Ein Projekt von United Against Waste mit drei รถsterreichischen Krankenhรคusern ergab, dass die freie Gรคngewahl nicht zu weniger Lebensmittelabfall fรผhrt.
Quelle: Colourbox.de/Angel Cortijo Nieto

Projekt von United Against Waste: freie Gรคngewahl fรผhrt im Krankenhaus nicht zu weniger Lebensmittelabfall

Flexible Wahlmรถglichkeiten von Patienten bei der Verpflegung in Krankenhรคusern in puncto Gรคngewahl (z. B. Abbestellen von Suppe, Salat oder Dessert) fรผhrt nicht automatisch zu weniger Lebensmittelabfรคllen. Das zeigt ein Forschungsprojekt von United Against Waste (UAW), bei dem mit drei รถsterreichischen Krankenhรคusern in mehrwรถchigen Erhebungen die Auswirkungen der Bestellsystematik โ€žFixe Menรผs vs. flexible Gรคngewahlโ€œ auf Lebensmittelabfallvermeidung untersucht wurde.

Das Ergebnis: Das Essensangebot und die Essensqualitรคt sowie Abwesenheiten von Patienten z. B. durch Operationen haben mehr Einfluss auf die Lebensmittelabfallmenge, als die Option einer freien Gรคngewahl fรผr Patienten.

United Against Waste fรผhrt Projekt mit รถsterreichischen Krankenhรคusern durch

Fast ein Drittel der ausgegebenen Essensmenge landet in รถsterreichischen Krankenhรคusern in der Tonne, denn der durchschnittliche Verlustgrad (Verhรคltnis von vermeidbarem Lebensmittelabfall im Vergleich zum ausgegebenen Essen) liegt aktuell im Durchschnitt bei 29 Prozent โ€“ das ist nicht nur ein groรŸer Kostenfaktor, sondern belastet auch das Klima.

Um die grรถรŸten Hebel bei der Lebensmittelabfallvermeidung zu identifizieren, hat die Initiative United Against Waste gemeinsam mit drei รถsterreichischen Krankenhรคusern untersucht, ob eine Umstellung des Systems von einer Menรผ- auf eine Gรคngewahl zu einer Reduktion von Lebensmittelabfรคllen fรผhrt.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Umstellung von einer Menรผ- auf eine Gรคngewahl fรผhrte nicht zu einer Verringerung der absoluten Abfallmenge. Die tรคglich ausgegebene Essensmenge sank zwar, die Lebensmittelabfallmenge blieb aber in etwa auf gleichem Niveau. So ergibt sich ein relativer Anstieg des durchschnittlichen Verlustgrades von 27 auf 30 Prozent.

Vor allem Salat und Beilagen im Abfall

An den drei an der Untersuchung beteiligten Krankenhausstandorten wurde auf jeweils zwei Stationen wรคhrend eines dreiwรถchigen Zeitraums im Herbst 2022 eine Erhebung mit klassischer Menรผwahl und einer weiteren mit Gรคngewahl im Frรผhjahr 2023 durchgefรผhrt. Der Speiseplan und die Rahmenbedingungen waren dabei ident; erhoben wurden Lebensmittelabfรคlle und ausgegebene Essensmenge.

Bemerkenswert war bei der freien Gรคngewahl, dass die Patienten trotz der flexibleren Wahlmรถglichkeiten weiterhin dazu tendierten, alle drei bis vier Gรคnge auszuwรคhlen, wรคhrend die Tellerreste trotz Umstieg des Bestellsystems gleichblieben.

An zwei der drei Pilotstandorte wurden die Lebensmittelabfรคlle zusรคtzlich nach einzelnen Komponenten sortiert. Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Abfallzusammensetzung vor allem Salat und Sรคttigungsbeilagen, sowohl bei der Menรผ- als auch bei der Gรคngewahl die hรถchsten Verlustgrade aufweisen. Der Anteil an SรผรŸspeisen an der Abfallmenge war am geringsten.

Essensqualitรคt und Abwesenheiten beeinflussen Lebensmittelabfall

Um andere Hebel bei der Lebensmittelabfallvermeidung in Krankenhรคusern abseits von der Gรคngewahl unter die Lupe zunehmen wurden zusรคtzliche Analysen durchgefรผhrt, die auf andere Ursachen in Sachen Lebensmittelabfall hinweisen.

Synchron verlaufende Verlustgrade zwischen Menรผ- und Gรคngewahlsystem und hohe Tagesschwankungen โ€“ teilweise zwischen 15 und 51 Prozent โ€“ deuten darauf hin, dass zwischen dem Essensangebot und dem Lebensmittelabfall ein enger Zusammenhang besteht. Denn die einzige Konstante in beiden Erhebungen war das Essensangebot; andere Faktoren wie konkrete Patienten, Jahreszeiten und Personal variierten zwischen dem System der Menรผ- und Gรคngewahl.

Die angebotenen Speisen entsprechen mรถglicherweise nicht immer den Erwartungen von Patienten. Es kรถnnen Qualitรคtsverluste der Speisen am Weg zu den Patienten entstehen, z. B. durch zu lange Vorlaufzeiten bei der Zubereitung, wie bei bereits marinierten Salaten oder gebackenen Speisen.

Ein weiterer Faktor beeinflusst den Lebensmittelabfall in Krankenhรคusern: Die mitunter fehlende oder verspรคtete Kommunikation von Abwesenheiten von Patienten durch Operationen oder Entlassungen am Wochenende. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich von Verlustgrad und Anzahl der Operationen an einem der Pilotstandorte. In einem anderen Krankenhaus wiederum, sind die Verlustgrade im Menรผ- und Gรคngewahlsystem vor allem an den Wochenenden hoch, was auf das fehlende Kommunizieren von Abwesenheiten hinweist.

Eine weitere Erkenntnis: Teilweise bestehen groรŸe Schwankungen der Portionsgewichte von identen Menรผs. So wog z. B. an einem Standort im System der Gรคngewahl am zweiten Tag das Menรผ 1 um 40 Gramm weniger, dafรผr die Menรผs 2 bis 4 um bis zu 255 Gramm mehr als bei der Erhebung mit Menรผwahl. Das deutet auf nicht genaues Schรถpfen von Speisen hin, was nur bei einer entsprechenden รœberproduktion erfolgen kann.

Fazit

Eine Gรคngewahl hat in Krankenhรคusern keinen Einfluss auf die Reduktion von Lebensmittelabfรคllen.

In Betriebsrestaurants oder Rehazentren stellt sich die Lage aber anders dar: diese arbeiten sehr wohl erfolgreich mit Gรคngewahl bzw. mit Buffetsystemen, um Lebensmittelabfรคlle zu reduzieren. Eine mรถgliche Erklรคrung: Patienten in Krankenhรคusern sind meist nur fรผr einen kurzen Zeitraum von ein paar Tagen vor Ort und kennen das Speisenangebot nicht โ€“ Mitarbeiter in Betriebsrestaurants oder Rehazentren wiederum werden รผber lรคngere Zeitrรคume verpflegt und kรถnnen sich so bereits im Vorhinein ein besseres Bild รผber die Speisen machen und entsprechend ihrem Geschmack wรคhlen, was Tellerreste reduziert.

Im komplexen System Krankenhaus beeinflussen hingegen andere Faktoren die Entstehung von Lebensmittelabfall stรคrker. Es gibt dabei nicht nur eine Ursache, sondern entstehen Lebensmittelabfรคlle oftmals im Zusammenspiel mehrerer Faktoren und kรถnnen auch von Standort zu Standort variieren. Deshalb ist eine individuelle, schrittweise Analyse der eigenen Prozesse notwendig:

Lรถsungsansรคtze zum Projekt von United Against Waste

  • Rรผcklauf punktuell beobachten und ggf. Essensangebot anpassen und/oder Komponenten streichen, ersetzen oder verbessern.
  • Abstimmung und Kommunikation der Erkenntnisse mit Diรคtologie, um ggf. Essensangebot anzupassen
  • Essensqualitรคt รผberprรผfen: Rechtzeitig kosten und testen in der Kรผche, regelmรครŸige Durchfรผhrung von Teamverkostungen, Blattsalate ggf. erst am Bett marinieren
  • Speisenangebote an die Gegebenheiten in Kรผche, Stationen und ggf. an AuรŸenstandorte anpassen (z. B. Wege von Kรผche zu Stationen oder System โ€“ Cook & Chill oder Frischkรผche โ€“ mitbedenken)
  • Essen bei Abwesenheiten abbestellen und/oder Patienten bzw. Bewohnern im Bestellsystem auf โ€žnรผchternโ€œ setzen.
  • Beim Tablettieren wiederholte Stichprobenkontrollen durch Messen und Verwiegen von Suppen, Salaten, Beilagen usw. in regelmรครŸigen Abstรคnden durch Kรถche/Kรผchenleitung
  • Ausreichend Portionierwerkzeug im Kรผchenbestand, welches auch beschriftet vorbereitet ist.
  • Erstellung eines Kellenplans: Welches Werkzeug ist wofรผr?
  • Wiederholte Einweisung des Ausgabepersonals fรผr Portionierung
  • Musterteller am Band darstellen: Von jedem Gericht einen Musterteller fotografieren und wรคhrend dem Tablettieren auf Bildschirm im Ausgabebereich anzeigen.

Quelle: United Against Waste

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