Beim Bundeskongress Kita- und Schulverpflegung in Berlin diskutierten rund 400 Fachleute und Verantwortliche aus Bund, Ländern und Kommunen über Wege zu einer sozial gerechteren und widerstandsfähigen Gemeinschaftsverpflegung. Unter dem Motto „Gemeinsam gut essen“ standen dabei kommunale Strategien und die gemeinsame Verantwortung von Politik, Wissenschaft und Praxis im Mittelpunkt.
Gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen
Während der Veranstaltung unter der Motto „Gemeinsam gut essen“ betonten Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, und Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Bedeutung der Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen für eine zukunftsfähige Kita- und Schulverpflegung.
Alois Rainer hob hervor: „Täglich essen rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen. Eine gute und ausgewogene Kita- und Schulverpflegung bietet also viele Chancen: Gutes und gemeinsames Essen stärkt Gesundheit und soziale Teilhabe; Kinder und Jugendliche lernen dabei viel über Ernährung und nicht zuletzt über Heimat, denn zahlreiche Träger und Schulen arbeiten mit Betrieben aus der Region zusammen.“ Weiter führte er aus: „Wir unterstützen Länder und Kommunen mit unserem Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung, der Förderung der Vernetzungsstellen und den DGE-Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung. So können in Zukunft noch mehr Kinder und Jugendliche in den Genuss eines gesunden, ausgewogenen und möglichst regional verankerten Verpflegungsangebots in der Gemeinschaftsverpflegung kommen.“
Mareike Wulf unterstrich die Rolle der Verpflegung im Bildungskontext: „Gemeinsames Essen verbindet, das gilt auch für Kita und Schule. Gutes und gesundes Essen hilft Kindern, gerne zur Schule zu gehen und unterstützt das Lernen. Deshalb ist die Kita- und Schulverpflegung Teil guter Bildung.“ Sie machte deutlich, dass es dafür „alle Ebenen: Bund, Länder und Kommunen gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren vor Ort“ brauche und verwies darauf, dass der Bund „zum Beispiel mit dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau und dem neu gestarteten Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung einen Beitrag zum Neu- und Umbau von Räumen sowie für die Ausstattung auch von Küchen und Mensen“ leistet.
Soziale Gerechtigkeit durch gute Kita- und Schulverpflegung
Unter der Überschrift „Gute Verpflegung darf keine Frage der sozialen Herkunft sein“ stellte Prof. Dr. Alena Buyx, Lehrstuhl für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München, in ihrer Keynote die langfristige Bedeutung früher Ernährung heraus. Sie betonte: „Ernährung im Kindesalter prägt lebenslang – gute Kita- und Schulverpflegung macht gesundes Aufwachsen gerechter.“
Buyx ordnete Ernährung als gesellschaftliche und politische Aufgabe ein und machte deutlich, dass sich Ungleichheiten nicht allein individuell lösen ließen. Entscheidend sei „eine strukturelle Perspektive, die das Recht von Kindern auf gesundes Aufwachsen in den Mittelpunkt stellt und Kita- und Schulverpflegung als zentralen Hebel für Prävention und Gesundheitsförderung nutzt.“
Qualität, Zeit und Gemeinschaft in der Mittagsverpflegung
Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Britta Renner, legte in ihrem Fachimpuls den Fokus auf die soziale Dimension des Essens in der Gemeinschaft. Sie stellte heraus, dass Kommunen, die in Kita- und Schulverpflegung investieren, zugleich in gesunde Kinder und in den sozialen Zusammenhalt investieren.
Renner fasste die Anforderungen an ein gutes Mittagessen zusammen: „Ein gutes Mittagessen braucht mehr als einen vollen Teller: Es braucht Qualität, Zeit und Gemeinschaft.“
Vielfältige Wege zur resilienten Kita- und Schulverpflegung
Praxisbeispiele aus verschiedenen Kommunen zeigten, wie eine partizipative, sozial gerechte und resiliente Kita- und Schulverpflegung konkret gestaltet werden kann. Deutlich wurde, dass jede Kommune und jede Schule über individuelle Rahmenbedingungen und Bedarfe verfügt und es daher keine einheitliche Blaupause gibt.
Vorgestellt wurden unterschiedliche Lösungsansätze, die an die jeweiligen Anforderungen vor Ort angepasst sind. Genannt wurden Free-Flow-Systeme in der Ausgabe, multifunktionale Mensakonzeptionen, Satellitenküchen sowie Frischküchen im kommunalen Eigenbetrieb. Unabhängig von der gewählten Infrastruktur bleibt das gemeinsame Ziel, Verpflegungsangebote zu schaffen, „die schmecken und allen Kindern offenstehen“.