Manche Geschmäcker bleiben ein Leben lang. Sie riechen nach Zuhause, nach Geborgenheit, nach den Menschen, die uns geprägt haben. Mit dem Motto „Kindheitserinnerung: Old School & New School“ rückt Koch des Jahres genau diese emotionalen Anker in den Mittelpunkt – und macht Herkunft, Identität und persönliche Geschichte zur wichtigsten Zutat des Wettbewerbs.
Im Gespräch erzählen die Veranstalter und Geschäftsführer Núria Roig de Puig und Christian Kamm, warum Kindheit kein nostalgischer Rückblick, sondern ein kraftvoller kreativer Motor ist. Warum gerade einfache Gerichte oft die größte emotionale Tiefe besitzen. Und weshalb es ihnen nicht um Effekte geht, sondern um Köchinnen und Köche mit Haltung, Herz und einer klaren Handschrift – die den Mut haben, zu zeigen, wo sie herkommen und warum sie kochen.
Koch des Jahres 2026: Núria Roig de Puig und Christian Kamm über Herkunft, Emotion und Identität
Was bedeutet euch das Motto „Kindheitserinnerung“ ganz persönlich?
Núria Roig de Puig: Für mich ist Herkunft kein Trend, sondern Identität. Meine Kindheit, meine Familie, die Küche meiner Oma – das ist mein innerer Kompass. Ich bin in Spanien aufgewachsen und die mediterrane Esskultur hat mich geprägt: gemeinsames Essen, Zeit am Tisch, Gerüche, die sofort Bilder auslösen.
Auch „Koch des Jahres“ trägt diese DNA in sich. Deshalb spielen Herkunft und Identität bei uns eine so große Rolle.
Warum ist gerade jetzt der richtige Moment, Kindheitserinnerungen auf den Teller zu bringen?
Christian Kamm: Weil draußen gerade extrem viel passiert. Die Welt ist laut, komplex, oft auch überfordernd. In solchen Zeiten sehnen wir uns nach etwas Echtem, Verlässlichem.
Núria Roig de Puig: Die Küche unserer Kindheit ist genau das: Sie ist nicht perfekt, aber ehrlich. Oft einfach, aber geschmacklich unglaublich rund. Diese Erinnerungen tragen uns. Genau daraus entsteht für mich die stärkste Kreativität. Nicht aus Effekthascherei, sondern aus Rückbesinnung.
Was ist euch am Wettbewerb wichtig – Emotion, Handwerk, Mut, Identität?
Núria Roig de Puig: Alles, aber in der richtigen Balance. Uns geht es um Gerichte mit Herz und Charakter: Geschmack, Geruch und Gefühl – dieses „Nach-Hause-kommen“, wenn du schon beim Reinkommen riechst: Hier wird gekocht.
Christian Kamm: Natürlich braucht es Handwerk, aber nicht als Selbstzweck: als Werkzeug für ehrliche, runde Aromen. Wir suchen Köchinnen und Köche mit Handschrift, die ihr „Warum“ kennen und mutig ihre Herkunft zeigen: klar, echt und nicht laut um jeden Preis.
Welches Gericht hat euch selbst geprägt – und warum ausgerechnet dieses?
Núria Roig de Puig: Für mich ist es ganz klar Arroz a la Cassola von meiner Oma. Ein klassisches mar i muntanya aus Katalonien, tief, kräftig, voller Wärme. Dieses Gericht steht für alles, was mich kulinarisch geprägt hat: Familie, Geduld, das Zusammenspiel von Land und Meer, und dieses Gefühl, dass Essen mehr ist als Geschmack – es ist Erinnerung, Nähe und Geborgenheit.
Christian Kamm: Bei mir ist es der Grießbrei meiner Oma. Auf den ersten Blick schlicht, fast unspektakulär – aber genau das macht ihn so besonders. Perfekt gekocht, cremig, tröstend. Ein Gericht, das zeigt, wie viel Kraft in Einfachheit steckt und wie stark Essen emotional verankert sein kann.
Was ist der „nicht verhandelbare“ Kern dieses Gerichts – der Geschmack, der bleiben muss?
Núria Roig de Puig: Es ist das Aroma, das die Seele des Gerichts ausmacht. Man kann die Texturen verändern und das Ganze modern und spannend zu konstruieren, aber der Kern-Geschmack, dieser eine Moment, der den Flashback auslöst, ist nicht verhandelbar. Das ist der „Aroma-Anker“, der die Geschichte erst glaubwürdig macht.
Welche Emotion soll das Duo auslösen: Geborgenheit, Staunen, Versöhnung, Neugier?
Christian Kamm: Wir wollen klare Handschriften sehen. Die „Old School“-Version soll dieses seelige Gefühl von Geborgenheit und Flashbacks auslösen. Die „New School“-Interpretation sollte mit Vision und Haltung überraschen. Es ist das Spiel zwischen dem wohligen Gestern und dem visionären Morgen.
Was verraten diese zwei Teller über den Koch/die Köchin?
Núria Roig de Puig: Sie zeigen uns das Herzstück des Konzepts. Wir sehen sofort, wie viel Liebe ein Koch für seine Herkunft empfindet und ob er verstanden hat, warum er diesen Beruf überhaupt ausübt. Es ist im Grunde eine kulinarische Offenbarung der eigenen Identität.
Woran erkennt man, dass beide Teller „funktionieren“?
Christian Kamm: An der roten Linie. Es muss ein in sich geschlossenes Konzept sein. Man startet klassisch-authentisch und führt das Ganze dann mit einer visionären Steigerung fort. Aber am Ende muss klar erkennbar sein: Diese beiden Teller gehören zusammen.
Welche häufige Falle seht ihr bei „Kindheit auf dem Teller“ – und wie vermeidet man sie?
Núria Roig de Puig: Die größte Falle ist die Beliebigkeit. Wenn man in der modernen Version überhaupt nicht mehr erkennt, was sie mit dem ursprünglichen Gericht zu tun hat, ist die Story verloren. Genauso schwierig wäre es, wenn das klassische Gericht seinen ursprünglichen Charakter verliert, weil man es zu sehr „verfeinern“ wollte. Man vermeidet das, indem man den Charakter des Gerichts immer als oberste Priorität behält.
Wenn ihr Teilnehmenden einen Satz mitgeben dürftet: Welcher wäre es?
Probiert es einfach aus: wir lieben echte Charaktere, und hier könnt ihr ganz ihr selbst sein! Der Wettbewerb bietet eine massive Reichweite und ist DIE Bühne, die man als Koch braucht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, das eigene Netzwerk auszubauen und das Restaurant nachhaltig zu pushen. Wir freuen uns sehr auf euch!
Danke für das Gespräch!
Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit
Koch des Jahres 2026: Jetzt bewerben!
Der renommierte Wettbewerb „Koch des Jahres“ geht unter dem Motto „Kindheitserinnerung: Old School & New School“ in die nächste Runde. Dafür interpretieren die Bewerber ein Gericht ihrer Kindheit auf zwei Tellern: Einmal klassisch und einmal mutig, modern und neu erzählt.
Mitmachen können alle Profi-Köche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Alter und Geschlecht sind egal. Gesucht werden Kreativität, Geschmack und das Potenzial, sich als Persönlichkeit zu vermarkten. Bewerbungsschluss ist der 26. Februar 2026.
2025 gewann Daniel Wallenstein den Titel Koch des Jahres. Mehr dazu lesen Sie an dieser Stelle.