Sind die Gรคste glรผcklich, sind es auch da Mitarbeiter. Danach lebt und leitet Judith Fuchs-Eckhoff das Louis C. Jacob und ihr Team.
Quelle: DSR Hotel Holding

Gasterlebnis im Mittelpunkt

Im Hamburger Fรผnf-Sterne-Superior Hotel Louis C. Jacob kommen Liebhaber von Kunst, Kultur und Kulinarik auf ihre Kosten. Gelegen an der Elbchaussee mit der berรผhmten, idyllischen Lindenterrasse positioniert sich das Hotel gerade neu als Hamburgs Kulturhotel. Dafรผr hat Hoteldirektorin Judith Fuchs-Eckhoff eigens ausgewรคhlte Kulturangebote etwa fรผr Besuche der Elbphilharmonie oder Konzerten im Hamburger Michel arrangiert. Mehr zum Konzept des Louis C. Jacob verrรคt Judith Fuchs-Eckhoff in der aktuellen Ausgabe der first class. Sie leitet das Hotel seit fast sechs Jahren. Worauf sie dabei Wert legt, berichtet Judith Fuchs-Eckhoff im Interview.

Judith Fuchs-Eckhoff im Interview

Frau Fuchs-Eckhoff, Sie leiten das Hotel Louis C. Jacob seit fast sechs Jahren und waren auch davor schon in verschiedenen Hotels tรคtig. Studiert haben Sie Angewandte Kulturwissenschaften. Wie kam es zum Schritt in die Hotellerie?

Die Hotellerie war vor der Kultur da. Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Bad Teinach absolviert. AnschlieรŸend habe ich in der Nรคhe von Montreux eine Wintersaison in einem kleinen, aber sehr feinen Restaurant gearbeitet. Das danach folgende Studium war eine logische Weiterentwicklung, da der Schwerpunkt u. a. auf Tourismusmanagement und Betriebswirtschaft lag. Die flankierenden Studienfรคcher, in denen ich mich mit Geschichte, Kultur und sprachwissenschaftlichen Themen befasste, gaben mir die Gelegenheit, meine Leidenschaften in mein Berufsleben einflieรŸen zu lassen. Das hilft mir heute in meiner Funktion als Direktorin sehr. Es macht mir unglaublich viel Freude, die Geschichte des Hotels weiter zu erforschen, sie an Gรคste und meine Mitarbeiter weiter zu vermitteln und mit den zahlreichen Arrangements und Kooperationen das Jacob noch stรคrker als Kulturhotel zu positionieren.

Wie setzt sich Ihr Team im Jacob zusammen?

Wir sind bunt, vielfรคltig und multikulturell. Meine Mitarbeiter kommen u. a. aus den USA, Italien, ร„gypten, Syrien, Marokko, Armenien oder Zimbabwe. Das Durchschnittsalter liegt bei 32 Jahren. Unsere langjรคhrigen Mitarbeiter bilden ein perfektes Pendant zu der jรผngeren Generation und den Auszubildenden.

(Quelle: Catrin-Anja Eichinger)

โ€žMeine Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie wissen, dass nur das Gesamterlebnis des Gastes zรคhlt und dazu gehรถren viele kleine Einzelerlebnisse wรคhrend des Aufenthaltes.โ€œ

Judith Fuchs-Eckhoff

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Mitarbeiter?

Ich erwarte, dass das Gasterlebnis im Mittelpunkt des Geschehens und des Denkens steht. Einen Satz wie: โ€žKollege kommt gleichโ€œ gibt es im Louis C. Jacob nicht. Meine Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie wissen, dass nur das Gesamterlebnis des Gastes zรคhlt und dazu gehรถren viele kleine Einzelerlebnisse wรคhrend des Aufenthaltes. Jeder einzelne Mitarbeiter trรคgt somit zum Erfolg bei. Kรผrzlich habe ich beobachtet, wie unser Kochazubi spontan einem anreisenden Paar mit dem Gepรคck geholfen hat, da die Empfangsmitarbeiter gerade mehrere Personen gleichzeitig einchecken mussten. So stelle ich mir das vor.

Wie wรผrden Sie Ihren Fรผhrungsstil, auch im Vergleich zu mรคnnlichen Kollegen, beschreiben?

Wieder steht das Gasterlebnis im Vordergrund. Ich bin immer bestrebt, meinen Mitarbeitern zu vermitteln, dass ihre Arbeit sinnstiftend ist, weil sie das machen, was sie lieben: Menschen glรผcklich zu machen. Schaffen wir das, sind wir es selbst auch. Das Feedback unserer Gรคste gibt uns in diesem Punkt recht. Es wird immer wieder betont, wie herzlich, zuvorkommend und dem Gast zugewandt alle Mitarbeiter sind. Darรผber freue ich mich sehr. Im รœbrigen ist es als Frau leichter Mitarbeiter zu umarmen und sie fรผr ihren Einsatz zu loben und zu danken. Emotionen zu zeigen; hier haben es die mรคnnlichen Kollegen sicher oft schwerer.

Sie bilden im Louis C. Jacob auch aus โ€“ worauf legen Sie dabei wert?

Die klassischen Ausbildungsinhalte werden tรคglich von unseren Ausbildern vermittelt. Zusรคtzlich bieten wir einen umfangreichen Schulungsplan an, in dem auch Wissen geteilt wird, das nicht Teil der tรคglichen Praxis oder der Berufsschule ist.

Darรผber hinaus sind es auch immer die โ€žweichen Faktorenโ€œ, auf die ich Wert lege. Mir ist es extrem wichtig, dass die jungen Menschen SpaรŸ an ihrer Arbeit haben, dass sie fรผr die Hospitality brennen, dass sie mit Leidenschaft jeden Tag ihr Bestes geben, weil sie lieben, was sie tun. Konfuzius hat einmal gesagt: โ€žFinde einen Beruf, den Du liebst und Du musst keinen Tag in Deinem Leben arbeiten.โ€œ Wenn wir das wรคhrend der Ausbildung erreichen, dann verlassen danach auch nicht so viele Mitarbeiter unsere Branche.

Welche MaรŸnahmen ergreifen Sie, um den Teamzusammenhalt zu stรคrken?

Wir pflegen im Jacob ein sehr familiรคres Miteinander, das echt und authentisch ist. Das Team kennt sich, jeder mit Namen und Vornamen! Das Hamburger Sie, das gilt auch fรผr mich. Das schafft Nรคhe. Es ist am Ende des Tages aber nur eine ร„uรŸerlichkeit. Es muss schon ganzheitlich gelebt werden. Dazu gehรถren Respekt und Wertschรคtzung jedes einzelnen, unabhรคngig von Position und Zugehรถrigkeit. Auch hier lebe ich die Herzlichkeitskultur. Geburtstage oder Jubilรคen werden, so denke ich, in jedem Hotel eine Rolle spielen. Aber ob die Geburtstagskarte einmal im Jahr dazu beitrรคgt, dass der Mitarbeiter sich wohl fรผhlt, bezweifele ich. Auch hier geht es darum, das Team als Ganzes in die Guestjourney einzubinden und jedem die Wichtigkeit seiner Arbeit sinnstiftend zu verdeutlichen.

Wie halten Sie neue Mitarbeiter?

Im Vertrieb gibt es eine Formel, die besagt: Es kostet acht Mal so viel einen Neukunden zu akquirieren, als einen bestehenden Kunden zu halten. Das Gleiche gilt doch auch fรผr unsere Kollegen. Also setzen wir darauf den Fokus. Trotzdem ist eine gesunde Fluktuation wichtig, weil dadurch neue Ideen, Ansรคtze und Impulse in die Hotels kommen. Gerade produzieren wir ein Recruiting-Video fรผr die Sozialen Medien. Man muss die Jugend da abholen, wo sie unterwegs ist. Ich bin gespannt, wie es ankommen wird.

Wie haben Sie und Ihr Team die Pandemie gemeistert?

Der erste Lockdown war rรผckblickend betrachtet ein Abenteuer. Keiner wusste, was da auf uns zukommt. Aber durch unsere Unwissenheit hatten wir keine Befรผrchtungen. Der zweite Lockdown zog uns den Boden unter den FรผรŸen weg. Ich saรŸ mit den Azubis im Hotel und habe Rundgรคnge gemacht und Klos gespรผlt. Das konnte nicht alles sein. So haben die Azubis ein Projekt entwickelt, um den AuรŸer-Haus-Verkauf zu fรถrdern. Von der Angebotsgestaltung รผber die Kalkulation bis hin zu den Marketingaktivitรคten haben sie zunรคchst den Verkauf zu Weihnachten und dann im Frรผhjahr den Verkauf der Jacobs Torte, des Afternoon Tea etc. geplant. Es war ein groรŸer Erfolg und hat allen gezeigt, dass Krisen auch dafรผr da sind, sich neu zu erfinden.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie daraus fรผr die Zukunft mit?

Aus dem Lockdown ziehe ich die Erfahrung, dass man nicht aufgeben darf und immer wieder neue Ideen entwickeln sollte. Fรผr mich waren jedoch die Monate nach dem Lockdown viel prรคgender und wertvoller. Das Hochfahren des Hotels, der Zusammenhalt des Teams, die gegenseitige Unterstรผtzung, das abteilungsรผbergreifende Arbeiten โ€“ das war fรผr mich ein ganz wichtiger Meilenstein. So nah war ich den operativen Abteilungen noch nie. Alle haben an einem Strang gezogen. Ich habe viel in dieser Zeit gelernt โ€“ รผber das Hotel, meine Mitarbeiter und รผber mich.

Vielen Dank fรผr das Gesprรคch!

Quelle: B&L MedienGesellschaft

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