Eigentlich sind Bonus- und Rabattkarten eine richtig gute Sache, denn wer mรถchte nicht fรผr wiederholte Einkรคufe belohnt werden? Doch oft hat man die kleinen Kรคrtchen im entscheidenden Moment beim Bรคcker, im Cafรฉ oder an der Autowaschanlage nicht zur Hand und geht leer aus. Dies wollen die Hamburger Brรผder Nicolas und Maximilian Aรmann รคndern. Sie haben die App Loyal entwickelt, die die Bonuskarte smart macht und aufs Handy bringt.
Der Bedarf ist riesig. Schรคtzungen zufolge haben wir Deutschen im Schnitt 3,7 Bonuskarten, acht von zehn Befragten gaben im Rahmen einer Loyal-Studie an, dass sie die praktische App nutzen wรผrden. Und auch auf Unternehmensseite schlummert groรes Potential: hunderttausende vor allem kleine und mittlere Unternehmen aus Gastronomie, Handel, Service und Hotellerie sind nach vorsichtigen Schรคtzungen des Start-ups fรผr Loyal prรคdestiniert. Sie profitieren von der Kundenbindung, haben jederzeit รberblick รผber die Anzahl der digitalen Stempel, die sie vergeben haben, beugen Missbrauch vor und kรถnnen weitere Informationen und Angebote รผber die App kommunizieren.
Kaffee und Croissants ab sofort als NFTs
Als neueste Clou fรผhren die Aรmann-Brรผder die NFT-Technologie ein. Mit den digitalen Token bringen sie Coupons, Voucher und Gutscheine fรคlschungssicher aufs Smartphone. Die Vorteile dafรผr liegen auf der Hand: die Loyal-NFTs gehรถren dem Kunden, man verbindet Wertigkeit mit ihnen, mit nur einem Klick kann er sie an andere verschenken. Marken kรถnnen sich fรผr Kooperationen zusammentun und auch Editionen mit Influencern sind geplant. Wie zukunftsweisend und vielversprechend diese Form der erweiterten Kundenbindung ist, unterstreicht die Odyssey Experience von Starbucks, mit der das Unternehmen gerade erst ins Web3 expandiert und einen Hype unter Fans der Kaffeekette ausgelรถst hat.
Und auch die Zahlen von Loyal sprechen fรผr sich. Zwei Millionen Loyal-Punkte wurden in den ersten anderthalb Jahren seit Grรผndung vergeben und รผber 50.000 Endkunden gebunden. Renommierte Unternehmen wie Bijou Brigitte, Ciao Bella von Gustoso, Campus Suite von Coffee Fellows und Immergrรผn sowie Hamburger Lokalchampions wie Mad about Juice oder die Schanzenbรคckerei mit ihren 31 Filialen setzen auf die App der Brรผder. Lรคngst sind sie รผber die Hansestadt hinaus bekannt und bundesweit unterwegs, um neuen Partnern ihre Lรถsung nahezubringen.
Cafรฉ-Frust als Auslรถser
Entstanden ist die Idee zur App aus persรถnlicher Motivation. โAls ich in meinem Lieblingscafรฉ die Zehnerkarte wieder vergessen hatte, habe ich mich gefragt, warum es dafรผr keine digitale Lรถsung gibtโ, erinnert sich Nicolas Aรmann. Er suchte nach einem Anbieter, wurde aber nicht so richtig fรผndig. Das war der Beginn des Start-ups, das der heute 24-Jรคhrige mit seinem Bruder Maximilian (25) gegrรผndet hat. Die ehrgeizigen Brรผder nutzten jede freie Minute, um mit Hochdruck an ihrer Idee zu arbeiten. Beide waren damals noch Studenten, Nicolas im Abschluss seines BWL-Studiums, Maximilian mitten im Medizinstudium, aber abwarten kam fรผr sie nicht in Frage: โWir waren ja selbst รผberrascht, dass sich bisher noch niemand richtig um dieses Thema gekรผmmert hatte, und wollten den Zeitvorteil fรผr uns nutzenโ, erklรคren die beiden Loyal-Macher.
Im Januar 2021 grรผndeten sie ihr Start-up, konnten das Hamburger Unternehmen Coffema, ein fรผhrender Anbieter fรผr Profikaffeemaschinen und smarte Servicedienstleistungen, als Investor gewinnen und bereits im Sommer war die Loyal-App verfรผgbar. Seitdem haben die Aรmann-Brรผder mit ihrem kleinen Team und dem Support von Coffema, an deren Standort in Groร Borstel sie auch ihre Bรผros haben, die Funktionen der App und ihr Partnernetzwerk rasant ausgebaut.

Niederschwelliger Zugang fรผr Nutzer und Unternehmen
Fรผr Kunden ist die App kostenlos, sie laden sie einfach im Store auf ihr iPhone oder Android Gerรคt. Unternehmen zahlen eine feste Monatsgebรผhr in Hรถhe von 6 Euro. Dafรผr bekommen sie 50 Stempel umsonst, jeder weitere kostet 4 Cent. Das Angebot ist bewusst gรผnstig gehalten, um mรถglichst vielen auch kleinen und mittleren Betrieben die Teilnahme zu ermรถglichen. โUnd auch die technischen Voraussetzungen haben wir so einfach wie mรถglich gehalten,โ erlรคutert Maximilian Aรmann, zustรคndig fรผr die Produktentwicklung. โViele Betreiber und ihre Mitarbeitenden haben keine Kapazitรคten, um sich mit Technik auseinanderzusetzen. Umso wichtiger ist uns eine einfache und intuitive Handhabung.โ
Die Unternehmen, die sich fรผr den digitalen Service registrieren, bekommen ein Starterset mit Chipkarten, die quasi als digitaler Stempel fungieren. Die Kunden mรผssen nur das Smartphone mit der geรถffneten App davorhalten, um sich einen digitalen Bonuspunkt gutschreiben zu lassen. Das funktioniert anonym รผber einen NFC-Chip oder QR-Code, ohne dass persรถnliche Daten angegeben werden mรผssen. Zusรคtzlich erhalten die Kunden weitere Informationen wie Adresse, รffnungszeiten, den Link zu den Social-Media-Kanรคlen und etwaige NFT-basierte Coupon-Aktionen.
Im Gegensatz zu Multi-Level-Bonusprogrammen wie Payback werden die Punkte und Rabatte fรผr jedes Unternehmen einzeln und nicht markenรผbergreifend gesammelt. โDas wollen viele Betriebe und Unternehmen verstรคndlicherweise nicht, sie mรถchte die Kunden ja an die eigene Marke bindenโ, weiร Maximilian Aรmann. Zudem gebe es hier keinen Web3-Bezug und alle Vorteile der NFTs entfielen.
Internorga als Sprungbrett in den internationalen Markt
In diesem Jahr fokussieren sich die Aรmann-Brรผder auf die NFT-Technologie und die Akquise neuer Partner. Als Sprungbrett nutzen sie auch die Internorga, bei der sie sich nach der Premiere im vorigen Jahr erneut auf dem Coffema-Stand prรคsentieren. Mit leuchtenden Augen erinnern sie sich an die vielen guten Erstgesprรคche mit Unternehmen, die heute zu ihrem Partnernetzwerk gehรถren. Dieses Frรผhjahr wollen sie ihre Fรผhler bei internationalen Kontakten und globalen Playern ausstrecken. Der bisherige Erfolgsweg lรคsst ahnen, dass ihnen auch dies gelingen wird.
Quelle: Coffema