Andreas Ostermann von Roth ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer der B.PRO in Oberderdingen, einer Tochter der Blanc & Fischer Group. Nach seinen ersten Monaten im Amt zieht der Manager eine erste Bilanz. Im Interview spricht er außerdem über die Zukunft der Speisenlogistik und der Branche, die B.PRO unter anderem mit Robotertechnik aktiv gestalten will, und über sein Selbstverständnis als Führungskraft.
Herr Ostermann von Roth, Sie sind seit Anfang des Jahres CEO der B.PRO und kennen die Blanc & Fischer Group bereits aus früherer Verantwortung. Wie haben Sie Ihre Rückkehr erlebt?
Es fühlt sich tatsächlich ein Stück weit wie ein Nachhausekommen an. Dadurch, dass ich die Gruppe und auch B.PRO mit ihren Herausforderungen und Chancen aus meiner früheren Zeit bereits kannte, war der Einstieg sehr direkt und unkompliziert. Wahrscheinlich war es die kürzeste Einarbeitungszeit meiner Laufbahn – nach zwei Stunden lief der PC, und dann ging es auch schon los.
Was hat Sie in diesen ersten Monaten bei B.PRO besonders beeindruckt?
Sehr positiv überrascht hat mich das Team. Hier gibt es viel Kompetenz, eine große Nähe zum Markt und ein ausgeprägtes Verständnis für die Kunden. Gleichzeitig spürt man eine hohe Loyalität zum Unternehmen und den gemeinsamen Willen, Dinge wirklich voranzubringen. Das macht die Aufgabe für mich besonders spannend.
Wenn Sie auf Ihren beruflichen Weg zurückblicken: Welche Stationen waren für Ihre heutige Rolle bedeutsam?
Ausgangspunkt meines beruflichen Weges war die Automobilindustrie, mit Stationen bei Audi und im Automobilzulieferbereich; später kam die Konsumgüterindustrie hinzu. Besonders prägend waren dann die rund zehn Jahre bei KUKA Roboter in Augsburg, wo ich zuletzt als Senior Vice President Operations für das Robotergeschäft verantwortlich war. Nach einem kurzen Abschnitt in einem Private-Equity-Umfeld bin ich für rund vier Jahre zu Blanco gewechselt. Aus all diesen Stationen, besonders aber aus meiner Zeit bei KUKA, nehme ich viel für B.PRO mit – insbesondere mit Blick darauf, wie sich Speisenausgabe und Speisenverteilung durch intelligente Automation weiterentwickeln lassen.
Stichwort Automation: Welche strategischen Prioritäten setzen Sie für B.PRO?
Unser Markt verändert sich deutlich. Es geht immer weniger um einzelne Produkte und immer stärker um Systeme und Projekte, also um ganzheitliche Lösungen. Genau darin liegt für mich eine zentrale strategische Aufgabe für B.PRO. Wir wollen unsere Kunden noch stärker unterstützen, indem wir die Prozesse in der Speisenlogistik insgesamt verbessern – von Digitalisierung und Nachverfolgbarkeit bis hin zur Automatisierung.
Gerade in der Speisenverteilung und im Bereich Spülküche haben wir heute Lösungen, mit denen wir uns im Markt klar differenzieren. Die ersten Projekte sind bereits umgesetzt, weitere sind in Planung. Diesen Vorsprung wollen wir weiter ausbauen, ohne unser Standardgeschäft aus dem Blick zu verlieren.
Wichtig ist mir zudem, Automatisierung nicht nur als reines ROI-Thema zu betrachten. In vielen Küchen fehlt schlicht das Personal, auch weil dort teils unter belastenden Bedingungen gearbeitet werden muss. Wer möchte bei hohen Temperaturen in einer dampfigen Spülküche Teller waschen oder Besteck sortieren? Wenn wir mit unseren Lösungen dort entlasten, verbessern wir Abläufe und Arbeitsumgebung zugleich – und schaffen die Möglichkeit, Mitarbeitende gezielter für anspruchsvollere Aufgaben einzusetzen.
Wie erleben Sie das aktuelle Wettbewerbsumfeld?
Der Markt ist in Teilen sicher anspruchsvoller geworden, vor allem dort, wo es um einzelne Produkte für Speisenausgabe oder -verteilung geht. Diese sind heute über Online-Marktplätze und internationale Anbieter sehr leicht verfügbar, was den Wettbewerbsdruck erhöht.
Für B.PRO liegt die Antwort darauf, wie eben erwähnt, aber nicht darin, nur auf das einzelne Produkt zu schauen. Unsere Stärke ist, dass wir enge Kundenbeziehungen pflegen. Deshalb wissen wir, dass viele Kunden heute mehr brauchen als eine Einzellösung: Sie brauchen Beratung, planerische Unterstützung und ein schlüssiges Gesamtkonzept. Diese Expertise haben wir über Jahrzehnte aufgebaut.
Können Sie an einem konkreten Beispiel erläutern, wie B.PRO solche ganzheitlichen Lösungen realisiert?
Ein typisches Einsatzfeld, in dem unsere Lösungen bereits heute greifen, ist die Speisenverteilung in der Krankenhausküche. Tabletts und Geschirr laufen automatisiert in den Prozess ein. Über die Smart Tray ID, eine Art QR-Code auf dem Tablett, der sich später rückstandlos auflöst, lassen sich die Informationen zum jeweiligen Essen eindeutig zuordnen. Die Mitarbeitenden sehen auf Monitoren direkt, wie das jeweilige Tablett zu bestücken ist und welche Anforderungen zu berücksichtigen sind, etwa bei Unverträglichkeiten oder speziellen Kostformen. Anschließend läuft das Tablett über unser Verteilband weiter und wird dann in den B.PRO-Speisentransportwagen geräumt. So entsteht ein Ablauf, der Sicherheit und Effizienz erhöht. Gleichzeitig trägt er dazu bei, Mitarbeitende im laufenden Prozess spürbar zu entlasten und personelle Engpässe besser aufzufangen.
Diesen Weg gehen wir konsequent weiter. Bald werden wir am Universitätsklinikum St. Pölten in Österreich eine Lösung vorstellen, die noch mehr Prozessschritte automatisiert.
Sie beschreiben die Automatisierung bei B.PRO als Entwicklung in vier Stufen. Welche Stufen sind das konkret?
Die erste Stufe ist die Mechanisierung klassischer Arbeitsschritte, also etwa das Sortieren und Verpacken von Besteck, aber auch das Auflegen von Besteck und Porzellanteilen sowie das Anheben von Tabletts aufs Förderband. Damit lassen sich Abläufe bereits heute deutlich vereinfachen und Mitarbeitende spürbar entlasten.
Die zweite Stufe ist für mich die digitale Unterstützung des Prozesses. Dabei geht es etwa darum, Informationen so bereitzustellen, dass Mitarbeitende im laufenden Ablauf genau sehen, was auf ein Tablett gehört und was dabei zu beachten ist. Das schafft mehr Transparenz, mehr Sicherheit und eine bessere Prozessführung.
Die dritte Stufe ist dann der Einsatz von Robotik, etwa mit Cobots, wie wir sie bereits auf Messen gezeigt haben. Solche Lösungen können zum Beispiel am Ende der Speisenausgabe oder am Beginn der Spülküche unterstützen und dort weitere manuelle Tätigkeiten übernehmen.
Und dann gibt es noch eine vierte Stufe, an der wir perspektivisch arbeiten. Dabei geht es möglicherweise um Themen wie die Bestecksortierung mit Robotern, ziemlich sicher aber um automatisierte Transportlösungen – etwa mit Automated Guided Vehicles (AGVs) – für Wagen, Geschirr und weitere Einheiten bis auf die Stationen. Heute sind viele dieser Anwendungen wirtschaftlich noch nicht in jedem Fall darstellbar. Aber die Entwicklung geht schnell voran, und ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zeit auch hier Lösungen sehen werden, die für unsere Kunden praktikabel und wirtschaftlich interessant sind.
Wenn man diese Entwicklung konsequent weiterdenkt: Wie sieht Ihre langfristige Vision aus?
Für unsere Kunden liegt die Zukunft in einer Speisenlogistik, die als durchgängiger, intelligenter Kreislauf funktioniert – und dies ist auch meine Vision für B.PRO.
In Kliniken beginnt er zum Beispiel bei der Bereitstellung von Tabletts, Geschirr und Besteck, setzt sich über die individuelle Bestückung und Ausgabe fort, geht weiter über den Transport bis auf die Stationen und schließt auch den Rücklauf über die Spülküche mit ein. Die einzelnen Schritte greifen dabei digital vernetzt und zunehmend automatisiert ineinander. Das Ziel ist ein effizienter und stabiler Gesamtprozess.
Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf Krankenhäuser, sondern ist überall dort relevant, wo Speisenlogistik als zusammenhängender Prozess gedacht und organisiert werden muss.
Welche Themen prägen derzeit andere Bereiche der Gemeinschaftsverpflegung besonders?
Eindeutig die Schul- und Kitaverpflegung. Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung und dem ab 2026/27 greifenden Rechtsanspruch in der Grundschule gewinnt dieses Thema nochmals deutlich an Bedeutung. Wir haben die Weichen in diesem Bereich früh gestellt und mit der Basic Line Kids gezielt Module entwickelt, die auf die Anforderungen von Kindern ausgerichtet sind – etwa mit niedrigeren Ausgabehöhen von 750 mm. Dahinter steht nicht nur eine Produktidee, sondern ein klares Verständnis dafür, dass Verpflegung in Kitas und Schulen anders gedacht werden muss: zugänglicher, sicherer und näher an den tatsächlichen Abläufen vor Ort. Auch hier zeigt sich, dass gute Lösungen nicht nur den Kindern zugutekommen, sondern zugleich die Abläufe für das Personal erleichtern.
Sie stellen immer wieder die Mitarbeitenden in den Fokus. Das scheint Ihnen am Herzen zu liegen.
Für mich steht in diesem Zusammenhang nicht zuerst die Technik im Vordergrund, sondern der Mensch. Es geht darum, Arbeitsumfelder zu verbessern, die auf Dauer belastend oder, wie in manchen Großküchen, sogar gesundheitsschädlich sein können. Gerade dort kann Automatisierung einen echten Unterschied machen. Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern Arbeit unter schwierigen Bedingungen zu erleichtern. Wir haben über Robotik und Automatisierung lange so gesprochen, als würden dadurch vor allem Arbeitsplätze verloren gehen. Ich halte das für zu kurz gedacht. Automatisierung steigert Produktivität. Und sie kann dazu beitragen, Arbeit menschlicher zu machen.
Woher kommt diese Haltung?
Ich habe solche Arbeitsumfelder erlebt – während eines studentischen Nebenjobs in der Automobilindustrie am Band, und auch in einer Gießerei. Wer dort bei entsprechenden Temperaturen einmal selbst gestanden hat, entwickelt ein anderes Verständnis dafür, was monotone und körperlich fordernde Arbeit wirklich bedeutet. Im Gespräch mit Menschen, die das acht Stunden am Tag und über viele Jahrzehnte hinweg machen, bekommt das Thema noch einmal ein ganz anderes Gewicht.
Wie prägt das Ihren Führungsstil im Alltag?
Wenn ich hier in Oberderdingen bin, schnüre ich jeden Tag die Sicherheitsschuhe. Ich halte nichts davon, einmal im Quartal durch die Produktion zu laufen. Vieles versteht man erst dann wirklich, wenn man die Bedingungen selbst sieht und mit den Mitarbeitenden über ihren Alltag spricht.
Genau deshalb ist mir wichtig, dass Mitarbeitende aus allen Bereichen offen sagen können, was nicht gut läuft. Niemand kann die komplexe Welt eines Unternehmens allein vollständig durchdringen, niemand ist unfehlbar. Gute Lösungen entstehen deshalb nicht dadurch, dass einer von oben alles vorgibt, sondern im Austausch, auch in der kritischen Diskussion. Dabei darf man sich mit mir auch hart streiten – aber immer respektvoll.
Mir ist wichtig, Silodenken aufzubrechen und die Organisation stärker horizontal auszurichten. Ein Beispiel: Das Wissen, das der Vertrieb aufbaut, soll wieder vollständig in das Unternehmen einfließen. Das fördert das Verständnis für die Wünsche unserer Kunden auf jeder Ebene – auch bei dem Kollegen an der Presse oder bei demjenigen, der den Gabelstapler fährt. Am Ende geht es darum, Teams so zusammenzubringen, dass sie nicht nur ihren eigenen Bereich optimieren, sondern gemeinsam die beste Lösung für den Kunden entwickeln.
Die beste Lösung für den Kunden – das ist ein gutes Stichwort. In einer vernetzten Welt wie heute erreicht man dieses Ziel als Unternehmen nicht allein.
Nein, in der Tat. B.PRO hat schon immer auf verlässliche Partner gesetzt, um für seine Kunden die beste Lösung zu realisieren, und das werden wir auch in Zukunft tun. Dazu gehört für uns ganz ausdrücklich der Fachhandel, mit dem wir in engem Austausch stehen und den wir in seiner Tätigkeit bestmöglich unterstützen. Gleiches gilt für Fachplaner, die wir in der Zusammenarbeit aktiv begleiten.
Grundsätzlich gilt: Kein Unternehmen kann heute alle Technologien und Kompetenzen in derselben Tiefe selbst abdecken. Insbesondere bei Themen wie Robotik profitieren unsere Kunden davon, dass wir mit spezialisierten Partnern zusammenarbeiten und Know-how gezielt bündeln. So bleiben wir agil und innovativ.
Partnerschaften, Kundennähe und vernetzte Strukturen spielen für Sie also eine zentrale Rolle. Was bedeutet das für B.PRO als Unternehmen zwischen dem Stammsitz in Oberderdingen und einer klar internationalen Aufstellung?
Oberderdingen ist ein wichtiger Ankerpunkt – nicht zuletzt, weil die Blanc & Fischer Group hier seit langem ein bedeutender Arbeitgeber ist. Gleichzeitig ist B.PRO international vernetzt. Wir sind mit eigenen Gesellschaften und Vertriebsstrukturen in Europa präsent und darüber hinaus über internationale Partner in vielen weiteren Märkten weltweit vertreten. So können wir Kunden eng begleiten, in ihrer Muttersprache und mit einem exzellenten Verständnis für die besonderen Anforderungen, die vor Ort gelten.
Außerdem verfügen wir mit unserem Werk im tschechischen Frýdek-Místek über einen Standort, der für Produktion und Logistik eine zentrale Rolle spielt. Dort entstehen viele Produkte der Geschäftseinheit Catering Solutions, und der Standort fungiert zugleich als operatives Drehkreuz und weltweites Versandzentrum.
Für mich gehört Lokales und Internationales ganz selbstverständlich zusammen und macht einen Teil der Stärke von B.PRO aus.
Quelle: B.PRO
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