Bleisure Travel und Workation entwickeln sich in Deutschland zu wichtigen Treibern neuer touristischer Nachfrage. Der „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ der IU Internationale Hochschule zeigt, dass Geschäftsreisen zunehmend zum Ausgangspunkt zusätzlicher privater Aufenthalte werden und damit erhebliche Potenziale für Destinationen, touristische Betriebe und Arbeitgeber eröffnen.
Ergebnisse des Bleisure & Workation Monitor Deutschland
Der „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ wurde von der IU Internationalen Hochschule durchgeführt und erstmals in Deutschland so konzipiert, dass Angebot und Nachfrage von Bleisure Travel und Workation gemeinsam untersucht wurden. Befragt wurden mehr als 1.000 Geschäftsreisende und rund 300 touristische Anbieter. Die Untersuchungen schaffen laut IU Internationaler Hochschule eine belastbare Datengrundlage für Destinationen, touristische Betriebe und Arbeitgeber. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Fachveranstaltung in der Rheingoldhalle Mainz vorgestellt, an der mehr als 120 Vertreter aus Tourismus, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik teilnahmen.
Die sechs Thesen des „Mainzer Impulses“ bildeten die Grundlage für das anschließende Podiumsgespräch und einen Praxisworkshop. Als zentrale Erkenntnis wird hervorgehoben, dass die Nachfrage nach Bleisure Travel und Workation bereits vorhanden ist und sich in vielen Regionen schneller entwickelt als entsprechende Angebote.
Marktpotenzial von Bleisure Travel und Workation
Bleisure Travel ist nach den Studienergebnissen im Reisemarkt etabliert. Fast die Hälfte der befragten Geschäftsreisenden verbindet berufliche Termine mit privaten Aktivitäten und verlängert ihren Aufenthalt im Durchschnitt um zwei zusätzliche Nächte. Das Marktpotenzial wird bei rund 60 Prozent aller Geschäftsreisenden verortet.
Workation – das Arbeiten von einer Urlaubsdestination aus – gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Rund ein Viertel der befragten Geschäftsreisenden verfügt über eigene Workation-Erfahrungen, mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von rund sechs Tagen. Besonders gefragt sind Destinationen mit hoher Aufenthaltsqualität und guter digitaler Infrastruktur.
Die Studie zeigt zudem, dass Bleisure Travel und Workation nicht nur in Großstädten stattfinden. Ländliche Regionen mit hoher Lebensqualität, attraktiven Natur- und Freizeitangeboten und guter Erreichbarkeit bieten demnach besonders geeignete Rahmenbedingungen für Bleisure- und Workation-Gäste.
Stefan Zindler, Geschäftsführer von Rheinland-Pfalz Tourismus, erklärt: „Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Bleisure Travel und Workation längst keine Nischenthemen mehr sind. Gerade für Bundesländer wie Rheinland-Pfalz ergeben sich neue Chancen, Geschäftsreisende länger in der Destination zu halten und sie als spätere Urlaubsgäste wiederzugewinnen. Entscheidend ist jetzt, diese Potenziale durch sichtbare Angebote und starke regionale Netzwerke gezielt zu erschließen“.
Geschäftsreisen als Impuls für spätere Urlaubsreisen
Der Bleisure & Workation Monitor Deutschland weist einen deutlichen Einfluss von Bleisure Travel und Workation auf die spätere Freizeitnachfrage nach. Reisende, die Arbeit und Freizeit miteinander verbinden, kehren deutlich häufiger als private Gäste an ihre Geschäftsreisedestination zurück.
Unter allen Geschäftsreisenden geben 51 Prozent an, später privat zurückzukehren. Bei Bleisure Travel-Reisenden sowie Workation-Nutzenden liegt dieser Anteil jeweils bei etwa 64 Prozent. Geschäftsreisen fungieren damit zunehmend als Erstkontakt mit einer Destination und können langfristig zusätzliche private Urlaubsreisen auslösen. Bleisure Travel und Workation werden in der Studie als Treiber touristischer Nachfrage beschrieben, die die touristische Wertschöpfung weit über die eigentliche Geschäftsreise hinaus stärken.
Lücke zwischen Nachfrage und Angebot
Neben der Befragung von Geschäftsreisenden wurden im Rahmen des Bleisure & Workation Monitor Deutschland erstmals auch touristische Anbieter untersucht. Die Ergebnisse zeigen laut Studie eine deutliche Lücke zwischen dem bestehenden Marktpotenzial und der Marktbearbeitung.
Viele Betriebe erkennen demnach die Chancen von Bleisure Travel und Workation, etwa durch zusätzliche Umsätze, bessere Auslastung oder neue Zielgruppen. Gleichzeitig verfügen knapp 80 Prozent der Beherbergungsbetriebe über keine spezifischen Angebote für diese Zielgruppen. Strategisch ist das Thema vielerorts noch wenig verankert: Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe reagiert bislang eher kurzfristig und situativ auf entsprechende Anfragen.
Prof. Dr. Peter Neumann von der IU Internationalen Hochschule betont: „Viele Destinationen und Betriebe haben diese Zielgruppen bereits im Haus, ohne sie gezielt auf Bleisure- und Workation-Angebote anzusprechen. Genau darin liegen erhebliche Wachstumschancen für den Deutschlandtourismus: Die Gäste sind bereits vor Ort – aus Geschäftsreisenden können zusätzliche Freizeitgäste und Wiederkehrer werden“.
Rolle der Arbeitgeber
Ein weiteres zentrales Ergebnis des Bleisure & Workation Monitor Deutschland betrifft die Rolle der Arbeitgeber. Viele Hürden für Bleisure Travel und Workation liegen laut Studie nicht auf Seiten der Destinationen oder Betriebe, sondern in fehlenden Regelungen oder unternehmensinternen Richtlinien. Flexible Arbeitsmodelle verändern zunehmend das Reiseverhalten von Beschäftigten.
Für viele Geschäftsreisende erhöhen Bleisure Travel und Workation die Attraktivität eines Arbeitgebers und werden zunehmend als Merkmal moderner Arbeitsbedingungen wahrgenommen. Katja Mailahn, Geschäftsführerin von Mainzplus und Sprecherin des Convention Bureau Rheinland-Pfalz, sagt: „Bleisure Travel und Workation sind längst zu wichtigen Impulsgebern über den klassischen Tourismus hinaus geworden. Gerade für den Tagungs- und Kongressstandort Deutschland eröffnen sich damit neue Chancen, Geschäftsreisen zeitgemäßer zu gestalten, zusätzliche Wertschöpfung zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Destinationen nachhaltig zu stärken“.
Konzept und Zielsetzung
Der Bleisure & Workation Monitor Deutschland wird von der IU Internationalen Hochschule gemeinsam mit Partnerregionen und Praxisunternehmen durchgeführt. Ziel ist es, die Entwicklung von Bleisure Travel und Workation in Deutschland wissenschaftlich zu begleiten und touristischen Akteurinnen und Akteuren eine belastbare Datengrundlage zu Marktpotenzialen, Zielgruppen und Angebotsstrukturen bereitzustellen.
Das Forschungsteam um Prof. Dr. Peter Neumann, Prof. Dr. Sven Pastowski, Prof. Dr. Claudia Strassburger und Dr. Andreas Zimmer führte zwischen 2025 und 2026 umfangreiche Onlinebefragungen, Fokusgruppen und und Experteninterviews mit Geschäftsreisenden, touristischen Leistungsträgern sowie Destinationsmanagement-Organisationen durch. Der Bleisure & Workation Monitor Deutschland soll künftig regelmäßig fortgeführt werden, um der Tourismusbranche aktuelle und belastbare Daten zur Entwicklung von Bleisure Travel und Workation bereitzustellen.
Quelle: IU Internationale Hochschule
Jetzt zum Newsletter anmelden!
Wollen Sie keine aktuellen News, spannende Hintergrundberichte oder Interviews verpassen? Dann melden Sie sich jetzt hier zu unserem Branchen-Newsletter an!