Die jahrelange Sanierung des Philosophenturms am Von-Melle-Campus des Studierendenwerk Hamburg gipfelte im April โ nach sechsjรคhriger Interimsphase โ in der Erรถffnung der Mensa Philturm in dessen Erdgeschoss.
Der Philosophenturm ist ein 14-geschossiges denkmalgeschรผtztes Hochhaus des Architekten Paul Seitz aus dem Jahr 1962 auf dem Von-Melle-Campus der Universitรคt Hamburg. Das Gebรคude wurde vor der Sanierung von vier geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Universitรคt Hamburg genutzt und bietet auch nach der Sanierung Platz fรผr rund 2.500 Studierende und rund 500 Universitรคts-Arbeitsplรคtze.
Interimsweise sind der Fachbereich wie auch die Mensa umgezogen in die City Nord, etwa fรผnf Kilometer entfernt. Dort konnte man die Rรคumlichkeiten und ehemalige Kantine einer Versicherung umnutzen.
Was geschah zwischenzeitlich mit den Mitarbeitern des Gastro-Teams?
Wie wurde das neue Mensateam zusammengesetzt?
Mehr dazu haben der Betriebsleiter Alexander Schollenberger und der stv. Leiter Hochschulgastronomie Andrรฉ Schรผtte exklusiv der Redaktion GVMANAGER berichtet.

Was bedeutete die Sanierungsphase und die darauffolgende Interimsphase fรผr das Gastro-Team?
Schรผtte: Die Mitarbeiter konnten fรผr die รberbrรผckungszeit einen Arbeitsplatz an einem anderen Standort wรคhlen, beispielsweise auch die Interimslรถsung am รberseering. Allerdings wurde ihnen ein Rรผckkehrrecht ausgesprochen. Nachdem sich die Bauphase lรคnger hingezogen hat, als gedacht, haben heute โ sechs Jahre spรคter โ nur sieben Mitarbeiter von diesem Recht Gebrauch gemacht.
Sind die Mitarbeiter abgewandert?
Schollenberger: Nein, das glรผcklicherweise nicht. Einige sind zwischenzeitlich in Rente gegangen. Andere haben sich aufgrund des Arbeitsweges dauerhaft an einen anderen Standort versetzen lassen, weil das privat besser gepasst hat.
Mit dem Neustart der Mensa haben Sie, Herr Schollenberger, die Betriebsleitung รผbernommen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, vom Team der Mensa Finkenau, mit dem Sie 2020 GV-Team des Jahres wurden, Abschied zu nehmen?
Schollenberger: Als mir die Position angeboten wurde, musste ich wirklich lange รผberlegen, denn ich war sehr glรผcklich und zufrieden mit meinem Team und dem Konzept.
Doch nach fast Jahren hat es mich auch sehr gereizt, etwas Neues zu machen. Eine Neuerรถffnung ist zwar unwahrscheinlich anstrengend, aber gleichzeitig auch eine tolle Herausforderung. Ich hatte die Mรถglichkeit, noch auf das Konzept Einfluss zu nehmen und vieles selbst zu gestalten โ da hatte ich richtig Lust drauf. Allerdings hatte ich eine Bedingung?
Welche Bedingung war das?
Schollenberger: Ich wollte gerne meinen Stellvertreter Toni Sauer weiterhin neben mir wissen, sozusagen als Doppelspitze. Und das war die absolut richtige Entscheidung. Denn da prasseln so viele Themen auf dich ein bei einem Umbau, da war es Gold wert, einen zweiten Mann in der Kรผche zu haben, auf den ich mich zu 100 Prozent verlassen kann. Wir verstehen uns blind miteinander, was ganz viel Kommunikation oder Rรผckfragen รผberflรผssig macht. Er weiร, was ich mรถchte. Ich weiร, wie er arbeitet. Die jahrelange Zusammenarbeit hat uns einen Riesenvorteil verschafft.

Was ist aus dem Team Finkenau geworden?
Schollenberger: Die waren anfangs natรผrlich sehr traurig. Dadurch, dass sich die Inbetriebnahme der Mensa Philturm aber immer wieder verschoben hat, konnte sich das Team gut darauf einstellen. Zudem haben wir auch gezielt Trainings gemacht, um sie mit unserem Wissen zu rรผsten, als es noch keine Nachfolger gab. Aber das Team versteht sich noch immer als Kern, als Herz und Seele des Betriebes und lebt das hervorragend weiter โ inzwischen auch mit einem tollen neuen Betriebsleiter und Stellvertreter. Folglich sind wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen.
Wie setzt sich das neue Team der Mensa Philturm zusammen?
Schollenberger: Um die nรถtigen Mitarbeiter aufzufรผllen, haben wir zunรคchst intern Stellen ausgeschrieben. Und wie meinem Stellvertreter und mir, ging es auch anderen, die Lust darauf hatten, an einem neuen Konzept mitzuwirken.
Schรผtte: Ergรคnzend haben wir auch externe Mitarbeiter neu eingestellt, wobei es uns wichtig war einen gesunden Mix aus eingearbeiteten Kolleginnen und Kollegen und Neuen zu schaffen. Da eine Erรถffnung fรผr alle eine starke Belastung darstellt, haben wir anfangs zudem mit fรผnf Zeitarbeitskrรคften aufgefรผllt. Einerseits konnten wir so den Druck etwas rausnehmen, andererseits kรถnnen wir so auch die langfristige Personalplanung besser abschรคtzen und schauen, wie viele Stellen wir tatsรคchlich in der Mensa brauchen. Das Feintuning erfolgt dann auf den ersten Erfahrungswerten.
Schollenberger: Zusammenfassend kann ich schon jetzt sagen, dass uns ein guter Mix aus โ ich sage mal โ alten Hasen und neuen Externen gelungen ist. Wir haben รคltere und erfahrene Mitarbeiter, die sehr routiniert an Probleme herangehen, und jungen Kreativen.
Der Studienbetrieb im Philturm wurde bereits zum Start des Wintersemesters aufgenommen โ die Mensa รถffnete erst sechs Monate spรคter. Wie haben Sie รผberbrรผckt?
Schรผtte: Wir haben die Mensa Studierendenhaus und das โBlattwerkโ um zusรคtzliche 100 Sitzplรคtze ergรคnzt. Unsere Kassen wurden voll besetzt sowie teils um die gerade getesteten โSehenden Kasseโ zum Self-Checkout ergรคnzt, um unnรถtige Wartezeiten zu vermeiden. Auรerdem haben wir unseren Cafรฉ-Verkaufswagen am Campus Von-Melle-Park als zusรคtzlichen Cafรฉ-Point eingesetzt, der montags bis freitags von jeweils 8 bis 15 Uhr Kaffee und Brรถtchen servierte. In einigen umliegenden Cafรฉs wurde zudem das Angebot an warmen Snacks erweitert.
Nichtsdestotrotz wurde es zwischenzeitlich etwas enger in unseren Gastrรคumen auf dem Campus Von-Melle-Park.
Schollenberger: Entsprechend hat gefรผhlt der ganze Standort hier die Wiedererรถffnung heiร ersehnt und es ging nahezu ein kollektives Aufatmen durch die Studierendenschaft, als es soweit war. Kein Wunder, dass wir die Gรคstezahlen innerhalb der ersten drei รffnungstage verdreifachen konnten von 300 auf 1.000 โ ohne dass die Erรถffnung groร kommuniziert wurde.
Schรผtte: Man muss dazu ergรคnzen, dass der Campus generell wรคchst, da die Hochschule kleinere Standorte an die Groรen verlagert. Daher planen wir gerade, Luftlinie 500 Meter von hier eine weitere Mensa fรผr rund 2.500 Essensteilnehmer.
Wie haben sich bei Ihnen generell die Essenszahlen seit Corona entwickelt?
Schรผtte: Was Umsatz und Gรคstezahlen angeht, sind wir wieder auf dem Niveau von vor Corona. Augenscheinlich mรถgen uns die Hamburger sehr gerne und kommen gerne in unsere gastronomischen Betriebe.
Das kommt uns auch im Cateringgeschรคft zugute. Unser Auรer-Haus-Angebot fรผr Veranstaltungen der Hochschulen oder hochschulnahe Institutionen erfreut sich groรer Nachfrage.
Allerdings zeichnet sich seit rund zehn Jahren der Trend weg von der klassischen Warmspeisenverpflegung hin zu Snacking ab, daher auch die verlรคngerte รffnungszeit inklusive warmem Frรผhstรผcksangebot in der Mensa Philturm.
Herzlichen Dank fรผr das Gesprรคch!
Quelle: B&L MedienGesellschaft
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