Plant Potential Catering Report 2026
Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Umwelt

Welcher Caterer ist Vorreiter bei der Proteinwende? Ergebnisse des Plant Potential Catering Report 2026

Erstmals hat die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt den sogenannten Plant Potential Catering Report 2026 veröffentlicht. Er analysiert, ob und wie konsequent die 15 umsatzstärksten Contract Caterer in Deutschland
die Proteinwende vorantreiben. Gemeint ist damit die Transformation des Ernährungssystems hin zu größtenteils pflanzlichen Lebensmitteln und damit die Reduktion tierischen Proteins.

Jährliche Rankings sollen ab sofort den Fortschritt der Contract Caterer transparent und vergleichbar machen.

„Die Proteinwende wird in der Branche noch nicht mitgedacht. Der Wille zur Veränderung ist zwar da, und wir haben gute Einzelmaßnahmen vorgefunden. Es fehlen aber fast durchweg messbare Ziele und belastbare Protein-Split-Berichte.“

Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Was wurde im Plant Potential Catering Report untersucht?

Für das Ranking wurden die 15 umsatzstärksten Contract Caterer anhand öffentlich zugänglicher Informationen, wie Websites und Geschäftsberichte, analysiert. Die untersuchten Unternehmen wurden vorab informiert und hatten zwei Monate Zeit, ihre Kommunikation zu aktualisieren.

Der Report beleuchtet, ob die Proteinwende langfristig verankert und messbar ist und ob sie über Instrumente wie Menüplanung, Preisgestaltung und Gästesteuerung systematisch vorangetrieben wird.

Zur Analyse zählten folgende Fragestellungen:

  • Inwiefern orientieren sich die Contract Caterer an wissenschaftlichen Ernährungsleitlinien, z. B. der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Planetary Health Diet?
  • Gibt es konkrete Ziele zur Reduktion tierischer Produkte?
  • Gibt es konkrete Ziele zum Ausbau pflanzlicher Angebote?
  • Wird der White-Meat-Shift ausgeschlossen?
  • Wie transparent wird das Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Proteinen kommuniziert (Protein-Split-Bericht)?

Wie weit ist die Branche?

Eine pflanzliche Ernährungstransformation wird von den Contract Caterern klar anvisiert, wie der Report belegt. Konkrete, messbare Ziele sind jedoch die Ausnahme.
Manche Unternehmen verfolgen zudem gute Ansätze wie Nudging oder beteiligen sich an Aktionen wie dem Veganuary. Doch oft bleiben diese Maßnahmen punktuell.

„Die Proteinwende wird in der Branche noch nicht mitgedacht. Der Wille zur Veränderung ist zwar da, und wir haben gute Einzelmaßnahmen vorgefunden. Es fehlen aber fast durchweg messbare Ziele und belastbare Protein-Split-Berichte“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Welcher Caterer forciert die Proteinwende am besten?

Meist werden die analysierten Kriterien nur teilweise (halber Kreis), ansatzweise (viertel Kreis) oder gar nicht erfüllt (ungefüllter Kreis).’
Voll erfüllt (vollfarbiger Kreis) werden je zwei Unterpunkte von je zwei Caterern.

So benennen nur Klüh und Menü 2000 konkrete Prozent- und Jahreszahlen zum Ausbau ihres pflanzlichen Angebots. Bei Klüh geht das Engagement u. a. auf die Mitgliedschaft in der „Allianz für Verantwortungsvolle Esskultur” (AVE) zurück. Alle Mitglieder haben sich dem messbaren Ziel verpflichtet, dass der Anteil pflanzlicher Produkte am Gesamteinkauf (in Euro) bis 2030 75 % beträgt.

Zum Reduktionsziel Fleisch werden nur Aramark und Menü 2000 derart konkret.

Ranking der 15 großen Contract Caterer zu erfüllten Einzelmaßnahmen für die pflanzliche Ernährungstransformation
Nur vom Caterer Menü 2000 werden zwei der fünf analysierten Punkte voll erfüllt. Konkrete Ziele zur Reduktion von Fleisch (25 % weniger) wurden ebenso festgehalten wie konkrete Ziele zum Ausbau des pflanzlichen Angebots (60%iger Anteil bis 2035). Wie ambitioniert diese Ziele im Branchenvergleich einzuordnen sind, wird jedoch nicht bewertet. (Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt)

Ausbau pflanzlicher Angebote und Reduktion von Fleisch

Wie kommunizieren die 15 großen Contract Caterer zum Thema Proteinwende?
Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
  • Der Plant Potential Catering Report 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass 13 der 15 betrachteten Contract Caterer ihr pflanzliches Angebot ausbauen wollen.
  • Elf Unternehmen signalisieren eine Bereitschaft zur Reduktion tierischer Produkte.
  • Konkrete, messbare Zielmarken fehlen jedoch meist.
  • Häufig bleibt der Fokus auf Fleisch beschränkt, während Molkereiprodukte und Eier nur bei sechs Caterern strategisch einbezogen werden.
  • Acht Unternehmen veröffentlichen Angaben zu vegetarischen oder veganen Angeboten. Aussagekräftige Protein-Split-Berichte auf Basis der tatsächlich eingekauften oder verarbeiteten Warenmengen liegen jedoch bei keinem der untersuchten Caterer vor.
  • Auch dort, wo eine Orientierung an Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Planetary Health Diet kommuniziert wird, bleibt vielfach unklar, welche Vorgaben konkret umgesetzt werden.

White-Meat-Shift als unterschätzter Faktor

Ein weiterer Aspekt des Reports ist der sogenannte White-Meat-Shift, also die Verlagerung vom Konsum roten Fleisches wie Rind oder Schwein hin zu Geflügel oder Fisch. Bei den meisten untersuchten Caterern bleibt laut Report offen, ob die eigenen Klimaziele eine Reduktion der Gesamtmenge an Fleisch oder lediglich eine Verschiebung innerhalb der Fleischkategorien vorsehen.Durch einen White-Meat-Shift lässt sich zwar die Klimabilanz verbessern, gleichzeitig steigt damit die Zahl der Tiere, die für dieselbe Fleischmenge gehalten und getötet werden müssen. Wer Fleisch reduzieren will, ohne mehr Tierleid in Kauf zu nehmen, muss diesen Effekt mitdenken. Bislang haben dies nach Angaben des Reports nur Apetito und Sodexo erkennbar berücksichtigt.

Weitere Ergebnisse lesen Sie im frei zugänglichen, 13-seitigen Report.

Top 3 Maßnahmen der Caterer

Der Plant Potential Catering Report 2026 zeigt auch konkrete Ansätze und Strategien der einzelnen Unternehmen auf, von denen die Albert Schweitzer Stiftung drei als besonders gut heraushebt:

  • Sodexo arbeitet mit einem Baukastenprinzip, bei dem Gerichte grundsätzlich pflanzlich gedacht und tierische Komponenten optional ergänzt werden.
  • Klüh hat eine vegetarische Menülinie verpflichtend in allen Betriebsrestaurants eingeführt.
  • Primus nutzt den Preis gezielt als Steuerungsinstrument und bietet pflanzenbasierte Gerichte günstiger an als Fleischoptionen.

Albert Schweitzer Stiftung plant jährliches Ranking

„Wer jetzt klare Vorgaben formuliert und die eigene Weiterentwicklung offen dokumentiert, stärkt seine Ausgangsposition und schafft Vertrauen bei Gästen, Auftraggebern und Öffentlichkeit. Die Albert Schweitzer Stiftung begleitet die Unternehmen im Rahmen von Plant Potential kostenfrei.“

Esther Erhorn

Ab 2027 will die Albert Schweitzer Stiftung jährlich das Plant Potential Catering Ranking veröffentlichen.

„Das Plant Potential Catering Ranking 2027 wird Zielsetzungen, Transparenz und Maßnahmen der Unternehmen unmittelbar vergleichbar machen“, kündigt Esther Erhorn an. „Wer jetzt klare Vorgaben formuliert und die eigene Weiterentwicklung offen dokumentiert, stärkt seine Ausgangsposition und schafft Vertrauen bei Gästen, Auftraggebern und Öffentlichkeit. Die Albert Schweitzer Stiftung begleitet die Unternehmen im Rahmen von Plant Potential kostenfrei bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Strategien. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einer Branche, die für die Zukunft der Ernährung in Deutschland eine Schlüsselrolle spielt.“

Plant Potential als Beratungsprogramm

Plant Potential ist das Beratungsprogramm der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Es unterstützt Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft dabei, den Anteil tierischer Produkte zu reduzieren, pflanzliche Angebote strategisch auszubauen und Fortschritte messbar zu machen. Zum Leistungsumfang gehören Analysen von Menüs und Rezepturen, konkrete Maßnahmenempfehlungen, Unterstützung bei der Gästekommunikation sowie Kennzahlen zur Wirkungsmessung. Informationen zum Programm und zur Anmeldung sind online verfügbar.

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung

info

Wer und was steckt hinter der Allianz für verantwortungsvolle Esskultur?

Die AVE Allianz für Verantwortungsvolle Esskultur widmet sich der nachhaltigen Ernährungstransformation in der Gemeinschaftsgastronomie: durch konkrete Ziele und praktische Kollaboration. Wer macht schon mit? Was sind die Ziele? Mehr dazu.

Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mit seiner langjährigen Erfahrung als Fachjournalist berichtet Lukas Steiglechner aus der Zentralredaktion in München über aktuelle Entwicklungen in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt er Wert auf klare Einordnung, relevante Entwicklungen und praxisnahe Perspektiven für das professionelle Gastgewerbe.

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