Ganztagsbetreuung Grundschule DJI
Quelle: B&L Medien/Flux

DJI: Ganztag-Ausbau für Grundschulkinder schreitet deutlich voran

Der Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung im Grundschulalter rückt näher, der Ausbau der Ganztagsplätze kommt deutlich voran. Gleichzeitig zeigen aktuelle Forschungsdaten des Deutschen Jugendinstituts (DJI), dass die Entwicklung qualitativ hochwertiger Angebote vielerorts erst am Anfang steht.

Rechtsanspruch auf Ganztag und aktueller Ausbaustand

Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben alle neu eingeschulten Kinder in Deutschland Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Der neue gesetzliche Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung für Grundschulkinder umfasst fünf Tage pro Woche bis zu acht Stunden täglich, inklusive Unterricht. Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt dies zunächst für Erstklässler, bis 2029/2030 wird der Anspruch stufenweise auf alle vier Klassenstufen ausgeweitet.

Die bundesgesetzliche Platzgarantie wird von den Bundesländern und Kommunen umgesetzt. Beim Ausbau der Ganztagsplätze sind laut Deutschem Jugendinstitut deutliche Fortschritte erkennbar. Die Kinderbetreuungsstudie (KiBS) des DJI, bei der jährlich etwa 33.000 Eltern mit Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit befragt werden, zeigt, dass nur noch vier Prozent der Eltern in Westdeutschland einen Bedarf an Ganztagsbetreuung für ihr Grundschulkind haben, der vollständig ungedeckt ist; in Ostdeutschland liegt der Wert noch niedriger. Dennoch betont Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger: „Ein Platz allein reicht nicht aus. Fragen der Qualität, der Verlässlichkeit, der Ferienbetreuung und der Erreichbarkeit für sozial benachteiligte Familien bleiben zentral.“

Elternbedarfe, Erwartungen und regionale Unterschiede

Durchschnittlich 73 Prozent der Eltern in Westdeutschland und 90 Prozent in Ostdeutschland wünschen sich der KiBS zufolge eine Ganztagsbetreuung für ihre Grundschulkinder. Immer mehr Grundschulen sind inzwischen ganztägig organisiert, jedoch nicht in allen Bundesländern. Ausbaubedarf besteht nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts beispielsweise noch in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Zu den hohen Erwartungen, die mit dem kommenden Rechtsanspruch verbunden sind, zählen mehr Bildungsgerechtigkeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Schule, die Kinder in ihrer ganzen Lebenswirklichkeit ernst nimmt. Gleichzeitig zeigen aktuelle Forschungsbefunde die Herausforderungen, vor denen die beteiligten Akteure bei der Umsetzung stehen. „Schulen sind gefordert, den Ganztag nicht nur organisatorisch anzudocken, sondern ihn als Impuls für eine ganzheitliche Weiterentwicklung von Schule und Unterricht zu nutzen“, sagt Bildungsforscherin Susanne Kuger.

Personalstruktur und Qualität im schulischen Ganztag

Multiprofessionelle Teams gelten laut DJI als Schlüssel für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht. Lehrkräfte, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Quereinsteiger und Ehrenamtliche sollen eine breite Förderung der Kinder ermöglichen. In der Realität treffen sie jedoch auf strukturelle Grenzen wie Personalmangel, unterschiedliche Berufslogiken, Arbeitsweisen und Zeitstrukturen. Bislang existieren keine bundesweit verbindlichen Regelungen zu Qualifikationsanforderungen für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern.

Aktuelle Datenauswertungen des DJI und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund verdeutlichen, dass der schulische Ganztag in erheblichem Umfang durch prekäre Beschäftigung geprägt ist. Jede fünfte Person, die im Jahr 2022 in der Kinderbetreuung an Grundschulen tätig war, verfügte über keinen beruflichen und damit auch keinen pädagogisch einschlägigen Ausbildungsabschluss. Der Anteil an nicht fachlich ausgebildetem Personal ist damit doppelt so hoch wie in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung. Zugleich zeigen die Daten, dass befristete Beschäftigung und Teilzeitarbeit an Grundschulen nicht nur weitaus ausgeprägter sind als in der Kindertagesbetreuung, sondern auch mit einem deutlich geringeren Stundenumfang einhergehen. So haben 13 Prozent der dort Beschäftigten einen Stundenumfang unter zehn Stunden im Hauptberuf; in der Kindertagesbetreuung sind es lediglich zwei Prozent. „Das erfordert die Entwicklung von tragfähigen Personalkonzepten, die auch zeitweise oder geringfügig Beschäftigte einbeziehen“, betont Susanne Kuger.

Kindperspektive und pädagogische Qualitätsentwicklung

Der Experte für Ganztagsschulentwicklung, Dr. Stephan Kielblock von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, sieht im kommenden Rechtsanspruch eine große Chance. So erklärt der Bildungsforscher: „Wenn Ganztagsentwicklung gut gelingt, erleben Kinder in der Grundschule einen Schulalltag, der Lernen, Leben und Beziehungen sinnvoll miteinander verbindet.“

Empirische Hinweise darauf, was Kindern im Ganztag wichtig ist und welche Potenziale sie mit ihm verbinden, geben verschiedene Forschungsprojekte des DJI. Forschende kommen zu dem Schluss, dass die Entwicklung eines Ganztags, der pädagogisch hochwertig und kindgerecht ist, wesentlich davon abhängt, ob auch die Stimmen der Kinder systematisch gehört und ihre Perspektiven in Praxis und Forschung aktiv integriert werden.

Bild von Lukas Steiglechner

Lukas Steiglechner

Mehr zum Thema

Du willst konkrete Infos,
die dein Business voranbringen
nicht "Noch ein Newsletter"?

Unser Newsletter liefert branchenrelevante Trends, praxisnahe Tipps und echte Insights aus Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschafts- und Schulverpflegung – kompakt, fundiert und kostenfrei.

👉 Warum du ihn abonnieren solltest:

  • Trends & Chancen zuerst:
    Du bekommst als einer der Ersten, was die Branche bewegt.
  • Praxis statt Theorie:
    Lösungsorientierte Inhalte, wie du wirklich besser arbeitest.
  • Exklusive Updates & Specials:
    Sondernewsletter, Whitepaper und mehr.