Seit Anfang des Jahres läuft der Veganuary – und wird auch in der Gemeinschaftsgastronomie vielfältig bespielt – mit veganen Neukreationen, rein pflanzlichen Menülinien, erhöhter Sichtbarkeit pflanzlicher Optionen und begleitenden Promotions wie Gewinnspielen. Die Redaktion GVMANAGER hat sich umgehört, wer was geplant hat und welche Erfolge bereits erzielt wurden.
Aramark mit 500 Restaurants dabei
Allein ein Cateringunternehmen wie Aramark bringt den Veganuary in rund 500 Restaurants in Deutschland. „Die Gemeinschaftsverpflegung erreicht täglich hunderttausende Menschen unabhängig von Alter, Einkommen oder Ernährungsstil. Wenn pflanzliche Gerichte dort selbstverständlich angeboten werden, hat das eine enorme Hebelwirkung. Was auf dem Speiseplan günstig und regelmäßig verfügbar ist, wird ausprobiert – und was schmeckt, wird zur Gewohnheit“, betont Christopher Hollmann.
Dussmann weitet den Veganuary in diesem Jahr erstmals international aus: 2026 beteiligen sich neben Betriebsrestaurants in Deutschland auch Standorte in Österreich, Ungarn, Italien, Polen und Luxemburg.
Veganuary als Impulsgeber
Wie wichtig der Veganuary für die Branche ist, erklärt Barbara Schütgens, Leiterin Personal & Qualitätsmanagement der L&D GmbH: „Vegane Ernährung ist für uns weit mehr als eine kurzfristige Aktion. Sie ist ein wichtiger Impulsgeber für eine zukunftsorientierte Betriebsgastronomie, die Genuss, Verantwortung und Vielfalt miteinander verbindet. Der Veganuary hilft uns dabei, neue Wege sichtbar zu machen und unseren Gästen mit Leichtigkeit Zugang zu einer pflanzlichen Küche zu ermöglichen und so Neugier, Geschmack und Freude am Entdecken zu wecken.“
Studierendenwerke als Leuchttürme
Auch Studierendenwerke in ganz Deutschland beteiligen sich am veganen Januar, wenngleich vegane Speisen hier längst Standard sind und teils täglich im Angebot. Angebot und Nachfrage wachsen über den Veganuary hinaus. Ulrich Niggemeyer, der seit 30 Jahren in Paderborn für Studierende kocht, beobachtet eine langfristige Entwicklung in den Mensen: „Es hat sich viel geändert. Fleischgerichte werden immer weniger. Und das Vegane setzt sich immer mehr durch.“
Nichtsdestotrotz nutzen einige Studierendenwerke den Veganuary, um nochmal nachzulegen.
In Halle beispielsweise ist der Speiseplan der Mensa Neuwerk im Januar komplett vegan.
Gießen setzt unter anderem auf Verkostungsaktionen.
Und Hannover lässt zum dritten Mal in Folge alle zehn Mensen über vier Wochen in einem Wettbewerb antreten: Die Mensa mit dem höchsten Verkaufsanstieg von veganen Gerichten gewinnt. Bereits im Veganuary 2025 erhöhte sich durch die Aktion der Anteil der verkauften pflanzlichen Gerichte um rund 10 bis 30 Prozent – in der Mensa, die schließlich gewann, erhöhte sich der Anteil um 31 Prozent auf 62 Prozent.
Mit neuen Gerichten und Aktionen ebenfalls Teil des Veganuary sind unter anderem die Studierendenwerke Aachen, Bochum, Bodensee, Dortmund, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Köln, Leipzig, Magdeburg, München Oberbayern, Niederbayern/Oberpfalz, Rostock-Wismar und West-Brandenburg.
Was die Nachfrage – gerade unter kostensensiblen Studierenden – steigern kann, ist der Preis. In Dresden wurde dieser Ansatz direkt in eine Veganuary-Aktion übersetzt: Dort ist das günstigste Gericht im Januar immer vegan.
Kulinarischer Entwicklungsbooster
Der vegane Aktionsmonat dient inzwischen zudem als kulinarischer Entwicklungstreiber.
Die Zeiten, als trockene Nudeln und Salatbuffet als veganes Mittagessen herhalten mussten, sind längst Geschichte, das Küchenpersonal entsprechend geschult: Heute serviert beispielsweise Klüh Catering Szegediner Rüben und Sauerkrautragout mit Esskastanien und gebratenen Schupfnudeln.
Bei Kruschina steht Rote Bete Puffer in Maispanade mit gebackenen Süßkartoffeln und Kidneybohnen in Sauce Arrabiata auf der Speisekarte.
Transgourmet setzt mit veganem Caesar-Salad mit pflanzlichen Garnelen auf Seafood-Aromen und die SV Group kreierte mit Rezeptentwickler Pascal Haag eigens zum Veganuary Gerichte wie Pastinaken-Risotto mit Pulled Mushrooms und Thymianbröseln.
Nachgefragt bei…
Lukas Lechner, Tobias Konrad und Andreas Mausolf (v.l.)
Warum haben sich Betriebe der Gemeinschaftsgastronomie entschieden, am Veganuary teilzunehmen? Wie promoten sie die Teilnahme? Wie ist generell der Stellenwert veganer Speisen? Wir haben bei drei ausgewählten Verantwortlichen nachgefragt:
- Lukas Lechner (F.l .), Culinary Concept & Development Chef, Compass Group
- Tobias Konrad (F. m.), Leiter Organisationsentwicklung & Zentrale Services, Mediengruppe Oberfranken GmbH & Co. KG
- Andreas Mausolf (F. r.), Küchenleiter, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein UKSH
Warum haben Sie sich entschieden, 2026 am Veganuary teilzunehmen?
Wir werden auch dieses Jahr mit einem pflanzlichen Fokus ins neue Jahr starten, weil pflanzenbasierte Ernährung für uns ein zentraler Baustein moderner Betriebsgastronomie ist. Mit „Leaf over Beef“ haben wir bereits im vergangenen Jahr gezeigt, wie stark dieses Thema bei unseren Gästen ankommt. Wir reagieren damit auf die konstante Nachfrage unserer Kunden und Gäste, vielfältige, gesunde und vor allem klimafreundliche Gerichte auf die Teller zu bringen.
Wie werden Sie das begleitend promoten?
Wir begleiten den Monat mit sichtbarer Kommunikation extern und in den Betrieben sowie mit digitalen Inhalten. Wir wollen Lust auf pflanzenbasierte Ernährung machen, ohne zu belehren. Unterstützt werden wir hierbei von unserem langjährigen Partner ProVeg.
Inwieweit spielt das Thema “vegan” auch über den Veganuary hinaus eine Rolle in der Speiseplanung? Wie hoch ist der Anteil veganer Gerichte?
Vegan ist längst Standard bei uns. Der Anteil veganer Gerichte liegt heute bei rund elf Prozent – aktuell arbeiten wir an einem Refresh des Menüplans, mit welchem auch der Anteil veganer Gerichte steigen wird. Der Trend setzt sich auch fort beim Snacking und in der Zwischenverpflegung, wo wir ebenfalls ein vielfältiges Angebot für unsere Gäste anbieten, auch über den Veganuary hinaus.
Was sind die beliebtesten veganen Gerichte?
- Gemüsefrikadelle: mit Tomatensauce und Langkornreis
- Agadir: Marokkanischer Bratreis mit Linsen, Mandelblättchen & Sesamdip
- Caponate: Sizilianisches Schmorgemüse mit Aubergine, Tomaten, Staudensellerie und Baguette
Welche Rolle spielen plant-based Fleisch- und Fischalternativen?
Wir schätzen vegane Alternativen, um vertrauten Genuss klimafreundlicher zu gestalten. Durch starke Partner bieten wir hochwertige Alternativen, die unseren Gästen den Umstieg erleichtern.
Warum haben Sie sich entschieden, 2026 am Veganuary teilzunehmen?
Wir haben uns bewusst entschieden, am Veganuary teilzunehmen, weil wir unseren Mitarbeitern die Vielfalt und den Genuss der pflanzenbasierten Küche näherbringen möchten, aber auch um nach den genussreichen Weihnachtsfeiertagen und Jahreswechsel zumindest bewusst mal einen Tag auf Fleisch, Fisch oder tierische Produkte zu verzichten. Gerade als Betriebskantine eines Medienunternehmens möchten wir zeigen, dass verantwortungsvolles und innovatives Handeln auch auf dem Teller beginnt. Außerdem beobachten wir ein wachsendes Interesse unserer Mitarbeiter an mehr veganen Optionen – dem möchten wir nun mit einem besonderen Aktionstag Rechnung tragen.
Wie werden Sie das begleitend promoten?
Wir werden den Veganuary Day sowohl digital über unser Intranet und Teams als auch direkt über einen Aushang in der Kantine bewerben. Zusätzlich planen wir eine kleine Info-Ecke mit Flyern und Rezeptideen von unserem Partner Endori, um die Neugier zu wecken und Fragen rund um vegane Ernährung zu beantworten.
Wir werden vielleicht sogar mit einer kleinen veganen Gewinnspiel- bzw. Punktekarte bisher nicht vegane Mitarbeiter zur Verkostung von veganen Gerichten locken. Und natürlich werden wir die Aktion auch auf unseren Social-Media-Kanälen wie LinkedIn und Instagram teilen.
Inwieweit spielt das Thema „vegan“ auch über den Veganuary hinaus eine Rolle in der Speiseplanung? Wie hoch ist der Anteil veganer Gerichte?
Vegan ist bei uns kein einmaliges Event, sondern ein fester Bestandteil der Speiseplanung. Wir bieten täglich mindestens ein veganes oder vegetarisches Gericht an und achten darauf, dass die Auswahl abwechslungsreich und saisonal gestaltet ist. Auch im Snackautomaten gibt es vegan belegte Brötchen oder Wraps. Der Anteil veganer Gerichte liegt aktuell bei etwa 15 Prozent unseres Angebots – Tendenz steigend, da die Nachfrage kontinuierlich wächst. Auch bei der Entwicklung neuer Rezepte und bei der Auswahl der Zutaten spielt die vegane Küche eine wichtige Rolle, um allen Gästen – egal ob Flexitarier, Vegetarier oder Veganer – attraktive Optionen zu bieten.
Was sind die beliebtesten veganen Gerichte?
Zu den Favoriten zählen bei uns vegane Spaghetti Bolognese, Chili sin Carne, Hamburger und während der Sommerzeit in unserer Außenkantine die vegane Bratwurst.
Besonders beliebt sind auch Gerichte, die mit regionalen Zutaten und raffinierten Gewürzen überzeugen.
Wir beobachten, dass jüngere Mitarbeitende, die sich bereits vegetarisch oder vegan ernähren, experimentierfreudiger sind, während andere gerne zu bekannten Klassikern greifen.
Welche Rolle spielen Plant-based Fleisch- und Fischalternativen?
Plant-based Alternativen spielen bei uns eine ergänzende Rolle. Sie sind vor allem dann gefragt, wenn wir klassische Gerichte in veganer Variante anbieten möchten – zum Beispiel vegane Schnitzel, Currywurst oder Linsencurry.
Wir achten darauf, dass diese Produkte qualitativ hochwertig und möglichst wenig verarbeitet sind. Dennoch setzen wir in der Speiseplanung vor allem auch auf „echte“ pflanzliche Zutaten wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide, da diese geschmacklich und ernährungsphysiologisch überzeugen.
Warum haben Sie sich entschieden, mit Ihrer Mitarbeitergastronomie der Klinik in Kiel 2026 am Veganuary teilzunehmen?
Für eine gemeinnützige Organisation wie Veganuary ist es enorm, was diese bis jetzt erreicht hat. 2025 probierten 25,8 Mio. Menschen weltweit, sich im Januar vegan zu ernähren.
Auch wir wollen sehr gerne einen Teil dazu beitragen. 2026 sind wir bereits zum dritten Mal dabei. Dieses Mal mit sehr großer Unterstützung durch Veganuary.
Wir versuchen schon länger, unser Speisenangebot sehr ausgewogen und mit vielen pflanzlichen Komponenten auszustatten. Auch Nachhaltigkeit ist bei uns ein sehr großes Thema.
Wie werden Sie das begleitend promoten?
Wir werden im Januar unsere Speisepläne mit mindestens einem veganen Gericht am Tag belegen. Die Aktionen werden im Intranet veröffentlicht und begleitet.
Inwieweit spielt das Thema „vegan“ auch über den Veganuary hinaus eine Rolle?
Wir haben täglich ein bis zwei vegetarische und/oder vegane Gerichte im Angebot – und das schon seit Jahren. Durch den Veganuary ist der Anteil merklich erhöht, zurzeit liegen wir schon bei 40 bis 50 Prozent vom täglichen Speisenangebot.
Hinzu kommt, dass die Ideen für neue vegetarische oder vegane Gerichte von den Mitarbeitern aus der Küche sehr gerne umgesetzt werden. Dies macht die „Umsetzung“ sehr einfach.
Was sind die beliebtesten veganen Gerichte? Unterscheidet sich dies je nach Zielgruppe?
Eines der beliebtesten Gerichte ist indisches Dal aus roten Linsen. Wir haben vor Jahren mit ca. 50 Portionen angefangen und mittlerweile liegen wir bei diesem Gericht bei 300-350 Portionen.
Auch unsere marokkanische Reispfanne, die Kichererbsen-Gemüsepfanne, Gemüse-Currys, und nicht zuletzt unsere Live-Cooking-Wok-Station sind Renner.
Welche Rolle spielen Plant-based Fleisch- und Fischalternativen?
Fleisch- und Fischalternativen spielten bis vor Kurzem keine Rolle. Da die Herstellung solcher Produkte mittlerweile jedoch sehr fortgeschritten ist, in puncto Geschmack, Aussehen, Weiterverarbeitung etc., sind wir durchaus bereit, auch diese Speisekomponenten mit in unseren Speiseplan zu integrieren.
Workplace Challenge über die Kantine hinaus
Die pflanzliche Ernährung ist auch über das Mittagessen hinaus ein Aktionsthema, das in Unternehmen, Sportvereinen, Kliniken und Stadtverwaltungen Anklang findet: Mit der Veganuary Workplace Challenge sind ganze Teams eingeladen, es im Januar vegan zu probieren. Koch-Events, gemeinsame Buffets, informative Vorträge oder praktische Workshops begleiten die Mitarbeitenden dabei.
Unter anderem nehmen teil: Allnatura, Bauck Mühle, der 1. FC Kaiserslautern, die Krankenkasse mkk, Commerzbank, Targobank, Deloitte, Denkwerk, Ritter Sport, Dr. Oetker, Metro, Globus sowie die Städte München, Tübingen und Reutlingen, die Kreisverwaltung Neuwied und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
Über den Veganuary
Veganuary ist eine gemeinnützige Organisation und Kampagne, die Millionen Menschen weltweit motiviert, sich im Januar und darüber hinaus vegan zu ernähren. Veganuary wurde 2014 an einem Küchentisch im britischen Yorkshire gegründet. Heute ist die Bewegung mit offiziellen Kampagnen international aktiv und treibt die globale Ernährungswende in Gesellschaft und Wirtschaft voran. Unter veganuary.com/de finden alle, die eine vegane Ernährung einen Monat oder länger ausprobieren möchten, ganzjährig kostenfreie Unterstützung – zum Beispiel mit der 31-tägigen E-Mail-Serie.
Quelle: B&L MedienGesellschaft
Vegane Rezepttipps
Ob New Meat, Bacon aus Tofu oder Steaks aus Blumenkohl – es gibt viele kreative Möglichkeiten ohne Fleisch im Veganuary zu kochen – ausgewählte Rezepte und die Top 3 Strategien, um Berührungsängste abzubauen, finden Sie hier.