrittlich. An die Stelle allgemeiner Empfehlungen könnten demnach verstärkt Angebote treten, die Lebensphase, persönliche Bedürfnisse und verfügbare Gesundheitsdaten berücksichtigen.

Die praktische Umsetzung bleibt allerdings eine Hürde. 40 Prozent geben an, häufig nicht genügend Zeit zu haben, sich so zu ernähren, wie sie es gerne möchten. Rund ein Drittel könnte sich vorstellen, Vorsorgeuntersuchungen an Gesundheitsstationen im Handel in die alltägliche Routine zu integrieren. 54 Prozent erwarten zudem eine stärkere Nutzung von Medikamenten oder Spritzen zur Gewichtsregulation.

Für gastronomische Betriebe bedeutet der Präventionstrend vor allem eine stärkere Ausdifferenzierung der Nachfrage. Gäste könnten häufiger transparente Informationen, anpassbare Portionsgrößen und Angebote erwarten, die auf bestimmte Ernährungsziele oder Lebensphasen zugeschnitten sind. Gleichzeitig zeigt der in der Studie beschriebene Zeitmangel, dass gesundheitsorientierte Angebote unkompliziert bestellbar und in bestehende Alltagsroutinen integrierbar sein müssen.
Künstliche Intelligenz – Vom Werkzeug zum Ökosystem
Künstliche Intelligenz entwickelt sich in den beschriebenen Szenarien von einem einzelnen Werkzeug zu einem vernetzten System, das Gesundheitsdaten, Ernährungsziele, Einkaufsentscheidungen und Alltagsplanung miteinander verbindet. KI könnte Mahlzeiten empfehlen, Einkaufslisten vorbereiten, Bestellungen auslösen und bei der Verringerung von Lebensmittelverschwendung helfen.
Die Offenheit ist vor allem dort groß, wo ein konkreter Nutzen erkennbar bleibt. 46 Prozent befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater. 42 Prozent würden Gesundheitsdaten durch KI auswerten lassen, um daraus Empfehlungen abzuleiten. 34 Prozent nutzen KI nach Angaben der Studie bereits bei Kaufentscheidungen.

Der Wunsch nach Unterstützung endet jedoch dort, wo Technik als intransparent oder fremdbestimmend wahrgenommen wird. 40 Prozent befürchten Kontrollverlust durch KI. 43 Prozent lehnen humanoide Roboter ab, die zu Hause selbstständig kochen, und 38 Prozent möchten keine implantierten Sensoren verwenden, die dauerhaft Körperdaten erfassen. Zudem geben 76 Prozent an, dass ihnen eine Zukunft Angst mache, in der KI die Ernährung eigenständig steuert.

Zwischen den Altersgruppen zeigen sich Unterschiede bei der Bereitschaft zur Delegation. Einen KI-Agenten, der den Einkauf übernimmt, können sich 33 Prozent der jüngeren Befragten vorstellen, aber nur 17 Prozent der älteren. Damit werden Transparenz, Datenschutz, nachvollziehbare Empfehlungen und die Möglichkeit zum Eingreifen zu wesentlichen Voraussetzungen für die Akzeptanz automatisierter Angebote.
Für Gastronomie und Handel kann KI damit mehrere Rollen übernehmen. Denkbar sind Systeme zur Bedarfsplanung, zur Verknüpfung von Ernährungspräferenzen mit Angeboten oder zur automatisierten Bestellung. Aus den Studienergebnissen lässt sich zugleich ableiten, dass solche Anwendungen Wahlfreiheit erhalten und verständlich machen müssen, auf welcher Grundlage Empfehlungen oder Vorauswahlen entstehen.
Nestlé leitet drei Handlungsfelder ab
Auch als Antwort auf die Frage: Wie essen wir im Jahr 2040? verbindet Nestlé die Studienergebnisse mit drei eigenen Handlungsfeldern. „Wir wollen die Ernährung von morgen so mitgestalten, dass sie gesünder, widerstandsfähiger und alltagstauglicher wird, ohne das zu verlieren, was gutes Essen ausmacht – nämlich Freude, Genuss und Verbindung. Neue Lösungen müssen sich daran messen lassen, ob sie Geschmack, Lebensqualität und Gemeinschaft erhalten und gleichzeitig auf veränderte Realitäten und Bedürfnisse einzahlen“, erklärt Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland.
Weiter führt von Maillot aus: „Die Weichen für 2040 stellen wir heute. Wir treiben Innovationen voran, verbinden Menschen über unsere starken Marken, und schaffen zielgerichtete Angebote. Entscheidend ist, Veränderungen früh zu erkennen und gemeinsam mit Partnern skalierbare Lösungen zu entwickeln, die in der Breite funktionieren und Menschen im Alltag unterstützen.“
Erstens will das Unternehmen Gesundheit und Prävention alltagstauglicher machen. Genannt werden unter anderem Rezepturüberarbeitungen, Portionshinweise, zusätzliche Nährwertinformationen und der Nutri-Score. Darüber hinaus verweist der Konzern auf protein- und ballaststofforientierte Produkte, Nahrungsergänzungen sowie Angebote für spezifische Ernährungsbedürfnisse und Lebensphasen.
Das zweite Feld betrifft Resilienz und Versorgungssicherheit. Nestlé führt in diesem Zusammenhang regenerative Landwirtschaft, soziale Verbesserungen im Rohstoffanbau, alternative Zutaten und pflanzenbasierte Produkte an. Nach Unternehmensangaben stammen weltweit 20,7 Prozent der zentralen Rohstoffe von landwirtschaftlichen Betrieben, die regenerative Praktiken anwenden. Vor allem neue Zutaten, alternative Produkte und pflanzenbasierte Angebote sollen dazu beitragen, mit knapper werdenden Rohstoffen umzugehen.
Als drittes Feld nennt der Konzern den Einsatz von Technologie. Marken-, Produkt- und Rezeptinformationen sollen so strukturiert werden, dass KI-Systeme sie korrekt erfassen und wiedergeben können. Dazu zählt Nestlé hochwertige Produktdaten, verständliche Antworten auf Verbraucherfragen und überprüfbare Informationsquellen, um zuverlässig auf Ernährungsempfehlungen und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse reagieren zu können.
Mehr Anforderungen an gastronomische Angebote
Insgesamt beschreibt die Untersuchung eine Ernährungslandschaft, in der unterschiedliche Bedürfnisse stärker auseinandergehen. Ein Teil der Gäste könnte großen Wert auf handwerkliche Zubereitung, Qualität und gemeinschaftliche Erlebnisse legen. Andere dürften personalisierte Gesundheitsangebote oder besonders schnelle, digital organisierte Versorgung bevorzugen. Gleichzeitig beeinflussen Klimafolgen und schwankende Rohstoffverfügbarkeiten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Für die Gastronomie entsteht daraus kein einzelnes Zukunftsmodell. Gefragt sein können vielmehr klar positionierte Konzepte, flexible Beschaffung und verständliche Informationen über Angebote und Zutaten. Digitale Unterstützung kann Abläufe vereinfachen und Orientierung geben. Sie ersetzt nach den Ergebnissen der Studie jedoch nicht die grundlegenden Erwartungen an Geschmack, Lebensqualität und gemeinsames Essen.
Quelle: Nestlé
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