Moritz Schleich, Messechef der Independent Hotel Show Munich, über den Anspruch, die Veranstaltung als Branchentreff zu etablieren, inhaltliche Neuerungen 2026 und den stärkeren Fokus auf den gesamten DACH-Raum.
Herr Schleich, die Independent Hotel Show Munich geht 2026 in die dritte Runde. Ab wann ist ein vielversprechendes Format aus Ihrer Sicht wirklich ein etablierter Branchentreff?
Allgemein heißt es ja oft, dass gerade die ersten Jahre entscheidend sind. Ich würde sagen: Spätestens nach der fünften Ausgabe sollte das Ziel erreicht sein, wirklich als etablierter Branchentreff wahrgenommen zu werden. Das hängt natürlich auch davon ab, welche Vision man mit einer Veranstaltung verbindet.
Für mich persönlich ist es die zweite Independent Hotel Show Munich in verantwortlicher Rolle. Im vergangenen Jahr ging es zunächst darum, etwas Eigenes aufzubauen und der Veranstaltung ein Gesicht zu geben. Für 2026 habe ich mir vorgenommen, die Zielgruppe zu erweitern und den Fokus noch stärker auf Content zu legen. Denn wenn man wachsen und tatsächlich zum Branchentreff werden will, muss man den Besucherinnen und Besuchern einen echten Mehrwert bieten – auf der Bühne ebenso wie im Publikum.
In diesem Jahr ist der Content deutlich stärker auf Entscheiderinnen und Entscheider ausgerichtet. Gleichzeitig ist es uns gelungen, auch die Verbände einzubinden. Dass unter anderem Dehoga, HotellerieSuisse, ÖHV und HGV mit dabei sind, freut mich sehr. Das zeigt, dass die Veranstaltung als Plattform wahrgenommen wird, die für die Hotellerie insgesamt und insbesondere für unabhängige Hoteliers relevant ist.
Ein Bereich, den wir künftig noch stärker einbinden wollen, ist F&B. In diesem Jahr ist das noch nicht in der Tiefe möglich, die ich mir perspektivisch wünsche, auch aus Kapazitätsgründen im Team. Aber das ist ganz klar ein weiteres Fokusfeld. Spätestens im nächsten Jahr, also in meinem dritten Jahr, wollen wir die Hospitality noch vollständiger abbilden. Dann wird die Veranstaltung aus meiner Sicht auch ihrem Anspruch als Branchentreff noch stärker gerecht werden.
Was ist 2026 die wichtigste Botschaft der Messe?
Die wichtigste Botschaft ist für mich: weg von einer rein auf die Independent-Hotellerie verengten Sicht, hin zu einem breiteren Verständnis von Hospitality. Genau diese Entwicklung wollen wir 2026 noch stärker sichtbar machen.
Außerdem ist mir wichtig, dass die Independent Hotel Show Munich nicht nur als klassische Messe verstanden wird, sondern als Branchentreff mit Show-Charakter, mit Side-Events, mit Organisationen und mit einem erlebnisorientierten Rahmenprogramm. Wir wollen ein Format schaffen, das mehr Festival- und Eventcharakter hat als eine konventionelle Branchenmesse.
Was sind die wichtigsten Neuerungen der Independent Hotel Show Munich 2026 gegenüber den Vorjahren?
Eine der wichtigsten Neuerungen ist der deutlich stärkere Fokus auf Content. Wir haben die Conference Stages größer geplant und setzen stärker auf bekannte Persönlichkeiten. Zugleich wollen wir bewusst auch Impulse von außerhalb der klassischen Hospitality-Welt einbringen – etwa aus Wirtschaft, Politik oder anderen Bereichen. Dadurch entsteht ein vielfältigerer Mix an Perspektiven.
Hinzu kommen neue Formate und Side-Events, bei denen Hoteliers aktiver eingebunden werden sollen. Uns geht es darum, den klassischen Messealltag aufzubrechen und die Veranstaltung insgesamt dynamischer zu gestalten.
Ich habe mir sehr bewusst die Frage gestellt, warum ein Hotelier überhaupt auf eine Messe kommt. Geht es wirklich nur um die Aussteller – oder nicht genauso sehr um die Menschen und um relevanten Content?
Ich bin überzeugt, dass beides wichtig ist. Natürlich wollen sich Hoteliers von neuen, innovativen Produkten inspirieren lassen. Sie wollen sich etwa in den Bereichen Design und Architektur umsehen, die verschiedenen Networking Areas nutzen, neuen Input aus den zwei Tagen mitnehmen und im besten Fall auch ganz konkrete Bedarfe decken, aus denen am Ende sogar Geschäfte entstehen. Gleichzeitig geht es aber immer auch um Austausch, um neue Perspektiven und darum, relevante Themen mitzunehmen.
Genau daraus ist für mich die Weiterentwicklung des Formats entstanden. Der unabhängige Hotelier braucht nicht nur den Austausch mit anderen unabhängigen Hoteliers und nicht nur Aussteller, sondern unter Umständen auch Gesprächspartner aus anderen Bereichen – etwa aus Finance, Real Estate oder Development, wenn es um neue Projekte, Gebäude oder Investitionen geht. Deshalb haben wir die Independent Hotel Show Munich inhaltlich weiter geöffnet und den Zielgruppenkreis erweitert.
Einen ersten Schritt in diese Richtung habe ich in diesem Jahr mit einem Side-Event auf dem IHIF in Berlin gemacht. Dort haben wir deutlich stärker Akteure aus Finance und Real Estate Development eingebunden, sie eingeladen und zugleich die Marke dort noch sichtbarer gemacht.
Welche Kritik aus den Vorjahren haben Sie für 2026 konkret aufgegriffen?
Es gab mehrere Punkte, die wir sehr ernst genommen haben. Ein zentrales Thema war die bisherige räumliche Nähe von Conference Stage und Ausstellerfläche. Das war für viele Besucherinnen und Besucher ebenso wie für Aussteller herausfordernd, weil es zu laut war. Deshalb werden wir die Bühnenbereiche 2026 stärker separieren und technisch wie räumlich besser abgrenzen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Dramaturgie der zwei Messetage. Der zweite Tag ist bei vielen Formaten erfahrungsgemäß schwächer. Deshalb setzen wir am zweiten Messetag gezielt auf ein starkes Nachmittagsprogramm, um auch dort für hohe Relevanz und Besucherfrequenz zu sorgen.
Auch beim Content haben wir nachjustiert. Im vergangenen Jahr war das Programm sehr dicht. 2026 setzen wir auf weniger Programmpunkte, dafür auf hochwertigeren Content und bewusst eingeplante Pausen. Das soll dazu beitragen, dass sich die Besucherinnen und Besucher stärker über die gesamte Veranstaltung bewegen und beide Hallen besser bespielt werden.
Zusätzlich haben wir organisatorische Themen aus dem Vorjahr aufgegriffen – etwa bei Wegeführung und der Verteilung von Gastronomieangeboten. Ziel ist, den Besuch insgesamt angenehmer zu machen und die Frequenz gleichmäßiger über die Flächen zu verteilen.
Neu ist auch das Advisory Board. Was hat es damit auf sich?
Wir haben das Advisory Board in diesem Jahr bewusst kleiner aufgestellt und stärker nach Themenfeldern strukturiert. Im vergangenen Jahr war die Runde sehr groß, mit vielen guten Ideen, aber nicht immer mit nachhaltiger Begleitung im weiteren Prozess. Deshalb setzen wir jetzt auf ein kompakteres Gremium mit ausgewählten Personen aus verschiedenen Segmenten wie Hotellerie, Finance, Real Estate, PR und Design.
Für mich ist entscheidend, dass das Advisory Board nicht nur Impulse gibt, sondern die Veranstaltung kontinuierlich begleitet. Mit der kleineren Struktur ist der Austausch intensiver und verbindlicher geworden – und das merkt man aus meiner Sicht bereits an der Qualität der Inhalte und Kontakte, die daraus entstehen.
Wir wollen ein Format schaffen, das mehr Festival- und Eventcharakter hat als eine konventionelle Branchenmesse.
Was erwartet Besucherinnen und Besucher auf der Ausstellungsfläche?
Wir versuchen 2026, die Ausstellungsfläche klarer zu strukturieren. Neu ist zum Beispiel eine Tech Zone, in der technologische Lösungen stärker gebündelt werden. Außerdem wird es eine Green Zone geben, in der Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien eine größere Rolle spielen. Hinzu kommt wieder ein Bereich, in dem Kunst und Design stärker sichtbar werden.
Grundsätzlich legen wir großen Wert auf Qualität – sowohl bei den Produkten als auch bei der Gestaltung der Stände. Das ist ein wichtiger Teil des Anspruchs, den wir als Veranstaltung haben.
Sie wollen die Community im gesamten DACH-Raum stärker ausbauen – mit Fokus auf Österreich, die Schweiz und Südtirol. Wo sehen Sie dort noch ungenutztes Potenzial?
Ein spannender Schritt ist in diesem Jahr, dass Südtirol erstmals stärker eingebunden ist. Das ist für uns besonders interessant, weil Südtirol ein sehr relevanter Markt mit einer hohen Dichte an unabhängigen Hoteliers ist.
Generell glaube ich, dass sich die Veranstaltung im DACH-Raum noch stärker als Plattform für die unterschiedlichen regionalen Hospitality-Märkte etablieren kann. Wenn es gelingt, die verschiedenen Regionen sichtbarer einzubinden, profitiert davon nicht nur die Messe, sondern auch das Publikum, weil neue Perspektiven und Netzwerke entstehen.
Was ist Ihnen mit Blick auf die Positionierung der Veranstaltung besonders wichtig?
Ich halte es für sehr wertvoll, wenn eine Messe ein klares Gesicht hat – und wenn dieses Gesicht aus dem Land kommt, in dem die Veranstaltung stattfindet. Außerdem ist es wichtig, dass die meisten Programmpunkte auf Deutsch stattfinden. Das war bereits im vergangenen Jahr ein relevantes Feedback. Sprache und kultureller Kontext spielen eine große Rolle, gerade wenn es um Austausch, Vernetzung und Nähe innerhalb der Branche geht.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Michael Teodorescu
Programm der Independent Hotel Show Munich 2026
Mehr zur diesjährigen Independent Hotel Show Munich finden Sie in unserem Beitrag Independent Hotel Show Munich 2026 startet Registrierung.