Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat im Plant Potential Catering Report 2026 die öffentliche Kommunikation der 15 umsatzstärksten Contract Caterer in Deutschland untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie die Proteinwende in der Gemeinschaftsverpflegung strategisch, messbar und mithilfe konkreter Instrumente vorangetrieben wird.
Ausbau pflanzlicher Angebote ohne messbare Proteinziele
Der Plant Potential Catering Report 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass 13 der 15 betrachteten Contract Caterer ihr pflanzliches Angebot ausbauen wollen. Elf Unternehmen signalisieren zudem eine Bereitschaft zur Reduktion tierischer Produkte. Konkrete, messbare Zielmarken fehlen jedoch meist. Häufig bleibt der Fokus auf Fleisch beschränkt, während Molkereiprodukte und Eier nur bei sechs Caterern strategisch einbezogen werden.
Acht Unternehmen veröffentlichen Angaben zu vegetarischen oder veganen Angeboten. Aussagekräftige Protein-Split-Berichte auf Basis der tatsächlich eingekauften oder verarbeiteten Warenmengen liegen jedoch bei keinem der untersuchten Caterer vor. Auch dort, wo eine Orientierung an Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Planetary Health Diet kommuniziert wird, bleibt vielfach unklar, welche Vorgaben konkret umgesetzt werden.
„Die Proteinwende wird in der Branche noch nicht mitgedacht. Der Wille zur Veränderung ist zwar da, und wir haben gute Einzelmaßnahmen vorgefunden. Es fehlen aber fast durchweg messbare Ziele und belastbare Protein-Split-Berichte“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.
Untersuchungsschwerpunkte des Reports
Für den Plant Potential Catering Report 2026 wurden die 15 umsatzstärksten Contract Caterer anhand ihrer öffentlichen Kommunikation analysiert. Der Report beleuchtet, ob die Proteinwende langfristig verankert und messbar ist und ob sie über Instrumente wie Menüplanung, Preisgestaltung und Gästesteuerung systematisch vorangetrieben wird.
Die Analyse umfasst unter anderem die Orientierung an wissenschaftlichen Ernährungsleitlinien, Ziele zur Reduktion tierischer Produkte, den Ausbau pflanzlicher Angebote, den Ausschluss des sogenannten White-Meat-Shifts sowie die Transparenz beim Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Proteinen. Darüber hinaus werden konkrete Umsetzungsmaßnahmen einbezogen.
Esther Erhorn kommentiert: „Trotz des deutlichen Verbesserungspotenzials signalisiert die Branche, dass sie sich in Richtung einer nachhaltigeren Ernährung bewegen will. Wettbewerb, Klimaziele und Kosteneffizienz erhöhen den Druck, verbindliche Protein-Ziele in Einkauf, Rezepturen, Preisarchitektur und Menüplanung zu verankern. Wer zukunftsfähig bleiben will, muss Strategien entwickeln und transparent über Fortschritte berichten. Darauf wollen wir gemeinsam mit den Unternehmen hinarbeiten.“
Beispiele für strukturelle Veränderungen bei einzelnen Caterern
Der Plant Potential Catering Report 2026 zeigt auch konkrete Ansätze einzelner Unternehmen. Sodexo arbeitet mit einem Baukastenprinzip, bei dem Gerichte grundsätzlich pflanzlich gedacht und tierische Komponenten optional ergänzt werden. Primus nutzt den Preis gezielt als Steuerungsinstrument und bietet pflanzenbasierte Gerichte günstiger an als Fleischoptionen. Klüh hat eine vegetarische Menülinie verpflichtend in allen Betriebsrestaurants eingeführt.
Aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung unterstreicht die Nutzung von Kantinen, Mensen und Betriebsrestaurants durch rund 16 Millionen Menschen täglich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Proteinwende im Catering. Letztlich entscheidet sich beim täglichen Gang in die Kantine, was Menschen als normales, attraktives und bezahlbares Essen wahrnehmen.
White-Meat-Shift als unterschätzter Faktor
Ein weiterer Aspekt des Plant Potential Catering Report 2026 ist der sogenannte White-Meat-Shift, also die Verlagerung vom Konsum roten Fleisches wie Rind oder Schwein hin zu Geflügel oder Fisch. Bei den meisten untersuchten Caterern bleibt laut Report offen, ob die eigenen Klimaziele eine Reduktion der Gesamtmenge an Fleisch oder lediglich eine Verschiebung innerhalb der Fleischkategorien vorsehen.
Durch einen White-Meat-Shift lässt sich zwar die Klimabilanz verbessern, gleichzeitig steigt damit die Zahl der Tiere, die für dieselbe Fleischmenge gehalten und getötet werden müssen. Wer Fleisch reduzieren will, ohne mehr Tierleid in Kauf zu nehmen, muss diesen Effekt mitdenken. Bislang haben dies nach Angaben des Reports nur Apetito und Sodexo erkennbar berücksichtigt.
Plant Potential Catering Ranking als künftiger Wettbewerbsfaktor
Der Plant Potential Catering Report 2026 macht nach Angaben der Albert Schweitzer Stiftung sichtbar, wo die Catering-Branche bei der Proteinwende steht und welche Schritte als nächstes nötig sind. Ab 2027 will die Stiftung jährlich das Plant Potential Catering Ranking veröffentlichen.
„Das Plant Potential Catering Ranking 2027 wird Zielsetzungen, Transparenz und Maßnahmen der Unternehmen unmittelbar vergleichbar machen“, kündigt Esther Erhorn an. „Wer jetzt klare Vorgaben formuliert und die eigene Weiterentwicklung offen dokumentiert, stärkt seine Ausgangsposition und schafft Vertrauen bei Gästen, Auftraggebern und Öffentlichkeit. Die Albert Schweitzer Stiftung begleitet die Unternehmen im Rahmen von Plant Potential kostenfrei bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Strategien. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einer Branche, die für die Zukunft der Ernährung in Deutschland eine Schlüsselrolle spielt.“
Plant Potential als Beratungsprogramm
Plant Potential ist das Beratungsprogramm der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Es unterstützt Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft dabei, den Anteil tierischer Produkte zu reduzieren, pflanzliche Angebote strategisch auszubauen und Fortschritte messbar zu machen. Zum Leistungsumfang gehören Analysen von Menüs und Rezepturen, konkrete Maßnahmenempfehlungen, Unterstützung bei der Gästekommunikation sowie Kennzahlen zur Wirkungsmessung. Informationen zum Programm und zur Anmeldung sind online verfügbar.
Quelle: Albert Schweitzer Stiftung