Die 6. Care-Studie 2022 liefert Entwicklungen und Trends zur Patientenverpflegung.
Quelle: Colourbox.de/Phovoir

Care-Studie 2022 – Trends der Patientenverpflegung

Dass die Corona-Pandemie auch in der Entwicklung der Patientenverpflegung ihre Spuren hinterlassen hat, belegen die Ergebnisse der jรผngst verรถffentlichten 6. Care-Studie 2022, durchgefรผhrt von K&P Consulting sowie dem Deutschen Krankenhausinstitut. So treten Kostensteigerungen und Fachkrรคftemangel deutlich in der Studie hervor, auch wenn Hygiene und Speisenqualitรคt die wichtigsten Aspekte bleiben.

Mit-Urheber Ekkehart Lehmann, Geschรคftsfรผhrer von K&P Consulting, resรผmiert: โ€žDie wesentlichen Trends in der Patientenverpflegung scheinen unverรคndert. Die klassische Frischkรผche wird immer mehr abgelรถst durch Cook & Chill-Kรผchen und industrielle Vorprodukte, obwohl weiterhin mehr als die Hรคlfte frisch in der eigenen Kรผche produzieren.โ€œ

Eine mรถgliche Erklรคrung: Der Bedarf, die Patientenverpflegung zu optimieren, scheint in der Corona-Zeit angesichts anderer Baustellen zurรผckgegangen.

Wo gibt es Potenzial? Laut der 6. Care-Studie 2022 liegt viel ungenutztes Potenzial in der Prozessoptimierung. โ€žAuch Aspekte der Nachhaltigkeit spielen nur in wenigen Kรผchen bereits eine Rolle. Hier gilt es die Branche in den kommenden Jahren โ€“ auch zum Wohle der Patienten โ€“ weiter voranzubringenโ€œ, kommentiert Ekkehart Lehmann.

Die 6. Care-Studie 2022 erfasste die Kosten pro Patient pro BKT in der Patientenverpflegung aus 2021.
(Quelle: bluedesign โ€“ stock.adobe.com)

โ€ž15,71 Euro kostete die Verpflegung von Patienten in 2021 pro Bekรถstigungstag (BKT). Der durchschnittliche Lebensmitteleinsatz pro BKT lag im Jahr 2021 bei 5,32 Euro, ein Plus von 3,5 Prozent gegenรผber der letzten Erhebung 2018. Mit 9,11 Euro sind die Personalkosten je Bekรถstigungstag um 19,2 Prozent gegenรผber 2018 gestiegen.โ€œ


6. Care-Studie 2022

Methodik

Im Frรผhjahr 2022 wurde die Datenerhebung zur 6. Care-Studie 2022 durchgefรผhrt, die wirtschaftlichen Kennzahlen wurden fรผr das Jahr 2021 abgefragt. An der sechsten Auflage der Studie rund um Verpflegungsleistungen im Krankenhaus nahmen 453 von 1.310 Allgemeinkrankenhรคuser mit mehr als 80 Betten teil. โ€žMit einer Beteiligung von 35 Prozent ist die Studie die einzige reprรคsentative Erhebung zur Krankenhausverpflegung in Deutschlandโ€œ, betont Verfasser Ekkehart Lehmann, Geschรคftsfรผhrer von K&P Consulting.

Durchgefรผhrt wird die Care-Studie seit 2006 von der K&P Consulting GmbH und dem Deutschen Krankenhausinstitut (DKI). Sie erheben alle drei Jahre bei den deutschen Allgemeinkrankenhรคusern vielfรคltige Daten zur Patientenverpflegung.

Wichtigste Ergebnisse der 6. Care-Studie 2022

Die 6. Care-Studie 2022 erfasste die in der Patientenverpflegung gรคngigen Produktionssysteme.
(Quelle: Kzenon โ€“ stock.adobe.com)

โ€žln 58 Prozent der Krankenhรคuser wird in der eigenen Kรผche im Cook & Serve-Verfahren frisch gekocht. Die entkoppelten Produktionssysteme legen weiter zu. So ist inzwischen in mehr als einem Viertel aller Krankenhรคuser das Cook & Chill-System im Einsatz.โ€œ

6. Care-Studie 2022

Kรผche

– Eigene Kรผche dominiert:

Fast vier von fรผnf Krankenhรคusern produzieren noch vor Ort in einer eigenen Kรผche, 14 Prozent richten in einer Verteilerkรผche an und 7 Prozent lassen sich von extern (tablettiert) anliefern.

– Es wird noch frisch gekocht:

ln 58 Prozent der Krankenhรคuser wird in der eigenen Kรผche im Cook & Serve-Verfahren frisch gekocht. Aber nur in gut 20 Prozent der Kรผchen wird noch eine ausschlieรŸlich handwerkliche Produktion praktiziert und die Speisen aus Rohprodukten frisch zubereitet. Der Rest setzt vermehrt auf Convenience-Produkte.

– Cook & Chill nimmt zu:

Die entkoppelten Produktionssysteme legen weiter zu. So ist inzwischen in mehr als einem Viertel aller Krankenhรคuser das Cook & Chill-System im Einsatz, bei rund zwei Dritteln in der eigenen Kรผche. Cook & Freeze sowie Sous-Vide/High Convenience-Komponenten stiegen auf jeweils 7 Prozent.

Speisenangebot und Leistungen

– Immer mehr externe Produktion:

Fast 60 Prozent der Krankenhauskรผchen produzieren nicht nur fรผr sich selbst, sondern beliefern auch andere Einrichtungen. Der Anteil des externen Geschรคfts hat dabei kontinuierlich zugenommen, v. a. die Belieferung von Kitas. Damit schreitet die Zentralisierung der Kรผchen voran, worauf auch der Trend zum wachsenden Kรผchenoutput โ€“ trotz Corona โ€“ hindeutet. Kleine Krankenhรคuser liefern hรคufiger Essen auf Rรคdern.

– Speisenangebot:

ร€-Ia-carte-Angebote bleiben in 43 Prozent der Hรคuser Wahlleistungspatienten vorbehalten. Der Anteil der Sonderkostformen, die vom Standardangebot abweichen, hat sich in den vergangenen 15 Jahren โ€“ wohl aufgrund der Standardisierung โ€“ halbiert. Der Anteil lag 2021 bei rund 12 Prozent.

– Noch nicht nachhaltig genug:

Viele Kรผchen schenken der Nachhaltigkeit noch wenig Aufmerksamkeit. Vegetarische Alternativen sind in zwei Drittel der Hรคuser Standard, aber nur die Hรคlfte arbeitet mit einem saisonalen Speiseplan. Ein veganes Menรผ in der Regelversorgung bieten 51 Prozent der Befragten. Bio-zertifiziert sind nur 10 Prozent.

– Kaffeeversorgung รผberwiegend dezentral:

ln der Mehrzahl der Krankenhรคuser (73 Prozent) wird Kaffee dezentral auf den Stationen zubereitet. Je kleiner die Hรคuser, desto hรคufiger wird der Kaffee noch zentral in der Kรผche zubereitet. Das gilt z. B. fรผr 47 Prozent der Hรคuser mit 80 bis 199 Betten, wรคhrend 94 Prozent der Hรคuser mit 400 bis 599 Betten dezentral brรผhen.

– Versorgung der Patienten mit Wasser:

ln 35 Prozent der Krankenhรคuser haben sich dezentrale Wasserspender durchgesetzt. Glasflaschen sind in 24 Prozent der Krankenhรคuser im Einsatz, rund 34 Prozent verwenden inzwischen PET-Flaschen.

– Mitarbeitendenverpflegung fast รผberall:

85 Prozent der Krankenhรคuser bieten den Mitarbeitenden ein eigenes Betriebsrestaurant. Am hรคufigsten findet sich ein solches bei groรŸen Hรคusern ab 600 Betten. Das gilt ebenso fรผr das Vorhandensein von Getrรคnkeautomaten.

Organisation

– Outsourcing:

19 Prozent der Krankenhรคuser planen das Outsourcing an ein Cateringunternehmen. Generell ist das Outsourcing verschiedener Leistungen in den vergangenen Jahren aber zurรผckgegangen. Hol- und Bringedienst, Reinigung und Spรผlleistungen sind die am hรคufigsten ausgegliederten Services.

– Trend zur Service GmbH:

Die Hรคlfte der Krankenhรคuser fรผhren ihre Kรผchen in Eigenregie, doch die eigene Service GmbH ist zu 32 Prozent die Organisationsform der Wahl.

– Einkaufsmanagement:

Der Einkauf der Lebensmittel liegt in den meisten Krankenhรคusern in der Verantwortung der Kรผchen selbst. Externe Dienstleister werden in rund einem Drittel der Kรผchen eingebunden.

– Speisewunscherfassung digital und von Hostessen:

Speisenwรผnsche werden inzwischen meist digital erfasst. Dadurch kann das Speisenangebot individueller zusammengestellt werden. Der Austausch einzelner Komponenten z. B. ist in 77 Prozent der Krankenhรคuser mรถglich. Eingesetzt werden dafรผr vermehrt Hostessen oder Servicepersonal der Kรผche. Das Servieren der Speisen dagegen gehรถrt weiterhin zum klassischen Aufgabengebiet des Pflegepersonals.

– Kontaktwรคrmesysteme dominieren:

Bei der Regenerations- und Warmhaltetechnik dominieren weiterhin Kontaktwรคrmesysteme. Systeme mit Umluftheizung verzeichnen die hรถchsten Zuwachsraten. Der Anteil an Speisentransportwagen ohne Kรผhltechnik sinkt konstant.

Personal und Betriebswirtschaft

– Fachkrรคftemangel verschรคrft sich:

Der der Anteil an Fachkrรคften ist in 2022 auf 28 Prozent zurรผckgegangen. Das Durchschnittsalter des qualifizierten Personals liegt in 2022 bereits bei 48 Jahren, 2006 waren die Mitarbeitenden im Mittel noch rund 43 Jahre alt. Der Nachwuchsmangel verschรคrft sich also, wobei auch nur ein Drittel der Kรผchen ausbildet.

– Patientenverpflegung mit 15,71 Euro pro BKT immer teurer:

15,71 Euro kostete die Verpflegung von Patienten pro Bekรถstigungstag (BKT) in 2021. Das sind 12,7 Prozent mehr als 2018. Jedes Krankenhaus erfasst die Kosten fรผr die Patientenverpflegung jedoch unterschiedlich. Daher sind in den Angaben zu Kosten in unterschiedlichem MaรŸe Dienstleistungen enthalten.

5,32 Euro betrugen die Warenkosten pro BKT im Jahr 2021, die Personalkosten lagen bei 9,11 Euro. Die Personalkosten pro BKT sind damit gegenรผber 2018 um 19,2 Prozent gestiegen, u. a. aufgrund des Mindestlohns.

Weitere Ergebnisse im Detail kรถnnen in der 75-seitigen 6. Care-Studie 2022 nachgelesen werden, die kostenlos heruntergeladen werden kann und viele anschauliche Infografiken sowie Detailauswertungen enthรคlt.

info

Globale Ernรคhrungstrends

Mintel hat Verbraucherdaten aus 36 globalen Mรคrkten ausgewertet und zeigt vier prรคgende Faktoren fรผr Ernรคhrungstrends auf. Unter anderem werden bewรคhrte Produkte, die die geistige Leistungsfรคhigkeit positiv beeinflussen, in den nรคchsten Jahren vermehrt zum Einsatz kommen, z. B. Koffein, Obst, Gemรผse und Hรผlsenfrรผchte.

Quelle: K&P Consulting GmbH/Deutsches Krankenhausinstitut

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