Renteneintritt
Quelle: B&L MedienGesellschaft/Flux (KI)

Wie gelingt der Renteneintritt?

Der Renteneintritt ist mehr als das Ende der Arbeitszeit. Wer jahrzehntelang Verantwortung getragen hat, muss lernen, neue Strukturen, Aufgaben und Sinn zu finden. Wie kann das gelingen?

  1. Ist Ihre finanzielle Situation langfristig ­abgesichert?
  2. Wer sind Sie außerhalb Ihres Berufes?
  3. Welche Menschen werden Ihren Alltag künftig prägen?
  4. Welche Hobbys oder Lebensträume möchten Sie endlich verwirklichen?
  5. Möchten Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung weitergeben? Wenn ja, wie?
  6. Wie möchten Sie Ihren Körper und Geist fit halten?
  7. Welche Struktur soll Ihr neuer Alltag haben?
  8. Worauf freuen Sie sich am meisten? Und wovor haben Sie Sorge?

Freiheit oder Bedrohung?

Das Ende einer jahrzehntelangen Berufstätigkeit ist oft erstaunlich unspektakulär: Es gibt Schnittchen, warme Worte und vielleicht sogar ein paar Geschenke. Schließlich ein letztes Händeschütteln, dann fällt die Tür, und der Ruhestand beginnt. Nicht wenige haben die Zeit ohne Arbeit herbeigesehnt. Endlich kein Weckerklingeln mehr, keinen Termindruck und keinen Stress mit Mitarbeitern, Vorgesetzten oder Lieferanten. Wie überall in der Gastronomie, so arbeiten auch GV-Manager hart und bemerken oft schon vor dem gesetzlichen Rentenalter, dass die Kraft nachlässt. 

„Die viele frei verfügbare Zeit und die Perspektive, dass Geld bzw. die Rente monatlich ganz von selbst eingeht, sind tatsächlich verlockend“, sagt Herb Stumpf, der als Coach des Unternehmens 50PlusConsulting Unternehmen und Einzelpersonen individuelle Vorbereitung auf den Ruhestand sowie Seminare zum Thema bietet. „Doch das ist nur eine Seite dieser Lebensphase. Letztlich muss man lernen, mit dem Ruhestand umzugehen, denn man verliert zugleich seine feste Struktur, einen großen Teil des sozialen Umfelds und häufig auch Macht und Ansehen.“ Wenn zum Verlust all der positiven Einflüsse auf Lebens- und Selbstwertgefühl eines Menschen noch finanzielle und gesundheitliche Einbußen kommen, kann die große Freiheit schnell zu einer Bedrohung werden.

Herbert Stumpf
Quelle: 50PlusConsulting


„Abschied und Neufindung – diese Prozesse fallen denen besonders schwer, die für ihre Arbeit gebrannt haben. Die Betroffenen empfinden oft Sinn- oder Wertlosigkeit, es fehlen der geregelte Tages­ablauf, die Kollegen und ­Geschäftspartner.“


Herb Stumpf
Coach bei 50PlusConsulting

Wegfall des Status wiegt schwer

„Abschied und Neufindung – diese Prozesse fallen denen besonders schwer, die für ihre Arbeit gebrannt haben“, sagt Herb Stumpf, der seine Erfahrungen auch im Buch „Wenn das Wochenende 7 Tage hat“ verarbeitet hat. So haben auch viele Herzblut-GV-Profis ihre Schwierigkeiten mit dem Übergang in den Ruhestand. Vor allem, weil sie häufig nicht ausreichend auf die Zeit „danach“ vorbereitet sind. Der Beruf bestimmt häufig den Alltag und lässt wenig Raum für soziale Kontakte und Hobbys. Der Wegfall des Jobs als vorrangigen Lebensinhalt hinterlässt dann oft ein Vakuum. „Die Betroffenen empfinden oft Sinn- oder Wertlosigkeit, es fehlen der geregelte Tagesablauf, die Kollegen und Geschäftspartner“, so Herb Stumpf.

Noch stärker als der Verlust der täglichen Aufgaben wiegt jedoch für viele Führungskräfte der Wegfall von Anerkennung und Status. „Der Mensch will gesehen werden“, sagt der Experte. Wer jahrzehntelang Entscheidungen traf, Verantwortung trug und gefragt war, müsse erst lernen, seinen Selbstwert nicht mehr ausschließlich aus der beruflichen Rolle abzuleiten.

Im ersten Berufsleben war Herb Stumpf Vertriebsmanager und ging 56-jährig in den Vorruhestand. Auch er musste seinen Platz im neuen Leben finden und neue Alltagsstrukturen aufbauen. „Im schlimmsten Fall kommt es zu einer – meist vorübergehenden – Depression, bis man sich in seiner ungewohnten Rolle neu definiert hat“, berichtet er aus seiner heutigen Beraterpraxis. Viele frischgebackene Ruheständler kennen das Gefühl, morgens aufzuwachen und keinen Plan für den Tag zu haben. Die Aufgabe des „Sich-Neufindens“ bleibt übrigens auch jenen nicht erspart, die ihre Arbeit als belastende „Maloche“ empfunden haben und zunächst froh sind, sie los zu sein.

Mentale Vorbereitung wichtig

Herb Stumpf empfiehlt, sich auf den Ruhestand vorzubereiten wie auf eine große Reise. Dies beginnt mit der rechtzeitigen Finanzplanung fürs Alter, schließlich deckt die gesetzliche Rente kaum noch die Grundbedürfnisse. Doch neben der finanziellen Vorsorge sei die mentale Vorbereitung mindestens ebenso bedeutsam. „Viele rechnen ihre Rentenansprüche genau durch, beschäftigen sich aber kaum mit der Frage, wer sie außerhalb ihres Berufs eigentlich sind“, beobachtet der Berater. 

„Offenes“ Seminar zur Vorbereitung auf den Ruhestand

Ort: Wiesbaden

Termin: 30.09.2026, 9–17 Uhr

Programm: Finanzen (Rente, Altersvorsorge), Körper (Gesundheit), Geist (intellektuelle Frische), Seele (erfülltes Leben) (Geschlossene Firmenseminare im Präsenz- und Online-Format gibt es auf Anfrage)

Weitere Infos: www.50plusconsulting.de

Buchtipp:

Wenn das Wochenende 7 Tage hat – Berufsende – Rente – Älterwerden … und alles, was Sie dazu wissen sollten – von Herb Stumpf, völlig überarbeitete Neu­auflage von 2025,
Verlag: Books on Demand, ISBN: 9783744855921, Preis: 19,95 Euro

Quelle: Books on Demand

Wichtig ist beispielsweise ein stabiles soziales Netz. Deshalb gilt es, Freundschaften und familiäre Bande zu pflegen – und zwar schon in der Zeit der Erwerbstätigkeit. Wer erst bei Renteneintritt frühere Bindungen, die lange Zeit auf Eis lagen, aktivieren will, wird häufig scheitern. Auch ist es im Alter schwieriger, neue Freundschaften zu knüpfen. Vermeintliche Lebensträume sollten ebenfalls kritisch hinterfragt werden. So berichtet Herb Stumpf von einem Seminarteilnehmer, der nach Jahrzehnten in Baden-Württemberg wieder in seine alte Heimat an der Nordsee ziehen wollte. Erst im Gespräch sei ihm bewusst geworden, dass sein soziales Umfeld längst am aktuellen Wohnort verwurzelt war.

Unerfüllte Wünsche angehen

Vorausschauend Ziele für den Ruhestand zu entwickeln – das ist die Devise. „Jeder sollte sich regelmäßig darauf besinnen, welche Interessen er noch außerhalb des Jobs hat oder vielleicht auch in seiner Jugend hatte“, empfiehlt der Experte. Welche Wünsche blieben unerfüllt? Wollte man vielleicht ein Instrument lernen, malen, fotografieren oder eine Sprache beherrschen? „Im Alter sind oft die Zeit und vielleicht auch das nötige Geld da, um Dinge nachzuholen, die früher nicht möglich waren.“ 

Oder weiterarbeiten?

Nicht wenige würden jedoch am liebsten weiterarbeiten. Sie tun sich schwer, loszulassen oder wollen sich nicht zum „Alten Eisen“ zählen. Ein gleitender Übergang in den neuen Lebensabschnitt macht vieles leichter. Verpflegungsprofis könnten in der letzten Phase ihrer Erwerbstätigkeit einen Gang herunterschalten oder in Teilzeit arbeiten.

Aber auch im Ruhestand kann die eigene Erfahrung noch eingebracht werden: Das Engagement in Kochkursen, in der Schulverpflegung oder in karitativen Einrichtungen sind sinnstiftende Beispiele. Möglich ist ferner der Wissenstransfer als Senior Experte oder Tätigkeiten als Eventkoch, Berater, Trainer oder Dozent. Social-Dining-Netzwerke und Portale, die Foodies und (Hobby-)Gastgeber zusammenbringen wie zum Beispiel eatwith oder Take a Chef könnten ebenfalls ein interessantes Betätigungsfeld für Küchenprofis im Ruhestand sein. „Sie können ihr Know-how weitergeben und gleichzeitig Kontakte zu Menschen aus aller Welt knüpfen.“

Achtung vor Terminstau

Doch Vorsicht: Ein voller Terminkalender ist kein Garant für Erfüllung und Glück im (Un-)Ruhestand. „Es kann ein Ausweichmanöver sein, um nicht über die eigene Situation, das eigene Altern nachdenken zu müssen“, sagt Herb Stumpf. Das Bedürfnis, ständig Leistung bringen zu müssen, klinge nach einem Muster von früher. „Doch wer von Aktivität zu Aktivität hetzt, verdrängt sein eigentliches Problem oft nur vorübergehend.“ Die Anerkennung eigener Grenzen, die Rücksicht auf eigene Bedürfnisse und persönliche Ziele – das sind auch im Ruhestand die Schlüssel zur inneren Zufriedenheit.

Von Cornelia Liederbach

Quelle: B&L MedienGesellschaft

beenhere

Was sagen Praktiker dazu?

Lesen Sie hier, wie sich die ehemaligen GV-Führungskräfte Daniela Aug und Bernd Blümlein auf die Rente vorbereitet haben und warum Harald Best verlängert hat. 

Bild von Claudia Kirchner

Claudia Kirchner

Die Branche der Gemeinschaftsgastronomie begleitet Claudia Kirchner nun schon seit fast 20 Jahren, gestartet als journalistische Quereinsteigerin, wie im Fachjournalismus nicht selten. Dafür ist sie als Dipl.-Oecotrophologin quasi vom „Fach“. Und obwohl ihre Leidenschaft zu Studienzeiten eher der Ernährungsphysiologie und Mikrobiologie, denn der Haushalts- und Großküchentechnik galt, machte sie die redaktionelle Arbeit zu einer ausgewiesenen Technikexpertin. Als einstige FÖJ-lerin sensibilisiert für „Ökologie“, hat sie zudem deren „große Schwester“ – Nachhaltigkeit – frühzeitig in der Münchner Zentralredaktion zum Thema gemacht. Ihr Antrieb als Chefredakteurin des GVMANAGER, Redakteurin des Fachmagazins und Impulsgeberin der Zentralredaktion ist es, den Lesern praxistaugliche Tipps für den Umgang mit kleinen und großen Herausforderungen des Großküchenalltags an die Hand zu geben und spannende Einblicke in Erfolgsrezepte von Kollegen zu geben.

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