Zukunft der Gastwelt
Quelle: Denkfabrik Zukunft der Gastwelt

Zukunft der Gastwelt legt Elf-Punkte-Programm für mehr Wachstum vor

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat ein Elf-Punkte-Programm für mehr Wachstum in der Gastwelt vorgelegt. Ziel ist es, Investitionen, Beschäftigung und Steuerfairness in Hotellerie, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zu stärken und die Binnennachfrage als Wachstumstreiber zu nutzen.

Dauerstagnation und Rolle der Gastwelt

Deutschland befindet sich nach Angaben der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt in der längsten Stagnationsphase seiner Geschichte. Klassische Wachstumsindustrien wie die Automobilbranche gerieten durch Zölle, aggressive Wettbewerber und geopolitische Konflikte massiv unter Druck. Die Denkfabrik sieht darin eine Chance für die stärker binnenorientierte Gastwelt, die resilienter gegenüber externen Schocks sei.

„Unter den richtigen politischen Rahmenbedingungen kann die Gastwelt zu einem noch stärkeren Wachstumstreiber werden. Dieses Chance sollte die Bundespolitik jetzt unbedingt nutzen und unseren Dienstleistungssektor mit seinen 6,1 Millionen Beschäftigen gezielt unterstützen“, erklärt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.

Vor diesem Hintergrund setzt das Elf-Punkte-Programm bei den Themen Arbeit, Steuern, Investitionen und Bürokratie an. Klinge verweist auf die Bedeutung einer Stärkung des Binnenkonsums und kritisiert, dass die angekündigte Renten- und Steuerreform der Bundesregierung die Arbeitskosten erhöhe und Konsumenten nur geringfügig entlaste.

„13 bis 20 Euro im Monat soll ein alleinstehender Durchschnittsverdiener durch die geplante Steuerreform ab 2027 durchschnittlich mehr zur Verfügung haben. Das reicht nicht, um Kaufkraft und Konsumlaune in größerem Maße zurückzubringen. Hier muss mehr passieren und dazu haben wir unserem Elf-Punkte-Programm eine Reihe von Vorschlägen und Maßnahmen formuliert“, betont Klinge.

Maßnahmen zur Stabilisierung von Konsumstimmung und Nachfrage

Die DZG fordert, den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf Speisen und Beherbergung dauerhaft und ohne ständige Infragestellung zu sichern und ihn aus Gleichbehandlungsgründen auf alkoholfreie Getränke auszuweiten. Zudem spricht sich die Organisation für einen bundesweiten Verzicht auf neue konsumdämpfende Sonderabgaben wie City-Tax-Ausweitungen oder Verpackungssteuern aus. Eine gezielte steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen soll die Inlandsnachfrage wieder spürbar ankurbeln. Hierzu könnte nach den Vorstellungen der Denkfabrik diesen Herbst eine staatliche Lebensmittel-Entlastungspauschale in Höhe von 300 Euro an alle einkommensteuerpflichtigen Erwerbstätigen ausbezahlt werden, analog zur Energie-Entlastungspauschale aus dem Jahr 2022.

Arbeitsmarkt, Minijobs und Qualifizierung

Zur Entlastung des Arbeitsmarktes schlägt die DZG die beschleunigte Einführung einer flexiblen Wochenarbeitszeit sowie praxistaugliche Ruhezeit- und Schichtmodelle für Saison-, Messe-, Event- und Gemeinschaftsverpflegungsbetriebe vor. Besonders wichtig ist der Denkfabrik der Erhalt der bisherigen Minijob-Regelung. Derzeit seien bundesweit rund sieben Millionen Menschen als Minijobber beschäftigt, 3,5 Millionen davon nutzten den Minijob als Zweitverdienst. In der Gastwelt wären nach Angaben der Denkfabrik 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen direkt betroffen.

„Kommt die neue Regelung wie geplant, wird der Minijob-Markt in großen Teilen kolabieren“, prognostiziert der ehemaliger Bundestagsabgeordnete. Für das Wirtschaftswachstum in Deutschland hält die Organisation zusätzliche qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland für unverzichtbar. Vorgeschlagen werden die Einführung eines „Fast-Track-Visums“ mit verbindlichen staatlichen Bearbeitungsfristen, die vollständige Digitalisierung von Visa-, Anerkennungs- und Arbeitsaufnahmeverfahren bis Ende 2027 und mehr Kapazitäten in den deutschen Auslandsvertretungen. Ergänzend soll die duale Ausbildung modernisiert und eine Arbeitgeberzertifizierung für tarifgebundene, ausbildende und integrationsstarke Betriebe eingeführt werden. Eine steuerliche Sonderabschreibung von 50 Prozent soll zudem den Bau von dringend benötigtem Mitarbeiterwohnraum erleichtern.

Investitionsanreize, Energiekosten und Finanzierung

Nach Angaben der DZG verschieben viele der rund 250.000 Gastwelt-Betriebe derzeit überfällige Investitionen in Digitalisierung, Robotik und Klimatechnik, weil Eigenkapital fehle oder Finanzierungen schwierig seien. Die Organisation plädiert deshalb für eine staatliche Investitionsprämie von mindestens 25 Prozent, beschleunigte steuerliche Abschreibungen sowie niedrigere Energie- und CO2-Kosten, etwa durch eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Mittelständische Betriebe litten zunehmend unter restriktiven Kreditvergaben. Die Denkfabrik setzt sich für die Gründung einer eigenen Gastwelt- und Tourismus-Bank nach internationalem Vorbild ein, bei der Fördermittel von Bund und Ländern nach dem „One-Stop-Shop“-Prinzip zentral und digital abgerufen werden können. Förderfokus dieser Bank könnten Digitalisierung, KI und Robotik sein. Erweiterte Bürgschaftsprogramme und Haftungsfreistellungen sind weitere Elemente des Elf-Punkte-Programms.

Bürokratieabbau, Steuermoratorium und Steuerfairness

Als kurzfristig wirksamste Maßnahme fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt ein dreijähriges Moratorium für neue Steuern, Abgaben und Berichtspflichten sowie bundesweit einheitliche digitale Verfahren. Für die Logistikkette schlägt die Denkfabrik eine Entlastung nach dem Vorbild des Agrardiesels sowie ein Maut-Moratorium vor. Beim Pauschalreiserecht werden praxistaugliche Regeln für klassische Hotelarrangements gefordert. Zudem wirbt die Organisation für eine steuerliche Korrektur bei Hotel-Pachtbetrieben. Anders als Management- oder Franchisebetreiber würden sie durch die gewerbesteuerliche Hinzurechnung von Pachtzinsen zusätzlich belastet, obwohl sie das größere unternehmerische Risiko trügen. Diese steuerliche Ungleichbehandlung müsse nach Auffassung der Denkfabrik beendet werden.

Vorschläge zur Gegenfinanzierung

Zur Gegenfinanzierung der vorgeschlagenen Entlastungen legt die DZG ebenfalls Ideen vor. „Für echte Entlastungen fehle das Geld, das ist oft zu hören. Das stimmt aber nur bedingt: Ein Großteil unserer Ideen trägt sich von selbst – über zusätzliches Wachstum und damit verbundene höhere Steuereinnahmen. Der Rest ließe sich ohne zusätzliche Schulden zum Beispiel auch über den Verkauf von Bundesbeteiligungen decken – etwa die der Deutschen Telekom und Deutschen Post“, sagt Klinge.

Quelle: Denkfabrik Zukunft der Gastwelt

beenhere

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Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mit seiner langjährigen Erfahrung als Fachjournalist berichtet Lukas Steiglechner aus der Zentralredaktion in München über aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt er Wert auf klare Einordnung, relevante Entwicklungen und praxisnahe Perspektiven für das professionelle Gastgewerbe.

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