Kiezkantinen könnten in Berlin für bezahlbares Essen sorgen.
Quelle: B&L MedienGesellschaft/ GPT Image (KI)

Kiezkantinen in Berlin: Ernährungsrat fordert bezahlbares Essen für alle

Gesundes Essen darf keine Frage des Einkommens sein. Deshalb fordert der Ernährungsrat Berlin gemeinsam mit mehr als 90 Organisationen und Fachleuten den Aufbau und die dauerhafte Finanzierung von Kiezkantinen. Die öffentlich zugänglichen Angebote sollen bezahlbare Mahlzeiten ermöglichen und Menschen in der Nachbarschaft zusammenbringen.

Rund jeder zehnte Mensch in Berlin lässt aus finanziellen Gründen Mahlzeiten aus. Unter den Befragten mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze betrifft dies sogar etwa jeden Dritten.

Ernährungsrat Berlin

Was sind Kiezkantinen?

Ein gutes Mittagessen im eigenen Viertel, erschwinglich und offen für alle: Dafür steht die Idee der Kiezkantinen. Nach den Vorstellungen des Bündnisses sollen sie nicht nur der Verpflegung dienen, sondern auch Orte für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe sein. Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung, die gutes Essen und nachbarschaftlichen Austausch verbindet.
Dabei geht es ausdrücklich um eine Ergänzung bestehender Sozialleistungen und Unterstützungsangebote – nicht um deren Ersatz.

Warum der Ernährungsrat Handlungsbedarf sieht

Wie dringend bezahlbare Verpflegung gebraucht wird, zeigen vorläufige Ergebnisse einer repräsentativen Berliner Befragung im Forschungsprojekt FoodCLIC. Nach Angaben des Ernährungsrats lässt rund jeder zehnte Mensch in Berlin aus finanziellen Gründen Mahlzeiten aus. Unter den Befragten mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze betrifft dies sogar etwa jeden Dritten.

Auch Familien sind betroffen: Fast zwölf Prozent der Befragten mit mindestens einem noch nicht eingeschulten Kind berichteten, dass Mahlzeiten ihrer Kinder aus Geldmangel zeitweise kleiner ausfielen oder ausfallen mussten. Befragt wurden insgesamt 1.018 Menschen zwischen dem 6. Juni und dem 22. Juli 2026.

Diese Forderungen stehen im offenen Brief

In ihrem offenen Brief vom 30. Oktober 2026 wenden sich die Unterzeichnenden an die Spitzen von Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und SPD. Zu ihren zentralen Forderungen gehören:

• Verbindliche Finanzierung: Kiezkantinen sollen im Koalitionsvertrag und in der Haushaltsplanung abgesichert werden.

• Vorhandene Küchen nutzen: Bestehende Nachbarschafts-, Schul- und Betriebskantinen sollen gestärkt und gegebenenfalls für das Quartier geöffnet werden.

• Gute Arbeitsbedingungen sichern: Öffentliche Förderung soll an Tariflöhne und faire Bezahlung entlang der Lieferkette geknüpft sein.

• Nachhaltig kochen: Gefordert wird ein pflanzenbetonter Speiseplan mit bevorzugt regionalen und ökologischen Lebensmitteln.

• Dauerhafte Strukturen schaffen: Kiezkantinen sollen langfristige Einrichtungen statt zeitlich begrenzter Projekte sein.

Mittagessen für drei Euro: ein vorgeschlagenes Modell

Der offene Brief verweist auf ein Konzept der Linkspartei: Danach könnten im ersten Regierungsjahr fünf neue Kiezkantinen starten. Mit jährlich rund 19 Millionen Euro könnten im zweiten Jahr bis zu 20 Standorte in unterversorgten Stadtteilen Mittagessen für drei Euro anbieten. Diese Zahlen beschreiben einen Vorschlag, kein bereits flächendeckend verfügbares Angebot.

Mehr als günstige Verpflegung

Für den Ernährungsrat sind Kiezkantinen ein Baustein einer umfassenderen Ernährungspolitik. Bereits in seinem Positionspapier vom 2. Oktober 2026 verbindet er ihren Ausbau mit der Fortführung des beitragsfreien Grundschulessens und der Arbeit der Kantine Zukunft. Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und eine klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung sollen dabei gemeinsam betrachtet werden.

Die Forderung des Bündnisses ist damit klar: Bezahlbares, gesundes Essen soll verlässlich zum Alltag im Kiez gehören – unabhängig vom Geldbeutel. Wer den offenen Brief unterstützen möchte, findet auf der Website des Ernährungsrats Berlin weitere Informationen und eine Möglichkeit zur Mitzeichnung.

Quelle: Redaktion GVMANAGER/Ernährungsrat Berlin

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Claudia Kirchner

Die Branche der Gemeinschaftsgastronomie begleitet Claudia Kirchner nun schon seit fast 20 Jahren, gestartet als journalistische Quereinsteigerin, wie im Fachjournalismus nicht selten. Dafür ist sie als Dipl.-Oecotrophologin quasi vom „Fach“. Und obwohl ihre Leidenschaft zu Studienzeiten eher der Ernährungsphysiologie und Mikrobiologie, denn der Haushalts- und Großküchentechnik galt, machte sie die redaktionelle Arbeit zu einer ausgewiesenen Technikexpertin. Als einstige FÖJ-lerin sensibilisiert für „Ökologie“, hat sie zudem deren „große Schwester“ – Nachhaltigkeit – frühzeitig in der Münchner Zentralredaktion zum Thema gemacht. Ihr Antrieb als Chefredakteurin des GVMANAGER, Redakteurin des Fachmagazins und Impulsgeberin der Zentralredaktion ist es, den Lesern praxistaugliche Tipps für den Umgang mit kleinen und großen Herausforderungen des Großküchenalltags an die Hand zu geben und spannende Einblicke in Erfolgsrezepte von Kollegen zu geben.

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