Maren Bucec, Mutter zweier fast erwachsener Kinder und Kinderbuchautorin entwickelte “Die Nährstoffgeschichte” als (Schul-) Theaterprojekt zu gesunder Ernährung. Sie hat dem Fachmagazin Schulverpflegung im Interview in der Rubrik Elternsache Rede und Antwort gestanden. Weitere Interviews in der Rubrik Elternsache finden Sie hier.
Die Berlinerin Maren Bucec plädiert dafür, engagierte Schulen und gute Konzepte stärker in den Fokus zu rücken. Mit ihrem Kinderbuch und Theaterstück „Die Nährstoffgeschichte“ trägt die Ernährungsberaterin selbst dazu bei, Kindern gesunde Ernährung schmackhaft zu machen.
- Name: Maren Bucec
- Alter: 52 Jahre
- Kinder: 2
- Werdegang: kaufmännische Ausbildung, Unternehmerin, Ernährungsberaterin,
- Kinderbuchautorin und Ernährungberaterin
- Position: Botschafterin und Koordinatorin „Die Nährstoffgeschichte“, Entwicklerin eines eigenen Theaterkonzepts für Schulen, Aufbau eines bundesweiten Lizenzsystems und des Nährstoffi-Teams im deutschsprachigen Raum
Frau Maren Bucec, erinnern Sie sich an das Schulesen Ihrer eigenen Schulzeit?
Schulessen war für mich funktional. Es ging ums Sattwerden, nicht um Bewusstsein oder Wissensvermittlung. Es wurde nie erklärt, warum etwas gesund ist oder nicht. Ich bin in der DDR zur Schule gegangen und erinnere mich, dass frisch gekocht wurde und wir immer genug Platz und Zeit zum Essen hatten. Das Essen bestand aus regionalen Zutaten und war bodenständig, so gab es auch Nierchen oder Blutwurst. Das esse ich heute nicht mehr, es hat also meine Gewohnheiten nicht geprägt.
Wie (über)kritisch schauen Sie auf die Schulverpflegung?
Schulverpflegung ist kein reines Küchenproblem. Es ist ein Systemthema. In Gesprächen mit Catering-Unternehmen wurde mir klar, wie komplex Schulverpflegung ist: starke Allergievorgaben, geringe Budgets, Bio-Anforderungen, die regionale Anbieter ohne Zertifikat ausschließen, sowie Personal- und Zeitdruck. Gleichzeitig werden Essatmosphäre, Zeitfenster und pädagogische Begleitung zu wenig berücksichtigt.
Was bringt Sie in puncto Schulessen auf die Palme?
Mich ärgert, dass Ernährung im Schulalltag kaum mit Leistungsfähigkeit verknüpft wird. Wir sprechen über Bildungsstandards und Konzentrationsfähigkeit, aber nicht darüber, was Kinder essen. Dabei beeinflussen Blutzuckerschwankungen Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Ausdauer ganz unmittelbar. Eine Chipstüte oder ein stark gezuckertes Getränk sind eben keine neutralen Entscheidungen. Ernährungsbildung müsste strukturell verankert sein und darf nicht vom Engagement einzelner Lehrkräfte abhängen.
Gerade im zweiten Halbjahr der sechsten Klasse sehe ich großes Potenzial: Schüler könnten Verantwortung übernehmen, eine gesunde Pausenverpflegung mitorganisieren, Konzepte entwickeln, rechnen, planen und umsetzen. Das wäre angewandtes Lernen, fachübergreifend und selbstwirksam.
In Schulneubauten werden teilweise keine vollwertigen Küchen mehr eingeplant. Dabei ist eine Schulküche ein Bildungsraum. Wer Ernährung ernst nimmt, muss sie auch räumlich und organisatorisch ernst nehmen. Ohne gute Ernährung gibt es keine nachhaltige Bildung, und wer Leistungsfähigkeit fordert, muss Voraussetzungen schaffen.
Wie bewegen Sie Kinder zu gesundem Essen?
Mein größter Trick ist das Einbringen von Gemüse in Saucen und das Bereitstellen von Rohkost zum Knabbern für den ersten Hunger. Außerdem kaufe ich kaum hoch verarbeitete Lebensmittel und rede über Ernährung auf Augenhöhe. Daraus ist mein Kinderbuch „Die Nährstoffgeschichte“ entstanden. Das gleichnamige Theaterstück, eingestuft als pädagogisch und didaktisch wertvoll, ist Kooperationspartner der Berliner Ernährungsstrategie. Den „Nährstoffis“, personifizierten Nährstoffen steht darin mit Lady Schrottsky eine Figur gegenüber, die die Verlockung hochverarbeiteter Produkte symbolisiert.
Weitere Interviews in der Rubrik Elternsache und Tipps, um Jugendliche und Kinder zu gesundem Essen zu bewegen, finden Sie hier.
Ihre größte Herausforderung in der Kinderernährung?
Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die massive Präsenz von Marketing. Millionenschwere Budgets richten sich gezielt an Kinder, um hochverarbeitete Produkte attraktiv zu machen. Eltern tragen Verantwortung für Ernährung, müssen aber gleichzeitig gegen die Werbeindustrie ankämpfen. Im Familienrahmen funktioniert bewusste Ernährung oft gut – bis Schule, Medien und gesellschaftlicher Alltag hinzukommen. Gleichzeitig sehe ich, dass Aufklärung wirkt.
Im Theater gibt es einen Moment, der mich jedes Mal berührt. Wenn Lady Schrottsky auf der Bühne ruft, dass die Kinder ihre Süßigkeiten doch so sehr lieben und dann ruft der gesamte Theatersaal laut und geschlossen: „NEIN!“ Die Kinder unterstützen Fifi, sie warnen sich gegenseitig und lassen sich nicht austricksen. Dieser kollektive Ruf ist für mich immer ein Gänsehautmoment. Nicht, weil sie Süßigkeiten verteufeln. Sondern weil sie verstanden haben, dass sie manipuliert werden können und dass sie selbst entscheiden dürfen.
Gibt es ein Lebensmittel, das Ihre Kinder gar nicht mögen?
Eines meiner Kinder mag keinen Käse. Wenn ich es humorvoll einordne, ist eines eher „Team Schokolade“, das andere eher „Team Frucht“. Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit, wie beide für sich entdeckt haben, dass einfaches, echtes, gesundes Essen die bessere Wahl ist.
Und wenn wir doch einmal stärker verarbeitete Produkte im Kühlschrank haben, bleiben sie inzwischen oft übrig.
Wie schätzen Sie das aktuelle Image von Schulessen ein?
Oft negativ konnotiert. Schulessen steht selten für Qualität oder Genuss, sondern eher für Kompromiss. Hier braucht es nicht nur bessere Rahmenbedingungen, sondern auch eine neue Wertschätzung. Ich würde mir wünschen, dass Schulessen immer im Bezug auf die Möglichkeiten bewertet wird und kleine Schritte zur Verbesserung auch positiv wahrgenommen werden. Das ist jedoch teilweise ein langer Weg, der in jeder Schule individuell gegangen werden muss.
„Die Nährstoffgeschichte“ wird inzwischen bundesweit von Multiplikator*innen in Schulen und Kitas eingesetzt. Neben dem Buch und den Audioformaten wächst besonders der Theaterbereich weiter. Für Schulen wurde ein eigenes Theaterkonzept entwickelt, das es ermöglicht, das Stück selbst aufzuführen und pädagogisch zu vertiefen.
Für 2026 ist geplant, die bundesweiten Theater- und Schultheaterlizenzen weiter auszubauen, das Nährstoffi-Team zu vergrößern und die Verbindung von Ernährungsbildung und Kultur noch stärker sichtbar zu machen. Denn wenn Wissen, Kreativität und gemeinsames Erleben zusammenkommen, entsteht oft genau die intrinsische Motivation, die Kinder wirklich brauchen.
Wie tanken Sie Kraft für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Ich bin ein strukturierter Mensch. Ich starte mit klarer Planung in den Tag oder die Woche. Dieses Gerüst gibt mir Halt, denn viel Energie ziehe ich aus meiner selbstwirksamen Arbeit.
Ich mache regelmäßig Sport, bin gern in der Natur unterwegs, liebe Tanzen und gemeinsames Singen. Wenn mir alles zu viel wird, bringe ich Ordnung ins Außen. Äußere Ordnung schafft innere Ordnung.
- Worüber können Sie herzhaft lachen?
Über Alltagskomik. Über absurde Gewohnheiten. Über mich selbst.
- Genuss bedeutet für mich …
Geselligkeit, eine vertrauensvolle Atmosphäre und Echtheit. Genuss darf einfach sein. Wichtig ist, dass man sich nicht verstellen muss.

Theaterprojekt zu gesunder Ernährung von Maren Bucec
“Was wäre, wenn Kinder wüssten, dass die echten Superkräfte in natürlichem Essen stecken? Sie würden sich nicht mehr von den vermeintlichen Superkräften auf der Verpackung täuschen lassen.”
Maren Bucec
Aus dieser Idee entstand 2023 das Kinderbuch „Die Nährstoffgeschichte“ von Maren Bucec. Darausentwickelte Maren Bucec gemeinsam mit Experten aus Pädiatrie, Pädagogik und Ernährungswissenschaft ein ganzheitliches Konzept zur Ernährungsbildung. Neben dem Theaterprojekt zu gesunder Ernährung gibt es ein Hörspiel, Mitmach-Songs, sowie umfangreichen Bildungs- und Projektmaterialien für Familien, Kitas und Grundschulen. Das Theaterkonzept zu gesunder Ernährung für Schulen ermöglicht es, das Stück selbst aufzuführen und pädagogisch zu vertiefen. Für 2026 ist geplant, die bundesweiten (Schul-)Theaterlizenzen auszubauen. Interessierte Theater, Schulen oder Bildungseinrichtungen können sich hierzu gerne melden.
Das Theaterstück wird als pädagogisch und didaktisch wertvoll eingestuft und ist mit besonderem Fokus auf das Bühnenformat Kooperationspartner der Berliner Ernährungsstrategie.
Theaterlizenzen für Schulen für die Nährstoffgeschichte
- Die Theaterlizenz für das Theaterprojekt zu gesunder Ernährung richtet sich an professionelle Bühnen, die das Stück eigenständig inszenieren und aufführen möchten.
- Die Schultheaterlizenz für das Theaterprojekt zu gesunder Ernährung ermöglicht es Schulen, das Stück im Rahmen von Projektarbeit oder Theater-AGs selbst auf die Bühne zu bringen und pädagogisch zu vertiefen.
- Beide Modelle befinden sich derzeit im Aufbau und sollen perspektivisch im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet werden. Interessierte Theater, Schulen oder Bildungseinrichtungen können sich für weitere Informationen zum Theaterprojekt zu gesunder Ernährung gerne direkt an Maren Bucec wenden.
- Parallel dazu wächst das Nährstoffi-Team. Dazu gehören ausgebildete Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die mit dem Konzept in Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen arbeiten und Ernährungsbildung praxisnah umsetzen. Ziel ist es, dieses Netzwerk im deutschsprachigen Raum weiter auszubauen und regional stärker zu verankern.