Die Planetary Health Diet von 2019 hat im Oktober 2025 ein Update erhalten: Was ist geblieben? Was ist neu? Dr. Evelyn Medawar und Veronika Thumann von PAN International haben der Redaktion GVMANAGER einen Einblick gegeben.
Sechs Jahre nach der Veröffentlichung der Planetary Health Diet durch die EAT-Lancet Kommission wurde im Oktober 2025 die PHD 2.0 veröffentlicht.
Dahinter steckt eine wissenschaftliche Kommission, bestehend aus über 70 Experten aus sechs Kontinenten, die evidenzbasiert Empfehlungen zu einem gesunden, nachhaltigen und gerechten Lebensmittelsystem ableitet. Doch worauf wurde beim Update geachtet? Das haben beantwortet:
- Dr. Evelyn Medawar ist Neurowissenschaftlerin und Biologin. Sie leitet das Projekt Healthy Hospital Food bei der Physicians Association for Nutrition Deutschland e.V. (PAN) und begleitet Krankenhausküchen bei der Ernährungswende.
- Veronika Thumann ist Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftlerin und arbeitet bei PAN daran, Ernährung als zentralen Bestandteil des strukturellen Wandels im Gesundheitswesen zu verankern.
Auf einen Blick: Empfohlene Verzehrsmengen laut Eat Lancet Report 2025
„Die Grundprinzipien der Ernährung sind gleichgeblieben: überwiegend pflanzlich, viel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse, ergänzt mit optionalen, moderaten Mengen tierischer Produkte, und geringen Mengen Zucker. Die Portionsgrößen der verschiedenen Lebensmittelgruppen wurden kaum verändert, sie wurden hauptsächlich den neuen Daten zum durchschnittlichen Energiebedarf von 2.400 kcal/Tag angepasst.“
Dr. Evelyn Medawar, PAN
Die konkreten Werte, wie viel von welchen Lebensmitteln verzehrt werden soll, haben sich beim Update der Planetary Health Diet im Oktober 2025 teils minimal verändert.
Der Unterschied rührt daher, dass die Daten zum durchschnittlichen Energiebedarf angepasst wurden. Während 2019 als Energiebedarf noch 2.500 kcal/Tag zugrunde lagen, sind es in der Variante aus 2025 2.400 kcal/Tag.
- Vollkorngetreide: 210 Gramm (20–50 % der täglichen Energieaufnahme)
- Stärkehaltiges Gemüse: 50 Gramm (0-100 Gramm)
- Gemüse: 300 Gramm (200-600 Gramm)
- Obst: 200 Gramm (100-300 Gramm)
- Nüsse: 50 Gramm (0-75 Gramm)
- Hülsenfrüchte: 75 Gramm (0-150 Gramm)
- Milchprodukte: 250 Gramm (0-500 Gramm)
- Geflügel: 30 Gramm (0-60 Gramm)
- Fisch: 30 Gramm (0-100 Gramm)
- Eier: 15 Gramm (0-25 Gramm)
- Rotes Fleisch: 15 Gramm (0-30 Gramm)
- Ungesättigte Fette (Pflanzenöle): 40 Gramm (20-80 Gramm)
- Palm- und Kokosfett: 6 Gramm (0-8)
- Gesättigte Fette (Butter): 5 Gramm (0-10 Gramm)
- Zucker (frei oder zugesetzt): 30 Gramm (0-30 Gramm)
- Salz: < 2 Gramm
Nachgefragt bei Dr. Evelyn Medawar und Veronika Thumann (v.l.) von PAN International


„Die Gesundheitsvorteile, die die PHD mit sich bringt, werden kaum im Gesundheitswesen genutzt. Weder in der Beratung durch Fachkräfte im niedergelassenen Setting, noch in der GV über die Verpflegung selbst.“
Veronika Thumann, PAN
Warum war eine Überarbeitung der Planetary Health Diet nötig?
Es galt, neue Evidenzen aus den Bereichen Gesundheit, Klima, Biodiversität und Gerechtigkeit zu untersuchen und einzuarbeiten. Es wurde erneut berechnet, welchen Einfluss das globale Lebensmittelsystem auf die planetaren Grenzen, wie Emissionen, Landnutzung und Frischwasser, hat.
Neu ist eine Modellierung, wie wir global 10 Mrd. Menschen ernähren können innerhalb der planetaren Grenzen. Gerechtigkeit ergänzt zudem Gesundheit und Umwelt als ganz neuer Aspekt mit Fokus auf z. B. gerechte Löhne und Zugang zu gesunden Lebensmitteln.Â
Acht Bereiche sollen abschließend die Lebensmitteltransformation anleiten.
Was ist trotz Überarbeitung geblieben?
Der Kernanspruch der Planetary Health Diet ist unverändert: Ernährung, die gleichzeitig Menschen und Planeten schützt. Die Grundprinzipien der Ernährung sind gleichgeblieben: überwiegend pflanzlich, viel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse, ergänzt mit optionalen, moderaten Mengen tierischer Produkte, und geringen Mengen Zucker. Die Portionsgrößen der verschiedenen Lebensmittelgruppen wurden kaum verändert, sie wurden hauptsächlich den neuen Daten zum durchschnittlichen Energiebedarf angepasst: 2019: 2.500 kcal/Tag zu 2025: 2.400 kcal/Tag.
Was sind die größten Unterschiede zwischen der überarbeiteten Planetary Health Diet und der ursprünglichen Variante?
Die überarbeitete Version aus 2025 basiert auf einer aktualisierten und erweiterten wissenschaftlichen Basis. Sie integriert alle neun planetaren Grenzen statt bisher fünf und macht das Nachhaltigkeitsmodell damit umfassender.
Eine wichtige Neuerung ist der Aspekt der Gerechtigkeit. Die Ernährungsempfehlungen können nur dann umgesetzt werden, wenn gesunde und nachhaltige Lebensmittel für alle Menschen verfügbar, bezahlbar und leicht zugänglich sind. Die Planetary Health Diet ist dabei kein globales Einheitsmodell, sondern ein flexibler Rahmen, der sich kulturell und regioÂ-
nal anpassen lässt. Wenn die Empfehlungen mit regional oder lokal verfügbaren Lebensmitteln umgesetzt werden, können sie sinnvoll in bestehende Ernährungsgewohnheiten eingebettet werden. Das stärkt regionale Wertschöpfungsketten und erleichtert allen Menschen den Zugang zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
Welche Anpassungen begrüßen Sie?
Besonders wichtig finden wir den stärkeren Fokus auf kulturelle Anpassbarkeit und regionale Vielfalt. Die PHD 2.0 zeigt sehr klar, dass gesunde und nachhaltige Ernährung nicht überall gleich aussehen muss, sondern sich sinnvoll in bestehende Esskulturen inteÂgrieren lässt. Traditionelle Gerichte und indigene Rezepte mit regionalen Produkten sind ein wichtiger Ansatzpunkt, um bestehende Küchenstile weiterzuentwickeln und kreativ zu nutzen. So muss niemand seine Esskultur aufgeben und sich an starre Richtlinien halten, sondern es entsteht ein alltagstauglicher Rahmen, der die Umsetzung realistischer macht.
Hier spielt auch wieder der neue Aspekt der Gerechtigkeit eine wichtige Rolle. Durch kulturelle und regionale Anpassungen der PHD 2.0 können nicht nur individuelle Essgewohnheiten besser berücksichtigt werden, sondern auch lokale Märkte, Wertschöpfungsketten und Verarbeitungsprozesse werden dadurch gestärkt.
Erstmalig werden indirekte Gesundheitsgefahren durch klimatische Veränderungen aufgegriffen – ein wichtiger Schritt?
Ja, auf jeden Fall! Die WHO bezeichnet den Klimawandel als größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Extreme Wetterereignisse gefährden Ernten, Wasserressourcen und damit die Ernährungssicherheit. Zusätzlich begünstigen Überschwemmungen, Dürren und steigende Temperaturen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und Zoonosen.
Unsere derzeitigen Ernährungssysteme, die stark auf tierische Produkte ausgerichtet sind, zählen zu den wichtigsten Treibern der Klimakrise. Eine Verschiebung hin zur Planetary Health Diet könnte die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen um mehr als die Hälfte reduzieren und ist notwendig, um die internationalen Klimaziele erreichen zu können und die gesundheitlichen Risiken durch klimatische Veränderungen zu reduzieren.
Dass die PHD 2.0 diese indirekten Gesundheitsfolgen nun ausdrücklich berücksichtigt, unterstreicht, dass unsere Ernährung nicht nur über die individuelle Gesundheit entscheidet, sondern auch über die Stabilität unseres Klimas und damit die Gesundheit unserer ganzen Gesellschaft.
Inwieweit wird die PHD in deutschen GV-ÂBetrieben bereits umgesetzt?
Unserer Erfahrung nach wird die PHD eher wenig bis gar nicht in GV-Betrieben umgesetzt, vor allem im Gesundheitswesen. Betriebe dort haben viele limitierende Rahmenbedingungen, allen voran ein sehr kleines Budget, Fachkräftemangel, Innovationsstau der Küchenausstattung, teilweise mangelnde Ausbildung im Bereich von pflanzenbasierter Küche etc.
Eine aktuelle Studie von Pörtner et al. (2025) im Lancet Planetary Health quantifizierte dies für zwei Krankenhäuser und drei Reha-Einrichtungen exemplarisch. Die untersuchten Häuser setzen ca. 20 Prozent pflanzliche Lebensmittel zur Deckung des Kalorienbedarfs ein, wobei die PHD rund 80 Prozent empfiehlt. Eine riesengroße Lücke! Außerdem werden Hülsenfrüchte so gut wie gar nicht verwendet (unter ein Prozent), wobei auch hier die PHD ca. 75 Gramm pro Tag empfiehlt. Da sind vor allem die Krankenhäuser (im Vergleich zur GV allgemein) weit von entfernt. Bei Vollkorn wird ein Anteil von ca. 33 Prozent empfohlen, hier erreichen die Häuser keine fünf Prozent.
Das Problem: Die Gesundheitsvorteile, die die PHD mit sich bringt, werden kaum im Gesundheitswesen genutzt. Weder in der Beratung durch Fachkräfte im niedergelassenen Setting (Stichwort: Ernährungsberatung), noch in der GV über die Verpflegung selbst; ein großer Kostenfaktor und zu Lasten der allgemeinen Gesundheit der Bevölkerung.
Wie unterstützen Sie mit PAN GV-Betriebe dabei, die PHD (2.0) zu etablieren?
Im Rahmen des Healthy Hospital Food Projekts unterstützen wir Krankenhäuser sehr umfangreich ein Jahr lang. Zu Beginn setzen wir Ziele, die die Küchenumstellung und begleitende Edukation und Kommunikation angehen, und setzen diese Schritt für Schritt um. Wir unterstützen die Küchenteams dabei sehr praktisch: Speiseplan-Analysen bewerten den Status quo im Vergleich zur PHD 2.0, darauf basierend geben wir konkrete Tipps und Maßnahmen sowie Rezeptideen, wie die bestehenden Gerichte angepasst werden können. Außerdem organisieren wir bei Bedarf Koch-Workshops mit professionellen Trainern zum Thema pflanzenbasierte Küche, wo tolle Impulse, Ideen und Erfahrungen ganz praktisch ausprobiert werden. Auf Basis dieses Erlebnisses entstehen oft tolle Rezepte, die die ÂKüchen über Monate weiterentwickeln.
Wir setzen in unseren Workshops und in unserer Beratungsarbeit auf wissenschaftliche Grundlagen und brechen diese herunter auf die jeweilige Zielgruppe. In diesem Fall auf das Küchenpersonal zum einen, aber auch die Ärzteschaft im Rahmen von CME-akkreditierten Fortbildungen zum Thema.
Zudem haben wir Materialien entwickelt, die möglichst niedrigschwellig von Gesundheitsfachkräften und von Küchenfachkräften genutzt werden können, um die PHD in ihrer Lebenswelt umzusetzen, sogenannte Action Brief Cards.
Danke für das Gespräch!
Das Interview führte Sarah Hercht.
Quelle: B&L MedienGesellschaft
DGE-Empfehlung versus Planetary Health Diet
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat in einem Factsheet ihre eigenen Ernährungsempfehlungen mit der Planetary Health Diet von 2019 verglichen. Lesen Sie hier mehr zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden.