Das Schullandheim Pottenstein im Landkreis Bayreuth ist als Bioland-Gastronomie-Partner mit dem Bronze-Siegel ausgezeichnet worden und nimmt damit als zweites Schullandheim bundesweit und erstes in Bayern eine Vorreiterrolle in der außerschulischen Bio-Verpflegung ein. Mit einem Bio-Anteil von mindestens 30 Prozent in der Küche setzt die Einrichtung auf regionale Wertschöpfung und versteht die Umstellung zugleich als Bestandteil ihres pädagogischen Konzepts.
Bronze-Siegel und Signalwirkung für Schullandheime
Die Auszeichnung zum Bioland-Gastronomie-Partner wurde Anfang April von Thomas Lang, Landesvorsitzender von Bioland Bayern, sowie von Josef Schmidt, Mitglied im Bioland-Landesvorstand und regionaler Bio-Fleischlieferant des Schullandheims, überreicht. Mit dem Bronze-Siegel wird gewürdigt, dass bereits mindestens 30 Prozent der eingesetzten Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung stammen. Perspektivisch strebt das Schullandheim die Weiterentwicklung hin zu den Stufen Silber und Gold an, und weitere Einrichtungen planen eine entsprechende Zertifizierung.
Thomas Lang betonte anlässlich der Übergabe: „Das ist ein starkes Zeichen für mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung. Gerade Jugend und Bio passen hervorragend zusammen. Und wir sehen hier ganz konkret: Bio-regional lässt sich auch im ländlichen Raum hervorragend umsetzen. Die Bio-Landwirtschaft vor Ort wird gestärkt und erlebbar gemacht.“ Josef Schmidt unterstreicht die Bedeutung des Standorts Pottenstein: „Für uns als Verband ist das ein wichtiger Standort und ein echtes Vorzeigeprojekt in Oberfranken. Pottenstein kann andere Schullandheime und Jugendeinrichtungen motivieren, ebenfalls mehr Bio-Lebensmittel einzusetzen.“
Regionale Erzeugung als Basis der Zusammenarbeit
Der Kontakt zwischen Bioland und dem Schullandheim Pottenstein entstand im Jahr 2025 über Josef Schmidt, der die Einrichtung mit Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Bioland-Erzeugung beliefert. Seine Rinder und Schweine stammen aus artgerechter, ökologischer Weidehaltung und stehen für regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landwirtschaft. Mit dem Einsatz dieser Produkte schafft das Schullandheim eine direkte Verbindung zwischen regionaler Bio-Erzeugung und der Verpflegung von Kindern und Jugendlichen im Haus.
Ernährungsbildung im Schullandheim
Das Schullandheim versteht die Umstellung auf Bio nicht nur als Qualitätsmerkmal, sondern als konsequente Umsetzung seines pädagogischen Auftrags. Sandra Böhner, Geschäftsführerin des Schullandheimwerk Oberfranken, erklärt: „Wir können nicht Wein predigen und Wasser trinken. Wir müssen glaubhaft sein. Wenn wir Alltagskompetenzen vermitteln, müssen wir das auch bei der Verpflegung durchziehen.“ Als außerschulischer Lernort vermittelt das Schullandheim Wissen über Herkunft, Produktion und Qualität von Lebensmitteln. Kinder und Jugendliche erfahren, was ökologische Landwirtschaft bedeutet, wie Tiere gehalten werden und warum nachhaltige Ernährung wichtig ist. Themen wie Tierwohl, nachhaltiger Anbau und bewusste Ernährung werden nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebbar gemacht.
Schrittweise Umstellung der Küche auf Bio-Produkte
Der Weg zur Zertifizierung war nach Angaben des Schullandheims ein bewusster Prozess. Schrittweise wurden immer mehr Lebensmittel auf Bioqualität umgestellt, begonnen wurde bei den Eiern. Koch Wolfgang Kress beschreibt die Entwicklung aus praktischer Sicht: „In vielen Bereichen macht die Umstellung auf Bio- beziehungsweise Biolandprodukte Sinn, weil der Geschmack besser ist, zum Beispiel bei den Eiern. Auch sind Tiere längere Zeit in ihrem natürlichen Umfeld und das ist schön. Es ist ein Abwägen zwischen Wirtschaftlichkeit und Idealismus.“ Gemeinsam mit Köchin Angelika Müller und Hauswirtschaftsleiterin Christin Schick hat das Team die Umstellung engagiert vorangetrieben. Die Küche wurde neu ausgerichtet, Speisepläne wurden angepasst und der Einsatz bio-regionaler Produkte ausgebaut. Das Ergebnis sind frische, handwerklich zubereitete Speisen mit hohem Bio-Anteil.
Bio-Ernährung im Alltag erfahrbar machen
Im Schullandheim wird nach eigenen Angaben das, was im Unterricht vermittelt wird, im Alltag gelebt. Kinder können beim Frühstück Bio-Haferflocken selbst mahlen und so unmittelbar erleben, wie Lebensmittel entstehen. Überschüsse werden sinnvoll weiterverarbeitet, und bio-regionale Produkte stärken die Landwirtschaft vor Ort. Rainer Pausch, Fachberater für den Außer-Haus-Markt bei Bioland, hebt das Engagement des Teams hervor: „Im Schullandheim Pottenstein durfte ich ein hoch engagiertes Team antreffen. Allen liegt die in den Bildungsangeboten fest verankerte Ernährungsbildung und damit auch eine gesunde Ernährung am Herzen. Und der hausgemachte Mohnkuchen ist einfach ein Traum, schon allein deshalb lohnt sich ein Besuch in diesem Schullandheim.“
Mit der Bronze-Auszeichnung als Bioland-Gastronomie-Partner setzt das Schullandheim Pottenstein ein klares Zeichen für eine nachhaltige, gesunde und zukunftsfähige Verpflegung und zeigt, wie Bio, Bildung und regionale Landwirtschaft erfolgreich zusammenwirken können.
Anforderungen an Partnerbetriebe
Bioland unterstützt nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren Gastronomie, Hotellerie, Catering-Unternehmen und Großküchen als Partner beim Einsatz von heimischen Bio-Lebensmitteln. Zum Angebot gehören Beratungen, Schulungen, regionale Rohwarenbeschaffung sowie Hilfestellungen beim Marketing und in der Gästekommunikation. Das Gastronomiekonzept umfasst vier Stufen: Die Einstiegsstufe Bronze mit einem Bio-Anteil von 30 bis 50 Prozent, Silber mit 50 bis 90 Prozent, Gold mit 90 bis 99 Prozent Bio-Anteil und die höchste Auslobung Gold plus mit 100 Prozent Bio-Anteil, die seit Januar 2026 vergeben wird. Bioland-Gastronomie-Partner legen laut Verband besonderen Wert auf die handwerkliche und frische Zubereitung der Speisen, heimische und saisonale Bio-Herkunft sowie eine ressourcenschonende Betriebsführung. Einmal jährlich erfolgt eine Kontrolle durch eine unabhängige Kontrollstelle.
Quelle: Bioland
Silber-Zertifizierung
Das Schullandheim Barkhausen hatte als erstes eine Bioland-Zertifizierung erhalten. Mit dem Silber-Siegel wurde bestätigt, dass 50 bis 90 Prozent der Versorgung aus Bio-Lebensmitteln stammt.