Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor erheblich steigenden Risiken für die Gastwelt. Hintergrund ist die neue Steuerschätzung des Bundesfinanzministeriums, die deutlich sinkende Steuereinnahmen bis 2030 prognostiziert und die fiskalischen Spielräume im Bund, in den Ländern und Gemeinden einschränkt. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt fordert vor diesem Hintergrund eine aktive und geschlossene Beteiligung der Branche an der steuerpolitischen Debatte, um Planungssicherheit und die wirtschaftliche Bedeutung der Gastwelt zu sichern.
Deutlich geringere Steuereinnahmen und steigender Haushaltsdruck
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat die neue Steuerschätzung vorgestellt. Aufgrund der sich eintrübenden wirtschaftlichen Stimmung in Deutschland und der von der Bundesregierung auf 0,5 Prozent halbierten Wachstumsprognose für das laufende Jahr werden die Steuereinnahmen laut Schätzung künftig deutlich geringer ausfallen. Die Experten rechnen bis zum Jahr 2030 in Summe mit einem Minus von 87,5 Milliarden Euro bei den Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden.
Angesichts schwacher Konjunktur, steigender Staatsausgaben und wachsender Verschuldung ist laut DZG absehbar, dass die öffentlichen Haushalte deutlich unter Druck geraten – mit direkten Auswirkungen auf wirtschafts- und finanzpolitische Prioritäten. Die laufenden Haushaltsplanungen sehen vor, dass die Nettokreditaufnahme von rund 98 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf über 110 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigen soll, während die jährliche Gesamtverschuldung perspektivisch sogar über 200 Milliarden Euro erreichen kann. Gleichzeitig wachsen die Zinsausgaben bis 2030 auf bis zu 79 Milliarden Euro pro Jahr an.
„Die Spielräume werden deutlich enger – und damit steigen zwangsläufig auch die politischen Verteilungskonflikte im Bund“, sagt DZG-Vorstandssprecher Marcel Klinge. „Wenn Haushalte konsolidiert werden müssen, geraten naturgemäß auch bestehende Strukturen und steuerpolitische Prioritäten in Bewegung.“
Risiken für die Gastwelt
Vor dem Hintergrund der geringeren Steuereinnahmen warnt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt vor sinkenden fiskalischen Spielräumen und einer sich zuspitzenden steuerpolitischen Debatte, die sich negativ auf den Wirtschaftssektor Gastwelt mit den Bereichen Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeit auswirken könnte. Aus Sicht der Denkfabrik könnte die Fiskaldebatte in den kommenden Monaten grundsätzlicher werden. Neben bereits angekündigten Einsparungen werden auch die Einnahmeseite sowie Steuervergünstigungen und Subventionen stärker in den Fokus rücken.
Für die Gastwelt bedeutet dies, dass sie sich in einem Umfeld wachsender Priorisierung stärker erklären und positionieren muss. „In Phasen knapper Kassen wird nicht nur über neue Maßnahmen entschieden, sondern auch Bestehendes kritisch hinterfragt“, so Marcel Klinge. „Gerade konsumorientierte Wirtschaftsbereiche müssen ihren Beitrag zu Beschäftigung, Wachstum und Binnenkonjunktur immer wieder sichtbar machen.“
Forderung nach geschlossener Beteiligung der Gastwelt
Die DZG ruft die Gastwelt einschließlich aller politischen Verbände auf, sich jetzt geschlossen und konstruktiv in die steuerpolitischen Diskussionen einzubringen. Strategisches Ziel müsse es sein, unternehmerische Planungssicherheit zu sichern und die Bedeutung der Gastwelt für die wirtschaftliche und soziale Stabilität Deutschlands klar zu verankern. „Die kommenden Jahre werden von harter Priorisierung geprägt sein“, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Marcel Klinge. Wer seine Rolle und Bedeutung nicht aktiv kommuniziere, laufe Gefahr, in einer sich verschärften Verteilungsdebatte nicht mehr ausreichend berücksichtigt zu werden und ins Hintertreffen zu geraten.
Gastwelt als tragende Säule der deutschen Wirtschaft
Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Mit knapp 500 Milliarden Euro Anteil am Bruttoinlandsprodukt ist die Gastwelt eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,1 Millionen Mitarbeitenden der drittgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen.
Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.
Quelle: Denkfabrik Zukunft der Gastwelt
Jetzt zum Newsletter anmelden!
Wollen Sie keine aktuellen News, spannende Hintergrundberichte oder Interviews verpassen? Dann melden Sie sich jetzt hier zu unserem Branchen-Newsletter an!