Ruhestand
Quelle: Daniela Aug, Harald Best, Bernd Blümlein

Ruhestand: drei GV-Führungskräfte berichten

Nicht immer verläuft der Eintritt in den Ruhestand wie geplant. Die drei GV-Führungskräfte Daniela Aug, Harald Best und Bernd Blümlein erklären, wie sie sich auf ihren Renteneintritt vorbereiten beziehungsweise wie sie diesen erlebt haben.

Nachgehakt bei Daniela Aug

Daniela Aug
Quelle: Daniela Aug

Daniela Aug ist ehemalige Küchenleiterin des St. Franziskus Hospital Bielefeld und ehemalige VKK– Präsidentin.

Frau Aug, Sie sind seit Anfang des Jahres im Ruhestand. Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Das Leben ist auf einmal anders. Plötzlich steht im Vordergrund, das Leben zu genießen und wertzuschätzen. Erst jetzt merke ich, was in der langen Zeit mit Vollzeitberuf und Verbandsarbeit alles zu kurz gekommen ist. Gleichzeitig blicke ich sehr dankbar auf diese Jahre zurück. Ich habe viel Erfahrung gesammelt, mich persönlich weiterentwickelt und meine Arbeit immer als erfüllend und sinnstiftend erlebt. Dort konnte ich meine Talente einbringen und vieles über mich selbst lernen.

Wann entstand bei Ihnen der Wunsch, beruflich kürzer zu treten und neue Prioritäten zu setzen?

Die Pandemie war für mich ein Wendepunkt. Mir wurde bewusst, wie verletzlich unsere Welt ist. Als 2021 meine Tochter heiratete, begann ich, mein Leben stärker zu hinterfragen: Passt das, was ich tue, noch zu mir? Fühle ich mich noch wohl damit? In meiner beruflichen Position begann ich deshalb frühzeitig, Verantwortung zu übertragen. Irgendwann hatte ich das Gefühl, alles Wesentliche getan und erledigt zu haben. Es war Zeit für neue Lebensinhalte.

Fiel Ihnen der Abschied von Ihren beruflichen Aufgaben und Ämtern schwer?

Natürlich stellt man sich die Frage: Wer bin ich ohne meine Titel, ohne meine Position und ohne all die Aufgaben, die über viele Jahre zu meinem Alltag gehörten? Gleichzeitig wusste ich, dass ich Verantwortung rechtzeitig abgegeben hatte. Es freut mich sehr, dass meine Stellvertreterin Angelika Rutsch die Küchenleitung übernommen hat und das Team die Arbeit erfolgreich fortführt. Der Betrieb wird auch ohne mich gut funktionieren – und genau so sollte es sein.

Wie erleben Sie Ihren neuen Lebensabschnitt?

Ich würde mein derzeitiges Befinden mit dem schwedischen Wort „Lagom“ beschreiben. Es bedeutet so viel wie: Es ist genug, es ist genau richtig. Ich bin wieder im Einklang mit mir selbst. Heute genieße ich die kleinen Dinge viel bewusster: morgens mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse zu sitzen, die Sonne zu spüren und den Vögeln zuzuhören. Es ist ein Geschenk, spontan Zeit mit unseren Kindern und Enkeln verbringen zu können. Außerdem bleibt nun mehr Raum für Yoga, Meditation und neue Pläne. Wahrscheinlich werden wir bald vom Raum Bielefeld ins Rheinland ziehen, um näher bei unserer Tochter und den beiden Jungs zu sein. Wir möchten nicht nur gelegentlich helfen, sondern Oma und Opa im Alltag sein.

Nachgehakt bei Harald Best

Harald Best
Quelle: Harald Best

Harald Best ist Küchenleiter der ­Klinik Kurhessen in Bad Sooden-Allendorf.

Herr Best, Sie hätten bereits Anfang 2026 in Rente gehen können. Warum haben Sie sich für ein weiteres Arbeitsjahr entschieden?

Im Januar 2026 wäre mit 66 Jahren eigentlich mein offizieller Renteneintritt gewesen. Doch ich habe den Ruhestand noch einmal aufgeschoben und im Rahmen der Aktivrente ein weiteres Arbeitsjahr angehängt. Der Grund dafür liegt in der benachbarten DRV-Reha-Klinik Werra, die mit unserer Klinik zusammengelegt wurde und deren Schließung bis 2027 endgültig ansteht. Bereits vor drei Jahren übernahm ich zusätzlich den dortigen Verpflegungsbetrieb, nachdem der Küchenleiter in den Ruhestand gegangen war. Der Übergang verlief seither reibungslos, auch gemeinsam mit den Beschäftigten. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, diesen Prozess bis zum Ende zu begleiten.

Viele Menschen können es kaum erwarten, in den Ruhestand zu gehen. Was hat Sie motiviert, weiterzumachen?

Oft werde ich gefragt, warum ich mir das noch antue. Meine Antwort lautet immer: Weil ich es kann! Tatsächlich habe ich diese zusätzliche Aufgabe nie als Belastung empfunden, sondern als Bereicherung. Ich konnte meine langjährige Erfahrung noch einmal einbringen und dazu beitragen, dass der Übergang für alle Beteiligten reibungslos verläuft. Das hat mir Freude gemacht und mir das Gefühl gegeben, etwas Sinnvolles zu Ende zu führen.

Mit welchem Gefühl verlassen Sie Ende des Jahres Ihren Arbeitsplatz?

Mit einem sehr guten Gefühl. Ich hinterlasse einen gut aufgestellten Betrieb. Vor zwei Jahren haben wir noch eine Bio-Zertifizierung erhalten, aktuell steht die Bio-AHVV-Zertifizierung an. Mein Nachfolger Thomas Müller ist bestens eingearbeitet, sodass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich finde, mein Berufsleben hat ein gutes Ende gefunden. Weder eine Krankheit noch der Arbeitgeber haben den Schlusspunkt gesetzt. Es ist meine eigene Entscheidung, wann ich aufhöre – und damit bin ich vollkommen im Reinen.

Haben Sie Pläne für die Zeit danach?

Angst vor einer großen Leere habe ich nicht. Bereits vor fünf Jahren entdeckte ich in einem Seminar zur Vorbereitung auf den Ruhestand neue Perspektiven für mich. Daraufhin habe ich den Jagdschein erworben und freue mich darauf, künftig mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Außerdem möchte ich unseren Garten auf Permakultur umstellen. Und natürlich freue ich mich auf mehr gemeinsame Zeit mit den Enkelkindern. Es gibt also genug schöne Aufgaben für mich.

Nachgehakt bei Bernd Blümlein

Bernd Blümlein
Quelle: Bernd Blümlein

Bernd Blümlein ist ehemaliger Gastronomieleiter bei der Hoffmann Group Nürnberg sowie GV-Manager des Jahres 2023.

Herr Blümlein, Sie konnten Ihren Renteneintritt nicht ganz wie vorgesehen erleben. Was ist passiert?

Den Endspurt bis zu meinem offiziellen Renteneintritt im Februar dieses Jahres habe ich nicht ganz geschafft. Herzprobleme setzten mich bereits im Herbst 2025 schachmatt. Ich war bis dahin jemand, der für seine Arbeit brannte. Manche nannten mich sogar einen Workaholic. Mein Chef sagte damals zu mir: „Du bist von 150 km/h auf null abgebremst worden.“ Dieser abrupte Stillstand von heute auf morgen stellte so ziemlich alles auf den Kopf. Beruflich war zwar alles geregelt, meine Nachfolge stand fest. Doch auf meinen privaten Ruhestand hatte ich mich ehrlich gesagt kaum vorbereitet.

Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung auf das neue Leben als Rentner?

Sehr schwer. Durch meine Erkrankung bin ich gezwungen, es ruhiger angehen zu lassen. Der Tag beginnt langsam und endet langsam – an diese Entschleunigung musste ich mich erst gewöhnen. Zwar bin ich schon immer gerne Fahrrad gefahren, doch für größere Hobbys fehlte neben der Arbeit oft die Zeit. Inzwischen gibt es aber wieder mehr für mich zu tun: Wir haben einen fast 4.000 Quadratmeter großen Garten, ich koche jetzt häufiger für meine Frau und besuche zweimal pro Woche die Reha-Sportgruppe.

Welche Rolle spielt die Arbeit noch heute für Sie?

Ich hatte eine sehr verantwortungsvolle Position und verantwortete zwei Großküchen mit 20 Mitarbeitern sowie einem Millionenetat. Wenn man aus einer solchen Aufgabe von heute auf morgen herausgerissen wird, ist das nicht leicht. Arbeit ist schließlich mehr als nur Geldverdienen. Man zieht Selbstwert daraus, hat Kontakt zu Kollegen und wird gebraucht. Deshalb freue ich mich, wenn ich meinem Nachfolger Jörg Peters gelegentlich noch mit Rat zur Seite stehen kann. Wir stehen regelmäßig in Kontakt, und es tut gut zu wissen, dass meine Erfahrung weiterhin geschätzt wird.

Worauf freuen Sie sich in Ihrem neuen Lebensabschnitt am meisten?

Ich möchte mehr reisen, und ganz besonders freue ich mich, meinen Alltag frei gestalten zu können. Je nach Lust und Laune tun und lassen, was ich will. Nun beginne ich meine Rentenzeit wirklich zu genießen, und wenn dann noch Enkelkinder zu betreuen wären, wäre das die Krönung. 

Herzlichen Dank für die Gespräche!
Cornelia Liederbach

Quelle: B&L MedienGesellschaft

beenhere

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Bild von Claudia Kirchner

Claudia Kirchner

Die Branche der Gemeinschaftsgastronomie begleitet Claudia Kirchner nun schon seit fast 20 Jahren, gestartet als journalistische Quereinsteigerin, wie im Fachjournalismus nicht selten. Dafür ist sie als Dipl.-Oecotrophologin quasi vom „Fach“. Und obwohl ihre Leidenschaft zu Studienzeiten eher der Ernährungsphysiologie und Mikrobiologie, denn der Haushalts- und Großküchentechnik galt, machte sie die redaktionelle Arbeit zu einer ausgewiesenen Technikexpertin. Als einstige FÖJ-lerin sensibilisiert für „Ökologie“, hat sie zudem deren „große Schwester“ – Nachhaltigkeit – frühzeitig in der Münchner Zentralredaktion zum Thema gemacht. Ihr Antrieb als Chefredakteurin des GVMANAGER, Redakteurin des Fachmagazins und Impulsgeberin der Zentralredaktion ist es, den Lesern praxistaugliche Tipps für den Umgang mit kleinen und großen Herausforderungen des Großküchenalltags an die Hand zu geben und spannende Einblicke in Erfolgsrezepte von Kollegen zu geben.

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