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DZG: Impulse zur digitalen Transformation der Gastwelt

Ein neues Impulspapier von der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) umfasst 120 Ideen und Vorschläge zur digitalen Transformation von Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Dabei handelt sich vor allem um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automatisierung. Im Mittelpunkt stehen eine stärkere strategische Verantwortung der Unternehmensleitungen, gemeinsame Datenstandards, die Qualifizierung der Beschäftigten sowie neue Förderinstrumente für kleine und mittlere Unternehmen.

Die DZG liefert damit keinen fertigen Fahrplan oder Katalog einzelner Technologien. Es soll Betrieben vielmehr helfen, wirtschaftlich sinnvolle Anwendungsfelder zu erkennen und schrittweise umzusetzen. Zugleich formuliert die DZG Forderungen an Politik, Verwaltung und Technologieanbieter. Die vier übergeordneten Ziele sind eine höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, die Entlastung der Beschäftigten, eine bessere Service- und Erlebnisqualität sowie der Erhalt persönlicher Gastlichkeit.

Ausgangspunkt ist der zunehmende wirtschaftliche Druck auf die Betriebe. Personalengpässe, steigende Kosten, wachsende regulatorische Anforderungen und schwankende Nachfrage treffen insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen. Gleichzeitig erwarten Gäste schnelle Abläufe, verlässliche Angebote und persönliche Betreuung. Nach Auffassung der DZG kann Technologie dazu beitragen, Routinetätigkeiten zu reduzieren und mehr Zeit für Beratung, Service und den direkten Kontakt mit Gästen zu schaffen.

Die Denkfabrik verweist in diesem Zusammenhang auf eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Demnach weisen 69 Prozent der Prozesse in Hotelbetrieben ein hohes Digitalisierungs- und Automatisierungspotenzial auf. Genannt werden unter anderem Personal- und Warenplanung, Gästekommunikation und Energieeinsatz.

Digitalisierung wird zur Führungsaufgabe

Digitalisierung, KI und Robotik sollten nicht länger als isolierte IT-Projekte behandelt werden. Vorstände und Geschäftsführungen müssten die Transformation als Bestandteil der Unternehmensstrategie verankern, Verantwortlichkeiten definieren, Ressourcen bereitstellen und den Veränderungsprozess intern transparent begleiten.

„Digitalisierung, KI und Robotik sind längst keine simplen IT-Projekte mehr, sondern strategische Führungsaufgabe. Wer diese wirklich effizient nutzen will, muss das Thema ganz oben auf der Vorstands- oder Geschäftsführungsebene verankern, Verantwortlichkeiten klar zuordnen und den Wandel aktiv mitgestalten“, sagt Alexandra Wolframm von Booking.com, die das Expertengremium hinter dem Impulspapier zusammen mit Salim Sahi von Holologiox.AI leitet.

Für größere Unternehmen schlägt die DZG deshalb die Einrichtung einer Position als Chief AI Officer vor. Diese Funktion soll auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene angesiedelt werden und die Verantwortung für KI-Strategie, Daten, Prozesse und Umsetzung bündeln. Auch unterhalb dieser Ebene sollen klare Zuständigkeiten für Datenqualität, Kennzahlen, Schnittstellen und Systempflege geschaffen werden.

Als Einstieg werden flächendeckende KI-Readiness-Checks empfohlen. Sie sollen untersuchen, welche Anwendungen in Service, Warenwirtschaft, Marketing, Personalplanung, Wissensmanagement, Controlling, Nachhaltigkeit und Energieversorgung einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Auf dieser Grundlage können Betriebe priorisierte Maßnahmenpläne entwickeln, die kurzfristig umsetzbare Verbesserungen, Investitionsbedarf und weitere Projektschritte enthalten.

Entscheidend ist dabei eine nüchterne Prüfung: Welches betriebliche Problem löst eine Anwendung? Welche Kosten entstehen? Welche Daten werden benötigt? Und wie lässt sich die Lösung in bestehende Abläufe integrieren? Praxisnahe Entscheidungshilfen zu Wirtschaftlichkeit, Datenschutz, Schnittstellen und Produktauswahl sollen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Gemeinsame Dateninfrastruktur als Voraussetzung

Eine wesentliche Voraussetzung für leistungsfähige KI-Anwendungen sieht die DZG in einer gemeinsamen Daten- und Wissensinfrastruktur. Viele Betriebe nutzen bereits eine Vielzahl digitaler Systeme. Häufig können Property-Management-Systeme, Kassen, Kundenmanagement, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Buchungsplattformen und Reportinglösungen ihre Daten jedoch nicht ohne Weiteres austauschen.

Daher sollten gemeinsame Datenstandards für Angebote, Preise, Verfügbarkeiten, Speisekarten, Öffnungszeiten, Mobilität, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit etabliert werden. Informationen sollen maschinenlesbar auf Websites, Plattformen und in Buchungssystemen bereitgestellt werden. Datenexport, offene Schnittstellen und die Nutzbarkeit von Programmierschnittstellen sollen zu wesentlichen Auswahlkriterien für digitale Systeme werden.

Ergänzend schlägt die DZG ein API-First-Prinzip vor, sofern dies technisch, wirtschaftlich und rechtlich verhältnismäßig ist. Damit sollen neue Anwendungen einfacher an bestehende Systeme angebunden werden können, ohne Betriebe dauerhaft an einzelne Anbieter oder Infrastrukturen zu binden. Die Forderung schließt keine generelle Weitergabe nicht benötigter Daten ein.

Zur digitalen Infrastruktur zählt außerdem flächendeckende Glasfaseranschlüsse, moderne WLAN-Standards und cloudbasierte Betriebssoftware. Bis 2030 sollen Glasfaser sowie WiFi 6 oder 7 zur Grundversorgung gehören, wobei der ländliche Raum besonders berücksichtigt werden müsse. Dort befindet sich nach Darstellung der DZG ein großer Teil der Betriebe aus Tourismus, Gastronomie und Freizeitwirtschaft.

Personalplanung und internes Wissensmanagement

Bei der Personalplanung besteht Potenzial in Systemen, die erwartete Auslastung, Wetter, Veranstaltungen und Qualifikationen der Beschäftigten berücksichtigen. Digitale Zeiterfassung, Plattformen für Schichttausch und strukturierte Qualifikationsprofile sollen die Planung ergänzen. Ziel ist es, Überlastung bei Nachfragespitzen ebenso zu vermeiden wie einen unwirtschaftlichen Personaleinsatz in schwächeren Zeiten.

Auch die Gästekommunikation soll zunächst bei wiederkehrenden Standardanfragen automatisiert werden. Dafür müssten Buchungs-, Service-, PMS- und CRM-Daten kontrolliert miteinander verknüpft werden. Dabei werden Datenminimierung, Zugriffskontrollen, Datensicherheit und eindeutig geregelte Verantwortlichkeiten betont.

Für Beschäftigte regt die DZG interne KI-Assistenten auf Grundlage betrieblicher Wissensdatenbanken an. Sie könnten beispielsweise Informationen zu Abläufen, Angeboten, Speisen, Allergenen, Dienstleistungen oder internen Arbeitsanweisungen bereitstellen. Dadurch sollen Suchzeiten, Einarbeitungsaufwand und Wissensverluste sinken. Voraussetzung sei eine einfache Bedienung, damit die Technologie auch im betrieblichen Alltag genutzt werde.

Qualifizierung und neue Tätigkeitsprofile

Die DZG verbindet die Einführung neuer Technologien ausdrücklich mit Personalentwicklung. Vorgeschlagen werden mehrsprachige, KI-gestützte Onboarding-Prozesse, branchenspezifische KI-Werkstätten, rollenbezogene Schulungen, Train-the-Trainer-Konzepte und Programme für sogenannte AI Ambassadors. Gemeinsame Schulungsunterlagen sollen Grundlagen zu KI, Datenschutz, Prozessoptimierung und den europäischen KI-Regeln vermitteln.

„Wir wollen daher praxisnahe KI-Werkstätten, mehrsprachige Onboarding-Prozesse, Train-the-Trainer-Konzepte und so genannte AI-Ambassador-Programme flächendeckend umsetzen“, erklärt Experte Salim Sahi.

Für Tätigkeiten, die sich durch Automatisierung verändern, sollen Betriebe einfache Tätigkeitslandkarten entwickeln. Darin wäre festzuhalten, welche Aufgaben weiterhin überwiegend menschlich geprägt sind, bei welchen Tätigkeiten KI unterstützt und welche Abläufe teilweise automatisiert werden können. Auf dieser Basis sollen Weiterbildungs- und Reskilling-Pfade entstehen.

Als mögliche neue oder aufgewertete Aufgaben nennt das Papier die Qualitätskontrolle von KI-Ergebnissen, Datenpflege, Gästebetreuung, Beratung, Beschwerdemanagement, Prozesskoordination und Wissensmanagement. Beschäftigte sollen frühzeitig einbezogen werden und erkennen können, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich innerhalb des Betriebes ergeben.

Die DZG sieht Technik dabei nicht als Ersatz für persönliche Begegnung. Empathie, Kreativität und individuelle Betreuung blieben wesentliche Bestandteile der Gastwelt. Digitale Systeme sollten vor allem Routinen übernehmen und menschliche Fähigkeiten ergänzen.

Leitlinien und geschützte Experimentierräume

Rechtliche Unsicherheiten und fehlende Praxiserfahrung zählen nach Einschätzung der Taskforce zu den wichtigsten Hemmnissen. Deshalb braucht es verständliche Leitlinien zu Datenschutz, Transparenz, Urheberrechten, Qualitätssicherung und menschlicher Kontrolle. Betriebe müssten eindeutig festlegen, in welchen Fällen KI Entscheidungen lediglich vorbereitet und wann Menschen die Verantwortung übernehmen müssen.

Darüber hinaus schlägt die DZG geschützte Experimentierräume und Reallabore vor. Dort könnten Unternehmen gemeinsam mit Technologieanbietern, Verbänden, Destinationen, Beratung und Wissenschaft Anwendungen testen, ohne unmittelbar hohe wirtschaftliche oder rechtliche Risiken einzugehen. Erfolgreiche Pilotprojekte sollen anschließend ausgewertet, dokumentiert und in übertragbare Branchenlösungen überführt werden.

Warenwirtschaft, Bezahlen und Kundenbindung

Für Einkauf und Warensteuerung empfiehlt die DZG intelligente Warenwirtschaftssysteme mit automatischer Nachbestellung, Mindestbestandsüberwachung und Lieferfensterplanung. Produkt-, Preis-, Allergen-, Herkunfts- und Nachhaltigkeitsdaten sollten standardisiert vorliegen. Bestellungen, Verträge und Rechnungen entlang der Lieferkette sollen vollständig digital verarbeitet werden können.

Auch digitale Zahlungsmöglichkeiten sollen flächendeckend angeboten werden, wobei die Bargeldoption erhalten bleiben soll. Kassensysteme, E-Rechnung und Buchhaltung müssten stärker miteinander verbunden werden. Für Gemeinschaftsverpflegung und Betriebsgastronomie wird zudem eine vereinfachte digitale Abwicklung von Essenszuschüssen und Verpflegungssystemen vorgeschlagen.

Im Marketing setzt das Papier auf die Verknüpfung von PMS, CRM, Website, Internet-Buchungsmaschine und weiteren Marketingkanälen. KI-gestützte Kampagnen könnten nach einem Aufenthalt an den Interessen der Gäste ausgerichtet werden. Einheitliche Segmentierungen nach Gästegruppen, Aufenthaltsmotiven, Buchungskanälen und Wiederkehrern sowie ein automatisiertes Bewertungs- und Reputationsmanagement sollen Streuverluste reduzieren und die Kundenbindung verbessern.

Digitale Prozesse in Hotellerie und Beherbergung

Für Hotels, Pensionen, Jugendherbergen sowie Ferien- und Studierendenwohnungen schlägt die DZG durchgängige digitale Prozesse entlang der gesamten Guest Journey vor. Mobile Check-in- und Check-out-Verfahren sowie digitale Zimmerschlüssel sollen breiter eingesetzt werden. KI-gestützte Revenue-Management-Systeme könnten Nachfrage, Wetter, Veranstaltungen und Marktdaten auswerten, um Preise, Auslastung und Erträge zu steuern.

Einheitliche Datenmodelle sollen Revenue Management, Distribution, Marketing und Hotelbetrieb verbinden. Für kleinere und mittlere Beherbergungsbetriebe werden Pilotprogramme zur Automatisierung der Guest Journey vorgeschlagen. Gleichzeitig sollen digitale Melde-, Registrierungs- und Kurtaxenprozesse zusammengeführt werden, um Medienbrüche und Verwaltungsaufwand zu verringern.

Weitere mögliche Anwendungen wären eine vorausschauende Housekeeping-Planung nach tatsächlicher Belegung, Prognosen für Frühstück und Veranstaltungen, digitale Bankettmappen, automatische Bestellvorschläge und KI-gestützte Antworten auf Gästeanfragen.

Produktionsplanung und weniger Lebensmittelverluste

Für Gastronomie, Catering und Gemeinschaftsverpflegung bildet die Verbindung von Warenwirtschaft, Produktionsplanung und Qualitätssicherung einen Schwerpunkt. Smarte Systeme sollen Bestellmengen und Produktionsbedarf auf Grundlage von Absatzhistorie, Wetter, Ferien, Veranstaltungen, Gästestruktur und Vorbestellungen prognostizieren.

Produktions-, Ausgabe- und Tellerreste sollen digital erfasst und ausgewertet werden. Dadurch könnten Betriebe Abweichungen erkennen, Mengen anpassen und Lebensmittelverluste reduzieren. Dafür existieren bereits Pilotprojekte mit messbaren Zielen für Food Waste und Betriebskosten.

Zusätzlich sollen Verkaufs-, Rezeptur-, Kosten- und Warendaten miteinander verknüpft werden, um Speisenangebot, Preise und Produktionsmengen kontinuierlich zu optimieren. Offene Schnittstellen zwischen Kassen, Warenwirtschaft, Lieferplattformen sowie Produktions- und Küchentechnik könnten eine durchgängige Steuerung ermöglichen. Echtzeit-Anleitungen sollen Beschäftigte bei Produktion, Kommissionierung und Logistik unterstützen.

Für Systemgastronomie und Quick-Service-Restaurants nennt das Papier Self-Ordering, digitale Produktionsanzeigen, Standortvergleiche, automatisierte Qualitätssicherung und digitale Schulungen. Individualgastronomische Betriebe könnten mit einfacheren Basispaketen aus Reservierung, Dienstplanung, Kassenschnittstelle, reduzierter Warenwirtschaft, automatisierter Kommunikation, Marketing und Buchhaltung beginnen.

Hygiene und Qualität digital dokumentieren

HACCP-, Allergen- und Qualitätsmanagement sollen nach dem Vorschlag der DZG digital abgebildet werden – wie etwa mit Die HACCP APP. KI-gestützte Checklisten und Audits könnten Abweichungen erkennen, priorisieren und mögliche Maßnahmen anzeigen. Temperatur-, Reinigungs-, Allergen- und Qualitätsnachweise sollen durch technologieoffene Sensor- und Kontrollsysteme ergänzt werden.

Digitale Audit-Trails könnten Vorgänge automatisiert erfassen und Nachweise revisionssicher bereitstellen. Zugleich fordert das Papier, digitale Nachweissysteme gegenüber Behörden rechtssicher anzuerkennen. Besonders relevant sind solche Verfahren nach Einschätzung der Autoren für Kliniken, Pflege- und Rehaeinrichtungen sowie Schulen, Kitas, Mensen und andere Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung.

In Kliniken und Pflegeeinrichtungen könnten digitale Speiseplanung, diätetische Regeln, Produktions- und Ausgabeprüfungen sowie Schnittstellen zu Patienten- und Warenwirtschaftssystemen verbunden werden. Für Schulen und Kitas nennt das Papier digitale Speisepläne, Vorbestellungen, Allergenmanagement, Abrechnung, Nährwertinformationen und die Analyse von Speiseresten.

Energie- und Ressourcenverbrauch steuern

KI soll außerdem beim Nachhaltigkeits- und Energiemanagement eingesetzt werden. Vorgeschlagen werden automatische Verbrauchs- und Ressourcenanalysen, die Einsparpotenziale frühzeitig sichtbar machen. Smart Metering und vernetzte Sensorik könnten Energie- und Wasserverbräuche in Küchen, Produktionsstandorten und Filialnetzen erfassen.

Die Verknüpfung von Energie-, Produktions- und Prozessdaten soll helfen, Anlagen bedarfsgerecht zu steuern. KI-gestützte Wartungs- und Störungsprävention könnte ungeplante Ausfälle energieintensiver Geräte reduzieren. Weitere Einsatzfelder sieht das Papier bei der Berechnung des CO2-Fußabdrucks, bei Herkunftsinformationen entlang der Lieferkette sowie bei der Ermittlung künftiger Bedarfe, beispielsweise für Ladekapazitäten.

Touristische Angebote für KI-Systeme aufbereiten

Für Tourismus und Reisevertrieb steht die Sichtbarkeit in KI-basierten Such-, Beratungs- und Buchungssystemen im Vordergrund. Angebote müssten in maschinenlesbarer Form vorliegen und einheitliche Angaben zu Preisen, Verfügbarkeiten, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit, Mobilität und Buchbarkeit enthalten.

Die DZG fordert den Ausbau offener Datenbestände, Wissensgraphen, Schnittstellen und digitaler Serviceinfrastrukturen. Unter offenen Daten versteht das Papier öffentlich verfügbare, freiwillig bereitgestellte oder rechtmäßig zugängliche Informationen. Touristische Datenräume sollen interoperabel und für unterschiedliche Anbieter sowie Datenquellen zugänglich sein, ohne neue Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen zu schaffen.

Für Reisebüros, Touristinformationen, Veranstalter und Servicecenter werden KI-Assistenzsysteme vorgeschlagen. Diese könnten Standardaufgaben übernehmen und Beschäftigte bei Recherche, Planung und Kommunikation unterstützen. Parallel soll die persönliche Beratung für komplexe Reisen, Gruppenreisen, Premiumangebote und kuratierte Reiseerlebnisse weiterentwickelt werden.

Destinationsmanagementorganisationen und Landesmarketinggesellschaften sollen nach Vorstellung der DZG eine zentrale Rolle beim Aufbau digitaler Basisinfrastrukturen übernehmen. Dafür seien dauerhafte Förderprogramme, flexiblere Vergabeverfahren, Reallabore und Kooperationen mit Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Technologiepartnern notwendig.

Besucherströme und Großveranstaltungen steuern

Freizeit-, Sport-, Messe-, Event- und Kultureinrichtungen könnten KI-gestützte Systeme zur Prognose und Steuerung von Besucherströmen einsetzen. Geeignete, möglichst aggregierte oder anonymisierte Echtzeitdaten sollen Auslastungsmanagement, Personalplanung und Besucherinformation unterstützen.

Digitale Besucherlenkung könnte mit Ticketing-, Mobilitäts- und Informationssystemen verbunden werden. Für Stadien, Messen und Großveranstaltungen nennt das Papier außerdem mobile Bestell- und Bezahlsysteme, dynamische Nachproduktion und digitale Einsatzplanung. In Freizeitparks, Arenen und Erlebnisorten könnten Vorbestellungen, mobile Ausgabestellen und dynamische Paketangebote dazu beitragen, Wartezeiten und Belastungsspitzen zu verringern.

Auch Verkehrsgastronomie an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen wird berücksichtigt. Hier sollen Echtzeit-Frequenzdaten, Self-Service, mehrsprachige digitale Menüführung, automatische Bestände und Prognosen auf Grundlage von Verkehrsdaten die Versorgung bei stark schwankender Nachfrage unterstützen.

Datensouveränität und klare Haftungsregeln

Auf politischer Ebene fordert die DZG, Datensouveränität als Leitprinzip der Digitalpolitik zu verankern. Gemeint ist die sichere, rechtmäßige, nachvollziehbare und interoperable Kontrolle über betriebliche Daten. Eine generelle Pflicht zur Datenlokalisierung oder zur Nutzung europäischer Infrastruktur ist damit ausdrücklich nicht verbunden.

Datenexportfähigkeit, offene Schnittstellen und standardisierte Formate sollen Anbieterwechsel erleichtern. Für kleinere und mittlere Unternehmen schlägt die DZG darüber hinaus Cybersecurity-Basispakete vor. Bei Buchung, Vertrieb, CRM, Bezahlung und Reporting sollen gemeinsame Branchenstandards entwickelt und zentrale betriebliche Kennzahlen vereinheitlicht werden.

Von der Politik erwartet die Denkfabrik zudem klare Haftungs- und Transparenzregeln für KI-Anwendungen. Europäische und grenzüberschreitende Standards sollten möglichst harmonisiert werden, um parallele Vorgaben und nationale Sonderwege zu vermeiden.

Forschung und Robotik schneller in die Praxis bringen

Eine anwendungsorientierte Forschungsoffensive soll den Transfer von KI, Robotik, Sensorik und Automatisierung in die Betriebe beschleunigen. Die Gastwelt könne als Reallabor dienen, weil sich Technologien dort unter unterschiedlichen Bedingungen in Gastronomie, Hotellerie, Tourismus, Catering, Mobilität und Freizeitwirtschaft erproben lassen.

Die DZG regt international wettbewerbsfähige Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie einen stärkeren Austausch zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups an. Ziel ist es, erfolgreiche Anwendungen schneller zu verbreiten und neue Wachstums- und Exportmöglichkeiten zu erschließen.

Neue Gastwelt-Bank soll Investitionen erleichtern

Einen besonderen Blick widmet das Impulspapier der Finanzierung. Nach Einschätzung der DZG fehlen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen Zeit, Personal und finanzieller Spielraum für umfangreichere Digitalprojekte. Bestehende Programme seien häufig komplex, langsam oder zu stark auf einzelne Anschaffungen ausgerichtet.

Als Lösung schlägt die Denkfabrik die Gründung einer digital und zentral organisierten Gastwelt-Bank nach österreichischem Vorbild vor. Diese neue Förderbank soll einen niedrigschwelligen Zugang, feste Ansprechpartner und schnelle Bewilligungsverfahren bieten.

Förderfähig sollen nicht nur Hardware und Robotik sein. Das Papier nennt ausdrücklich Softwarelizenzen, Datenaufbereitung, Schnittstellen, Cybersicherheit, Prozessberatung, KI-Reifegradanalysen, Schulungen und Pilotprojekte. Modular aufgebaute Programme sollen es Betrieben ermöglichen, ihre Digitalisierung in wirtschaftlich tragbaren Schritten umzusetzen. Auch Ersatzbeschaffungen könnten in reduzierter Höhe unterstützt werden.

Ergänzend fordert die DZG Sonderabschreibungen für Investitionen in KI-, Robotik- und Automatisierungstechnologien. Reallabore und sektorübergreifende Pilotvorhaben sollen nur dann gefördert werden, wenn eine verbindliche Auswertung und ein Wissenstransfer in die Branche vorgesehen sind.

Fünf erste Schritte für die Umsetzung

Für den kurzfristigen Einstieg fasst das Papier fünf Maßnahmen zusammen.

  1. KI-Readiness-Checks und praxisnahe Beratung sollen flächendeckend verfügbar
  2. Investitionen in Software, Daten, Schnittstellen, Cybersicherheit und Qualifizierung sollen gefördert werden
  3. Gemeinsame Datenstandards und offene digitale Infrastrukturen sollen gemeinsam aufgebaut werden
  4. Beschäftigte sollen systematisch qualifiziert und sichere Experimentierräume eingerichtet werden
  5. Erfolgreiche Pilotprojekte müssen zügig in skalierbare Branchenlösungen überführt werden

Voraussetzung sei ein gemeinsames Vorgehen von Unternehmen, Beschäftigten, Politik, Verbänden, Wissenschaft und Technologieanbietern. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Weichen für die digitale Transformation zu stellen. Wir wollen eine Gastwelt, in der Technik den Menschen stärkt: mit produktiveren Betrieben, besseren Arbeitsbedingungen, verlässlicheren Services und mehr Zeit für echte Gastlichkeit“, sagt Alexandra Wolframm.

Quelle: Denkfabrik Zukunft der Gastwelt

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Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mit seiner langjährigen Erfahrung als Fachjournalist berichtet Lukas Steiglechner aus der Zentralredaktion in München über aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt er Wert auf klare Einordnung, relevante Entwicklungen und praxisnahe Perspektiven für das professionelle Gastgewerbe.

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