Die Richtlinie EmpCo (kurz für „Empowering Consumers for the Green Transition through better protection against unfair practices and through better information“) tritt in Deutschland am 27. September in Kraft. Damit geraten viele Formulierungen zu Nachhaltigkeit und Umwelt unter stärkere Beobachtung. Unspezifische Umweltbegriffe wie „nachhaltig“ müssen fundiert begründet sein. Wenn nur Teile eines Angebots nachhaltig sind, darf man nicht den Eindruck erwecken, das gesamte Unternehmen sei es. Bei Verstößen gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) drohen Geldstrafen, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen und negative Presse.
Kann „regional“ „nachhaltig“?
Es gilt also, bewusst zu entscheiden, was man behauptet. In unserem Fall „nachhaltig und regional“ bedeutet das: Was genau heißt regional? Und was daran – und am gastronomischen Konzept – ist tatsächlich nachhaltig? „Ist das nicht eindeutig? Na, das Regionale selbst.“ Dies ist ein Missverständnis, dem ich sehr häufig begegne. Regional ist gut. Aber nicht genug. Der Transport eines Lebensmittels macht im Schnitt weniger als fünf Prozent seiner Emissionen aus. Bei Rindfleisch liegt er sogar unter einem Prozent. Entscheidend ist nicht, wie weit ein Produkt reist, sondern was es ist. Der Unterschied entsteht nicht zwischen Deutschland und Argentinien, sondern zwischen tierisch und pflanzlich. Tierische Lebensmittel bedingen den Großteil der Emissionen im Ernährungssystem, unabhängig von ihrer Herkunft. Pflanzliche Proteinquellen verursachen nur einen Bruchteil der Emissionen von Rindfleisch.
Ja, Regionalität stärkt lokale Betriebe, schafft Vertrauen, kann Frische und Resilienz erhöhen. Aber: Sie ist kein Nachhaltigkeitsbeweis. Sondern eine von mehreren Stellschrauben – und nicht die wichtigste. Wenn „regional“ überwiegend tierisch bedeutet, ist Nachhaltigkeit kaum belegbar. Wenn „regional“ konventionelle Landwirtschaft ist, wird der Nachweis schwierig. Wenn nur einzelne Maßnahmen tatsächlich nachhaltig sind, wurde unzulässig verallgemeinert.
Mut zu mehr Profil
EmpCo nimmt uns die vage Wohlfühl-Kommunikation rund um Heimat und Region. Dafür schenkt sie uns etwas: Profil. Wir können konkret werden, und damit wirklich unterscheidbar. Zum Beispiel:
- „Unsere Küche arbeitet überwiegend mit saisonalen Zutaten und reduziert tierische Produkte gezielt.“
- „Über 70 Prozent unserer Gerichte sind pflanzlich – ein zentraler Hebel für Klima und Ressourcen.“
- „Wir reduzieren Lebensmittelabfälle systematisch: von der Planung bis zur Verarbeitung.“
Voraussetzung: Es stimmt.
Nachhaltigkeit in der Gastronomie folgt drei einfachen Fragen:
- 1. Was ist das Produkt? (pflanzlich vs. tierisch)
- 2. Wie wurde es produziert? (bio vs. konventionell)
- 3. Woher kommt es? (regional vs. global)
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Wer Nachhaltigkeit ernst meint, kommt an pflanzlichen Gerichten nicht vorbei. Sie sind der effizienteste Hebel für ökologische Nachhaltigkeit.
Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der das Wort „vegan“ schnell Vorurteile auslöst. Das Gute ist: EmpCo zwingt uns nicht dazu, darüber zu sprechen. Wir können Nachhaltigkeit sauber umsetzen, und uns in der Kommunikation auf das Erlebnis konzentrieren.
Zum Beispiel:
- „Knusprig. Würzig. Vertraut – und doch neu.“
- „Comfort Food – neu gedacht.“
- „Rauchige Aromen, cremige Texturen, voller Geschmack.“
- „Das Anrichten passiert direkt vor dir, wie im Theater.“
Erst zum Probieren verführen, dann über den Impact pflanzlicher Ernährung sprechen.
Welcome wahrhaft nachhaltig
Wenn Sie die Regionalität betonen möchten, weil Sie stolz darauf sind und es sich gut verkauft: sehr gern. Dann bitte konkret:
- Regionalität sollte klar definiert sein, z. B. als Umkreis oder mit festen Partnerbetrieben
- Regionalität sollte saisonal gedacht sein: Keine beheizten Gewächshäuser im Februar für regionale Tomaten.
- Regionalität sollte mit Bio und pflanzenbetonter Küche kombiniert werden.
Sie könnten sagen:
- „Unser Gemüse stammt überwiegend von Betrieben aus einem Umkreis von 80 Kilometern – von Betrieben, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten.“
- „Wir arbeiten saisonal: Was gerade wächst, kommt auf den Teller.“
- „Wir kombinieren regionale Zutaten aus einem Umkreis von 100 Kilometern mit pflanzlich geprägter Küche.“
Mein Tipp, um sich auf EmpCo vorzubereiten: Überprüfen Sie alle Aussagen auf Speisekarten, Website, Social Media & Co. Sie müssen belegbar sein. Kommunizieren Sie statt Allgemeinplätzen konkrete Zahlen und Geschichten.
EmpCo zwingt uns nicht dazu, nachhaltiger zu werden, nur ehrlicher zu sein. Unsere Chance: ein attraktives Erlebnis schaffen und uns mit wirkungsvollen Maßnahmen differenzieren.
Goodbye „nachhaltig und regional“. Und herzlich willkommen bei dem, was tatsächlich dahintersteckt. Im besten Fall ist das wahrhaft nachhaltig und regional.
Der Beitrag stammt von Balázs Tarsoly
Disclaimer:
Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Auslegung und praktische Anwendung der Regelungen werden sich erst mit der Umsetzung zeigen. Trotz sorgfältiger Recherche kann der Beitrag in Teilen von der späteren Auslegung abweichen. Im Zweifel empfiehlt sich die Rücksprache mit juristischer Expertise.
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