Mit dem Food Pop-Up Isar-Kaya inszenieren die Münchner Gastronomen Marc Christian und Vincent Fricke in einer ehemaligen Metzgerei in München-Ramersdorf ein temporäres Restaurantkonzept, das die Trink- und Snackkultur japanischer Izakayas mit Wirtshaustradition, Omas Sonntagsbraten, regionalen Foodtrends und Kunst verbindet. Für einige Monate entsteht in der Alten Metzgerei in der Berger-Kreuz-Straße 48 ein neuer kulinarischer Treffpunkt mit drei eigenständigen Menüserien, die sich bewusst als Gegenentwurf zu schneller, beiläufiger Snackkultur verstehen.
Konzept Isar-Kaya: Izakaya-Kultur in der Alten Metzgerei
Das Food Pop-Up Isar-Kaya überträgt das Prinzip des Izakaya, einer japanischen Mischung aus Kneipe und Wirtshaus, auf einen Münchner Standort. In Izakayas geht man nach der Arbeit oder mit Freunden hin, um bei vielen kleinen Gerichten und einem Nomikai, einem Trinktreffen, gemeinsam Zeit zu verbringen. Hierarchien treten in den Hintergrund, der Fokus liegt auf geselligem Verweilen, Essen und Trinken. Das Wort „Izakaya“ setzt sich aus den Schriftzeichen für „sitzen“ (I) und „Sake-Laden“ (sakaya) zusammen.
Für Isar-Kaya werden die Räume einer ehemaligen Metzgerei in Ramersdorf genutzt. Zwischen Kacheln und Wursthaken verschmelzen nach Angaben der Initiatoren Wirtshaustradition, fernöstliche Izakaya-Kultur, Omas Sonntagsbraten, bayrisch-regionale Foodtrends und Kunst zu einem temporären gastronomischen Treffpunkt.
Die Isar-Kaya-Trilogie: OMA-KASE, Kunst Essen und Reife & Verfall
Nach früheren Pop-Up-Projekten wie Beyondbeef, No Meat No Future, Sonntagsbraten oder Bruderhahn entwickeln Marc Christian und Vincent Fricke mit Isar-Kaya eine Trilogie von Juni bis Oktober. Die drei Konzepte OMA-KASE, Kunst Essen und Reife & Verfall werden als eigenständige, zeitlich begrenzte Restaurants umgesetzt.
Alle drei Konzepte werden als „Antithesen zur Snackification“ beschrieben und als „Kontrastprogramm gegen die Beiläufigkeit des Konsums“. OMA-KASE kehrt zu kulinarischen Traditionen älterer Generationen zurück, Reife & Verfall versteht sich als ganzheitliche Betrachtung des Zustands der Gesellschaft, Kunst Essen thematisiert Reflektieren, Interpretieren und Wahrnehmen als essenzielle Aufgaben in der heutigen Zeit.
Die Alte Metzgerei dient zugleich als Projektionsfläche, da jedes Konzept von einer Ausstellung begleitet wird. Die Bilder der Fotografin Vivi D’Angelo flankieren Reife & Verfall, Auszüge aus dem Buch „Kunst Essen“ begleiten das gleichnamige Event. Für OMA-KASE greifen Marc Christian und Vincent Fricke auf „Heimatbilder“ aus Familienalben zurück.
OMA-KASE: Omaküche neu interpretiert
Der Begriff Omakase steht in der japanischen Küche dafür, dass sich Gäste vollständig in die Hände des Küchenchefs begeben, der die Abfolge der Gerichte nach Saison, Tagesfrische und eigener Inspiration bestimmt. Für OMA-KASE übertragen Marc Christian und Vincent Fricke dieses Prinzip auf ihre eigenen kulinarischen Wurzeln. Sie bringen „ihre Kindheitsküchen in der Isarmetropole auf die Teller“ und interpretieren Gerichte wie „Grummbeersupp un Quetschekuche“, „Wachtelei in Senfsauce“, „Jägerschnitzel Ostdeutschland“ oder „Hefekloß mit Heidelbeerkompott“ in moderner Form.
Das Konzept OMA-KASE wird im Terminkalender des Pop-Ups an zwei Blöcken geführt: vom 17. bis 20. Juni sowie vom 24. bis 27. Juni.
Kunst Essen: Kochrezepte inspiriert von Meisterwerken
Kunst Essen basiert auf dem Buch „KUNST ESSEN – Kochrezepte inspiriert von großen Meisterwerken“, einem Gemeinschaftswerk von Marc Christian, Philip Weber, Inka Meyer und Simon Büttner, das im Deutscher Kunstverlag erschienen ist. In diesem Buch werden große Werke der Kunstgeschichte zunächst humoristisch in ihre Zeit eingeordnet, anschließend kulinarisch interpretiert und schließlich als Fotokunst jenseits klassischer Food-Fotografie neu inszeniert.
Für das gleichnamige Pop-Up-Konzept von Isar-Kaya werden Kunstwerke von Jan Vermeer, Leonardo da Vinci, Mark Rothko, Clara Peeters oder Banksy in sieben Gängen zelebriert und den Gästen als „genussvolle Interpretationsmöglichkeiten“ serviert. Die Menüs greifen die Bildinhalte auf und übertragen sie in eine kulinarische Form, die als Einladung zur Reflexion verstanden wird.
Kunst Essen findet an zwei Zeiträumen statt: vom 15. bis 18. Juli sowie vom 22. bis 24. Juli.
Reife & Verfall: Transformation von Lebensmitteln
Reife & Verfall bildet den Abschluss der Isar-Kaya-Trilogie und ist als Neuauflage eines Pop-Ups konzipiert, das zuvor in einer Villa in Starnberg stattfand. Im Mittelpunkt steht die Transformation von Lebensmitteln durch kontrolliertes Trocknen, Fermentieren und Reifeprozesse. Dabei wird Verfall nicht als bloße Zerstörung verstanden, sondern als Veränderung und Veredelung.
Für die Pop-Up-Abende wird die Ambivalenz von Reife und Verfall bewusst gemacht und in sieben Gängen auf den Teller gebracht. Beschrieben werden unter anderem „1.000-jährige Eier als Canapé“, „verbrannter Lauch in Texturen“ sowie „Karpfen & Waller trockengereift“, wobei Zeit und Zustand der Produkte eine zentrale Rolle spielen. Kulinarisch gilt hier: „Autolyse, Schimmel, Fermentation – was auf den ersten Blick abstoßend wirken kann, wird bei richtiger Anwendung zu einem Werkzeug der Veredelung.“
Reife & Verfall ist für zwei Blöcke terminiert: vom 23. bis 26. September sowie vom 7. bis 10. Oktober.
Gastronomische Handschrift und Positionierung
Mit Isar-Kaya führen Vincent Fricke und Marc Christian ihre bisherige Arbeit im Bereich Pop-Up-Gastronomie fort, die gesellschaftspolitische und soziale Themen mit kulinarischen Konzepten sowie Ausstellungen und Workshops verbindet. Diese Formate dienen beiden als „kreatives Ventil, um zum Teilen, Diskutieren und Genießen anzuregen“.
Vincent Fricke wird als „positiver Antreiber und Vorkoster“ beschrieben, wenn es um nachhaltiges Essen und Ernährung geht. Sein Catering-Unternehmen Bairisch Stew bezeichnet er als „Urzelle“ aller gastronomischen Projekte. Das Unternehmen ist in eine neue Produktionsküche in München-Laim mit einer Kapazität für rund 135.000 Gäste pro Jahr umgezogen; parallel betreibt Fricke das CaféDotKom. Mit Isar-Kaya verabschiedet er die bisherigen Räumlichkeiten, die ihm und Bairisch Stew in den vergangenen Jahren als Arbeitsstätte dienten, und bietet „zum Abschied einen würdigen Abschluss“.
Marc Christian kam nach einem Studium der Kommunikationswissenschaft, Psychologie und interkulturellen Kommunikation aus der Pfalz nach München und betreibt dort seit 2015 den Meatingraum, einen Event- und Begegnungsraum für „Kulturinarik und Gastrosophie“. Dort veranstaltet er maßgeschneiderte Kochevents und verfasst Kochbücher und Texte über Wein.
In einem Statement formuliert Vincent Fricke den Anspruch hinter Isar-Kaya: „Alles, für was wir stehen – Geselligkeit, Kommunikation, Nachhaltigkeit, Tierwohl und leidenschaftlicher Umgang mit Lebensmitteln – braucht immer wieder neue Perspektiven, um seinen Stellenwert für die Gesellschaft nicht einzubüßen.“
Rahmendaten zu Terminen, Menüpreisen und Reservierung
Für die drei Konzepte von Isar-Kaya gelten einheitliche Rahmendaten. Das Food Pop-Up findet in der Alten Metzgerei in der Berger-Kreuz-Straße 48 in 81735 München statt, Beginn ist jeweils ab 18 Uhr. Die Menüabende werden als mehrgängige Menüs konzipiert.
Der Menüpreis liegt bei 79 Euro pro Person; für Kunst Essen wird beim Fleischgang ein Aufpreis von 10 Euro erhoben. Eine korrespondierende Weinbegleitung mit oder ohne Alkohol wird mit 39 Euro pro Person angegeben, zusätzlich steht eine kleine separate Weinkarte zur Verfügung. Eine Sake-Begleitung kostet 55 Euro pro Person. Für alle Formate ist eine vorherige Anmeldung vorgesehen.
Quelle: Bairisch Stew Catering