Das Studierendenwerk Mainz appelliert das gestohlene Geschirr zurückzugeben
Quelle: Studierendenwerk Mainz

Uni Mainz geht offensiv gegen Geschirrklau durch Studierende vor

Dass in der Hochschulgastronomie Geschirr gestohlen wird, ist nichts Neues. „Drei Prozent Schwund sind einkalkuliert“, bestätigt Sebastian Stüber, Leiter der Hochschulgastronomie im Studierendenwerk Mainz.

„Im letzten Jahr haben wir in der Mensa Bambus fast 80 Prozent des angeschafften Geschirrs verloren. Innerhalb von vier Wochen sind 450 von 500 neuen Kuchentellern verschwunden.“

Sebastian Stüber, Leiter Hochschulgastronomie, Studierendenwerk Mainz

Anders in der Mensa Bambus, nahe der Zentralbibliothek: „Im letzten Jahr haben wir in dort fast 80 Prozent des angeschafften Geschirrs verloren“, berichtet Sebastian Stüber. Alleine rund 1.170 Kuchenteller mussten neu angeschafft werden. In Summe wurden zudem 1.800 von 1.950 Pommes-Schalen aus Porzellan gestohlen, 9.000 Gabeln und 3.000 Löffel. Dagegen seien die 300 vermissten Salat-Bowl-Schalen und die 550 Eintopf-Schalen zu vernachlässigen.

Insgesamt wurden in allen neun Betrieben des Studierendenwerks Mainz im letzten Jahr fast 29.000 Geschirr- und Besteckteile nachbestellt.

Die trendigen Pommesschalen aus Porzellan werden gerne gestohlen in der Hochschulgastronomie Mainz
Quelle: Studierendenwerk Mainz/Vivian Herrmann

Studierendenwerk Mainz ruft zum Dialog auf

Als innerhalb von vier Wochen schließlich 450 von 500 neuen Kuchentellern erneut verschwunden waren, war Schluss mit lustig für Sebastian Stüber. Er suchte den direkten Dialog, angeteasert über Social Media: „Wir müssen reden!“, so sein Appell in einem Instagram-Video, das viral ging. „Wenn Dinge verschwinden, zahlen das nicht wir, sondern am Ende ihr alle – über höhere Preise“, kommunizierte man begleitend per Instagram.

Es folgte eine einzigartige Kommunikationsoffensive durch Hochschulgastronomie, Marketingabteilung und Geschäftsführung. „Aus anderen Studierendenwerken deutschlandweit war uns bekannt, dass Aufrufe, das Geschirr zurück zu bringen, das Gegenteil bewirkten: es wurde noch mehr geklaut. Deshalb haben wir uns für eine andere Herangehensweise entschieden“, berichtet Sebastian Stüber, der den gezielten Dialog zum bisherigen Tabuthema suchte und die Studierenden in die Zentralmensa zu „Meet the Gastro“ einlud.

Lösungsideen für den Geschirrklau

Zusammen mit den Studierenden wurden bestehende Ideen besprochen, ergänzt und weiterentwickelt und daraus kurzfristige sowie längerfristige Gegenmaßnahmen abgeleitet.

Kurzfristige Aktionen

  • Rückgabemöglichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten:

„Stellt doch einen Geschirr-Sammelwagen an die Eingänge nach Schließung einer Mensa“, so der häufigste Wunsch der Studierenden, der nun in verschiedener Form erfüllt wird.

In der Mensa Bambus – der mit dem höchsten Schwund – wird nach Mensa-Schließung um 19 Uhr ein Geschirrwagen aufgestellt, da das dortige Gebäude bis 22 Uhr geöffnet hat.
„Dies bietet auch die Möglichkeit der anonymen Rückgabe, falls das Geschirr zu Hause gehortet wurde“, stellt Sebastian Stüber in Aussicht.

In einem anderen, kleineren Betrieb wird schlicht ein Tisch zum Abgabeort außerhalb der Öffnungszeiten umfunktioniert.
Und als Drittes wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, dass das Rückgabe-Rondell einer anderen  Mensa seit Jahren bis Gebäudeschließung um 22 Uhr zugänglich sei.

  • Kleinere organisatorische Veränderungen:

Durch das Feedback der Studierenden sind zudem kleine Verbesserungsmöglichkeiten für Abläufe klar geworden, an denen die Hochschulgastronomie feilen und schließlich darüber informieren wird.

Längerfristige Aktionen

  • Aktionstag „Geschirr zurück zur Mensa – Back to Mensa“:

Es wird eine halbjährliche Sammelaktion eingeführt – angelehnt an den Dreck-weg-Tag. An diesem sind alle aufgerufen, Teller, Schalen und Besteck zurück in die Mensa bringen. „Freiwillig, ohne Vorwürfe – gemeinsam Verantwortung übernehmen“, wie das Studierendenwerk betont.

  • Geschirr-Starter-Set für zuhause:

Um zu vermeiden, dass das Mensa-Geschirr der Ausstattung von Wohngemeinschaften dient, soll es zum Semesterstart ein freiwilliges Geschirr-Set geben, das Studis für ihre Wohnung oder WG nutzen können.
Preislich wird es bei ca. 10–15 Euro liegen, ein von der Hochschulgastronomie über eigene Lieferbeziehungen fair kalkulierter Preis.

  • Mehrweg statt Mitnehmen:

Durch das Feedback der Studierenden sind zudem kleine Verbesserungsmöglichkeiten für Abläufe klar geworden, an denen die Hochschulgastronomie feilen und schließlich darüber informieren wird.

Mehrwegschalen statt Teller sollen Geschirrschwund reduzieren
Quelle: Studierendenwerk Mainz/Vivian Herrmann

Zeigen die Maßnahmen bereits Wirkung?

Es wird täglich in allen Mensen mehr Geschirr zurückgebracht, als wir ausgeben. Die Aktion hat also nicht nur Aufmerksamkeit generiert, sondern auch zum Zurückbringen von Geschirr geführt.“

Sebastian Stüber

Rund eine Woche nach dem Dialog mit den Studierenden, zeigen Kommunikationsstrategie und Maßnahmen bereits Wirkung. „Es wird täglich in allen Mensen mehr Geschirr zurückgebracht, als wir ausgeben. Die Aktion hat also nicht nur Aufmerksamkeit generiert, sondern auch zum Zurückbringen von Geschirr geführt“, resümiert Sebastian Stüber zufrieden.

In der größten Mensa sind bereits über 200 Teller zurückgekommen. In der Mensa Bambus kommen täglich seit Start der Aktion mindestens zehn Teller zurück.

„Wir appellieren an alle ihr Geschirr nach dem Essen zurückbringen – das spart Geld, Ressourcen und hilft, Preise stabil zu halten“, resümiert Sebastian Stüber abschließend.
Ob er auch mit den Pommes-Schalen Erfolg haben wird? Bislang sind davon erste einige wenige zurückgekommen. Weniger trendiges Geschirr wäre hier wohl ratsam.

Quelle. B&L MedienGesellschaft

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Claudia Kirchner

Die Branche der Gemeinschaftsgastronomie begleitet Claudia Kirchner nun schon seit fast 20 Jahren, gestartet als journalistische Quereinsteigerin, wie im Fachjournalismus nicht selten. Dafür ist sie als Dipl.-Oecotrophologin quasi vom „Fach“. Und obwohl ihre Leidenschaft zu Studienzeiten eher der Ernährungsphysiologie und Mikrobiologie, denn der Haushalts- und Großküchentechnik galt, machte sie die redaktionelle Arbeit zu einer ausgewiesenen Technikexpertin. Als einstige FÖJ-lerin sensibilisiert für „Ökologie“, hat sie zudem deren „große Schwester“ – Nachhaltigkeit – frühzeitig in der Münchner Zentralredaktion zum Thema gemacht. Ihr Antrieb als Chefredakteurin des GVMANAGER, Redakteurin des Fachmagazins und Impulsgeberin der Zentralredaktion ist es, den Lesern praxistaugliche Tipps für den Umgang mit kleinen und großen Herausforderungen des Großküchenalltags an die Hand zu geben und spannende Einblicke in Erfolgsrezepte von Kollegen zu geben.

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