Seit 1. Juli 2025 liegt die Geschäftsführung der E.ON Gastronomie in den Händen von Michael Kindermann. Anlässlich des „Löffeltauschs“ mit Vorgänger Horst M. Kafurke, der nun im Dezember 65 Jahre alt wurde und offiziell ins Rentendasein eintrat, standen die beiden der Redaktion GVMANAGER im September 2025 Rede und Antwort.
Im gemeinsamen Interview sprachen Michael Kindermann und Horst M. Kafurke über erste Eindrücke, große Umbrüche und persönliche Energiereserven.
Nachhaltigkeit, Teamgeist und Authentizität – das sind die Stichworte, die Horst M. Kafurke und Michael Kindermann mit der E.ON Gastronomie verbinden. Der eine geht, der andere übernimmt: ein Stabwechsel, bei dem viel Bewährtes bleibt und doch neue Impulse gefragt sind.
„Auf dem aktuellen guten Stand werden wir uns nicht ausruhen können, alleine aufgrund möglicher gesetzlicher Änderungen. Aber an der DNA der E.ON Gastronomie möchte ich festhalten, also an den Themen Nachhaltigkeit, Authentizität und Nähe zum Gast. Und auch das Thema „Soulfood“ gehört für mich dazu – Gäste sollen sich wohlfühlen, gerne zur Arbeit kommen, auch mal eine Currywurst oder eine Fleisch-Bolognese essen dürfen.“
Michael Kindermann, Geschäfstführer E.ON Gastronomie
Wie war Ihr erster Eindruck von der E.ON Gastronomie – und wie haben Sie diese dann kennengelernt?
Michael Kindermann: Bis zur Stellenausschreibung hatte ich ehrlich gesagt kaum Berührungspunkte. Erst beim Blick auf die Homepage habe ich mir ein Bild gemacht – und war sofort angetan von der klaren, authentischen Ansprache. Die Nachhaltigkeitsstrategie wurde von Horst in einem Video anschaulich erklärt, ich entdeckte mir bekannte Lieferanten hier aus der Region – und so entstand schon eine erste emotionale Bindung.
Auch die Vision von E.ON selbst hat mich schnell begeistert. Als ich dann die ersten Gespräche führte und schließlich in letzter Instanz das Führungskräfteteam der Gastronomie kennenlernen durfte, habe ich gespürt: Hier herrscht Wertschätzung pur, hier sind Menschen am Werk, die mit Überzeugung dabei sind. Das hat das letzte Eis für mich gebrochen, der Teamspirit stimmte für mich als Bauchmensch definitiv.
Horst M. Kafurke: Als ich aus dem Studierendenwerk Düsseldorf kam, konnte ich dort Nachhaltigkeit schon sehr früh leben und es hat mich gereizt, das bei – damals noch RWE – ebenfalls auszubauen.
Beim Wechsel erging es mir ähnlich wie Michael. Nach ersten Bedenken, erlebte ich schnell dieses familiäre Wir-Gefühl, das uns bis heute trägt. Unsere fantastische Mannschaft ist für mich inzwischen ein Stück Familie. Es war wie in einer guten Ehe, es gab mal Trouble, aber die schönen Momente überwiegen.
„Als ich einst hierher wechselte, erlebte ich schnell dieses familiäre Wir-Gefühl, das uns bis heute trägt. Unsere fantastische Mannschaft ist für mich inzwischen ein Stück Familie. Es war wie in einer guten Ehe, es gab mal Trouble, aber die schönen Momente überwiegen.
ich bin stolz darauf, dass wir einer der nachhaltigsten Gemeinschaftsverpfleger in Deutschland geworden sind – und dass das nicht nur ein Führungsthema ist, sondern von jedem einzelnen Mitarbeiter getragen wird.“Horst M. Kafurke
Herr Kindermann: Was motiviert Sie, die Verantwortung als Geschäftsführer zu übernehmen?
Kindermann: Zum einen meine persönliche Nähe – ich wohne hier in der Region, lustigerweise nur ein paar Orte entfernt von Horst, das spart mir täglich bis zu vier Stunden Stau.
Zum anderen reizt mich die Aufgabe, ein gesundes, stabiles Unternehmen weiterzuentwickeln. Bei Bayer habe ich viele Jahre Restrukturierungen begleitet, was mir viel Spaß bereitet hat. Hier geht es darum, Bestehendes zukunftsfähig zu machen – das ist mindestens genauso spannend. Und hier kann ich als Externer sicherlich noch gewisse neue Impulse in ein bisher sehr erfolgreiches gefestigtes Team einbringen. Und zwar mit der gebotenen Ruhe und nicht Schlag auf Schlag.
Welche drei Worte beschreiben für Sie die E.ON Gastronomie?
Kindermann: Pionier, Wertschätzung und Authentizität.
Kafurke: Nachhaltig, innovativ, lecker.
Herr Kafurke, was war für Sie der größte Umbruch in den letzten Jahren?
Kafurke: Die Konzernwechsel, zunächst von RWE zu innogy und dann zu E.ON – das waren vier harte Jahre. Jede neue Unternehmenskultur, jedes neue System musste in unsere Gastronomie-Welt übertragen werden. Besonders der Wechsel von innogy zu E.ON war herausfordernd – von der Großfamilie zu einem 70.000-Mitarbeiter-Konzern. Das war schon ein großer Tanker, der Zeit brauchte, bis er Fahrt aufnahm.
Diese Umfirmierungen waren sogar anstrengender als die Corona-Zeit, durch welche wir rückblickend sehr gut gekommen sind – auch dank des Konzerns im Rücken.
Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz?
Kafurke: Darauf, dass wir einer der nachhaltigsten Gemeinschaftsverpfleger in Deutschland geworden sind – und dass das nicht nur ein Führungsthema ist, sondern von jedem einzelnen Mitarbeiter getragen wird.
Besonders stolz bin ich auf die TÜV-Zertifizierung, die wir mitentwickeln durften und um ein Nachhaltigkeitsmodul erweitert haben. Meine Mannschaft hat das mitgetragen, immer wieder neue Ideen eingebracht.
Welcher Change steht als nächstes an, Herr Kindermann?
Kindermann: Mein Spezialgebiet zuletzt war die Hospitality. Und ich sehe auch hier, vor allem am Standort Brüsseler Platz, das Ergebnis einer Flächenzentralisierung und Wachstumsstrategie. Flexiblere Arbeitsmodelle, Events jenseits der klassischen Kantinenzeiten, eine 360-Grad-Gästebetreuung – das wird wichtiger.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die nächsten fünf Jahre?
Kindermann: Gesellschaftlich sind das der Klimawandel, steigende Preise, Knappheit, veränderte Ernährungsgewohnheiten hin zu mehr pflanzlichen Zutaten.
Intern sehe ich primär den demografischen Wandel als Herausforderung. Wir haben eine sehr erfahrene Mannschaft, deren Wissen wir sichern müssen. Ausbildung, Nachwuchsarbeit, Nachfolgeplanung – all das wird wichtiger. Unsere Aufgabe ist es, diese Herausforderungen aufzugreifen und dabei unsere Authentizität zu bewahren.
Kafurke: Das sehe ich genauso, denn diese Herausforderungen gelten im Grunde für die gesamte Branche. Allerdings haben wir uns einen Vorsprung erarbeitet – den gilt es zu halten und das wird eine der größten Herausforderungen.
Herr Kafurke, was würden Sie heute anders machen, wenn Sie könnten?
Kafurke: Fehler gehören dazu, daraus lernt man. Ich bereue folglich nichts und würde den gleichen Weg noch einmal gehen – ich bin Gastronom mit Leib und Seele.
Herr Kindermann, was wollen Sie beibehalten von der bisherigen Strategie?
Kindermann: Auf dem aktuellen guten Stand werden wir uns nicht ausruhen können, alleine aufgrund möglicher gesetzlicher Änderungen. Aber an der DNA der E.ON Gastronomie möchte ich festhalten, also an den Themen Nachhaltigkeit, Authentizität und Nähe zum Gast.
Und auch das Thema „Soulfood“ gehört für mich dazu – Gäste sollen sich wohlfühlen, gerne zur Arbeit kommen, auch mal eine Currywurst oder eine Fleisch-Bolognese essen dürfen. Es geht um Genuss und um das gute Gefühl – das müssen wir von der Gastronomie noch etwas mehr in den Konzern tragen.
Die persönliche Ansprache und Gastgeber-Mentalität wird noch wichtiger als bisher, aller Digitalisierung zum Trotz.
Kafurke: Es war ein weiter Weg, bis ich die Küchenleiter soweit hatte, dass sie den Gastkontakt gesucht und schlussendlich auch wertgeschätzt haben.
Kindermann: Was nicht zuletzt in der Tellersprache ersichtlich wird, also der Art und Weise, wie ein Koch sein Essen präsentiert. Das Team hier beherrscht die Kunst, den Teller so anzurichten, dass die Philosophie dahinter klar wird – und die Motivation und Begeisterung dahinter sichtbar.
Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger?
Kafurke: Er soll so bleiben, wie er ist. Michael macht das genau richtig, und das spürt auch das Team. Bereits nach den ersten sieben Wochen geht es mit vielen Fragen direkt auf ihn zu. Entscheidungen, welche die Zukunft angehen, sehe ich auch nicht mehr als meine Angelegenheit. Die von den Gesellschaftern angesetzten sechs Monate Einarbeitungszeit brauchen wir keinesfalls. Daher gehe ich auch zum Oktober komplett aus der Geschäftsführung raus.
Kindermann: Ich muss aber auch sagen, dass ich eine Top-Einarbeitung bekommen habe. Dafür möchte ich an dieser Stelle ein großes Danke sagen. Ein gemeinsames Agieren von altem und neuem Geschäftsführer ist wirklich nicht leicht, ich finde aber, wir haben einen guten Weg gefunden, damit umzugehen.
Was wünschen Sie Ihrem Vorgänger?
Kindermann: Glück, Gesundheit, Selbsterfüllung und viel Freude im „Dessert des Lebens“. Horst hat so viel aufgebaut, und er soll stolz zurückblicken können – und neugierig nach vorne. Ich wünsche ihm einen lebenswerten und glücklichen Einstieg in die beste Zeit des Lebens.
Was werden Sie vermissen, Herr Kafurke?
Kafurke: Ganz klar: meine Kollegen. Das war das beste Team, mit dem ich je gearbeitet habe. Wenn ich an den Abschied denke, werde ich wirklich traurig. Aber ich habe nicht vor, alle Brücken abzubrechen.
Und worauf freuen Sie sich?
Kafurke: Ich habe das kommende Jahr bereits verplant mit Dingen, für die ich bisher nie Zeit hatte. Ich werde sechs bis acht Wochen auf Sylt verbringen und hoffentlich mein Buch über Nachhaltigkeit fertigschreiben. Ich werde in Norwegen angeln und mich als Gasthörer an der Uni Münster einschreiben – und ansonsten habe ich ja noch meine Vielzahl an Hobbys.
Haben Sie ein Lieblingsessen bei der E.ON Gastronomie?
Kafurke: Als Fan der gutbürgerlichen Küche favorisiere ich Klassiker wie Königsberger Klopse, Sauerbraten oder Hühnerfrikassee, die es aber nicht so oft bei uns gibt.
Kindermann: Ich probiere immer von allem – mein „Michael-Teller“ mit rund zehn Komponenten, sehr expressionistisch gestapelt, ist bereits berüchtigt. Ansonsten liebe ich Saucen und Kartoffeln.
Lassen Sie privat Ihrer Frau den Vortritt am Herd? Was kommt auf den Tisch?
Kafurke: Meist stehe ich am Herd, auch wenn meine Frau sehr gut kochen kann. Gekocht wird spontan, worauf wir Lust haben, oder was der Garten hergibt. Ich habe aktuell sechs Arten kreiert, wie man Paprika füllen kann.
Kindermann: Ich koche ebenfalls gerne selbst, vorrangig Landhausküche mit Produkten aus dem eigenen Garten oder etwas Italienisches. Samstags köchelt bei mir oft während der Bundesligazeit die Bolognese.
Welche Restaurant-Erfahrung hat Sie zuletzt beeindruckt?
Kindermann: Eine Tapas-Tour in Palma de Mallorca – von Station zu Station, immer mit kleinen Häppchen. Ein tolles Erlebnis.
Kafurke: Ein veganes Restaurant in Berlin, das mich völlig überrascht hat – von der Tellersprache über die Zubereitungsarten bis zum Geschmack. Nur das Personal, nun ja, erfüllte gewisse Klischees.
Mit wem würden Sie gerne mal gemeinsam am Herd stehen?
Kindermann: Mit Herbert Grönemeyer. Beim Einkaufen in Berlin hatte ich ihn sogar mal vor mir stehen. Seine Tüte mit Paprika, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern hätte ich gerne mit ihm gekocht. Noch ein schönes Bier dazu und ein Liedchen… Leider war ich damals erstarrt wie eine Salzsäule.
Kafurke: Ich würde gerne mal mit all unseren jungen, wilden Köchen aus dem Team am Herd stehen. Die kommen mit selbst angesetzten Ölen und Co. um die Ecke, wovon ich sicher noch etwas lernen könnte.
Woraus ziehen Sie persönlich Energie?
Kafurke: Ich bin weitgehender Selbstversorger und begeistere mich für das Brotbacken, Bierbrauen, Wursten – gerne mitten in der Nacht. Ich muss eigentlich immer etwas zu tun haben, genieße es aber auch mit dem Fahrrad durch das Münsterland zu fahren oder Badminton zu spielen.
Kindermann: Aus Zeit mit meinen Herzensmenschen, aus Gartenarbeit, Reisen – und aus täglichen kleinen Momenten der Ruhe.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Über Michael Kindermann
Über ein aufgesatteltes Oecotrophologie-Studium und seine Diplomarbeit landete der gelernte Koch Michael Kindermann 2005 in der Gemeinschaftsgastronomie bei der Bayer Gastronomie, wo er im Anschluss als Trainee einstieg. Dort wirkte er rund 20 Jahre und übernahm sukzessive mehr Verantwortung, u. a. als QM-Leiter, Kantinenleiter in Köln, Standortleiter in Berlin und zuletzt als Leiter Hospitality zurück in NRW.
Seit Juli 2025 agiert er als Geschäftsführer der E.ON Gastronomie. Im Bewerbungsprozess um die Nachfolge von Horst M. Kafurke setzte er sich gegenüber 80 Bewerbern durch.
Über Horst M. Kafurke
Nach seiner Kochausbildung schnupperte Horst M. Kafurke ein Jahr lang Luft in einer Sternegastronomie auf Sylt, bevor er zur Bundeswehr eingezogen wurde. Acht Jahre diente er als Verpflegungsgruppenführer, dann wechselte er in die freie Betriebsgastronomie.
2010 lockte ihn die Herausforderung einer neuen, jüngeren Zielgruppe in die Hochschulgastronomie des Studierendenwerks Düsseldorf, wo er das Thema Nachhaltigkeit forcierte.
Seit 2015 lenkte er die Betriebsgastronomie des Energieversorgers, einst RWE, dann übergangen in Innogy und zuletzt in die E.ON Gastronomie. Dort verantwortete er zuletzt 48 Betriebe mit ca. 400 Mitarbeitenden.
Quelle: B&L MedienGesellschaft
Tobias Grau – GV-Manager des Jahres 2025
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