- Ressourcenverbrauch als Ausgangspunkt
- Von einzelnen Umweltmaßnahmen zur Kreislaufstrategie
- Mehrwegkreislauf für Obstsalat in Hamburg
- Hotelmöbel erhalten statt pauschal entsorgen
- Abfalltrennung in 259 Gästezimmern
- Sortenreine PP-Eimer als Sekundärrohstoff
- Weitere Projekte aus der Branche
- Drei Bedingungen für erfolgreiche Kreisläufe
- Handlungsfelder für Hotels
- Hier den vollständigen Bericht lesen
Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie reicht weit über die Vermeidung von Einwegplastik hinaus. Das zeigt ein gemeinsamer Bericht des WWF Deutschland und der Kühne Logistics University (KLU), der zusammen mit Motel One und Leonardo Hotels erarbeitet wurde. In vier Pilotprojekten untersuchten die Beteiligten, wie sich Verpackungen mehrfach nutzen, Hotelmöbel länger im Einsatz halten, Restmüll reduzieren und Kunststoffbehälter in einen geschlossenen Materialkreislauf überführen lassen.
Die Projekte fanden unter realen Bedingungen im laufenden Hotelbetrieb statt. Dabei ging es nicht nur um ökologische Effekte, sondern auch um Kosten, Arbeitsabläufe, Logistik und die Voraussetzungen für eine Übertragung auf weitere Standorte. Nach Einschätzung der Projektpartner sind zirkuläre Lösungen besonders dann praktikabel, wenn sie möglichst eng in bestehende Prozesse eingebettet werden, mehrere Akteure entlang der Lieferkette koordiniert zusammenarbeiten und die Beschäftigten vor Ort frühzeitig einbezogen werden.
„Bemerkenswert ist aus unserer Sicht, dass die Lösungen nicht unter Laborbedingungen, sondern im laufenden Hotelbetrieb getestet wurden. Das Projekt zeigt, wie entscheidend dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Hotels, Lieferanten, Logistikdienstleistern und Recyclingunternehmen sowie die aktive Einbindung und Motivation der Mitarbeitenden ist“, sagt Prof. Dr. Sandra Transchel, Professorin für Supply Chain und Operations Management, von der Kühne Logistics University.
Ressourcenverbrauch als Ausgangspunkt
Der Bericht ordnet die Pilotprojekte in die Entwicklung des weltweiten Ressourcenverbrauchs ein. Dieser stieg demnach von rund 30 Milliarden Tonnen im Jahr 1970 auf 106 Milliarden Tonnen im Jahr 2020. Gleichzeitig gelangt nur ein kleiner Teil der verwendeten Materialien zurück in geschlossene Kreisläufe. Die globale Zirkularitätsrate wird im Bericht mit 6,9 Prozent angegeben. Für Deutschland wird eine Quote von etwa 13 Prozent genannt.
Kreislaufwirtschaft soll deshalb den Einsatz neuer Rohstoffe verringern und den Wert vorhandener Materialien möglichst lange erhalten. Dazu gehören die Vermeidung unnötiger Produkte, ein geringerer Materialeinsatz, die Wiederverwendung, Reparatur und Aufarbeitung sowie am Ende der Nutzungsdauer ein möglichst hochwertiges Recycling. Die energetische Verwertung steht in dieser Hierarchie erst am Schluss.
Für die Hotellerie ergeben sich Ansatzpunkte sowohl auf Gebäudeebene als auch im operativen Betrieb. Bei Neubauten und Sanierungen bestimmen Konstruktion, Materialwahl und Demontierbarkeit, ob Bauteile später weiterverwendet werden können. Kurzfristiger lassen sich Maßnahmen bei Möbeln, Textilien, Lebensmitteln, Verpackungen, Reinigungsprozessen und der Abfallsammlung umsetzen.
Von einzelnen Umweltmaßnahmen zur Kreislaufstrategie
Viele Hotels befassen sich bereits mit Plastikvermeidung und Abfalltrennung. Nach Schätzungen der Deutschen Zentrale für Tourismus sind rund 18 Prozent der deutschen Hotelbetriebe als nachhaltig zertifiziert. Eine umfassende Kreislaufstrategie, die Einkauf, Nutzung, Reparatur, Rücknahme und Verwertung gemeinsam betrachtet, ist dem Bericht zufolge jedoch noch nicht weit verbreitet.
Ein wesentlicher Materialstrom entsteht durch die regelmäßige Erneuerung der Einrichtung. Hotelzimmer und Interieur werden dem Bericht zufolge häufig nach sieben bis 15 Jahren umfassend modernisiert. Bei Übernahmen, Rebrandings und Renovierungen wird vorhandenes Mobiliar teilweise unabhängig von seinem tatsächlichen Zustand ersetzt. Zeitdruck, fehlende Lagerflächen, Rahmenverträge und mangelnde Absatzwege für gebrauchte Ausstattung erschweren eine differenzierte Verwertung.
Zugleich steigen die regulatorischen Anforderungen. Die EU-Verpackungsverordnung gilt seit dem 12. August 2026. Ab 2030 greifen unter anderem Verbote für bestimmte kleine Einwegkunststoffverpackungen mit Kosmetik-, Hygiene- und Toilettenartikeln in Beherbergungsbetrieben. Ebenfalls betroffen sind bestimmte Einwegkunststoffverpackungen für Speisen und Getränke sowie Einzelportionen von Würzmitteln, Aufstrichen, Soßen, Kaffeesahne, Zucker und Gewürzen im Gastgewerbe. Weitere Vorgaben betreffen mitgebrachte Behälter, Mehrwegangebote und den Einsatz von Rezyklaten.
„Zu oft wird behauptet, Umweltschutz schade der Wirtschaft. Unsere Projektergebnisse beweisen für die Hotellerie einmal mehr das Gegenteil: Wer Ressourcen spart, Abfälle vermeidet und Materialien länger nutzt, kann gleichzeitig Kosten senken und die eigene Zukunftsfähigkeit stärken. Die Ergebnisse leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Hotellerie. Die Potenziale sind da – nun gilt es sie zu heben,“ sagt Laura Griestop, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland.
Mehrwegkreislauf für Obstsalat in Hamburg
Das erste Pilotprojekt untersuchte die Umstellung von Einweg- auf Mehrwegverpackungen in einer Lebensmittellieferkette. Fünf Motel-One-Häuser in Hamburg erhielten ihren Obstsalat über einen Zeitraum von rund 13 Wochen in wiederverwendbaren Behältern des Anbieters PFABO. Beteiligt waren außerdem der Obstverarbeiter Fresh Factory, der Großhändler und Logistikdienstleister Transgourmet sowie Cup&more Mehrweglogistik als Reinigungsdienstleister.
Der Kreislauf begann mit der Bereitstellung gereinigter Behälter. Fresh Factory befüllte sie mit Obstsalat und übergab sie an Transgourmet. Nach der Anlieferung und Entleerung sammelten die Hotels die Behälter, reinigten sie vor und stellten sie zur Rückgabe bereit. Transgourmet übernahm neben der Belieferung auch einen Teil der Rückführungslogistik. Anschließend wurden die Behälter professionell gereinigt, desinfiziert und auf ihre weitere Einsatzfähigkeit geprüft.
Ohne das Mehrwegsystem wären während des Testzeitraums nach Berechnungen der Projektpartner 2.261 Einwegeimer einschließlich Deckeln angefallen. Das entspricht rund 423 Kilogramm Polypropylen. Auf ein Jahr hochgerechnet wären es für die fünf beteiligten Hotels etwa 9.044 Verpackungen und rund 1,69 Tonnen Kunststoff. Würde das System auf alle deutschen Motel-One-Standorte übertragen, könnten nach einer Hochrechnung auf Basis des Verbrauchs von 2025 jährlich rund 69.000 Einwegverpackungen beziehungsweise 12,9 Tonnen Polypropylen vermieden werden.
Die eingesetzten Mehrwegbehälter wiegen jeweils 374 Gramm und sind laut Bericht für bis zu 500 Nutzungszyklen ausgelegt. Bis zum Ende des dreimonatigen Untersuchungszeitraums waren 1.250 Behälter zurückgeführt worden. Dies entsprach rund 55 Prozent der ausgegebenen Menge. Die übrigen Behälter befanden sich zu diesem Zeitpunkt teilweise noch als Sicherheitsbestand beim Produzenten oder an anderen Stationen des Kreislaufs.
Von den zurückgeführten Behältern mussten 15 endgültig ausgesondert werden. Damit lag die Ausschussquote bei rund 1,2 Prozent. Weitere 48 Behälter konnten nachbearbeitet oder zunächst als Rückstellproben verwendet werden. Beschädigungen entstanden unter anderem durch Messer, Schraubendreher oder Besteck sowie durch nicht entfernbare Markierungen und ungeeignete Etiketten.
Das Projekt zeigt zugleich, wo die organisatorischen Herausforderungen liegen. Fahrer müssen leere Behälter entgegennehmen und dokumentieren, Hotels benötigen Platz für die Zwischenlagerung, und an allen Übergabepunkten muss die digitale Rückverfolgung funktionieren. Bei kleinen Pilotmengen kann zudem eine manuelle Befüllung erforderlich sein. Für einen wirtschaftlichen Betrieb ist deshalb eine ausreichende Zahl von Umläufen und Teilnehmern notwendig. Nach dem Test verständigten sich die Projektpartner auf eine Fortführung und Erweiterung des Systems.
Hotelmöbel erhalten statt pauschal entsorgen
Leonardo Hotels erprobte bei zwei Hotelübernahmen in Berlin und Hannover einen anderen Ansatz. Vorhandene Möbel sollten nicht automatisch als Abfall behandelt, sondern auf ihre weitere Nutzbarkeit geprüft werden. Je nach Zustand und Nachfrage kamen eine erneute Nutzung im Hotel, eine Aufarbeitung, ein externer Verkauf, eine Spende, das Materialrecycling oder als letzte Möglichkeit die Entsorgung infrage.
Im Berliner The Posthouse am Potsdamer Platz wurden 2.214 Gegenstände erfasst, darunter Tische, Lampen, Sessel, Vorhänge, Stühle, Betten und weitere Ausstattung. Nach Angaben des beteiligten Räumungsunternehmens Twins Company konnten nahezu alle Möbel weiterverwendet werden. Ein großer Teil wurde an Hotels im Zwei- und Drei-Sterne-Segment verkauft. Kofferböcke blieben nach einer Aufarbeitung im Haus: Die Metallgestelle wurden erhalten, während Holzleisten durch neue Polsterelemente ersetzt wurden.
Ein QR-Code-System sollte den weiteren Weg der Möbel dokumentieren. Da nur wenige Abnehmer Rückmeldungen über das System übermittelten, ließ sich der tatsächliche Verbleib jedoch nicht vollständig nachvollziehen. Der Versuch verdeutlicht, dass digitale Lösungen allein noch keine belastbare Datengrundlage schaffen. Die Erfassung muss verbindlich in die Abläufe aller Beteiligten eingebunden werden.
Im Leonardo Hotel Hannover Medical Park fiel die Bilanz je nach Möbelkategorie unterschiedlich aus. Von 112 Schreibtischen konnten 65 weitergegeben werden; weitere fünf befanden sich zum Zeitpunkt der Erhebung noch im Lager. Die aktuelle Verwertungsquote wurde mit etwa 59 Prozent angegeben. Bei den Kofferböcken konnten 90 von 112 Exemplaren weitergegeben werden, was einer Quote von rund 80 Prozent entspricht.
Von ungefähr 350 Lampen waren zunächst etwa 50 vermittelt worden, weitere lagerten noch. Bei rund 80 Matratzen gelang die Weitergabe von 15 Stück. Die Wiederverwendung hygienisch sensibler Produkte ist aufgrund von Alter, Zustand und Akzeptanz grundsätzlich schwieriger. Die 28 erfassten Lattenroste konnten wegen ihrer objektspezifischen Ausführung nicht erneut genutzt werden. Ihre Metallbestandteile wurden jedoch recycelt.
Der Vergleich macht deutlich, dass nicht nur der Zustand entscheidet. Standardisierte, modulare und leicht demontierbare Möbel lassen sich eher in einen neuen Nutzungskontext überführen als individuell angepasste Produkte. Fest verleimte Glasplatten, objektspezifische Maße oder besondere Brandschutzanforderungen können die Weiterverwendung erschweren. Auch die Nachfrage, Transportkosten und verfügbare Lagerflächen spielen eine Rolle.
Wichtig ist außerdem der Zeitpunkt der Bestandsaufnahme. Werden Möbel während der Umbauphase als Arbeitsunterlage oder Transporthilfe verwendet, sinkt ihr Restwert. Spezialisierte Dienstleister sollten dem Bericht zufolge möglichst zwei bis drei Monate vor einer Renovierung oder Übernahme eingebunden werden. Leonardo Hotels will bei künftigen Neuakquisitionen und operativen Übernahmen systematisch prüfen, welche Ausstattung erhalten, aufgearbeitet, innerhalb der Gruppe umverteilt, extern weitergegeben oder stofflich verwertet werden kann.
Abfalltrennung in 259 Gästezimmern
Im Motel One Aachen wurde die bestehende Abfalltrennung aus den Back-of-House-Bereichen auf sämtliche 259 Gästezimmer ausgeweitet. In die vorhandenen Mülleimer kamen drei gekennzeichnete Einsätze für Restmüll, Kunststoffverpackungen und Papier. Zusätzlich erhielten die Reinigungswagen unterteilte Lösungen für mehrere Abfallsäcke.
Vor der Einführung wurden die Beschäftigten in einer etwa 45-minütigen Präsenzschulung vorbereitet. Da ein großer Teil des externen Reinigungspersonals kein Deutsch spricht, arbeitete das Hotel mit mehrsprachigen und bildbasierten Unterlagen, unter anderem auf Englisch, Arabisch und Russisch. In den ersten Tagen begleiteten die Projektverantwortlichen die Teams auf den Etagen.
Im Jahr 2025 waren in dem Haus 28,2 Tonnen Restmüll angefallen. Nach Einführung der Zimmertrennung sank das Restmüllaufkommen, während die Menge der getrennt gesammelten Leichtverpackungen zunahm. Zum Abschluss der Testphase bestellte das Hotel eine Restmülltonne ab und beauftragte eine zusätzliche Tonne für Leichtverpackungen.
Je nach Berechnungsgrundlage ergibt sich eine jährliche Verringerung des Restmülls um 4,6 bis 8,9 Tonnen. Das entspricht 18 bis 34 Kilogramm pro Zimmer. Die jährlichen Kosten der Restmüllentsorgung könnten dadurch nach der Hochrechnung um etwa 31,5 Prozent sinken. Für die zusätzliche Leichtverpackungstonne wurden keine gegenläufigen Kosten erwartet, da sie über das kommunale Sammelsystem bereitgestellt werden sollte.
Die einmaligen Investitionen beliefen sich auf rund 5.300 Euro. Davon entfielen etwa 2.800 Euro auf die Einsätze in den Zimmern und 2.500 Euro auf die Lösungen für die Reinigungswagen. Zusätzliche Kosten im Reinigungsbetrieb entstanden nicht. Das Leeren und Auswischen der Einsätze ließ sich nach Angaben der Beteiligten in den vorhandenen Ablauf integrieren.
Auch von den Gästen wurden keine nennenswerten Beschwerden gemeldet. Die Abfälle seien überwiegend intuitiv richtig getrennt worden. Herausforderungen lagen vor allem in der Beschaffung der angepassten Einsätze, in unterschiedlichen kommunalen Regelungen für Wertstofftonnen und in der Messung der tatsächlichen Abfallgewichte. Für weitere Standorte empfehlen die Projektpartner deshalb eine frühe Abstimmung mit Kommune, Vermieter und Entsorger sowie eine standardisierte Datenerhebung vom ersten Betriebstag an. Kleinere Müllsäcke könnten außerdem verhindern, dass durch die getrennte Sammlung zusätzliche, nur teilweise gefüllte Kunststoffsäcke verbraucht werden.
„Die potenzielle Kostenersparnis durch weniger Restmüll, die Vorteile für die Umwelt und das bei einem geringen Mehraufwand im Hotelbetrieb haben uns überzeugt dieses Projekt in Aachen direkt nach der Pilotphase fortzuführen“, sagt Verena Ferner, Group CR & Sustainability Manager der Motel One Group.
Sortenreine PP-Eimer als Sekundärrohstoff
Das vierte Pilotprojekt befasste sich mit Lebensmittelbehältern aus Polypropylen. Bei Leonardo Hotels fallen dem Bericht zufolge jährlich rund 17.510 Großverpackungen für Obstsalat an. Hinzu kommen Behälter für Mayonnaise, Senf und andere Lebensmittel. Ein Teil wird bereits intern weiterverwendet, beispielsweise für Kaffeesatz oder den Transport von Eiern. Viele Behälter gelangen jedoch in gemischte gewerbliche Abfallströme.
Im Leonardo Hotel Dortmund wurden gebrauchte PP-Eimer deshalb getrennt gesammelt und an den Recyclingdienstleister Remondis übergeben. Dieser bereitet das Material auf und liefert den Sekundärrohstoff an den Verpackungshersteller Jokey. Dort kann er für die Produktion neuer Eimer eingesetzt werden. Vier Abholungen umfassten jeweils schätzungsweise 35 Kilogramm, insgesamt also etwa 140 Kilogramm Material.
Bei gemischten Kunststoffverpackungen liegt die werkstoffliche Recyclingquote laut Bericht bei ungefähr 50 Prozent. Ein sauberer und kontrollierter PP-Strom kann nach Einschätzung der beteiligten Recyclingfachleute eine Ausbeute von 75 bis 80 Prozent ermöglichen. Abhängig von Produkt und Rezyklatanteil könnten bei der Herstellung neuer Eimer 35 bis 90 Prozent Neumaterial eingespart werden.
Entscheidend ist die Qualität der zurückgegebenen Verpackungen. Lebensmittelreste können das Kompaktieren, Waschen und weitere Verarbeiten erschweren. In Versuchen mit stark verschmutzten Gebinden wurden nur etwa 50 Prozent des Materials zurückgewonnen. Bei sauberem Eingangsmaterial erscheinen laut Bericht bis zu 80 Prozent möglich. Die Behälter müssen daher gut restentleert werden, ohne dass der zusätzliche Reinigungsaufwand im Hotel unverhältnismäßig steigt.
Für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln sind PP-Rezyklate aus mechanischem Recycling bislang nicht von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zugelassen. Der geschlossene, rückverfolgbare Kreislauf soll das Risiko einer Vermischung mit ungeeigneten Materialien verringern. Eine entsprechende Prüfung läuft nach Angaben des Berichts. Bis zu einer möglichen Zulassung bleibt die Verwendung für neue Lebensmittelverpackungen jedoch eine Entwicklungsperspektive.
Im Hotel selbst war der Platzbedarf gering. Benötigt wurden ein definierter Sammelplatz und ein Transportwagen. Als praktische Schwierigkeit erwies sich die getrennte Handhabung der Deckel, die aus den Sammelbehältern fallen konnten. Für eine Ausweitung wird deshalb eine eigene Halterung empfohlen. QR- oder Barcodes könnten künftig dokumentieren, von welchem Hersteller die Verpackungen stammen und welche Mengen in den Kreislauf zurückgeführt werden.
Weitere Projekte aus der Branche
Neben den vier Pilotprojekten stellt der Bericht weitere Ansätze vor. Die spanische Iberostar-Gruppe hat bereichsübergreifende Teams für Reduzierung, Wiederverwendung und Recycling eingerichtet. Mehr als 250 Beschäftigte erfassen und bewerten Abfallströme. In über 60 Hotelküchen kommen zudem digitale und KI-gestützte Systeme zum Einsatz, um Lebensmittelabfälle durch eine angepasste Produktions- und Einkaufsplanung zu reduzieren. Für 2025 nennt der Bericht eine Verringerung der Abfallmenge um 79 Prozent.
Das familiengeführte Hotel Luise in Erlangen verfolgt einen Ansatz, bei dem Kreislauffähigkeit bereits bei der Planung der Zimmer berücksichtigt wird. Im 2016 realisierten nachwachsenden Hotelzimmer kommen unter anderem nachwachsende Holzwerkstoffe, Teppichfliesen aus recycelten Fischernetzen und sortenrein trennbare Materialien zum Einsatz. Nach zehn Jahren im Betrieb bewertet das Hotel die verwendeten Lösungen als technisch und wirtschaftlich tragfähig und arbeitet an einer Weiterentwicklung des Konzepts.
Der Staudacherhof in Garmisch-Partenkirchen setzt im Klammhaus an der Partnachklamm auf ein Mehrweg-Pfandsystem für Heißgetränke. Nach Angaben des Betreibers werden täglich etwa 80 bis 100 Mehrwegbecher ausgegeben. Hochgerechnet lassen sich so rund 32.000 Einwegbecher im Jahr vermeiden.
Im 25hours Hotel Bikini Berlin wurden bei einer Sanierung rund zehn Jahre alte Badewannen und Duschflächen ausgebaut, sandgestrahlt, neu emailliert und anschließend wieder eingesetzt. Etwa die Hälfte der Produkte konnte auf diese Weise erhalten werden. Der Hersteller Kaldewei beziffert die CO₂-Einsparung gegenüber der Neuproduktion auf 65 Prozent.
Ein weiteres Beispiel ist das Motel One München-Deutsches Museum. Bei dessen Renovierung wurden rund 120 Tonnen Altholz aus Möbeln und Einbauten stofflich verwertet. Das Material wurde aufbereitet und einem Hersteller von Spanplatten zugeführt. Der Ansatz wird inzwischen bei weiteren Renovierungsprojekten der Hotelgruppe eingesetzt.
Drei Bedingungen für erfolgreiche Kreisläufe
Über alle Projekte hinweg benennt der Bericht drei zentrale Erfolgsfaktoren für die Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie. Erstens sollten neue Lösungen an bestehende Arbeitsabläufe anschließen. Je weniger zusätzliche Handgriffe für Mitarbeitende und Gäste notwendig sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Umsetzung.
Zweitens müssen die beteiligten Unternehmen ihre Aufgaben entlang der Liefer- und Rückführungswege klar verteilen. Ein Mehrwegbehälter benötigt nicht nur einen Hersteller, sondern auch Rücknahmelogistik, Reinigung, Qualitätskontrolle und ein System zur Bestandsführung. Ähnliches gilt für gebrauchte Hotelmöbel: Ohne Demontage, Lagerung, Aufbereitung und Zugang zu geeigneten Abnehmern bleibt ihr Wiederverwendungspotenzial häufig ungenutzt.
Drittens entscheidet die Einbindung der Beschäftigten über die Qualität der Stoffströme. Das betrifft die richtige Abfalltrennung ebenso wie den schonenden Umgang mit Mehrwegbehältern oder die rechtzeitige Sicherung wiederverwendbarer Möbel. Mehrsprachige Schulungen, bildbasierte Anleitungen und eine nachvollziehbare Kommunikation des Projektziels erwiesen sich in den Pilotprojekten als hilfreich.
Handlungsfelder für Hotels
Für einen Einstieg empfiehlt der Bericht zunächst eine Bestandsaufnahme der Material- und Abfallströme. Hotels sollten klären, welche Daten zu Einkaufsmengen, Nutzungsdauer, Reparaturen, Abfällen und Entsorgungswegen bereits vorhanden sind. Daraus lässt sich ableiten, in welchen Bereichen der größte ökologische und wirtschaftliche Hebel liegt.
„Die Pilotprojekte zeigen, dass Skalierbarkeit durch die systematische Betrachtung von Materialströmen und lokalen Rahmenbedingungen entsteht. Gleichzeitig wird deutlich, dass Kreislaufwirtschaft in der Praxis nur im Zusammenspiel mit geeigneten Partnern erfolgreich umgesetzt werden kann“, sagt Natascha Michaelsen, Senior Project Manager ESG/CSR der Leonardo Hotels Central Europe.
Bei der Beschaffung können Modularität, Reparierbarkeit, Materialzusammensetzung, Demontierbarkeit und Rücknahmemöglichkeiten als zusätzliche Kriterien dienen. Für Verbrauchsprodukte kommen Groß- und Mehrweggebinde infrage. Bei Möbeln und technischer Ausstattung sollte geprüft werden, ob Produkte repariert, geleast oder nach der Nutzung vom Hersteller zurückgenommen werden können.
Renovierungen und Übernahmen erfordern eine frühzeitige Bestandsbewertung. Wiederverwendbare Gegenstände sollten vor Beginn der Bauarbeiten gekennzeichnet und geschützt werden. Für Aufarbeitung, Weiterverkauf, Spenden und Recycling sind spezialisierte Partner sowie ausreichend Vorlaufzeit notwendig. Bereits beim Einkauf neuer Möbel kann ein Design berücksichtigt werden, das eine spätere Demontage und den Austausch einzelner Komponenten erlaubt.
Im laufenden Betrieb bieten sich unter anderem die getrennte Sammlung von Papier, Glas, Bioabfällen und Verpackungen, Mehrwegsysteme für Gastronomie und Lieferketten, wiederbefüllbare Spender im Bad sowie Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung an. Pilotprojekte sollten möglichst so geplant werden, dass eine Übertragung auf weitere Standorte bei Erfolg bereits organisatorisch und wirtschaftlich vorbereitet ist.
Der Bericht versteht die vier Projekte daher nicht als abgeschlossene Einzelversuche. Das Hamburger Mehrwegsystem wurde zunächst bis Ende 2026 verlängert, Leonardo Hotels prüft weitere Übernahmen auf ihr Wiederverwendungspotenzial, die Mülltrennung im Motel One Aachen wird fortgeführt und für den PP-Kreislauf sollen zusätzliche Hotels als Materiallieferanten gewonnen werden. Damit verlagert sich der Schwerpunkt von der technischen Machbarkeit auf die Skalierung funktionierender Abläufe.
Hier den vollständigen Bericht lesen
Quelle: WWF Deutschland