Das Weindorf Koblenz ist die kleinste eingetragene Einzellage Deutschlands und baut seinen eigenen Weißburgunder an.
Quelle: Roberto Möckel

Weindorf am Rhein

„Die kleinste eingetragene Einzellage Deutschlands“ liegt mitten in der Stadt Koblenz: An rund 750 Rebstöcken baut das Weindorf Koblenz zwischen dem Fluss und dem Mercure-Hotel seinen eigenen Weißburgunder an.

Wenn es um große Veranstaltungen geht, dann ist es den Koblenzern noch nie gelungen, etwas schlecht zu machen: Für die Bundesgartenschau 2011 bauten sie eine gewaltige Seilbahn quer über den Rhein – und nach der BuGa sorgten die Koblenzer dafür, dass sie ihnen erhalten blieb, anstatt wie geplant demontiert zu werden. Das erscheint wie ein Déjà-vu der Geschichte vom Weindorf Koblenz: Im Jahr 1925 wurde der Komplex aus Fachwerkhäusern für die Reichsausstellung Deutscher Wein erbaut – doch eine Viertelmillion Besucher später wollten die Koblenzer auch ihr Weindorf nicht mehr hergeben. Das als Ausstellungsgelände gebaute Weindorf blieb bestehen und wird seitdem als Restaurant genutzt.

Die Gute Stube im Weindorf

Das touristische Busgeschäft der letzten Jahrzehnte hat – insbesondere durch Corona – stark nachgelassen. Der Betreiber vom Weindorf Koblenz, Roberto Möckel, berichtet: „Natürlich kommen immer noch viele Touristen – besonders im Sommer, da haben wir Hochsaison – und die brauchen wir auch. Sowohl im Sommer als auch im Winter freue ich mich über jeden Koblenzer. Wir wollen die Gute Stube der Stadt sein – für unsere lieben Gäste aus Nah und Fern.“

Regelmäßig kommen Stammtische und genießen die urige Atmosphäre im Mittelrhein-Haus – das ist der á-la-Carte-Bereich mit rund 100 Sitzplätzen. Der früher Haupthaus genannte Bereich teilt sich auf in die kleine Weinstube, das Mittelhaus und das lichtdurchflutete Kapellchen mit jeweils rund 35 Plätzen. Durch die Fenster blickt man zu einer Seite auf die Terrasse und den Weinberg, zur anderen Seite auf den malerischen Rhein.

Auf der Speisekarte stehen hausgemachte Gerichte der Region, wie „Kartoffelkäse – eine vergessene Eifeler Spezialität“ oder „Blutwurstschmaus“ und „Rheinischer Sauerbraten“. „Aber natürlich haben wir auch Schnitzel“, gesteht Roberto Möckel mit einem Augenzwinkern. Insgesamt werden alle Gerichte seiner aktualisierten Karte gut angenommen – die einfachen wie „Bratkartoffeln mit Spiegelei“ genauso wie die ausgefallenen Spezialitäten. Die anderen drei Häuser neben dem Mittelrheinhaus – das Nahehaus mit 65 Plätzen plus Wintergarten mit 18 Plätzen, das Moselhaus mit 90 Plätzen und das Brauhaus mit 110 Plätzen – können Besucher für Geburtstage und Feiern buchen. Jeden Sonntag gibt es den beliebten Brunch.

Altes Haus, viele Projekte

So schön die alte Fachwerk-Kulisse am Rhein auch ist, so stellt sie Roberto Möckel vor viele Herausforderungen. Er begegnet den wirtschaftlichen und praktischen Problemen mit Kreativität:

Roberto Möckel betreibt das Weindorf Koblenz.
(Quelle: Kelm)

„Im Sommer habe ich die Stadt überzeugt, mich das Rasenstück am Rheinufer nutzen zu lassen. Dann habe ich draußen ein kleines SB-Haus eingerichtet und einen Weingarten eröffnet – direkt an der Rhein-Promenade, wo Wanderer und Radfahrer entlangkommen. Das senkt die Hemmschwelle, in ein Restaurant zu gehen. Außerdem genießen es die Leute, am Rheinufer unter den Kastanienbäumen oder in der Sonne zu sitzen. Da haben sie auch ihre Fahrräder im Blick.“

Roberto Möckel, Betreiber Weindorf Koblenz

Auch im Winter kam das neue SB-Haus zum Einsatz: Im Advent 2022 gab es erstmals einen inklusiven Weihnachtsmarkt im Weindorf Koblenz. „Viele interessierte Gäste aus der Umgebung, aber auch Gäste unseres Sonntags-Brunchs sind dann noch über unseren Markt geschlendert. In den Hütten haben u. a. Menschen mit Beeinträchtigung ihre Waren angeboten. Am SB-Haus gab es hausgemachten Glühwein, Punsch und Erbsensuppe“, berichtet Roberto Möckel.

Für die kalte Jahreszeit hat er auch mit Holzpellets betriebene Heizpilze gekauft und den Pavillon im Innenhof mit Jalousien versehen – so haben es die Gäste auch draußen urgemütlich. Außerdem hat er für das Weindorf ein neues Logo erstellt, eine neue Homepage geschaffen, ein WLAN-Netzwerk eingerichtet und die alten Kassenblöcke durch tragbare Pads ersetzt.

Doch damit ist er noch lange nicht fertig, denn weitere Projekte stehen an: „Ich möchte einen Online-Shop einrichten. Dann können wir unseren Wein und auch den für uns produzierten Weindorf-Sekt im Internet anbieten. Außerdem denke ich über historische Genussführungen nach.“ Der historische Gebäudekomplex birgt seine Herausforderungen, doch durch die einzigartige Geschichte des Weindorfs hat der kreative Pächter auch sehr viele Möglichkeiten.

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Weinwissen: Welchen Boden braucht Wein?

Welche Bedeutung die Bodenqualität für den Weinanbau hat, lesen Sie in unserem Beitrag Bester Boden für Wein?

Quelle: B&L MedienGesellschaft

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