Fair gehandelte Lebensmittel stehen in der Wahrnehmung vieler deutscher Verbraucher für Nachhaltigkeit. Daten von Yougov zeigen zum World Fair Trade Day jedoch deutliche Unterschiede in der Entwicklung der jeweiligen Lebensmittel. So stagniert etwa der Absatz von Fair-Trade-Kaffee.
Nachhaltigkeit und Zahlungsbereitschaft für Fair-Trade-Produkte
Für zwei Drittel der deutschen Haushalte (66 Prozent) gehört die faire Behandlung der Erzeuger im Ursprungsland zum Thema Nachhaltigkeit. 42 Prozent sind bereit, für fair gehandelte Produkte mehr Geld auszugeben, bei den jüngeren Generationen Millennials und Gen Z liegt dieser Anteil mit 45 Prozent etwas höher. Gleichzeitig setzen erst 28 Prozent der Haushalte in Deutschland diese Bereitschaft aktiv um und kaufen bewusst Produkte aus fairem Handel. Nur 27 Prozent achten beim Einkaufen auf entsprechende Nachhaltigkeitssiegel wie UTZ, Fair Choice oder Rainforest Alliance Certified. Yougov-Daten zeigen ergänzend, dass mehr als die Hälfte der deutschen Verbraucher (52 Prozent) Marken bevorzugen, die nachhaltig sind.
Fairer Kaffee: Umsatzzuwachs durch höhere Preise
Der Umsatz mit fairem Kaffee lag 2025 bei 146 Millionen Euro, was einem Plus von 8,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Dieser Umsatzanstieg geht laut Yougov jedoch ausschließlich auf gestiegene Preise zurück. Der bezahlte Preis für Kaffee ist 2025 um rund 25 Prozent gegenüber 2024 gestiegen, während die Kaufhäufigkeit für fairen Kaffee leicht zurückging und die Käuferreichweite nahezu stagnierte.
Langfristig ist der Umsatz deutlich rückläufig: Gegenüber 2021 beträgt das Minus 16 Prozent. Die stabilsten Käufergruppen bei fairem Kaffee sind Gen X und die Babyboomer, bei ihnen fiel der Umsatzrückgang geringer aus als bei Millennials und der ältesten Generation (Wiederaufbauer). Der Blick auf Kaffee insgesamt zeigt, dass der Umsatz im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent gestiegen ist, ebenfalls aufgrund höherer bezahlter Preise. Die Kauffrequenz stagniert, die Penetration ist zurückgegangen. Bemerkenswert ist, dass der Preisabstand zwischen fair gehandeltem und konventionellem Kaffee 2025 mit fünf Prozent geringer war als noch 2023 mit 15 Prozent.
Kein Trend für alle Lebensmittel
Dass der Absatz von Fair-Trade-Kaffee stagniert ist allerdings kein Indikator dafür, dass es anderen Fair-Trade-Produkten gleich ergeht. Ein Beispiel hierfür liefern Bananen. Die Yougov-Shopper-Daten weisen bei fair gehandelten Bananen ein deutliches Wachstum aus. Der Umsatz mit fair gehandelten Bananen stieg 2025 gegenüber 2024 um 9,5 Prozent auf 424 Millionen Euro und liegt damit deutlich über dem Umsatz mit fairem Kaffee. Bei Bananen kauften Verbraucher im Jahr 2025 nicht nur häufiger als im Vorjahr, es kamen auch mehr Käufer hinzu. Im längerfristigen Vergleich legte der Umsatz gegenüber 2021 um 17,7 Prozent zu. Die Millennials führen als Käufergruppe mit der größten Käuferreichweite, zugleich haben faire Bananen generationenübergreifend eine hohe Reichweite erreicht. Dazu trägt auch die Verfügbarkeit von Handelsmarken bei verschiedenen Händlern bei.
Datenbasis der Analyse
„Die Daten zeigen, dass faire Bananen bereits im Mainstream angekommen sind, während fairer Kaffee vor Herausforderungen steht. Mögliche Gründe dafür sind die derzeit hohe Preissensibilität der Verbraucher und die Entsiegelung einer absatzstarken Produktlinie im Kaffeesegment”, kommentiert Petra Süptitz, Director Insights & Future Growth bei Yougov.
Die Analyse basiert auf Yougov-Shopper-Daten zum Kaufverhalten deutscher Haushalte bei fair gehandelten Kaffee- und Bananenprodukten. Erfasst wurden Umsatzentwicklung, Käuferreichweite (Penetration) und Kaufhäufigkeit im Zeitraum 2021 bis 2026 im Yougov-Shopper-Haushaltspanel. Yougov Profiles basiert auf einer kontinuierlich erhobenen Datenquelle aus fortlaufenden Online-Umfragen mit registrierten Yougov-Panelteilnehmern. Datensätze werden wöchentlich aktualisiert und umfassen jeweils 52 Wochen. Die Erhebung wird nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Ausgewertet wurde ein Datensatz vom 26. April 2026.
Quelle: Yougov
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