Kaffeereport 2026
Quelle: Tchibo

Kaffeereport 2026: Preis bremst den Kauf nachhaltiger Kaffees

Der deutsche Kaffeemarkt steht zwischen ausgeprägten Konsumgewohnheiten, steigenden Preisen und wachsenden Anforderungen an die Lieferkette. Das zeigt der Kaffeereport 2026, den Tchibo gemeinsam mit Brand eins und Statista veröffentlicht hat. Die 15. Ausgabe trägt den Schwerpunkt „Wirkung“ und verbindet eine repräsentative Befragung mit Daten zu Produktion, Handel und Konsum sowie mit Einblicken in die Nachhaltigkeitsstrategie von Tchibo.

Für die Erhebung wurden im Januar 2026 insgesamt 1.500 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren aus ganz Deutschland befragt, die mindestens einmal im Monat Kaffee trinken. Die Ergebnisse machen deutlich, wie fest Kaffee im Alltag verankert ist. Sie zeigen aber auch, dass Preis, Glaubwürdigkeit und Transparenz zunehmend darüber entscheiden, welche Produkte gekauft werden.

Wie viel Kaffee trinken die Deutschen?

Im Durchschnitt 3,2 Tassen Kaffee täglich. So viel trinken die Befragten. Männer kommen auf 3,4 Tassen, Frauen auf 3,0 Tassen. Am höchsten ist der Konsum unter den 56- bis 65-Jährigen mit durchschnittlich 3,6 Tassen. Die 18- bis 21-Jährigen bilden mit 2,3 Tassen das untere Ende der untersuchten Altersgruppen.

Kaffeereport 2026
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Bei den Zubereitungsarten dominieren weiterhin etablierte Varianten. 47 Prozent trinken regelmäßig Filterkaffee, 38 Prozent Caffè Crema und 34 Prozent Cappuccino. Latte macchiato erreicht 26 Prozent, Espresso 23 Prozent und Milchkaffee beziehungsweise Café au Lait ebenfalls 23 Prozent. Gekühlte Kaffeegetränke aus dem Handel kommen auf zehn Prozent, entkoffeinierter Kaffee auf sechs Prozent. Cold Brew und Nitro Coffee bleiben mit zwei beziehungsweise einem Prozent Nischenprodukte.

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Auch bei den Geräten zeigt sich ein breites Spektrum. Deutschlandweit werden Kaffeevollautomaten und Filterkaffeemaschinen am häufigsten genutzt. Regional unterscheiden sich die Vorlieben: Im Osten erreicht die Filterkaffeemaschine einen besonders hohen Anteil, während Vollautomaten im Süden stärker vertreten sind. Handfilter, Kapsel- und Padmaschinen sowie Siebträger spielen ebenfalls eine Rolle, bleiben aber hinter den beiden führenden Gerätekategorien zurück.

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Der erste Kaffee strukturiert den Morgen

Kaffee erfüllt für viele Befragte nicht nur eine funktionale, sondern auch eine emotionale Aufgabe. 59 Prozent betrachten die erste Tasse als Startschuss in den Tag. Für 32 Prozent ist sie die Ruhe vor dem Tagessturm, für jeweils 27 Prozent reine Gewohnheit oder bewusst reservierte Zeit für sich selbst. 24 Prozent verbinden damit einen kleinen Luxus, 16 Prozent einen Moment des Zusammenseins.

Der Duft von frischem Kaffee weckt bei 61 Prozent Vorfreude. 51 Prozent verbinden ihn mit einer wohligen Stimmung, 32 Prozent mit einem Stück Zuhause und 25 Prozent mit Entspannung. Die Vorfreude nimmt tendenziell mit dem Alter zu: Unter den 18- bis 21-Jährigen nennen sie 44 Prozent, bei den 56- bis 65-Jährigen sind es 72 Prozent.

Am besten wirkt Kaffee nach Einschätzung der Befragten in Genussmomenten. 53 Prozent nennen Situationen, in denen sie bewusst etwas genießen möchten. 49 Prozent greifen in einer Pause zu Kaffee, 31 Prozent bei Müdigkeit und jeweils knapp ein Viertel zur Belohnung oder wenn Konzentration gefragt ist. Nur fünf Prozent schreiben dem Getränk keine besondere Wirkung zu.

Die persönliche Lieblingstasse gehört für viele zum Ritual. Für 20 Prozent schmeckt Kaffee ohne sie nicht richtig, weitere 14 Prozent nutzen sie am liebsten, kommen aber notfalls auch ohne sie aus. 35 Prozent haben zwar eine bevorzugte Tasse, legen sich jedoch nicht vollständig fest.

Kaffeereport 2026
Quelle: Tchibo

Kaffeevorräte als Reaktion auf Angebote und Preise

Die Bevorratung ist ein prägendes Merkmal des deutschen Kaffeemarktes. 44 Prozent kaufen bei Angeboten fast immer gleich mehrere Packungen, weitere 42 Prozent tun dies gelegentlich. Nur vier Prozent kaufen Kaffee unabhängig von Sonderangeboten. Insgesamt haben 63 Prozent neben einer geöffneten Packung eine bis drei weitere Packungen zu Hause. Sieben Prozent lagern sogar mehr als fünf ungeöffnete Packungen.

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Die Vorratshaltung ist eng mit der Preissensibilität verbunden. 47 Prozent betrachten Kaffee inzwischen zumindest tendenziell als Luxusgut: 14 Prozent stimmen der Aussage eindeutig zu, weitere 33 Prozent eher. Gleichzeitig bleibt Kaffee für 22 Prozent ein Alltagsprodukt, das sie nicht als Luxus einordnen.

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Die Zahlungsbereitschaft konzentriert sich auf das mittlere Preissegment. 35 Prozent würden für ein Kilogramm Kaffee zwischen 10 und 12,99 Euro bezahlen, 26 Prozent zwischen 13 und 15,99 Euro. Zwölf Prozent setzen ihre Grenze bei 16 bis 19,99 Euro. Lediglich sieben Prozent sind grundsätzlich bereit, mindestens 20 Euro pro Kilogramm auszugeben.

Würde Kaffee teurer als gewünscht, würden 39 Prozent dennoch weiter Kaffee trinken. Als Alternativen nennen die Befragten vor allem Tee, Wasser, koffeinhaltige Softdrinks, Kakao und Energydrinks. Geht der Vorrat zu Hause unerwartet aus, würden sich 15 Prozent möglichst schnell neuen Kaffee besorgen, ohne vorübergehend auf ein anderes Getränk umzusteigen.

Espresso im Restaurant hat eine klare Preisgrenze

Für Gastronomiebetriebe ist vor allem die abgefragte Preisgrenze beim Espresso relevant. Im Median würden die Befragten ab einem Preis von 4,50 Euro nach dem Essen auf einen Espresso verzichten. Bei den 18- bis 21-Jährigen liegt diese Grenze bei fünf Euro, bei den 66- bis 75-Jährigen bei vier Euro.

Der Report weist für Deutschland zudem einen durchschnittlichen Restaurantpreis von 3,57 Euro für einen Cappuccino im Jahr 2026 aus. Das entspricht gegenüber 2025 einem Anstieg um 2,9 Prozent. Im europäischen Vergleich reicht die im Report dargestellte Spanne von 1,74 Euro in Italien bis 5,65 Euro in Dänemark. Solche Durchschnittswerte bilden regionale Unterschiede und unterschiedliche gastronomische Konzepte allerdings nur eingeschränkt ab.

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Für die Gastronomie ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Kaffee bleibt ein stark nachgefragtes Produkt mit hoher emotionaler Bindung, doch die akzeptierte Preissteigerung ist nicht unbegrenzt. Herkunft, Qualität, Zubereitung und Service müssen deshalb nachvollziehbar machen, weshalb ein Kaffeegetränk einen bestimmten Preis kostet.

Koffein wirkt nicht bei allen gleich

Die Befragung zeigt große Unterschiede beim Umgang mit Koffein. 20 Prozent trinken in der Regel ab dem späteren Nachmittag beziehungsweise frühen Abend zwischen 16 und 19 Uhr keinen koffeinhaltigen Kaffee mehr. 15 Prozent setzen ihre Grenze zwischen 19 und 21 Uhr, elf Prozent bereits vor dem Mittag. Dagegen geben 18 Prozent an, Kaffee zu jeder Tageszeit trinken zu können, ohne Schlafprobleme zu bekommen.

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29 Prozent können nach eigener Aussage nach einem Espresso noch kurz einschlafen, bevor die Wirkung des Koffeins einsetzt. Bei 23 Prozent hängt dies von der Tagesform ab, zwölf Prozent halten es für unmöglich. Einen Espresso gezielt vor einem kurzen Nickerchen zu trinken, ist damit keineswegs nur ein theoretisches Phänomen.

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Koffeinpräparate können das Getränk für die Mehrheit dennoch nicht ersetzen. Besonders jüngere Befragte zeigen sich gegenüber Tabletten oder vergleichbaren Supplementen offener. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Bereitschaft deutlich ab. Geschmack, Ritual und soziale Funktion des Kaffees lassen sich für viele offenbar nicht auf die stimulierende Wirkung des Koffeins reduzieren.

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Arbeitsplatzkaffee bleibt soziales Ritual

Weitere im Report zusammengestellte Daten unterstreichen die Bedeutung von Kaffee am Arbeitsplatz. Beschäftigte trinken dort im Durchschnitt 2,1 Tassen am Tag. Bei Männern sind es 2,4, bei Frauen 1,8 Tassen. 70 Prozent trinken mehrmals täglich Kaffee bei der Arbeit, 79 Prozent stehen häufig oder sehr häufig schon vor 10 Uhr an der Kaffeemaschine.

Neben der anregenden Wirkung spielt der Austausch im Team eine wichtige Rolle. 73 Prozent sehen im gemeinsamen Kaffeetrinken ein soziales Element, das zur Unternehmenskultur beitragen kann. 74 Prozent fühlen sich durch Kaffee konzentrierter, 70 Prozent motivierter und 69 Prozent ausgeglichener. 40 Prozent trinken Kaffee in Besprechungen, 31 Prozent greifen besonders in stressigen Phasen zur Tasse.

Nachhaltigkeit scheitert häufig am Preis

Beim nachhaltigen Kaffeekauf zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und tatsächlichem Verhalten. 46 Prozent nennen den Preis als Hindernis. 19 Prozent fehlen ausreichende Informationen, 18 Prozent vertrauen den Siegeln nicht. Jeweils 14 Prozent führen den Geschmack, eine fehlende persönliche Überzeugung von der Wirkung des eigenen Kaufs oder eine geringe Bedeutung von Nachhaltigkeit als Kaufkriterium an. Zehn Prozent bemängeln eine zu kleine Auswahl nachhaltiger Sorten.

Kaffeereport 2026
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Auf die Frage nach der wichtigsten gewünschten Veränderung nennen 20 Prozent insgesamt niedrigere Kaffeepreise. Jeweils 16 Prozent wünschen sich günstigere nachhaltige Produkte beziehungsweise bessere Arbeitsbedingungen in den Anbauländern. Elf Prozent priorisieren höhere Einkommen für Kaffeefarmer, jeweils acht Prozent mehr Transparenz oder einen umweltfreundlicheren Anbau.

Die Hauptverantwortung für eine nachhaltige Produktion sehen 36 Prozent bei den Kaffeeunternehmen. Zwölf Prozent nennen die Politik der Anbauländer, elf Prozent die Farmer und zehn Prozent die Politik der Konsumländer. Nur fünf Prozent schreiben den Konsumenten die größte Verantwortung zu. Weitere elf Prozent betrachten alle Beteiligten gemeinsam als verantwortlich.

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Siegel schaffen Orientierung, aber keine Gewissheit

Nachhaltigkeitssiegel werden unterschiedlich bewertet. 28 Prozent verbinden sie mit umweltschonendem Anbau, jeweils 20 Prozent mit gerechter Bezahlung beziehungsweise mit einer grundsätzlich guten, aber schwer kontrollierbaren Idee. 19 Prozent sehen darin vor allem eine Marketingmaßnahme mit fraglicher Wirkung.

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Sechs Prozent vertrauen Nachhaltigkeitssiegeln sehr stark, 26 Prozent eher stark. Gleichzeitig antworten 47 Prozent mit „teils, teils“, während 22 Prozent eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen. Auffällig sind die Altersunterschiede: Unter den 22- bis 35-Jährigen vertrauen 48 Prozent den Siegeln stark oder eher stark, unter den 66- bis 75-Jährigen sind es 21 Prozent.

Eine begrenzte Auswahl verständlicher Siegel halten 53 Prozent für sinnvoll. 33 Prozent finden, dass es bereits zu viele gibt und dadurch eher Verwirrung entsteht. Unternehmensprogramme in den Anbauländern werden mehrheitlich positiv bewertet, sofern ihre Arbeit vor Ort nachvollziehbar ist. Für Glaubwürdigkeit sind unabhängige Prüfungen und Zertifikate für 45 Prozent wichtig. 40 Prozent erwarten konkrete Beispiele und Zahlen, 34 Prozent langjähriges Engagement und 24 Prozent persönliche Geschichten aus den Anbauländern.

Die Anforderungen sind damit widersprüchlich: Verbraucher wünschen sich einfache Orientierung, erwarten aber zugleich differenzierte Informationen und überprüfbare Ergebnisse. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil fühlt sich sehr gut oder eher gut über die Nachhaltigkeitsarbeit von Kaffeeunternehmen informiert.

Tchibo baut eigenes Programm Coffee2Stay aus

Vor diesem Hintergrund beschreibt der Report einen Strategiewechsel bei Tchibo. Das Unternehmen setzt für sein Sortiment schrittweise stärker auf das eigene Programm Coffee2Stay. Seit Ende 2025 trennt sich Tchibo bei den rund 100 Kaffeesorten für Filialen und Lebensmittelhandel nach eigenen Angaben nach und nach von den Siegeln Fairtrade und Rainforest Alliance. Die Gastromarken sollen weiterhin zertifiziert bleiben.

Das im Februar 2024 gestartete Programm soll bis 2027 dazu führen, dass der gesamte Kaffee von Tchibo aus einem nach Unternehmensdefinition verantwortungsvollen Einkauf stammt. Ende 2025 waren dem Report zufolge rund 22.000 Farmer eingebunden. Bis 2027 sollen etwa 75.000 Kaffeebauern direkt erreicht werden.

Tchibo begründet den Wechsel damit, dass der Anteil zertifizierter Kaffees über Jahre bei rund 20 Prozent stagniert habe. Klassische Zertifizierungssysteme erreichten vor allem Produzenten, die bereits in Kooperativen organisiert seien und die damit verbundene Dokumentation bewältigen könnten. Das eigene Programm soll auch kleinere, bislang nicht zertifizierte Betriebe einbeziehen.

Coffee2Stay ist als Verbesserungssystem angelegt. Statt zu Beginn die Einhaltung eines einheitlichen Kriterienkatalogs zu verlangen, sollen zunächst regionale Risiken und Bedürfnisse erfasst werden. Darauf folgen Schulungen und Projekte, deren Umsetzung später kontrolliert wird. Die Teilnahme der Farmer ist freiwillig.

Als externer Partner wertet die gemeinnützige Organisation Enveritas nach Angaben von Tchibo Satellitenbilder, statistische Stichproben und anonymisierte Befragungen aus. Untersucht werden unter anderem Landnutzung, Entwaldung, Menschenrechte, Einkommen und Arbeitsschutz. Die erhobenen Daten sollen anschließend mit den Einkaufsregionen des Unternehmens abgeglichen werden.

Die regionalen Schwerpunkte unterscheiden sich. In Brasilien stehen laut Report unter anderem Pestizideinsatz und Umweltfragen im Vordergrund. In Vietnam geht es um effizientere Bewässerung und sinkende Grundwasserspiegel. In kleinbäuerlich geprägten Regionen Mittelamerikas und Afrikas spielen Einkommen, Produktivität, Kinderarbeit, Bildung und soziale Absicherung eine größere Rolle.

Ein garantierter Mindestpreis ist in dem Programm nicht vorgesehen. Tchibo setzt stattdessen auf höhere Erträge, bessere Qualitäten und wirtschaftlich stabilere Betriebe. Das Unternehmen erklärt, eingesparte Lizenzgebühren in die eigenen Programme zu investieren. Der Verzicht auf ein bekanntes unabhängiges Siegel verlagert zugleich einen Teil des Glaubwürdigkeitsnachweises auf Tchibo selbst. Angesichts der Befragungsergebnisse werden überprüfbare Daten, externe Kontrollen und eine transparente Kommunikation deshalb entscheidend sein.

Guatemala als Beispiel für regionale Maßnahmen

Wie das Programm vor Ort umgesetzt werden soll, schildert der Report am Beispiel der guatemaltekischen Gemeinde Santa Bárbara. Die hoch gelegene Region bietet günstige Bedingungen für Arabica-Kaffee, ist aber zugleich von Armut, Migration und begrenzten Bildungsmöglichkeiten geprägt.

Die Organisation Coffee Care arbeitet dort mit Agrartechnikern und Sozialarbeitern. Ein früheres Projekt unterstützte zunächst 600 Bäuerinnen und Bauern mit Setzlingen und Schulungen. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben des Reports bereits 3.474 Familien betreut. Vermittelt werden unter anderem Kenntnisse zum Pflanzen, Schneiden, Düngen, Ernten und Verarbeiten von Kaffee.

Auf der 14 Hektar großen Farm von Francisco Sales López, genannt Don Chico, werden Schulungen durchgeführt. Neben Kaffee wachsen dort in einem kleinen Gewächshaus Karotten, Zwiebeln und Koriander. Eine Biogasanlage verarbeitet Wasser, Ziegenmist und die bei der Kaffeeverarbeitung anfallende Pulpe. Als Ergebnis entstehen Dünger und eine geringe Menge Gas für den Küchenherd.

Die zusätzlichen Kulturen sollen die Ernährung verbessern und Einkommen außerhalb der Erntesaison ermöglichen. Im Vorjahr erhielten 78 Frauen nach erfolgreicher Teilnahme an einem Gemüsebaukurs ein eigenes Gewächshaus. Ergänzend gibt es Schulungen zu Buchhaltung, Computerarbeit und Unternehmensgründung. Einzelne Teilnehmerinnen haben unter anderem eine Bäckerei oder einen kleinen Laden aufgebaut.

Auf einer weiteren Farm wird der Anbau von Kaffee unter Inga-Bäumen erprobt. Zwischen 220 jungen Kaffeepflanzen wurden 126 Inga-Setzlinge gepflanzt. Die Bäume sollen Schatten spenden, Stickstoff in den Boden einbringen und mit ihrem Schnittmaterial Mulch liefern. Dadurch sollen Erosion und Austrocknung verringert sowie der Einsatz chemischer Betriebsmittel reduziert werden.

Soziale Angebote richten sich auch an Kinder und Jugendliche. Sogenannte Coffee Clubs verbinden Freizeitangebote mit Nachhilfe und beruflicher Orientierung. An einem Fachinternat lernen 14 Schülerinnen und neun Schüler fünf Stunden pro Woche auf der schuleigenen Kaffeeplantage. Neben dem Anbau beschäftigen sie sich mit Verarbeitung, Verkostung, Verpackung und Vermarktung. Eine vorangegangene Klasse produzierte nach Angaben des Reports 240 Pfund Kaffee und verkaufte sämtliche Packungen.

Klimawandel verändert den Kaffeeanbau

Die regionalen Projekte stehen vor einem globalen Problem. Kaffee wird in mehr als 45 Ländern angebaut und bildet nach den im Report zusammengetragenen Angaben die Lebensgrundlage für rund 12,5 Millionen Farmer. Von 124 bekannten Kaffeearten haben vor allem Arabica und Robusta wirtschaftliche Bedeutung.

Zwischen den Bohnensorten Arabica und Robusta gibt es gleich mehrere Unterschiede – nicht nur im Genuss, sondern auch im Anbau.

Arabica

  • macht rund 57 Prozent der Welternte aus
  • wird in höheren Lagen zwischen 600 und 2.000 Metern angebaut
  • Jahresniederschlagsmenge: 1.500 bis 2.000 Liter pro Quadratmeter
  • Bodenbeschaffenheit: tief
  • Luftfeuchtigkeit: hoch
  • bevorzugte Temperatur: 18 bis 25 Grad Celsius
  • Dauer von der Blütezeit bis zur Ernte: sieben bis neun Monate (Selbstbestäubung)
  • geschwungene Frucht
  • längliche Form
  • hat einen Fettgehalt von 15 bis 18 Prozent
  • enthält 0,8 bis 1,5 Prozent Koffein
  • Geschmack: besitzt ein breites Geschmacksspektrum von süß über säuerlich bis würzig oder fruchtig

Robusta

  • macht rund 43 Prozent der Welternte aus
  • wird in niedrigeren Lagen bis zu 900 Metern angebaut
  • Jahresniederschlagsmenge: 1.500 bis 2.500 Liter pro Quadratmeter
  • Bodenbeschaffenheit: tief/hummusreich
  • Luftfeuchtigkeit: gegen 100 Prozent
  • bevorzugte Temperatur: um die 26 Grad Celsius
  • Dauer von der Blütezeit bis zur Ernte: neun bis elf Monate (Fremdbestäubung)
  • geradlinige Frucht
  • runde Form
  • hat einen Fettgehalt von acht bis neun Prozent
  • enthält 1,7 bis 3,5 Prozent Koffein
  • Geschmack: bitter, erdig, rau; wird traditionell in Blends verwendet mit starkem Charakter
Kaffeereport 2026
Quelle: Tchibo

Bis 2050 könnten infolge des Klimawandels bis zu 60 Prozent der heutigen Anbauflächen mit den derzeit verbreiteten Pflanzenarten nicht mehr in gleicher Weise bewirtschaftet werden. Dürren, Starkregen, steigende Temperaturen, Pflanzenkrankheiten und ausgelaugte Böden bedrohen Erträge und Qualitäten. Die weltweite Kaffeeerntefläche ist zugleich von rund 8,19 Millionen Hektar im Jahr 1970 auf 12,36 Millionen Hektar 2024 gewachsen.

Für das Erntejahr 2025/26 wird die weltweite Rohkaffeeproduktion im Report auf rund 178,8 Millionen Säcke zu je 60 Kilogramm geschätzt. Brasilien bleibt mit 63 Millionen Säcken das wichtigste Produktionsland, gefolgt von Vietnam mit 30,8 Millionen, Kolumbien mit 13,8 Millionen, Indonesien mit 12,45 Millionen und Äthiopien mit 11,56 Millionen Säcken.

Kaffeereport 2026
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Agroforstsysteme gelten als eine Möglichkeit, die Widerstandsfähigkeit des Anbaus zu erhöhen. Eine im Report zitierte Metaanalyse kommt für Kaffee unter Schattenbäumen im Vergleich zu unbeschatteten Systemen auf geringere Ertrags-, Schädlings- und Qualitätsverluste. Schattenbäume können Temperaturen abmildern, die Bodenfeuchtigkeit stabilisieren und zusätzliche Biomasse liefern. Ihre Einführung erfordert jedoch Wissen, Arbeitskraft und eine Anpassung an den jeweiligen Standort.

Deutschland importiert mehr als eine Million Tonnen Rohkaffee

Deutschland gehört zu den wichtigsten Drehscheiben des internationalen Kaffeehandels. Für 2025 weist der Report ein vorläufiges Importvolumen von rund 1,115 Millionen Tonnen Rohkaffee aus. Der Importwert lag bei knapp 6,7 Milliarden Euro und damit erheblich höher als in den Vorjahren.

Mit etwa 383.000 Tonnen kam mehr als ein Drittel des deutschen Rohkaffeeimports aus Brasilien. Vietnam folgte mit rund 235.600 Tonnen. Weitere bedeutende Lieferländer waren Honduras, Kolumbien, Äthiopien, Uganda, Indonesien und Peru.

Deutschland exportiert zugleich erhebliche Mengen Roh- und Röstkaffee. Für 2025 nennt der Report rund 178.900 Tonnen Rohkaffeeexporte mit einem Wert von etwa 1,13 Milliarden Euro. Das verweist auf die Funktion des Standorts als Handels-, Verarbeitungs- und Logistikzentrum. Weltweit werden rund 70 Prozent des erzeugten Rohkaffees exportiert, während 30 Prozent in den Erzeugerländern konsumiert oder eingelagert werden.

Ready-to-Drink und Onlinehandel wachsen

Neben dem klassischen Bohnen- und Röstkaffeegeschäft gewinnen bequem konsumierbare Formate an Bedeutung. Das deutsche Marktvolumen für trinkfertige Kaffeegetränke wird für 2025 mit 130 Millionen Litern angegeben. Bis 2030 könnte es auf rund 139 Millionen Liter steigen. Dazu zählen unter anderem Eiskaffee, Coffee Latte und abgefüllter Cold Brew.

Der stationäre Handel bleibt der wichtigste Absatzkanal. 2025 entfielen dem Report zufolge 93,5 Prozent des deutschen Kaffeeabsatzes auf Offlinekanäle und 6,5 Prozent auf den Onlinehandel. Bis 2030 wird ein Onlineanteil von 14,5 Prozent prognostiziert. Für Gastronomie, Röstereien und Fachhandel bedeutet dies, dass digitale Bestellung, Abonnements und Direktvertrieb an Bedeutung gewinnen, ohne den stationären Einkauf kurzfristig zu verdrängen.

Konsequenzen für Gastronomie und Handel

Der Kaffeereport 2026 zeichnet einen Markt, in dem eine hohe Konsumtreue auf zunehmende Preissensibilität trifft. Für gastronomische Betriebe bleibt Kaffee ein wichtiger Frequenz- und Umsatzbringer. Die ausgeprägte Bindung an Rituale, Genussmomente und soziale Situationen bietet Chancen für klar profilierte Angebote. Gleichzeitig setzen Preisgrenzen einem beliebigen Aufschlag Grenzen.

Auch Nachhaltigkeitsbotschaften müssen konkreter werden. Allgemeine Versprechen reichen vielen Konsumenten nicht aus. Gefragt sind nachvollziehbare Herkunftsinformationen, konkrete Kennzahlen, unabhängige Überprüfungen und eine verständliche Darstellung der Maßnahmen in den Anbauregionen. Das gilt für zertifizierte Produkte ebenso wie für unternehmenseigene Programme.

Damit wird die Wirkung von Kaffee in mehrfacher Hinsicht relevant: als täglicher Wachmacher und Genussmoment, als kalkulationssensibles Gastronomieprodukt und als landwirtschaftliche Handelsware, an der Millionen Existenzen hängen. Der Bericht macht zugleich deutlich, dass die Zukunft des Marktes nicht allein über Geschmack und Preis entschieden wird. Ebenso wichtig wird sein, ob Unternehmen belastbar zeigen können, welche Veränderungen ihre Einkaufs- und Nachhaltigkeitsmodelle in den Anbauregionen tatsächlich bewirken.

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Quelle: Tchibo

Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mit seiner langjährigen Erfahrung als Fachjournalist berichtet Lukas Steiglechner aus der Zentralredaktion in München über aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt er Wert auf klare Einordnung, relevante Entwicklungen und praxisnahe Perspektiven für das professionelle Gastgewerbe.

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