Bei den Independent Hotel Show Awards wurde das Berliner Hotel Wilmina als Best Hotel of the Year ausgezeichnet. Wir haben uns dazu mit Direktor Jannick Boehme unterhalten.
Herr Boehme, das Wilmina wurde von der Independent Hotel Show als „Hotel of the Year“ ausgezeichnet. Was bedeutet diese Anerkennung für Sie und Ihr Team?
Die Auszeichnung bedeutet uns sehr viel – vor allem, weil sie die tägliche Arbeit unseres Teams würdigt. Wilmina ist ein besonderer Ort, aber ein Hotel lebt vor allem von den Menschen, die ihn mit Leben füllen, und von dem Erlebnis, das wir unseren Gästen jeden Tag bieten. Dass diese Arbeit von der Independent Hotel Show gesehen und ausgezeichnet wurde, macht uns sehr stolz.
Gleichzeitig ist der Award für uns eine schöne Bestätigung und Motivation, unseren eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Wir wollen unseren Gästen weiterhin eine persönliche und besondere Erfahrung bieten und dabei als Team immer wieder neue Ideen entwickeln.
Welche Aspekte des Wilmina haben aus Ihrer Sicht besonders zum Gewinn des Awards beigetragen?
Ich glaube, es ist die Verbindung verschiedener Dinge, die Wilmina besonders macht. Dazu gehören der individuelle Charakter des Hauses und seine besondere Atmosphäre, aber auch unser eigenständiges Konzept und der Mut, Dinge anders zu denken.
Entscheidend ist für uns aber, dass sich all das im täglichen Gästeerlebnis widerspiegelt. Wir möchten einen Ort schaffen, an den man sich gerne erinnert und an dem Gastfreundschaft persönlich und aufmerksam erlebt wird.
Das Hotel befindet sich in einem ehemaligen Frauengefängnis. Wie gelingt es Ihnen, sensibel mit der Geschichte des Ortes umzugehen und zugleich ein zeitgemäßes Hotelerlebnis zu schaffen?
Wir sind uns der Geschichte dieses Ortes sehr bewusst und wollten sie von Anfang an nicht ausblenden. Deshalb haben wir uns intensiv mit ihr auseinandergesetzt und sie gemeinsam mit Vereinen, Zeitzeugen und dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim aufgearbeitet. Eine ehemalige Zelle ist heute als Museumszelle erhalten und macht die Geschichte des Ortes unmittelbar erlebbar.
Auch die zehnjährige Transformation des ehemaligen Frauengefängnisses haben wir in unserem eigenen Bildband dokumentiert. Dort erzählen viele Fotografien und Hintergrundinformationen, wie aus dem Gefängnis Schritt für Schritt das Wilmina entstanden ist. Der Bildband liegt heute in jedem Zimmer und gibt unseren Gästen die Möglichkeit, sich mit der Geschichte und der Entwicklung des Ortes auseinanderzusetzen.
Bei der Umgestaltung war uns wichtig, über die Anforderungen des Denkmalschutzes hinaus möglichst viel von der ursprünglichen Substanz und dem Charakter der Gebäude zu erhalten. Wir sind sehr sensibel mit der Architektur und den vorhandenen Strukturen umgegangen. Dieser Ansatz wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis für Architektur ausgezeichnet, was uns sehr freut.
Gleichzeitig hat sich die Bedeutung des Ortes verändert. Die ehemaligen Höfe sind heute Gärten, die begrünten Dächer schaffen zusätzliche Rückzugsorte. So ist mitten in Berlin ein Ort der Ruhe und Entspannung entstanden – nur wenige Schritte von der Kantstraße mit ihren Restaurants, Bars und Cafés entfernt. Für uns gehört beides zusammen: die Geschichte des Ortes zu respektieren und ihm gleichzeitig eine neue, zeitgemäße Nutzung zu geben.
Das Wilmina versteht sich als urbaner Rückzugsort mitten in Berlin. Welche Gästegruppen sprechen Sie mit dieser Positionierung besonders an?
Unser Gästeklientel ist sehr bunt gemischt – und genau das macht das Wilmina aus. Wir haben Alleinreisende und Paare, Familien und Freunde, jüngere und ältere Gäste. Sie kommen aus Berlin, aus Deutschland und aus der ganzen Welt.
Auch bei den Zimmern haben wir bewusst unterschiedliche Kategorien geschaffen – von kleineren und preislich zugänglicheren Zimmern bis hin zu unseren großzügigen Penthäusern. So kann jeder seinen passenden Rückzugsort finden. Darüber hinaus gibt es im Haus viele Orte, an denen man sich aufhalten kann: eine Lounge mit kostenfreiem Kaffee, Tee und Obst rund um die Uhr, ein Billardzimmer, eine Bibliothek und eine weitere Lounge mit Kamin.
Was unsere Gäste verbindet, ist weniger das Alter oder der Reisegrund, sondern die Neugier auf einen besonderen Ort. Viele interessieren sich für Kunst, Architektur, Umwelt und Nachhaltigkeit oder schätzen hausgemachte Speisen und eine persönliche Atmosphäre. Sie suchen Individualität und kein Hotel von der Stange.
Besonders freuen wir uns über Gäste aus aller Welt, die sich für besondere, familiengeführte Hotelkonzepte interessieren und den Charakter und die Geschichte eines Hauses schätzen. Dass Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen bei uns zusammenkommen, passt sehr gut zu unserer Idee eines urbanen Rückzugsortes mitten in Berlin.

Welche Rolle spielen die familiäre Führung und die Unabhängigkeit des Hauses für Ihre strategischen und operativen Entscheidungen?
Die familiäre Führung und unsere Unabhängigkeit geben uns vor allem die Freiheit, langfristig zu denken und Entscheidungen aus unserer eigenen Überzeugung heraus zu treffen. Wir müssen nicht jedem kurzfristigen Trend folgen, sondern können uns fragen, was wirklich zum Wilmina und zu unseren Gästen passt.
Das zeigt sich auch im täglichen Betrieb. Wir können schnell und persönlich entscheiden, neue Ideen ausprobieren und Dinge auch wieder verändern, wenn sie sich nicht bewähren. Gleichzeitig kennen wir viele unserer Mitarbeitenden und sind nah am täglichen Geschehen. Das schafft kurze Wege und eine persönliche Atmosphäre, die wir auch unseren Gästen vermitteln möchten.
Für uns bedeutet Unabhängigkeit aber nicht, alles allein zu machen. Wir arbeiten mit Menschen und Partnern zusammen, die unsere Werte teilen, und holen uns bewusst unterschiedliche Perspektiven ins Haus. So können wir unseren eigenen Weg gehen und uns trotzdem immer wieder weiterentwickeln.
Welche Impulse gibt Ihnen die Auszeichnung für die weitere Entwicklung des Wilmina – und welche nächsten Schritte planen Sie?
Die Auszeichnung ist für uns vor allem eine schöne Bestätigung und gleichzeitig ein Ansporn, unseren Weg weiterzugehen. Wir möchten das Wilmina weiterentwickeln, ohne seinen Charakter und seine persönliche Atmosphäre zu verlieren.
Konkret planen wir einen weiteren Dachgarten und wollen unser Spa-Angebot ausbauen. Auch unsere hauseigene Bäckerei möchten wir weiterentwickeln und um weitere Produkte ergänzen. Ein wichtiges Thema bleibt für uns außerdem die Nachhaltigkeit. Hier wollen wir Schritt für Schritt weiter vorankommen und unseren Betrieb noch verantwortungsvoller gestalten.
Dabei geht es uns nicht darum, immer größer oder spektakulärer zu werden. Wir möchten das Wilmina vor allem im Detail weiter verbessern und unseren Gästen immer wieder neue Gründe geben, gerne wiederzukommen. Die Auszeichnung gibt uns dafür Rückenwind und Motivation.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Gewinner der Independent Hotel Show Awards
Wer bei den Independent Hotel Show Awards sonst noch gewonnen hat, lesen Sie in unserem Beitrag Independent Hotel Show Munich Awards küren Sieger 2026.