Starbucks hat den Aerocano am 1. Oktober 2026, dem Internationalen Tag des Kaffees, in seinen Coffeehouses in Europa, dem Nahen Osten und Afrika eingeführt. Das kalt servierte Espressogetränk gehört zum Kernsortiment und wird dort gemeinsam mit dem Caramel Aerocano angeboten.
Die Produktneuheit orientiert sich am Iced Americano, verändert dessen Charakter aber vor allem durch die Zubereitung. Starbucks Blonde Espresso und Eis werden so belüftet, dass eine leichte, samtige Textur, eine dünne Schaumschicht und ein im Glas sichtbarer Kaskadeneffekt entstehen. Während die verwendeten Grundkomponenten weitgehend vertraut bleiben, soll die Bearbeitung des Espressos ein anderes Mundgefühl und einen neuen optischen Eindruck erzeugen.
Neuinterpretation eines etablierten Espressogetränks
Ausgangspunkt für den Aerocano ist der Americano, der bei Starbucks seit 1984 zum Angebot gehört. Klassischerweise besteht er aus Espresso und Wasser. Beim Aerocano wird dieses bekannte Prinzip auf ein gekühltes Getränk mit aufgeschäumter beziehungsweise belüfteter Struktur übertragen. Dabei sollen die hellen Geschmacksnoten des Blonde Espresso vom ersten bis zum letzten Schluck erhalten bleiben.
Die Belüftung verändert insbesondere die Konsistenz. Der Espresso erhält mehr Körper und wird von einer leichten Schaumschicht abgeschlossen. Starbucks beschreibt das Ergebnis als samtig und leicht süßlich, mit einem klaren, weichen Nachgeschmack. Anders als bei vielen Getränkeneuheiten beruht die Differenzierung somit nicht in erster Linie auf zusätzlichen Sirupen oder neuen Aromen, sondern auf der Verarbeitung der vorhandenen Kaffeezutaten.
Damit rückt auch die Arbeit der Baristas stärker in den Mittelpunkt. Das Getränk soll nicht nur über seine Rezeptur, sondern über eine reproduzierbare Zubereitungstechnik erkennbar sein.
Ursprung des Konzepts in Südkorea
Seinen Ausgang nahm der Aerocano im südkoreanischen Markt, wo Starbucks das Getränk bereits früher im Jahr 2026 eingeführt hatte. Der Markt bot sich für die Entwicklung an, weil der Iced Americano dort zu den besonders gefragten Getränken gehört. Kalter Kaffee wird in Südkorea demnach nicht nur im Sommer, sondern auch bei niedrigen Außentemperaturen bestellt.
Chanda Beppu, Senior Vice President von Starbucks Asia Pacific, war bei der Beobachtung aktueller Kaffeetrends auf das Potenzial des Getränketyps aufmerksam geworden.
Aus ihrer Sicht verband das Konzept die vertraute Erfahrung eines Americano mit zusätzlichen visuellen und sensorischen Eigenschaften. Die Grundidee eines belüfteten Espressogetränks sei zwar nicht grundsätzlich neu. In Verbindung mit der Kaffeemarke, der Arbeit der Baristas und der wachsenden Nachfrage nach gekühltem Kaffee habe Starbucks jedoch einen geeigneten Zeitpunkt für die Weiterentwicklung gesehen.
Beppu bezog daraufhin Vivian Luk, verantwortlich für Forschung und Entwicklung, sowie Aleksandra Orsolic, zuständig für die Kaffee-Produktstrategie von Starbucks Asia Pacific, in die Ausarbeitung ein. Das Team sollte aus dem beobachteten Getränkekonzept eine standardisierte Rezeptur für den Einsatz in einer großen Zahl von Coffeehouses entwickeln.
Standardisierung als zentrale Entwicklungsaufgabe
Die Entwicklung konzentrierte sich nicht allein auf Geschmack und Optik. Entscheidend war nach Angaben der Beteiligten, dass Baristas das Getränk an zahlreichen Standorten in vergleichbarer Qualität herstellen können. Eine Rezeptur, die nur von einzelnen besonders erfahrenen Beschäftigten beherrscht wird, erfüllte diesen Anspruch nicht.
Obwohl die Zusammensetzung aus Espresso und Eis zunächst einfach erscheint, erwies sich die gleichmäßige Herstellung als anspruchsvoll. Das Entwicklungsteam musste eine Methode finden, mit der bei jeder Zubereitung eine ähnliche Schaumstärke und der charakteristische Kaskadeneffekt entstehen. Zugleich sollte der Espresso seine hellen Geschmacksnoten behalten.
Untersucht wurden unter anderem unterschiedliche Dampf- und Bearbeitungszeiten sowie die Art, in der das Getränk über Eis gegossen wird. Mehrere Test- und Anpassungsrunden waren erforderlich, um Textur, Schaum und optischen Verlauf aufeinander abzustimmen. Das Ziel war eine samtige, leicht süßlich wirkende Konsistenz, ohne den Kaffeecharakter zu überdecken.
Die Entwicklung zeigt damit einen für filialbasierte Gastronomiekonzepte typischen Zielkonflikt: Ein Getränk soll handwerklich wirken und sich von standardisierten Produkten unterscheiden, muss aber gleichzeitig in vielen Betrieben mit wiederholbaren Abläufen hergestellt werden können. Beim Aerocano wird dieser Anspruch über eine definierte Technik statt über eine umfangreiche Zutatenliste umgesetzt.
Kaskadeneffekt als Teil des Produkterlebnisses
Neben Geschmack und Mundgefühl setzt Starbucks auf die sichtbare Veränderung des Getränks nach dem Eingießen. Wenn sich der belüftete Espresso im Glas beziehungsweise Becher absetzt, entstehen unterschiedlich wirkende Schichten und ein Kaskadeneffekt. Dieser Prozess soll vor dem ersten Schluck wahrgenommen werden und ist ausdrücklich als Bestandteil des Produkterlebnisses angelegt.
Das Erscheinungsbild dient dabei auch der Wiedererkennbarkeit. Nach Einschätzung von Beppu kann die auffällige Optik die Aufmerksamkeit anderer Gäste oder vorbeigehender Personen auf sich ziehen. Damit folgt das Produkt einem Ansatz, bei dem die Präsentation nicht nur dekorative Funktion hat, sondern unmittelbar aus der Zubereitungstechnik hervorgeht.
Starbucks stellt den Aerocano deshalb zugleich als Beispiel für das handwerkliche Können seiner Baristas dar. Die Neuerung beruht nicht auf einer einzelnen zusätzlichen Geschmacksrichtung, sondern auf der technischen Neuinterpretation eines etablierten Espressogetränks. Die sichtbare Zubereitung und das Verhalten des Getränks im Becher sollen diesen Unterschied für die Gäste nachvollziehbar machen.
Kalte Getränke gewinnen international an Bedeutung
Die Ausweitung des Aerocano aus Südkorea auf die EMEA-Region steht im Zusammenhang mit der international wachsenden Bedeutung kalt servierter Getränke. Nach Unternehmensangaben entfallen rund 60 Prozent der weltweit verkauften Starbucks-Getränke auf kalte Varianten. Das Sortiment reicht dabei von Iced Coffee und Cold Brew bis zu weiteren gekühlten Kaffee- und Erfrischungsgetränken.
Der Aerocano überträgt diese Nachfrage auf eine espressoorientierte Rezeptur, bei der Kaffee und Textur im Vordergrund stehen. Für Starbucks ist das Getränk zugleich ein Beispiel dafür, wie regionale Konsumgewohnheiten als Ausgangspunkt für Produkte dienen können, die anschließend in weiteren Märkten angeboten werden. Die in Südkorea etablierte Vorliebe für Iced Americanos bildete dabei die Grundlage für eine Entwicklung, die nun Teil des regulären Angebots in Europa, dem Nahen Osten und Afrika ist.
Mit der Aufnahme in das Kernsortiment setzt Starbucks nicht auf eine zeitlich begrenzte Aktionsplatzierung. Der Aerocano und der Caramel Aerocano sollen das bestehende Angebot dauerhaft um kalt servierte, texturorientierte Espressogetränke ergänzen.
Quelle: Starbucks
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