Der deutsche Gesundheitsmarkt befindet sich laut einer aktuellen Analyse von YouGov in einem grundlegenden Wandel: Verbraucher rücken von strengen Regimen und Selbstoptimierungsdruck ab und suchen stattdessen nach Balance und alltagstauglichen Gesundheitslösungen wie Protein-Produkte. Im FMCG-Gesundheitssegment legte der Umsatz 2025 im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent zu, getragen von einem breiteren Verständnis von Wohlbefinden, das über reine Ernährung hinausgeht.
Vom Selbstoptimierungsdruck zur flexiblen Gesundheitsorientierung
YouGov beschreibt einen Trendwechsel von rigiden Vorgaben hin zu einer stärker selbstbestimmten Herangehensweise an Gesundheit. „Wir beobachten einen Paradigmenwechsel vom Müssen zum Wollen”, erklärt Anna-Katharina Kraus, Commercial Director Advanced Solutions bei YouGov. „Es geht darum, dass die Menschen flexibel und frei entscheiden wollen. Dafür ist eine Vielfalt notwendig und auch gewünscht. Die neue Freiheit zu wählen, zeigt sich unter anderem bei dem Trend Alkoholfrei, der mit plus 13 Prozent dynamisch wächst. Das heißt aber nicht, dass Haushalte keinen Alkohol mehr konsumieren: Fast die Hälfte aller Bier-Käufer kaufen sowohl alkoholhaltiges als auch alkoholfreies Bier.“ Der Gesundheitsmarkt wird damit breiter, da unterschiedliche Bedürfnisse parallel bedient werden.
Protein-Produkte als multidimensionaler Wachstumstreiber
Ein besonders dynamisches Segment im Gesundheitsmarkt ist der Bereich der Proteinprodukte. Der Umsatz mit Protein-Produkten stieg 2025 gegenüber 2024 um 30 Prozent und baut damit auf einem bereits starken Wachstum der Vorjahre auf. Laut YouGov spiegelt sich darin die Multidimensionalität des Trends wider: High-Protein-Produkte unterstützen sowohl das Bedürfnis nach Selbstoptimierung als auch ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein. Gleichzeitig werden sie als Lifestyle-Produkte wahrgenommen, mit denen sich Verbraucher identifizieren und die sie auch zur Selbstinszenierung nutzen – insbesondere über Marken wie More, die um über 200 Prozent gewachsen sind. Zudem erleichtern zahlreiche Proteinprodukte eine gesunde Ernährung im Alltag, etwa als Snack wie Proteinriegel oder körniger Frischkäse. „Der Erfolg von Protein zeigt: Ein Trend bedient immer mehrere Bedürfnisdimensionen gleichzeitig”, so Anna-Katharina Kraus.
Wachstum bei Nahrungsergänzungsmitteln
Der Markt für Selbstmedikation und OTC-Produkte im Massenmarkt verzeichnet laut YouGov ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum. 2025 legte der OTC-Massmarket im Vergleich zu 2024 um 15 Prozent zu und erreichte ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahm die Nutzungsintensität zu: Der Anteil der Shopper, die vier oder mehr OTC-Segmente wie Vitamine/Mineralstoffe, Magen/Verdauung oder Beruhigung/Nerven parallel kaufen, stieg in vier Jahren von 18 auf 25 Prozent. Vor allem jüngere Käufer bis 29 Jahre und ältere ab 60 Jahren treiben laut Analyse den Markt und weisen überproportionale Umsatzanteile im Vergleich zum Gesamt-FMCG auf. Jeder zweite Haushalt kauft mindestens einmal pro Jahr eine der Top-Nahrungsergänzungsmittel-Marken im Lebensmitteleinzelhandel oder Drogeriemarkt, was mehr als 20 Millionen Haushalten entspricht.
Beauty-Nahrungsergänzungsmittel als neuer Hype
Innerhalb des OTC-Massmarkets heben sich Beauty-Nahrungsergänzungsmittel besonders stark hervor. Kollagen-Produkte im OTC-Massmarket waren 2025 in 2,8 Millionen FMCG-Trips enthalten, was einem Anstieg um das Siebenfache gegenüber 2024 entspricht. YouGov beschreibt „Beauty von innen“ als Konzept, das Gesundheit mit Lifestyle und Selbstinszenierung verbindet und damit ein zentrales Wachstumsfeld im Gesundheitsmarkt darstellt.
Abnehmspritzen und ihre Auswirkungen auf Konsumverhalten
Zunehmende Bedeutung messen die YouGov-Daten auch GLP-1-Medikamenten wie Abnehmspritzen vom Typ Ozempic oder Wegovy bei. Bereits fünf Prozent der Haushalte nutzen solche Produkte, weitere fünf Prozent zeigen Interesse daran. Zusammengenommen betrifft dies rund vier Millionen Haushalte. In Verwender-Haushalten zeigt sich laut Analyse ein signifikanter Mengenrückgang bei der Nachfrage nach Nahrungsmitteln. „Während Nahrungsergänzungsmittel den Körper unterstützend und langfristig begleiten, steigt die Akzeptanz für Abnehmspritzen, mit denen bewusst und direkt in den Stoffwechsel eingegriffen wird“, analysiert Fabian Braumüller, Senior Consultant bei YouGov. „Die dadurch entstehenden Bedürfnisse eröffnen trotz des Mengenrückgangs erhebliche Wachstumspotenziale: Die Nachfrage nach kleineren Portionen, funktionaler Anreicherung, nährstoffreichen und kalorienarmen Produkten wird die Trends, die wir jetzt schon sehen, weiter verstärken. Der Handel kann diese Entwicklung aktiv gestalten.”
Quelle: YouGov