Das Münchner Familienunternehmen Allguth erweitert sein gastronomisches Angebot um eine automatisierte Küche. An der rund um die Uhr geöffneten Station in der Chiemgaustraße 185 in München-Giesing bereitet seit September 2026 ein Kochroboter warme Nudel- und Reisgerichte auf Bestellung zu.
Die Roboterküche ist der erste sichtbare Baustein der neuen Gastronomiemarke Guth Foods. Allguth will damit insbesondere zu Tageszeiten warme Mahlzeiten anbieten, in denen klassische gastronomische Küchen häufig nicht mehr geöffnet sind. Erste Erfahrungen am Pilotstandort zeigen eine besonders hohe Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden. Zum Kundenkreis zählen unter anderem Beschäftigte im Schichtdienst, Berufstätige mit spätem Feierabend und Menschen, die außerhalb üblicher Küchenzeiten eine warme Mahlzeit suchen.
Sieben Gerichte zum Start
Das anfängliche Sortiment umfasst sieben Nudel- und Reisgerichte. Angeboten werden Varianten mit und ohne Fleisch sowie vegane Gerichte. Zu den genannten Speisen gehören Käsespätzle und Tom Kha Gai. Die Zutaten werden nach festgelegten Rezepturen dosiert; auch Mengen, Temperaturen und Zubereitungszeiten sind für jedes Gericht vorgegeben. Nach Unternehmensangaben wurden die Rezepte unter Beteiligung eines Sternekochs entwickelt.
Bestellt wird entweder an einem Terminal oder an der Kasse der Allguth-Station. Zur Einführung kostet jedes Gericht 9,90 Euro. Von der Bestellung bis zur Ausgabe vergehen rund fünf Minuten. Anschließend öffnet sich ein Abholfach, aus dem die fertige Mahlzeit entnommen werden kann.
Eine große Glasfront macht die Zubereitung für die Kunden sichtbar. Zwei Greifarme bewegen die Kochgefäße durch die einzelnen Arbeitsschritte. Während sich die Gefäße auf den Kochplatten drehen, werden die vorgesehenen Zutaten entsprechend der jeweiligen Rezeptur zugegeben. Allguth verbindet das gastronomische Angebot damit zugleich mit einem für die Kunden einsehbaren technischen Prozess.
Bis zu acht Bestellungen gleichzeitig
Die Anlage kann bis zu acht Gerichte parallel zubereiten. Unter optimalen Bedingungen soll dadurch eine Leistung von 80 bis 120 Mahlzeiten pro Stunde möglich sein. Wie viele Gerichte im regulären Stationsbetrieb tatsächlich ausgegeben werden können, hängt unter anderem von der Auslastung, der Zusammenstellung der Bestellungen und den betrieblichen Abläufen ab.
Die Roboterküche verbindet Kühlung, Kochfelder und Spültechnik zu einem System. Nach Abschluss der Zubereitung bringen die Greifarme die verwendeten Kochgefäße zu einer integrierten Spülmaschine. Nach der Reinigung stehen die Gefäße für weitere Bestellungen bereit. Der automatisierte Ablauf reicht damit von der Dosierung der Zutaten über das Kochen bis zur Übergabe der benutzten Gefäße an die Spültechnik.
Stationsteam bleibt für Vorbereitung und Kontrolle zuständig
Der Kochroboter arbeitet nicht unabhängig vom Personal der Station. Das Team bereitet die Zutaten vor, füllt sie in der Anlage nach und kontrolliert die laufenden Prozesse. Hinzu kommen Aufgaben in der Qualitätssicherung, die vorgeschriebenen Reinigungsschritte sowie die Unterstützung von Kunden bei Fragen zur Bestellung und Bedienung.
Die programmierten Zubereitungsschritte übernimmt dagegen die Anlage. Dazu gehören das Dosieren, Erhitzen und Kochen sowie die Weitergabe der Kochgefäße an die Spültechnik. Das Konzept kombiniert damit standardisierte Automatisierung mit der Betreuung durch das vorhandene Stationsteam.
„Die Roboterküche war für uns alle neu. Nach einer mehrtägigen Schulung haben wir uns gemeinsam eingearbeitet und lernen im täglichen Betrieb weiter dazu“, sagt Alexander Schelling, Pächter der Allguth Station Chiemgaustraße. „Der Roboter ergänzt unser Team und erweitert unser bestehendes Angebot. Die Neugier ist groß. Viele Kunden bleiben vor der Glasfront stehen, um bei der Zubereitung zuzusehen.“
Chiemgaustraße dient als Pilotstandort
Die Allguth-Station in der Chiemgaustraße dient als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung von Guth Foods. Das Unternehmen will gemeinsam mit dem dortigen Stationsteam das Sortiment erweitern und die betrieblichen Abläufe weiterentwickeln. Dafür sollen Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb und Rückmeldungen der Kunden ausgewertet werden. Die Erkenntnisse sollen auch für mögliche Anwendungen über den Pilotstandort hinaus genutzt werden.
Markus Erbrich, Leiter Convenience und Partnerentwicklung bei Allguth, verweist dabei auf die Rolle der Pächter und Stationsteams. Sie verfügten über Kenntnisse der jeweiligen Standorte und der dortigen Nachfrage. Unter der gemeinsamen Marke GUTH FOODS soll das gastronomische Angebot nun gebündelt und weiterentwickelt werden. Der Kochroboter ist dabei zunächst ein einzelner Baustein, mit dem Allguth die Verfügbarkeit frisch zubereiteter warmer Speisen auf die Nachtstunden ausdehnt.
„Unsere Pächter und ihre Teams kennen ihre Kunden und wissen, was am jeweiligen Standort gefragt ist“, sagt Markus Erbrich, Leiter Convenience und Partnerentwicklung bei Allguth. „Mit Guth Foods entwickeln wir unser kulinarisches Angebot unter einer gemeinsamen Marke weiter. Der Kochroboter ist der erste Baustein. Er erweitert die Verfügbarkeit warmer, frisch zubereiteter Gerichte Tag und Nacht und macht den Kochprozess sichtbar. Die Erfahrungen aus der Chiemgaustraße fließen direkt in die weitere Entwicklung von Sortiment und Abläufen ein.“
Der Standort in Giesing ist aufgrund seiner hohen Kundenfrequenz und seines 24-Stunden-Betriebs für die Erprobung des Systems vorgesehen. Nach Angaben von Allguth besuchen täglich rund 2.500 Kunden die Station. Sie verbindet Gastronomie, Einkauf und Mobilitätsangebote. Neben der Roboterküche umfasst das Angebot warme und kalte Speisen, Snacks, einen Getränkemarkt und einen Shop. Hinzu kommen E-Ladesäulen und Kraftstoffangebote.
Technik von Goodbytz erstmals an einer Tankstelle
Entwickelt wurde das Küchensystem vom Hamburger Food-Tech-Unternehmen Goodbytz. Allguth und Goodbytz bereiteten nach eigenen Angaben sowohl die angebotenen Gerichte als auch die technischen Abläufe und die Einbindung der Anlage in den Stationsbetrieb gemeinsam vor.
Für Goodbytz ist die Installation das erste Projekt dieser Art an einer Tankstelle. Das Unternehmen sieht darin ein neues Einsatzfeld für autonome Gastronomietechnik. „Die Gastronomie steht vor der Herausforderung, steigende Erwartungen an Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit gleichzeitig zu erfüllen“, sagt Dr. Hendrik Susemihl, Mitgründer und CEO von Goodbytz. „Gemeinsam mit Allguth bringen wir unsere Technologie erstmals an eine Tankstelle und erschließen damit ein völlig neues Einsatzfeld für autonome Gastronomie. Unser Ziel ist es, autonome Küchen als skalierbare Infrastruktur zu etablieren, die frisch zubereitetes Essen rund um die Uhr verfügbar macht, auch dort, wo klassische Gastronomiekonzepte an ihre Grenzen stoßen.“
Quelle: Guth Foods
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