Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland rückt mit einer neuen Studie stärker in den Fokus. Das vom Deutschen Tiefkühlinstitut (dti) beauftragte Branchenporträt „-18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland.“ erfasst die Tiefkühlbranche erstmals systematisch als eigenen Wirtschaftszweig und beleuchtet ihre wirtschaftliche Bedeutung, Struktur, Investitionstätigkeit und strategischen Herausforderungen.
Systematische Bestandsaufnahme der Tiefkühlwirtschaft
Die Tiefkühlwirtschaft als eigenständiger Wirtschaftszweig wird in der amtlichen Statistik bislang nicht als eigene Branche erfasst. Die vom dti bei der AFC Consulting Group in Auftrag gegebene Studie soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Die Publikation erscheint im Jubiläumsjahr des Verbandes, der seinen 70. Geburtstag feiert.
„Die Tiefkühlwirtschaft ist in nahezu jedem Haushalt und in unzähligen Profiküchen präsent. Sie ist ein eigenständiger, investitionsstarker, innovativer Lebensmittelzweig“, sagt Simon Morris, dti-Vorstandsvorsitzender. „Das Branchenporträt macht sichtbar, wie stark die Tiefkühlwirtschaft heute in Handel, Heimdiensten und der Außer-Haus-Verpflegung vertreten ist – und welchen wichtigen Beitrag sie für Versorgung, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit leistet.“ Als integrierte Wertschöpfungskette aus Produktion und Logistik sichert die Tiefkühlwirtschaft eine hochwertige, ganzjährig verfügbare Lebensmittelversorgung und verbindet dabei Effizienz mit Qualität und Nachhaltigkeit.
Wachstumsbranche für Außer-Haus-Markt
Die Studie zeigt die Tiefkühlwirtschaft als Wachstumsbranche und ordnet sie als einen der vier größten Zweige der Ernährungsindustrie ein. Zwischen 2015 und 2024 stieg der nominale Inlandsumsatz der Branche um rund 70 Prozent von 13,3 auf 22,6 Milliarden Euro. Die Absatzmengen erhöhten sich von 3,5 auf 4,1 Millionen Tonnen, was einem Plus von 17 Prozent entspricht. Preisbereinigt legte der Umsatz real von 14,6 auf 17 Milliarden Euro zu, ein Wachstum von 16,6 Prozent.

Das Wachstum ist damit vor allem mengengetrieben. Während die Ernährungsindustrie im gleichen Zeitraum zwar nominal wuchs, real aber einen Verlust von 10,2 Prozent verzeichnete, konnte die Tiefkühlwirtschaft ihren Anteil am Inlandsumsatz nach eigenen Berechnungen von rund 12 Prozent im Jahr 2015 auf gut 15 Prozent im Jahr 2024 ausbauen.
Der wirtschaftliche Erfolg der Tiefkühlwirtschaft basiert auf einer dualen Marktstrategie mit fester Verankerung in regionalen und europäischen Beschaffungsmärkten sowie einer starken Präsenz auf dem heimischen und internationalen Absatzmärkten. Die EU ist der wichtigste ausländische Beschaffungsmarkt und spielt auch für den Export eine zentrale Rolle
Das Deutsche Tiefkühlinstitut beschreibt die Tiefkühlwirtschaft mit einem Gesamtumsatz von über 23 Milliarden Euro als einen der wichtigsten Zweige der Lebensmittelindustrie, der täglich über 82 Millionen Menschen in Deutschland mit frischen, tiefgekühlten Lebensmitteln versorgt und ein wichtiger Lieferant für Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ist. Laut dti-Absatzstatistik stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von Tiefkühlprodukten in Deutschland 2025 auf einen Rekordwert von 51,6 kg, der Gesamtabsatz lag 2025 bei über vier Millionen Tonnen.
Struktur, Beschäftigung und Rolle der Familienunternehmen
Die Tiefkühlwirtschaft ist aufgrund ihrer Technologieintensität von größeren betrieblichen und kapitalintensiveren Strukturen geprägt. Hohe Investitionen in Anlagen erfordern eine entsprechende Auslastung, um Skaleneffekte zu realisieren. Rund 44,8 Prozent der Tiefkühlunternehmen haben mehr als 250 Beschäftigte, weitere 32,7 Prozent sind mittelständische Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten. In der Ernährungsindustrie dominieren dagegen kleinere Strukturen, dort haben 55,2 Prozent der Betriebe zehn bis 50 Beschäftigte, und nur rund 9,8 Prozent erreichen die Größenklasse ab 250 Beschäftigten. Die Analyse der Tiefkühlunternehmen zeichnet das Bild eines Sektors, der fest im Mittelstand verankert ist und zugleich eine hohe Konzentration und internationale Verflechtung aufweist.
Zusammen beschäftigt die Branche rund 150.000 Mitarbeiter. Ihr Rückgrat bilden traditionsreiche Familienunternehmen, international aufgestellte Konzerne und zahlreiche mittelständische, regional verankerte Unternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen ist in Familienbesitz (44,6 Prozent). Die langfristig geprägte Unternehmenskultur steht für eine hohe Identifikation mit Produkt und Standort und spiegelt sich in einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsengagement wider. Nachhaltigkeit, insbesondere der Klimaschutz, ist eine wichtige strategische Säule der Tiefkühlwirtschaft. Das Engagement folgt einem ganzheitlichen Ansatz von Energieerzeugung und -effizienz über die Gestaltung der Lieferketten bis hin zu Verpackungslösungen und sozialen Aspekten.
Investitionen und Herausforderungen
Das Branchenporträt beschreibt die Tiefkühlwirtschaft als kapital- und technologieintensiven Sektor, der für die Zukunft gut aufgestellt ist. Trotz hoher Automatisierung spielt der Faktor Mensch in den Werken weiterhin die wichtigste Rolle. Als Innovationstreiber investiert die Branche gezielt und mit hohem Kapitaleinsatz in Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die Investitionen bewegen sich häufig im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Gleichzeitig steht die Branche vor strategischen Herausforderungen. Genannt werden Rohstoff- und Energiepreisvolatilität, veränderte Konsummuster, die Umsetzung der digitalen und nachhaltigen Transformation, eine wachsende regulatorische Komplexität sowie der Fachkräftemangel, die strategische Entscheidungen prägen.
Politische Rahmenbedingungen
Damit die Tiefkühlwirtschaft ihre Rolle für die Lebensmittelversorgung weiterhin erfüllen kann, fordert das Deutsche Tiefkühlinstitut wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Produktivität und Transformation verbessern. „Planungs- und Rechtssicherheit für Investitionen, praxistaugliche Regulierung und weniger Bürokratie, bezahlbare und sichere Energie mit konsequentem Ausbau der Erneuerbaren sowie offene, internationale Marktzugänge für Import und Export sind Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen der Tiefkühlwirtschaft ihre Rolle für eine verlässliche Versorgung weiter ausüben können“, sagt dti-Geschäftsführerin Sabine Eichner.
Studienmethodik von „-18 Grad.“
Das Branchenporträt „-18 Grad. Die Tiefkühlwirtschaft in Deutschland.“ basiert auf einem zweistufigen Ansatz. Quantitativ wurden 186 Tiefkühlunternehmen aus Herstellung und Handel auf Basis einer Unternehmensdatenbank aggregiert und anonymisiert ausgewertet. Ergänzt wurden diese Daten durch lange Zeitreihen der dti-Absatzstatistik sowie HS-Code-Außenhandelsauswertungen zur internationalen Beschaffung, durchgeführt durch HGS Research. Qualitativ flossen fünf strukturierte Experteninterviews aus den Bereichen Retail, Außer-Haus-Markt, Supply Chain, Nachhaltigkeit und Kältetechnik ein, um die Ergebnisse zu kontextualisieren und Praxistrends abzuleiten.
Maximilian Waltmann, Geschäftsführer AFC Management Consulting, erklärt: „Unser Ansatz macht die Tiefkühlwirtschaft als zusammenhängenden Wirtschaftsbereich erstmals greifbar – über Unternehmensstrukturen, Märkte und Trends hinweg. Damit liegt eine belastbare Datengrundlage vor, die künftig weiter verfeinert und aktualisiert werden kann.“
Quelle: Deutsches Tiefkühlinstitut
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