Am 6. Oktober wurden zum 17. Mal die GV-Manager des Jahres 2026 und zum 7. Mal das GV-Team des Jahres 2026 ausgezeichnet. Im Veranstaltungsforum Fürstenfeld durften sich vier Preisträger über den „Branchenfelix“ freuen.
Anlässlich der Wiesn, die erst kürzlich ihre Tore in der Nähe des Veranstaltungsortes geschlossen hatte, zeigte Claudia Kirchner, Chefredakteurin des GVMANAGER, bei der Preisverleihung bildliche Parallelen mit dem Ort, an dem Gemeinschaft und Gastro im ganz großen Maßstab zusammenkommen.
Zwar werde in Betriebsrestaurants, Mensen, Kliniken und Senioreneinrichtungen eher selten auf den Tischen getanzt oder Bier in Maßkrügen ausgeschenkt. Doch wenn Gästezahlen Achterbahn fahren, Lieferungen ausbleiben oder die Technik streikt, müsse auch in klassischen Betrieben der Gemeinschaftsgastronomie alles ineinandergreifen wie die Zahnräder eines großen Fahrgeschäfts. Während sich auf der Wiesn das Riesenrad weithin sichtbar dreht, laufen die entscheidenden Räder der Gemeinschaftsgastronomie meist unbemerkt im Hintergrund.
GV-Manager als Taktgeber und Mutmacher
„Diese Räder drehen sich vor allem deshalb, weil Menschen sie am Laufen halten. Menschen, die mitdenken und mit anpacken, die improvisieren und füreinander einstehen“, betonte Claudia Kirchner.
Ein starkes Team gleiche einer eingespielten Festzeltmannschaft: Jeder Handgriff müsse sitzen, jeder sich auf den anderen verlassen können.
Es brauche aber auch Führungskräfte, die den Überblick behalten, wenn sich das Gedankenkarussell immer schneller dreht. Herausragende GV-Manager seien deshalb weit mehr als Organisationsprofis. „Sie sind Taktgeber und Wegweiser, Antreiber und Ruhepol, Problemlöser und Mutmacher.“ Sie müssten Zahlen lesen können, aber ebenso die Stimmung im Team. Budgets im Blick behalten, ohne den Menschen aus den Augen zu verlieren.
Vier aus sieben ausgezeichnet
Alle sieben nominierten GV-Manager und GV-Teams hätten längst bewiesen, dass sie zur Spitze der Branche gehören und auch die besonderen Kriterien des „Branchenfelix“ genannten Awards erfüllen. Der fünfköpfigen Jury fiel die Wahl entsprechend schwer. Am Ende ging der sogenannte Branchenfelix, namentlich bewusst abgegrenzt vom Hollywood-Original, an zwei GV-Teams und zwei besondere Führungspersönlichkeiten:
Die Preisträger im Überblick
- Küchenteam des Martineum Essen-Steele
- Projektteam „Rettet die Knolle“, bestehend aus 33 Studierendenwerken
- Kai-Uwe Kayser, Genuss & Harmonie
- Robin Stolz, Lindt & Sprüngli
GV-Team des Jahres 2026 – Martineum
Den Auftakt machte Claudia Kirchner mit der Ehrung eines Teams, das sie bereits vor 18 Jahren kennengelernt hatte. Als damaliger Branchenneuling sei ihr Bild von Gemeinschaftsgastronomie noch stark von einer Universitätsmensa geprägt gewesen, in der das Essen nicht auf Tellern sondern direkt in die Mulden der Tabletts geschöpft wurde.
Umso überraschter sei sie beim Besuch einer Senioreneinrichtung gewesen, deren Küche ihrer Zeit schon damals weit voraus war. Fingerfood für Menschen mit Demenz, „Eat by Walking“, ein Menüplan-Erzählcafé, ein Nachtcafé und gemeinsame Backnachmittage mit Kindern gehörten dort ebenso zum Alltag wie eine Schnibbelgruppe für Senioren mit flinken Fingern und erste Ausflüge in die Molekularküche. Küche, Pflege und weitere Bereiche arbeiteten eng zusammen – immer mit dem Ziel, den Bewohnerinnen und Bewohnern Lebensqualität zu schenken.
„Diesen Spirit hat sich das Team bis heute bewahrt – wie ein gutes Familienrezept“, beschrieb Claudia Kirchner die besondere Haltung. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren spreche für den Zusammenhalt. Zugleich wird der Anspruch gelebt, immer noch einen Schritt weiterzugehen.
Die Küche als Bühne
Besonders sichtbar wird dieser Anspruch bei den Küchenpartys. Gefeiert wird genau dort, wo das neunköpfige Team täglich rund 400 frische Mahlzeiten zubereitet. Die Küche wird zur Bühne, Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Freunde sowie Kooperationspartner werden zu Ehrengästen.
Besonders bemerkenswert: Die Veranstaltungen werden zusätzlich zum anspruchsvollen Küchenalltag organisiert. Trotzdem melden sich regelmäßig mehr freiwillige Helfer, als tatsächlich gebraucht werden. „Das muss man erst einmal schaffen: eine zusätzliche Veranstaltung organisieren – und das Team duckt sich nicht weg, sondern fragt: ,Darf ich mitmachen?‘“, brachte Claudia Kirchner die besondere Motivation auf den Punkt.
„Das Projekt zeigt, dass Innovation nicht zwingend große Investitionen benötigt. Entscheidend sind Leidenschaft, Kreativität und der Mut, neue Wege zu gehen“, betonte die Laudatorin abschließend.
Damit ging der erste Branchenfelix des Abends an das Küchenteam des Martineums in Essen-Steele, vertreten durch Küchenleiter Martin Reinirkens.
GV-Team des Jahres 2026 – Projekt „Rettet die Knolle“
Manche erfolgreichen Projekte beginnen nicht mit einem ausgefeilten Strategiepapier, einem detaillierten Projektplan oder einer langen Reihe von Arbeitsgruppen. Manchmal starten sie mit einem einfachen Gedanken: „Das können wir doch so nicht lassen!“ Mit diesem Bild leitete Professorin Dr. Linda Chalupová, Prodekanin für Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften an der Hochschule Fulda, ihre Laudatio auf den zweiten Team-Preisträger ein.
Auf der einen Seite gab es ein wertvolles Lebensmittel im Überfluss, auf der anderen Seite drohte genau dieses Lebensmittel verloren zu gehen. Statt lange über Zuständigkeiten zu diskutieren, entschied sich das Team, einfach anzufangen.
Eine Knolle verbindet
Ausgehend vom Studierendenwerk Frankfurt am Main beteiligten sich 33 Studierendenwerke aus ganz Deutschland. „Wer schon einmal versucht hat, drei Abteilungen auf einen gemeinsamen Termin zu bekommen, bekommt eine Vorstellung davon, welche Leistung dahintersteckt“, veranschaulichte Linda Chalupová die organisatorische Dimension.
Unterschiedliche Strukturen und Abläufe, verschiedene Regionen und Kommunikationswege mussten zusammengebracht werden. Trotzdem gelang es, aus vielen einzelnen Teams ein gemeinsames Wir zu formen.
Und das ohne lange Vorlaufzeit, zusätzlich zum Tagesgeschäft. Prozesse wurden angepasst, Daten ausgewertet, Lösungen entwickelt und Kommunikationsmaßnahmen vorbereitet. Die beteiligten Häuser teilten Rezepturen, Aktionsideen, Marketingmaterialien und Erfahrungen. Probleme wurden nicht gegeneinander abgegrenzt, sondern gemeinsam gelöst.
Dabei entwickelte die Kampagne eine bemerkenswerte kreative Eigendynamik. Quizze, Videos, Interviews und Social-Media-Formate rückten die Kartoffel humorvoll ins Rampenlicht. Sogar ein Horoskop war dabei.
Projekt mit Wirkung
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Mehrere Hundert Tonnen Kartoffeln wurden nach Angaben des Projektteams vor der Vernichtung bewahrt. „Das ist keine nette Symbolaktion. Das ist Wirkung“, stellte Linda Chalupová heraus.
Für die gelungene Umsetzung wurde das Projektteam „Rettet die Knolle! – Die Studierenden essen die Kartoffeln!“ als GV-Team des Jahres 2026 in der Sonderkategorie Projekt gewürdigt.
Den Preis entgegengenommen haben: stellvertretend für die Initiatoren des Projekts Sylvia Kobus und Thomas Hübner vom Studierendenwerk Frankfurt/M. sowie stellvertretend für die weiteren beteiligten Studierendenwerke Mathias M. Meyer, André Müller und Dominic Mikolajetz vom Studierendenwerk Erlangen-Nürnberg sowie Martin Baumgarten vom Studierendenwerk Marburg.
GV-Manager des Jahres 2026 – Robin Stolz
„Es gibt Menschen, die kochen, weil es ihr Beruf ist. Und es gibt Menschen, die kochen, weil es ihre absolute Berufung ist.“ Mit diesen Worten eröffnete Bianca Blaß, Vize-Präsidentin des VKK – Verbands der Küchenleitung, die dritte Laudatio des Abends.
„Mit seiner Leidenschaft, seinem kompromisslosen Gespür für Qualität und einem großartigen Team an seiner Seite hat er seine Kantine wieder zu dem gemacht, was sie eigentlich sein sollte: zu einem lebendigen Treffpunkt.“
Bianca Blaß, Vize-Präsidentin VKK Verband der Küchenleitung
Kennengelernt hatten sich Laudatorin und Preisträger während ihrer Weiterbildung zum Verpflegungsbetriebswirt. Schon damals sei deutlich geworden, dass es ihm nicht allein um theoretisches Wissen ging. „Er wollte immer wissen, wie es in der Praxis schmeckt“, erinnerte sich Bianca Blaß. Und schon damals war er überzeugt, dass auch Gemeinschaftsgastronomie besondere Emotionen vermitteln könne – und weit mehr sein müsse als reine Nahrungsaufnahme.
„Daher hat er sich in seiner Rolle als Head of Food and Beverage nicht damit abgefunden, einfach nur Essen auszugeben und Budgets zu verwalten“, betonte Bianca Blaß. „Mit seiner Leidenschaft, seinem kompromisslosen Gespür für Qualität und einem großartigen Team an seiner Seite hat er seine Kantine wieder zu dem gemacht, was sie eigentlich sein sollte: zu einem lebendigen Treffpunkt.“ Das Fundament dafür legte er mit gezielter Teamentwicklung.
„Er hat bewiesen, dass exzellentes GV-Management bedeutet, harte Wirtschaftlichkeit mit Menschlichkeit und kulinarischem Anspruch zu verbinden. Er hat den Begriff Gemeinschaft in der Gemeinschaftsverpflegung wieder mit echtem Leben gefüllt“, resümierte Bianca Blaß und bat Preisträger Robin Stolz, Head of Food & Beverage bei den Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli auf die Bühne.
GV-Manager des Jahres 2026 – Kai-Uwe Kayser
Dass analytische Stärke, strategischer Weitblick und echte Menschlichkeit keine Gegensätze sind, zeigte die Laudatio auf den zweiten ausgezeichneten GV-Manager.
„Er ist ehrgeizig und gleichzeitig demütig, durchsetzungsstark und gleichzeitig respektvoll. Für seine Mitarbeitenden ist er nicht nur Vorgesetzter, sondern jemand, auf den sie sich verlassen können – notfalls auch bei einer nächtlichen Autopanne.“
Klaus Schinko
Laudator Klaus Schinko, Trainer und Experte für Emotionalen Verkauf, lernte ihn bei einem Workshop zum Personalmanagement kennen. „Dieser junge Mann kann das Thema Führung eines Tages noch besser und authentischer rüberbringen als ich“, so das Fazit von Klaus Schinko nach dem ersten Tag der Begegnung. Nach einem hervorragenden Abschluss wurde er später tatsächlich selbst als Dozent tätig.
Heute trage er große Verantwortung für ein rund 300-köpfiges Team. Dabei begann er nicht bei den Kennzahlen, sondern bei den Menschen. Er entwickelte Führungskräfte, stärkte die Eigenverantwortung und etablierte eine Kultur der Wertschätzung.
Was ihn besonders auszeichne, sei die Verbindung von strategischem Denken, Selbstreflexion und Nähe zur Praxis. „Er ist ehrgeizig und gleichzeitig demütig, durchsetzungsstark und gleichzeitig respektvoll“, charakterisierte der Laudator seinen Weggefährten. Er könne über Transformation und Digitalisierung sprechen – und am nächsten Tag selbst in der Küche einspringen. Die Kochjacke liege deshalb stets im Auto.
Für seine Mitarbeitenden ist er nicht nur Vorgesetzter, sondern jemand, auf den sie sich verlassen können – notfalls auch bei einer nächtlichen Autopanne.
„Du hast diese Auszeichnung nicht nur durch erfolgreiche Projekte und Umsätze verdient, sondern vor allem durch die Art, wie du Menschen abholst“, resümierte Klaus Schinko. Damit bat er den GV-Manager des Jahres 2026, Kai-Uwe Kayser, Geschäftsbereichsleiter Care & Education bei Genuss & Harmonie, auf die Bühne.
Feierlicher Ausklang
Im Anschluss an die Preisverleihung wurden die Nominierten und Preisträger in der gemütlichen Tenne des Veranstaltungsforum Fürstenfeld gefeiert. Damit klinkte sich die Preisverleihung erneut ein in das 21. S&F-Symposium der S&F-Gruppe und dessen Abendevent – eine langjährige Kooperation für die Claudia Kirchner der S&F-Gruppe abschließend herzlich dankte.
Auf einen Blick
Die Nominierten
GV-Team des Jahres 2026
- Team HUGO BOSS, Transformation der Betriebsgastronomie am Campus Metzingen
- Küchenteam Martineum Essen-Steele, Motto „Esskultur im Alter – Aus Versorgung wird Lebensqualität“
- Projektteam „Rettet die Knolle! – Die Studierenden essen die Kartoffeln!“, 33 beteiligte Studierendenwerke
GV-Manager des Jahres 2026
- Christoph Buntzel, Geschäftsführer Care Catering, Wisag
- Kai-Uwe Kayser, Geschäftsbereichsleiter Care & Education, Genuss & Harmonie
- Okan Saiti, Geschäftsführer, mammas canteen
- Robin Stolz, Head of Food & Beverage, Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli
Quelle: B&L MedienGesellschaft