ICO
Quelle: data.ico.org

ICO bündelt globale Kaffeemarktdaten auf neuer Plattform

Die International Coffee Organization (ICO) hat eine digitale Plattform für Daten zum weltweiten Kaffeemarkt gestartet. Die Coffee Market Intelligence Platform bündelt unter data.ico.org bislang auf unterschiedliche Veröffentlichungen, Datenbanken und kommerzielle Dienste verteilte Informationen. Dazu gehören tägliche Marktindikatoren, monatliche Handelsdaten sowie jährliche Angaben zu Produktion und Verbrauch.

Das kostenfrei einsehbare Angebot richtet sich unter anderem an Erzeuger, Kooperativen, Händler, politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Journalisten. Sie sollen zentrale Entwicklungen des Kaffeemarktes an einer Stelle verfolgen und Zusammenhänge zwischen Preisen, Beständen, Warenströmen, Produktion und Konsum untersuchen können.

Vorstellung beim International Coffee Council

Vorgestellt wurde die Plattform am 30. September 2026 auf einer Pressekonferenz in Genf. Anlass war die 142. Sitzung des International Coffee Council. Die Präsentation erfolgte zudem vor dem ersten von den Vereinten Nationen anerkannten Internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober.

Parallel zum Start der Datenplattform präsentierte die ICO ihre Kampagne „Coffee Is Part of the Solution“. Sie soll Fortschritte bei der Nachhaltigkeit im Kaffeesektor sichtbar machen. Die Organisation verbindet die Bereitstellung belastbarer Marktdaten dabei mit dem Ziel, Entscheidungen über Produktion, Handel, Investitionen, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf eine breitere Informationsgrundlage zu stellen.

Preise, Börsendaten und Lagerbestände

Zu den auf der Plattform verfügbaren Informationen zählt der täglich berechnete ICO Composite Indicator Price, kurz I-CIP. Ergänzt wird dieser um die vier Gruppenindikatoren der Organisation. Darüber hinaus stellt das Angebot Terminmarktpreise aus New York und London sowie monatliche Angaben zu börsenzertifizierten Kaffeebeständen bereit.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf detaillierten Handelsdaten. Nutzer können Warenströme nach Ländern betrachten und damit nachvollziehen, wie Kaffee zwischen Erzeuger-, Export- und Importmärkten gehandelt wird. Hinzu kommen jährliche Daten zur Kaffeeproduktion und zum Verbrauch.

Die Informationen werden nicht ausschließlich in statischen Tabellen dargestellt. Zentrales Element ist eine interaktive dreidimensionale Weltkugel, über die sich geografische Zusammenhänge und länderbezogene Handelsströme erschließen lassen. Dadurch soll der Kaffeemarkt als miteinander verbundenes globales System abgebildet werden.

Gemeinsame Datengrundlage soll Unsicherheit verringern

„Gute Daten können Volatilität nicht eliminieren, aber sie können Unsicherheit reduzieren. Wenn Stakeholder von einer geteilten und glaubwürdigen Evidenzbasis aus arbeiten, können sie bessere Entscheidungen zur Produktion, Investments, Handel, Risikomanagement und Nachhaltigkeit treffen“, sagt Vanúsia Nogueira, Executive Director der ICO.

Die ICO verweist in diesem Zusammenhang auf die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Kaffeesektors. Nach Angaben der Organisation sichert Kaffee den Lebensunterhalt von mindestens 12,5 Millionen Familien und ist Teil einer komplexen globalen Wertschöpfungskette. Ein leichterer Zugang zu Marktinformationen könne auch landwirtschaftliche Betriebe und Kooperativen unterstützen, etwa bei Entscheidungen über Investitionen in Flächen oder Verarbeitungsmaschinen.

Für Akteure entlang der Lieferkette können die gebündelten Daten unterschiedliche Funktionen erfüllen. Produzenten und Kooperativen erhalten Anhaltspunkte zur Markt- und Preisentwicklung. Händler und Verarbeiter können Handelsströme und Bestände beobachten. Für politische Institutionen und Branchenorganisationen bieten die Daten eine Grundlage zur Analyse von Versorgung, Nachfrage und strukturellen Veränderungen.

Exportdaten auf Basis internationaler Meldungen

Die Plattform greift auf den eigenen statistischen Datenbestand der ICO zurück. Die Exportdaten stammen überwiegend von ihren Mitgliedsländern. Grundlage ist das Internationale Kaffee-Übereinkommen: Exportierende Länder stellen für jede Lieferung ein Ursprungszeugnis aus und melden dem ICO-Sekretariat monatlich ihre Exportstatistiken.

Importierende Mitgliedsländer übermitteln ihrerseits Daten zu Einfuhren, Wiederausfuhren und Beständen. Das Sekretariat gleicht diese Meldungen mit den Zollinformationen der jeweiligen Handelspartner ab. Bei Ländern, die nicht Mitglied der ICO sind, werden veröffentlichte nationale Statistiken und internationale Handelsdatenbanken herangezogen.

Durch den Vergleich verschiedener Quellen sollen Abweichungen erkannt und die Konsistenz der Handelsstatistiken verbessert werden. Die Datenbasis umfasst damit sowohl unmittelbar gemeldete Angaben der Mitgliedstaaten als auch ergänzende Informationen aus Zoll- und Handelsstatistiken.

Produktions- und Verbrauchszahlen werden abgeglichen

Bei den Produktions- und Verbrauchsdaten kombiniert die ICO offizielle Schätzungen der einzelnen Länder mit eigenen Berechnungen des Sekretariats. Die Angaben werden über eine Angebots- und Nachfragebilanz miteinander abgeglichen. Auf diese Weise sollen die Zahlen für jedes Land in sich schlüssig sein.

Kann ein Land noch keine vollständige Datenreihe bereitstellen, erstellt die ICO eigene Schätzungen. Dafür nutzt sie unter anderem Ursprungszeugnisse, Daten von Handelspartnern und Informationen aus der Branche. Die Plattform enthält somit nicht ausschließlich amtlich gemeldete Werte, sondern je nach Datenlage auch statistisch abgeleitete Angaben.

Unterschiedlicher Zugang zu aktuellen und historischen Daten

Die Dashboards der Plattform sind grundsätzlich kostenlos zugänglich. Frei verfügbar sind die Preis- und Bestandsdaten des laufenden Jahres. Hinzu kommen aggregierte Handels- und Produktionsstatistiken für das aktuelle sowie das vorherige Jahr.

ICO-Mitglieder erhalten darüber hinaus kostenfreien Zugang zu historischen Datenreihen, die bis 1963 zurückreichen. Zwischenstaatlichen Organisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen können relevante Informationen auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

Für Unternehmen, die detaillierte historische Daten oder größere Datensätze benötigen, bietet die ICO ein kostenpflichtiges Jahresabonnement für statistische Informationen an. Damit unterscheidet die Organisation zwischen einem frei zugänglichen Informationsangebot für die Marktbeobachtung und erweiterten Datenleistungen für professionelle beziehungsweise kommerzielle Nutzer.

ICO als Forum für Erzeuger- und Importländer

Die International Coffee Organization ist eine zwischenstaatliche Organisation, in der sowohl Kaffee exportierende als auch importierende Länder vertreten sind. Ihr Auftrag umfasst die Unterstützung einer nachhaltigeren Entwicklung des Kaffeesektors.

Die ICO dient zugleich als Forum für öffentliche und private Akteure der Branche. Zu ihren Aufgaben zählen die Bereitstellung offizieller Statistiken über Produktion, Handel und Verbrauch sowie die Unterstützung bei der Entwicklung und Finanzierung technischer Kooperationsprojekte und öffentlich-privater Partnerschaften. Mit der neuen Plattform macht sie einen Teil ihres statistischen Bestands in gebündelter und interaktiver Form zugänglich.

Quelle: International Coffee Organization

beenhere

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Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mit seiner langjährigen Erfahrung als Fachjournalist berichtet Lukas Steiglechner aus der Zentralredaktion in München über aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt er Wert auf klare Einordnung, relevante Entwicklungen und praxisnahe Perspektiven für das professionelle Gastgewerbe.

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