Die Global Coffee Platform (GCP), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), IDH und Solidaridad arbeiten gemeinsam an einer Branchenleitlinie für verantwortungsvolle Kaffeebeschaffung. Die geplante „Coffee Sector Guidance for Responsible Procurement“ soll Unternehmen dabei unterstützen, ihre Einkaufspraktiken weiterzuentwickeln und geschäftliche Entscheidungen stärker mit Nachhaltigkeitszielen und der langfristigen Stabilität ihrer Lieferketten zu verbinden.
18 Unternehmen bringen sich in die gemeinsame Entwicklung der Leitlinie ein: dm, Ecom, ETG, Illy, JDE Peets, Kaufland, LDC, Lidl, Nestlé, Neumann Kaffee, Ofi, Rewe, Sucafina, S&D Sucden Coffee, Taylors of Harrogate, Touton, UCC und Volcafe. In den Erarbeitungsprozess sollen darüber hinaus Produzenten, Exporteure, Händler, Röster, Einzelhändler und zivilgesellschaftliche Organisationen einbezogen werden. Ziel ist ein branchenweit nutzbarer Orientierungsrahmen, der unterschiedliche Perspektiven und praktische Erfahrungen entlang der gesamten Kaffeewertschöpfungskette berücksichtigt.
Beschaffung als Hebel für stabilere Lieferketten
Ausgangspunkt der Zusammenarbeit ist die Einschätzung, dass die Zukunft des Kaffees wesentlich von der wirtschaftlichen Situation und Widerstandsfähigkeit der Millionen kleinbäuerlichen Betriebe und Beschäftigten abhängt, die Kaffee anbauen und verarbeiten. Obwohl in den weltweiten Kaffeelieferketten erhebliche wirtschaftliche Werte entstehen, erzielen weiterhin viele Erzeuger Einkommen unterhalb eines existenzsichernden Niveaus.
Gleichzeitig stehen die Anbauregionen unter zunehmendem Druck. Als zentrale Herausforderungen nennen die Organisationen den Klimawandel, schwankende Märkte, steigende Produktionskosten und einen begrenzten Zugang zu Finanzierung. Diese Faktoren können sowohl die Lebensgrundlagen der Produzenten als auch die langfristige Verfügbarkeit von Kaffee beeinträchtigen. Die Leitlinie soll deshalb nicht nur Nachhaltigkeitsanforderungen formulieren, sondern auch den Zusammenhang zwischen Einkaufsentscheidungen, Investitionsfähigkeit der Betriebe und Versorgungssicherheit berücksichtigen.
Die vier Partner vertreten die Auffassung, dass Verbesserungen bei landwirtschaftlichen Produktionsmethoden allein nicht ausreichen, um den Kaffeesektor dauerhaft nachhaltiger zu gestalten. Auch die Art und Weise, wie Kaffee eingekauft wird, beeinflusst die Einkommen, die Investitionsmöglichkeiten und die langfristige Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Verantwortungsvolle Kaffeebeschaffung wird dabei als einer von mehreren Hebeln verstanden. Dauerhafte Veränderungen setzen nach Einschätzung der Initiatoren jedoch die Zusammenarbeit aller Beteiligten voraus – von Erzeugern und Exporteuren über Händler und Röster bis zum Einzelhandel.
Bestehende Ansätze sollen zusammengeführt werden
Die Entwicklung der Branchenleitlinie wird vom Sustainable Food Lab moderiert. Das Vorhaben knüpft an mehrere bestehende Arbeitsstränge der beteiligten Organisationen an. Die GIZ hat über die Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten, die Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI), mit deutschen Einzelhandelsunternehmen gearbeitet. Die Initiative wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.
GCP, IDH und Solidaridad haben parallel dazu gemeinsam mit Röstern und Handelsunternehmen die „Coffee Common Procurement Principles“ entwickelt. Diese gemeinsamen Beschaffungsgrundsätze bilden eine Grundlage für die nun geplante Branchenleitlinie. Durch die Verbindung der bisherigen Aktivitäten wollen die Organisationen ein gemeinsames Verständnis verantwortlicher Beschaffung entwickeln und Einkaufspraktiken im Kaffeesektor stärker aufeinander abstimmen.
Die Leitlinie soll sich auf die Beschaffung von Kaffee insgesamt beziehen und die vorhandenen Prinzipien in einen stärker an der betrieblichen Praxis orientierten Rahmen übertragen. Zusätzlich sollen branchenübergreifende Ansätze für verantwortliche Einkaufspraktiken angepasst werden. Dazu zählt das „Common Framework for Responsible Purchasing Practices in Food“ der Ethical Trading Initiative.
Damit soll die Leitlinie über allgemeine Grundsätze hinausgehen und Unternehmen eine strukturierte Grundlage für interne Diskussionen, die Umsetzung konkreter Maßnahmen und die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Beschaffung bieten. Vorgesehen ist ein praktisches Referenzinstrument, das Nachhaltigkeitsziele mit kommerziellen Entscheidungen verknüpft. Die Initiatoren verbinden damit die Erwartung, dass verantwortliche Einkaufspraktiken sowohl zur wirtschaftlichen Situation der Produzenten als auch zur langfristigen Widerstandsfähigkeit der Lieferketten beitragen können.
Akteure der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt
Für die Ausarbeitung ist ein Beteiligungsprozess über mehrere Stufen vorgesehen. Produzenten sollen ebenso einbezogen werden wie Exporteure, Händler, Röstereien, Einzelhandelsunternehmen und Vertreter der Zivilgesellschaft. Ihre fachlichen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen sollen dazu beitragen, dass die Leitlinie unterschiedliche Geschäftsmodelle und Bedingungen in den Anbau- und Absatzmärkten berücksichtigt.
Die breite Beteiligung soll außerdem verhindern, dass ein ausschließlich aus Sicht der einkaufenden Unternehmen entwickelter Rahmen entsteht. Die praktische Anwendbarkeit in verschiedenen Abschnitten der Lieferkette zählt zu den erklärten Zielen des Vorhabens. Zugleich soll die Leitlinie ausreichend allgemein gehalten werden, um von unterschiedlichen Marktakteuren genutzt werden zu können.
Lerndialoge und öffentliche Konsultation vorgesehen
Während der Entwicklungsphase sind zwei weitere Lerndialoge zu verantwortlichen Beschaffungsgrundsätzen geplant. Der dafür genannte Zeitraum reicht vom dritten Quartal 2026 bis zum ersten Quartal 2027. Eingeladen werden Unternehmen aus der Kaffeewertschöpfungskette, die sich an der Entwicklung der Leitlinie beteiligen. In dem Format sollen Erfahrungen ausgetauscht, neue Ansätze untersucht und Erkenntnisse aus dem Kaffeehandel sowie aus anderen Branchen in die weitere Arbeit aufgenommen werden.
Für den Entwurf der Leitlinie ist zudem eine öffentliche Konsultationsphase vorgesehen. Diese soll nach der veröffentlichten Planung ab dem vierten Quartal 2026 stattfinden. Interessierte Akteure sollen den Entwurf prüfen und Rückmeldungen aus der Praxis einbringen können. Die Konsultation dient damit als weiterer Schritt, um die Anwendbarkeit des Dokuments zu überprüfen und Verbesserungen vor der Fertigstellung aufzunehmen.
Quelle: Global Coffee Platform
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